Bausparen: Teurer Ausstieg trotz weniger Prämie

Der Staat halbiert die Prämien fürs Bausparen und die Zukunftsvorsorge, und die schon ab April diesen Jahres. Der Ausstieg aus solchen Verträgen zahlt sich aber meist trotzdem nicht aus.

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(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Wien. Für Sparer und Anleger kommt es nun noch dicker als befürchtet. Wie berichtet, halbiert der Staat die Prämie für Bausparverträge und die Zukunftsvorsorge. Anders als zunächst angekündigt, soll nun beides dauerhaft sein. Vor den Kopf gestoßen dürften sich vor allem die über fünf Millionen heimischen Bausparer fühlen. Sie sollen nun doch nicht die Möglichkeit erhalten, vorzeitig auszusteigen, ohne die staatliche Prämie zurückzahlen zu müssen.

Anders als erwartet, wird auch die Prämie nicht erst ab nächstem Jahr, sondern schon ab April halbiert. Für die ersten drei Monate des Jahres zahlt der Staat somit einen Zuschuss zur eingezahlten Summe von drei Prozent, für den Rest des Jahres nur mehr 1,5 Prozent. Läuft der Vertrag das ganze Jahr hindurch, ergibt das einen durchschnittlichen Zuschlag von 1,875 Prozent. Dieser wird am Ende des Jahres ausbezahlt. Endet ein Bausparvertrag in diesem Jahr, ergibt sich ein höherer Schnitt.

Auch Alternativen wenig attraktiv

Als Kunde gegen die Bausparkasse vorzugehen, scheint zu diesem Zeitpunkt wenig aussichtsreich: „Die Bausparprämie wird nicht im Vertrag zwischen Anbieter und Kunden geregelt“, sagt Manfred Ulreich von der ABV Bausparkasse. Die rechtlichen Grundlagen seien im Einkommensteuergesetz geregelt. Welche Schritte die Bausparkassen planen, wollen sie vorerst nicht preisgeben. Aus ihrem Unmut über die Regelung machen sie aber kein Geheimnis: „Das ist ein sehr harscher Einschnitt. Dass das juristisch korrekt ist, bezweifle ich“, so Ulreich von der ABV, die das Vorgehen der vier heimischen Bausparkassen koordiniert.

Seinen Bausparvertrag wegen der Prämienkürzung zu kündigen ist aber auch nicht anzuraten. Die Kassen verlangen oft hohe Stornogebühren, die das Ausmaß der Prämienkürzung – mindestens 108 Euro bei voller Laufzeit von sechs Jahren – schnell übersteigen. Zudem müsste diese Summe erst durch eine alternative Geldanlage wieder hereingeholt werden. Beim derzeitigen Zinsniveau dürfte sich das mehr als schwierig gestalten.

Unangenehm sind die Kürzungen auch für die 1,5 Millionen Menschen, die über eine staatlich geförderte Zukunftsvorsorge für ihr Alter sparen. Statt 8,5 Prozent Prämie für ihre Einzahlungen erhalten sie heuer noch 4,25 Prozent.

Experten raten abzuwarten

Ob sich dadurch die „Geschäftsgrundlage“ der Verträge derartig verändert, dass ein vorzeitiger Ausstieg möglich wird, ist noch umstritten. Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) glaubt man das nicht. Rudolf Mittendorfer, Geschäftsführer beim Versicherungsmakler Verag, hält das jedoch nicht für sicher und rät auch, zunächst auf den Gesetzesbeschluss im Nationalrat zu warten. Erst dann könne man ausrechnen, für wen sich ein Ausstieg oder Umstieg auf ein anderes Produkt auszahlt. Derzeit seien nämlich auch alternative Veranlagungen angesichts des niedrigen Zinsniveaus wenig attraktiv.

Bei Zukunftsvorsorgeverträgen ist ein Ausstieg während der ersten zehn Jahre unmöglich. Danach ist er möglich, aber teuer. Man muss die Hälfte der staatlichen Prämie (allein im Vorjahr betrug diese bis zu 196 Euro) zurücküberweisen und die Kapitalertragsteuer (die sonst bei der Zukunftsvorsorge nicht anfällt) nachzahlen. Zudem greife die Kapitalgarantie häufig nicht, sodass man auch mit Verlusten rechnen muss, warnt Walter Hager vom VKI. Ganz abgesehen davon, dass die Erträge durch die Gebühren beträchtlich geschmälert werden.

Schließlich bleibt auch die Möglichkeit einer Prämienfreistellung. Dabei lässt man das Geld liegen, zahlt aber nichts mehr ein und erhält später eine entsprechend geringere Pension. Die Gebühren werden jedoch weiterhin abgezogen. [iStockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... Bausparverträgen und Zukunftsvorsorge

Tipp1

Bausparer. Eine Kündigung ist nicht anzuraten, da die Bausparkassen hohe Stornogebühren verlangen. Auch muss man die staatliche Prämie zurückzahlen. Zudem müssten die Gebühren erst durch eine andere Geldanlage hereingeholt werden, und die Alternativen sind derzeit nicht berauschend, denn auch die Sparbuchzinsen sind niedrig.

Tipp2

Zukunftsvorsorge. In den ersten zehn Jahren ist ein vorzeitiger Ausstieg nicht möglich. Steigt man später aus, müssen die halbe staatliche Prämie zurück- und Steuern nachbezahlt werden. Eine Alternative ist die Prämienfreistellung (man lässt das Geld liegen, zahlt aber nichts mehr ein). Experten raten, den Gesetzesbeschluss abzuwarten.

Tipp3

Altersvorsorge. Wer selbst für sein Alter vorsorgt (etwa mit Fonds, Aktien, Sparbuch), kommt bei Bedarf leichter an sein Geld heran und zahlt weniger Gebühren als bei Lebensversicherungen und Zukunftsvorsorge. Dort sind die Gebühren beträchtlich, doch zahlt man keine Kapitalertragsteuer. Auch kann man eine lebenslange Rente erhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2012)

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