Kirchen

Eintrittsgeld für Kirchen verlangen? Ein wenig heikel. Vor allem, wenn es dann nichts zu sehen gibt.

Stephansdom in Wien
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Stephansdom in Wien
Stephansdom in Wien – Reuters

Es begab sich zu Wien im Jahr des Herrn 2005. Die Dompfarre kam auf die tolle Idee, den Zugang zum Stephansdom nur noch gegen Zahlung von 4,90 Euro für einen Audioguide zu erlauben. Wegen der „Aufregung über das neue Zusatzangebot“ zog sie selbiges aber eilig zurück. Für nur einen Euro durften Besucher fortan auch ohne Digitalführung rein, Betende sogar kostenlos. Vermutlich, weil das Betgelöbnis schwer zu überprüfen ist, stehen die Pforten längst wieder allen gratis offen. Vergelt's Gott.

Eintrittsgeld für ein Gotteshaus ist ja per se schon etwas heikel. Auf die Kirchturmspitze treiben sie es aber in Valencia: Dort zahlt der Gast der Kathedrale stolze sieben Euro – und bekommt im gruftigen Halbdunkel dann nichts Sehenswertes zu sehen. Dennoch stehen die Touris mit ihren Audioguides lange und andächtig vor drittklassigen Gemälden der lokalen Schule, die wenig erbauliche Szenen aus dem Leben anderswo gänzlich unbekannter Stadtheiliger zeigen. Sie haben ja gezahlt, also wollen sie was für ihr Geld. Auch im „Museum“ in der Sakristei (mit Restposten aus Dorfkirchen der Umgebung), das weitere Euros für die Rucksackverwahrung einzieht. Galt Wucher nicht einst als ganz schlimme Sünde?

Netter neppen da schon die Venezianer. Sie haben sich einen Pass für 14 Kirchen als Pauschalangebot einfallen lassen. Das ist so ähnlich wie bei „Best-of“-CD's: ein paar Hits, der Rest Füllmaterial. Aber immerhin leitet man Reisende so an entlegene Orte, die ihnen sonst entgangen wären. Weil Kunstgenuss hungrig macht, freut sich am Ende auch der Besitzer der Trattoria della Chiesa. Vulgo Kirchenwirt.

karl.gaulhofer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2017)

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