Geschäftsreisen: Nichts geht mehr ohne Online-Tools

26.10.2012 | 18:47 |  THEO SKOPEK (Die Presse)

Alles online? Technische Mobilität ist die Zukunft im Travel-Management. Generell begeistert sich die Branche für die zunehmende technische Mobilität

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Wien. Der Begriff „Prozesskostenoptimierung“ ist ein echter Hoffnungsträger für die Geschäftsreisebranche: Travel-Manager bauen darauf, dass die Unternehmen das Ersparte ins Knüpfen neuer Geschäftsbeziehungen reinvestieren. Denn auch in Zeiten erhöhter Bremsbereitschaft bei den Reiseausgaben sind das persönliche Gespräch und der Handschlag immer noch wirkungsvoller als die virtuellen Alternativen wie Videokonferenzen.

Derzeit gebe es wenig Anlass zur Sorge, heißt es quer durch die Reihen der österreichischen Business-Travel-Szene, und keinen Grund, diesen Optimismus nicht zu teilen. Denn anders als etwa die Ratingagenturen befänden sich Geschäftsreisebüros direkt am Puls des Geschehens und beobachteten die Geschäftsaktivitäten zeitnah.

Hanno Kirsch, Präsident der Austrian Business Travel Association Abta: „Derzeit läuft das Firmengeschäft auf stabilem Niveau. In einer von uns veröffentlichen Geschäftsreisestudie äußerten sich 80 Prozent der befragten Travel-Manager für die Zukunft vorsichtig optimistisch und rechnen für das kommende Jahr zumindest mit keiner Verschlechterung.“ Ein Blick zum deutschen Nachbarn bestätigt den Trend der positiven Entwicklung bei Geschäftsreisen sowohl kostenseitig (plus 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) als auch zahlenmäßig (plus 5,9 Prozent). Müsste man Geschäftsreisen künftig wieder reduzieren, befürchten neun von zehn Unternehmen sogar Umsatzrückgänge.

 

Sparen mit Profis

Christiane Tondolo, Geschäftsführerin von BTU Business Travel Unlimited, ortet in Österreich eine ähnliche Lage: „Unserer Wirtschaft geht es derzeit in vielen Bereichen ausgezeichnet. Dass wieder mehr gereist wird, ist ein wichtiger Wirtschaftsindikator.“ Trotzdem würde sie sich wünschen, dass die Beratungsleistung der Geschäftsreisebüros, die etwa drei bis fünf Prozent der gesamten Reisekosten ausmache, „vom Kunden mehr Wertschätzung erfährt“. Immerhin spare professionelles Travel-Management den Unternehmen oft ein Vielfaches an Kosten.

 

Vier Milliarden Euro verbrennen

Eine Aussage, die von einer Studie des Deutschen Reiseverbands (DRV) untermauert wird und die auch für Österreich Bedeutung hat. Der DRV rechnet vor, dass Deutschlands Unternehmen bei rund 164 Millionen Geschäftsreisen jährlich durch unprofessionelle Reiseplanung vier Milliarden Euro verbrennen – mit dem Verlust von 130 Millionen Stunden Arbeitszeit, die Arbeitsstunde veranschlagte der DRV mit durchschnittlich 30 Euro.

„Ein Großteil des Zeitverlustes, zum Beispiel lange Wartezeiten bei Anschlussverbindungen, verpasste Züge und Flüge oder unnütze Fahrten wegen schlecht gewählter Hotelstandorte, ließe sich durch eine effektive Planung im Vorfeld, das heißt mit professionellem Geschäftsreisemanagement, verhindern“, betont Stefan Vorndran, Vorsitzender des Ausschusses Business Travel des Deutschen Reiseverbandes. Nicht einmal 40 Prozent der Unternehmen achten konsequent auf die schnellste Verbindung bei der Buchung ihrer Geschäftsreisen, heißt es in der DRV-Studie. Nur 32 Prozent hätten bei den Dienstreisen ihrer Mitarbeiter auch deren Produktivität im Blick. „Geschäftsreisebüros können zwar Staus und Zugverspätungen nicht verhindern. Aber sie können Verkehrsmittel, Verbindungen, Anreisewege, Unterkünfte und andere Faktoren optimal aufeinander abstimmen. Außerdem können sie bei Problemen während der Reise sofort reagieren“, erklärt Vorndran.

 

Nur ein Zehntel beschäftigt Profis

Nur ein Drittel der vom DRV befragten Unternehmen bedient sich professioneller Geschäftsreisepartner – in Österreich sind es laut Abta gar nur zehn Prozent. Daher befindet sich derzeit speziell das Gros der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe (KMU) im Visier der Geschäftsreiseprofis.

Allein der Einsatz elektronischer Buchungstools und heruntergehandelte Beratungsgebühren eines Reisebüros sind noch kein optimiertes Reisemanagement eines Unternehmens. Norbert Draskovits, Geschäftsführer von BCD Travel Austria, sieht auch im technischen Bereich großen Nachholbedarf: „Wir stehen hier erst an den Anfängen einer Entwicklung. Online-Booking-Tools werden sich weiter durchsetzen. Firmen können mit Schnittstellen zu den Systemen einzelner Leistungsträger wie Flug, Hotel oder Mietwagen ihre Buchungs- und Reportingprozesse zusätzlich optimieren. Und mit der Einbindung von Hotelbuchungsportalen samt gezielter Steuerung des Hoteleinkaufs lässt sich noch weiter sparen.“

Generell begeistert sich die Branche für die zunehmende technische Mobilität. Wilfried Kropp, Geschäftsführer von Amadeus Austria, einem international führenden globalen Distributionssystem (GDS): „Es gibt einen klaren globalen Trend zum technisch mobilen Businessreisenden. Smartphones mit Apps – speziell solchen, die alle Bausteine einer Reise miteinander kombinieren – gehört die Zukunft. Je mehr online gebucht wird, umso sinnvoller wäre auch eine automatische Integration der Reisebuchung in die Reisekostenabrechnung.“

Hannes Schwarz, Geschäftsführer von FCm Travel Solutions und Vorsitzender des Flugausschusses im Österreichischen Reisebüro Verband, ist nur bedingt zufrieden mit dem derzeitigen Aufkommen an Geschäftsreisen. „Unsere Kunden sind derzeit vielfach sehr vorsichtig, trotzdem geht es uns im Vergleich zu anderen Ländern noch gut. Speziell im Flugbereich liegen wir umsatzmäßig knapp über dem Vorjahr, ich bin allerdings der Meinung, dass die Ticketpreise wieder teurer werden müssen.“

Der von den Lowcost-Airlines ausgelöste Preisverfall ruiniere die großen Carrier, die nur noch mit der Business- und First Class wirklich verdienen. Europa stehe zudem unter dem Preisdruck der Golfregion-Airlines, die den traditionellen Carriern mit neuen, attraktiven Drehkreuzen im Mittleren Osten zusetzen.

Peter Tolinger, Geschäftsführer AX Travel Management der Verkehrsbüro Group, ortet auch noch Aufklärungsbedarf: „Wir müssen den Wert unserer Beratungsleistung und den Mehrwert, der dadurch entsteht, verdeutlichen. Dem Online-Thema gehört definitiv die Zukunft – kombiniert mit persönlicher Beratung bei komplexeren Anforderungen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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