Ein Mercedes mischt sich unter die GTI-Meute

Einstieg in die neue A-Klasse von oben: Der A250 zeigt am deutlichsten, wie gründlich die Baureihe umgekrempelt wurde. 211 PS, Turbo, Doppelkupplung - Mercedes bleibt dem GTI-Genre nichts schuldig.

Mercedes mischt sich unter
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Mercedes mischt sich unter
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Selten vollführt eine Baureihe solche Sprünge wie die A-Klasse bei ihrem Generationswechsel. In der Kurzfassung: Bis auf den Umstand, dass es sich jeweils um ein Auto handelt, hat die neue mit der alten A-Klasse nichts zu tun. Allein die Statur: einen halben Meter länger und 16,5 cm niedriger als der Vorgänger, das ist im Autobau jeweils eine Menge. Nicht einmal Frontantrieb kann man als Gemeinsamkeit gelten lassen, denn mit dem CLA45 AMG wird demnächst auch Allrad geboten. Schon eine AMG-Variante (in dem Fall 340 PS aus zwei Liter Hubraum!) – das wäre in der alten Welt ein köstlicher, aber undenkbarer Spaß gewesen.

 

Pendant zum Golf GTI

Damit steht der kleinste Mercedes bei einer anderen, der Planung nach natürlich größeren Zielgruppe auf der Shopping-List, umso mehr, als man eine ganze A-Familie auf die Beine stellen wird: das viertürige Coupé CLA, einen Shooting Brake, vor allem ein kompaktes SUV, wie es bei BMW als X1 höchst erfolgreich ist. In der neuen A-Klasse-Welt ist auch ein Pendant zum Golf GTI möglich, ein „Hot Hatch“. Der 211 PS starke A250 markiert derzeit das oberste Ende der Möglichkeiten, erst recht in „Sport“-Variante (ab 39.000 Euro), deren Fahrwerk von AMG zugeschnitten wurde.

Aber auch der A250 „Blue Efficiency“, wie getestet, macht einiges her im Rückspiegel. Optisch handelt es sich um den wildesten Zuschnitt der A-Klasse, das geht hauptsächlich (und extra zu bezahlend) auf das Konto schicker 18-Zoll-Felgen und zweier Styling-Pakete von AMG, die eine dramatische Spoiler-Landschaft an Front, Flanke und Heck in Szene setzen. Richtig schön wirken kann das alles im wunderbaren „Jupiterrot“, das als leuchtende Farbe bedauerlicherweise nicht übermäßig nachgefragt wird dieser Tage. Die ersten Autos, die wir auf der Straße gesehen haben, halten sich überhaupt sehr bedeckt, vermutlich jene Kunden, die von der alten A-Klasse umgestiegen sind und keinerlei Notwendigkeit sehen, etwa in schicke Felgen zu investieren.

Auf ganz andere Gemütslagen spekuliert der 2,0-Liter-Vierzylinder, dem ein Turbolader Beine macht. Mit 350 Nm sticht man die meisten TDI beim Drehmoment aus, daraus ergibt sich ein streitlustiger Motor, den man mit dem Gaspedal nur ein bisschen zu necken braucht – passend zum knackigen Fahrwerk. Kultiviert im Normalbetrieb, vehement in der Durchsetzung, wenn's denn sein soll (null auf 100: 6,6 Sekunden) – ein Musterbeispiel für heutige Turbobenziner. Das betrifft auch den Verbrauch, den man – um die acht Liter im vermischten Stadt-Land-Betrieb – als angemessen für das Gebotene bezeichnen kann.

Statt der alten rachitischen CVT-Automatik tritt der A250 mit doppelter Kupplung an, manuelle Option gibt es keine. Wozu auch, dieses Getriebe beherrscht alle Spielarten: zügiges Hochschalten im Stadtverkehr, aggressives Durchpeitschen im Sportmodus, Selbstschalten der sieben Gänge per Paddles am Lenkrad, Start-Stopp an der Ampel. Wunderbare Eigenart: der Wählhebel am Lenkrad, der besten Stelle. Noch ein Mercedes-Feature, aus den Limousinen übernommen: Drückt man im Stehen fest aufs Bremspedal, kann man fürderhin von der Bremse gehen – der Motor startet und das Auto rollt erst los, sobald man aufs Gaspedal tippt.

Als Lifestyle-Bomber ist das Bordsystem optional voll vernetzt mit allen Internetdingen, die heute im Auto nicht fehlen dürfen, Assistenten wachen im Dutzend. Der große Bildschirm thront über dem Instrumententräger mit prominenten Lüftungsdüsen, die sich nach echtem Metall anfühlen. Dass Audi die schönsten Cockpits hat, will Mercedes nachhaltig korrigieren. Die Ergonomie ist ohnehin perfekt. Bevor das Interieur aber zu voller Pracht aufläuft, wollen stattliche Aufpreise verkraftet werden – ganz wie bei den Großen.

Auf einen Blick

Mercedes-Benz A250 BlueEfficiency

Maße: L/B/H: 4355/1780/1430 mm. Radstand: 2699 mm. Kofferraumvolumen: 341 l. Gewicht: 1445 kg.

Motor: Reihenvierzylinder-Otto-Turbo, 1991 cm. 155 kW (211 PS), 350 Nm. Frontantrieb. 7G-DCT.
Testverbrauch 7,9 l/100 km.

Preis: ab 34.900 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2012)

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