Nur kein Schock bei Uncle Doc

04.05.2012 | 18:10 |   (Die Presse)

Familienurlaub im Ausland: Zusatzversicherungen sind sinnvoll, aber nicht alle. Nachfragen zahlt sich immer aus, auch bei den Spitzenprodukten von Allianz, Cosmos, ERV oder Mondial. Ein Kurzüberblick.

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Pech. Tanja Niedermeier war eindeutig falsch versichert. Beim jüngsten USA-Urlaub landete sie mit kompliziertem Beckenbruch in Boston im Krankenhaus. Glück im Unglück, dachte sie, ich habe ja eine Auslandskrankenversicherung. Um wenig später zu erfahren, dass die nur für europäische Länder gilt. Für die Kosten der US-Behandlung und den Transport nach Hause musste die dreifache Mutter ihr Sparschwein killen. Um solche Urlaubsalbträume zu verhindern, sollte vor Reiseantritt genau geprüft werden, wie die ganze Familie sinnvoll und umfassend versichert werden kann. Im Folgenden eine kurze Checkliste.

 

Auslandskrankenversicherung

Ein Hauptproblem ist, dass viele Österreicher glauben, mit der E-Card automatisch im EU-Ausland versichert zu sein. Irrtum: Die E-Card deckt nur Kosten in den staatlichen Vertragskrankenhäusern. In den klassischen Urlaubsdestinationen rund ums Mittelmeer liegen die öffentlichen Spitäler meist im Hinterland und sind schwer erreichbar. Sie dienen der Versorgung der eigenen Bevölkerung, daher kommt es zu oft zu Verständigungsproblemen. Außerdem bieten diese Spitäler nicht den hohen österreichischen Standard, der meist nur von Privatkliniken erreicht wird. Die Kosten für eine Behandlung in einem Privatspital sind sehr hoch, stationär sind 1000 Euro und mehr pro Tag der Normalfall. Ohne Reiseversicherung müssen diese Kosten vorfinanziert und nachher in Österreich eingereicht werden. Die Sozialversicherungsträger erstatten dann einen Maximalbetrag von rund 160 Euro pro Tag, den Rest muss der Patient selbst bezahlen, wenn keine entsprechende Reiseversicherung abgeschlossen wurde. Bei Versicherungen über Kreditkarten ist meist nur der Besitzer, nicht aber seine Angehörigen versichert.

Nachfragen zahlt sich immer aus, auch bei den Spitzenprodukten von Allianz, Cosmos, ERV oder Mondial – etwa der „Komplett+Schutz“-Versicherung der ERV, einer Kombination von Auslandskranken-, Reiseschutz-, Storno-, Verspätungs- und Gepäcksversicherung. In welchem Umfang zahlt der Versicherer Rechnungen ausländischer Ärzte und Krankenhäuser? Ist wirklich die ganze Familie mitversichert? Was ist, wenn ein Kind im Ausland in die Klinik muss – übernimmt der Versicherer die Kosten für die Begleitperson im Zimmer? Wenn eine längere Reise ansteht – gilt die Versicherung wirklich für die gesamte Dauer? Oft decken Standardpakete nur 42 Tage ab. Schließlich sollten die wichtigsten Leistungen inbegriffen sein, also nicht nur Behandlung im Ausland, sondern auch der Rücktransport in den Heimatort. Und ist die Hotline der Versicherung rund um die Uhr mit deutschsprachigen Mitarbeitern besetzt?
Auslandsschadenschutzpolice Wichtig für Familien, die mit eigenem Wagen in den Auslandsurlaub starten. Zwar zahlt die gegnerische Versicherung bei Verschulden des anderen Autofahrers den Schaden, aber oft nicht in der Höhe einer österreichischen. Damit man nicht auf Restkosten sitzen bleibt, lohnt die zusätzliche Schadenpolice.

Reiserücktrittversicherung

Für den Fall, dass die Familie gar nicht erst in den Urlaub starten kann – wegen Unfällen, Krankheiten oder eines Todesfalls. Eine solche Versicherung erstattet einen Teil des Reisepreises zurück. Wie viel es ist, richtet sich danach, wie kurz vor Reiseantritt die Reise abgesagt wird. Reiserücktrittversicherungen kosten meist keine 100 Euro – eine sinnvolle Ausgabe für Frühbucher und Pauschaltouristen – sinnlos hingegen bei Kurztrips.

 

Reisegepäckversicherung

Versichert werden soll Verlust, Zerstörung oder Beschädigung des Reisegepäcks. Doch die meisten Versicherer zahlen etwa bei Verlust nur, wenn der Reisende sein Gepäck ständig im Auge hat. Dies ist nach Ansicht vieler Versicherer schon nicht mehr der Fall, wenn der Koffer auf dem Flughafen neben dem Reisenden, und nicht zwischen seinen Beinen steht. Im Hotel oder Ferienhaus ist Gepäck übrigens meist durch die Hausratversicherung geschützt. Reisegepäckversicherungen sind daher meist überflüssig. STEPHAN BRÜNJES

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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