Mein Freitag

Die Frühjahrsmüdigkeit schlägt zu wie eine Keule

„Heute war ich schon beim Aufstehen müde“, sagt mein Kollege, und ich denke mir, wann, wenn nicht beim Aufstehen.

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(c) imago/Westend61

„Heute war ich schon beim Aufstehen müde“, sagt mein Kollege, und ich denke mir, wann, wenn nicht beim Aufstehen, das gehört doch untrennbar zur Früh dazu, das Müdesein. Offenbar nicht. Laut einer kleinen, nicht repräsentativen Umfrage sind die meisten Menschen erst am frühen Nachmittag müde und morgens dafür von Tatendrang erfasst. Wer übrigens beim Schlafen davon träumt, müde zu sein, ist von einer besonders ausgeprägten Form von Frühjahrsmüdigkeit befallen, so eine weitere Erkenntnis.

Ich bin ja davon überzeugt, dass es so etwas wie Frühjahrsmüdigkeit gar nicht gibt, man ist immer gleich müde, das ganze Jahr lang, nur ist die Müdigkeit sichtbarer, wenn es wieder heller ist. Man sieht, wie schmutzig die Fensterscheiben sind, denkt sich, die sollten dringend geputzt werden, und fühlt sich plötzlich unglaublich müde. Oder man schaut lang und traurig die Laufschuhe an, beschließt, endlich wieder laufen zu gehen, und fühlt sich mit einem Mal unerklärlich erschöpft. Die Frühjahrsmüdigkeit erlaubt es einem dann gerade noch, sich auf einer Bank niederzulassen und das Gesicht in die Sonne zu halten.

Dabei merkt man auch, wie groß der Unterschied zwischen gut frieren und schlecht frieren ist. Wer erstmals wieder in der Sonne sitzt und ein paar Knöpfe aufmachen kann, nimmt gern in Kauf, dass es dafür eigentlich zu kalt ist. Man friert anders, wenn es gut für den Teint und ein paar Glücksgefühle ist. Wenn man im Gegenzug noch winterschwach im Hallenbad steht und einen Zeh probeweise ins eiskalte Sportbecken taucht, dann friert es sich richtig schlecht, auch wenn es für einen guten Zweck ist.

Beim Schwimmen wird es besser, aber dann schlägt unerwartet die Frühjahrsmüdigkeit zu. Wer schon einmal unter Wasser gegähnt hat, weiß, dass es lebensgefährlich sein kann. Über die eigene Rettung lässt es sich gut in der Sauna nachdenken, dort muss man auch nicht mehr frieren.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2017)

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