Bausparen: Teurer Ausstieg trotz weniger Prämie

21.02.2012 | 08:48 |  BEATE LAMMER UND ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Der Staat halbiert die Prämien fürs Bausparen und die Zukunftsvorsorge, und die schon ab April diesen Jahres. Der Ausstieg aus solchen Verträgen zahlt sich aber meist trotzdem nicht aus.

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Wien. Für Sparer und Anleger kommt es nun noch dicker als befürchtet. Wie berichtet, halbiert der Staat die Prämie für Bausparverträge und die Zukunftsvorsorge. Anders als zunächst angekündigt, soll nun beides dauerhaft sein. Vor den Kopf gestoßen dürften sich vor allem die über fünf Millionen heimischen Bausparer fühlen. Sie sollen nun doch nicht die Möglichkeit erhalten, vorzeitig auszusteigen, ohne die staatliche Prämie zurückzahlen zu müssen.

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Anders als erwartet, wird auch die Prämie nicht erst ab nächstem Jahr, sondern schon ab April halbiert. Für die ersten drei Monate des Jahres zahlt der Staat somit einen Zuschuss zur eingezahlten Summe von drei Prozent, für den Rest des Jahres nur mehr 1,5 Prozent. Läuft der Vertrag das ganze Jahr hindurch, ergibt das einen durchschnittlichen Zuschlag von 1,875 Prozent. Dieser wird am Ende des Jahres ausbezahlt. Endet ein Bausparvertrag in diesem Jahr, ergibt sich ein höherer Schnitt.

Auch Alternativen wenig attraktiv

Als Kunde gegen die Bausparkasse vorzugehen, scheint zu diesem Zeitpunkt wenig aussichtsreich: „Die Bausparprämie wird nicht im Vertrag zwischen Anbieter und Kunden geregelt“, sagt Manfred Ulreich von der ABV Bausparkasse. Die rechtlichen Grundlagen seien im Einkommensteuergesetz geregelt. Welche Schritte die Bausparkassen planen, wollen sie vorerst nicht preisgeben. Aus ihrem Unmut über die Regelung machen sie aber kein Geheimnis: „Das ist ein sehr harscher Einschnitt. Dass das juristisch korrekt ist, bezweifle ich“, so Ulreich von der ABV, die das Vorgehen der vier heimischen Bausparkassen koordiniert.

Seinen Bausparvertrag wegen der Prämienkürzung zu kündigen ist aber auch nicht anzuraten. Die Kassen verlangen oft hohe Stornogebühren, die das Ausmaß der Prämienkürzung – mindestens 108 Euro bei voller Laufzeit von sechs Jahren – schnell übersteigen. Zudem müsste diese Summe erst durch eine alternative Geldanlage wieder hereingeholt werden. Beim derzeitigen Zinsniveau dürfte sich das mehr als schwierig gestalten.

Unangenehm sind die Kürzungen auch für die 1,5 Millionen Menschen, die über eine staatlich geförderte Zukunftsvorsorge für ihr Alter sparen. Statt 8,5 Prozent Prämie für ihre Einzahlungen erhalten sie heuer noch 4,25 Prozent.

Experten raten abzuwarten

Ob sich dadurch die „Geschäftsgrundlage“ der Verträge derartig verändert, dass ein vorzeitiger Ausstieg möglich wird, ist noch umstritten. Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) glaubt man das nicht. Rudolf Mittendorfer, Geschäftsführer beim Versicherungsmakler Verag, hält das jedoch nicht für sicher und rät auch, zunächst auf den Gesetzesbeschluss im Nationalrat zu warten. Erst dann könne man ausrechnen, für wen sich ein Ausstieg oder Umstieg auf ein anderes Produkt auszahlt. Derzeit seien nämlich auch alternative Veranlagungen angesichts des niedrigen Zinsniveaus wenig attraktiv.

Bei Zukunftsvorsorgeverträgen ist ein Ausstieg während der ersten zehn Jahre unmöglich. Danach ist er möglich, aber teuer. Man muss die Hälfte der staatlichen Prämie (allein im Vorjahr betrug diese bis zu 196 Euro) zurücküberweisen und die Kapitalertragsteuer (die sonst bei der Zukunftsvorsorge nicht anfällt) nachzahlen. Zudem greife die Kapitalgarantie häufig nicht, sodass man auch mit Verlusten rechnen muss, warnt Walter Hager vom VKI. Ganz abgesehen davon, dass die Erträge durch die Gebühren beträchtlich geschmälert werden.

Schließlich bleibt auch die Möglichkeit einer Prämienfreistellung. Dabei lässt man das Geld liegen, zahlt aber nichts mehr ein und erhält später eine entsprechend geringere Pension. Die Gebühren werden jedoch weiterhin abgezogen. [iStockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... Bausparverträgen und Zukunftsvorsorge

Tipp1

Bausparer. Eine Kündigung ist nicht anzuraten, da die Bausparkassen hohe Stornogebühren verlangen. Auch muss man die staatliche Prämie zurückzahlen. Zudem müssten die Gebühren erst durch eine andere Geldanlage hereingeholt werden, und die Alternativen sind derzeit nicht berauschend, denn auch die Sparbuchzinsen sind niedrig.

Tipp2

Zukunftsvorsorge. In den ersten zehn Jahren ist ein vorzeitiger Ausstieg nicht möglich. Steigt man später aus, müssen die halbe staatliche Prämie zurück- und Steuern nachbezahlt werden. Eine Alternative ist die Prämienfreistellung (man lässt das Geld liegen, zahlt aber nichts mehr ein). Experten raten, den Gesetzesbeschluss abzuwarten.

Tipp3

Altersvorsorge. Wer selbst für sein Alter vorsorgt (etwa mit Fonds, Aktien, Sparbuch), kommt bei Bedarf leichter an sein Geld heran und zahlt weniger Gebühren als bei Lebensversicherungen und Zukunftsvorsorge. Dort sind die Gebühren beträchtlich, doch zahlt man keine Kapitalertragsteuer. Auch kann man eine lebenslange Rente erhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2012)

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11 Kommentare
Gast: doris f. (Baden)
26.03.2012 17:53
0

Erst lockte der ÖVP-Korruptionskanzler Wolfgang Schüssel mit den Prämien

und jetzt werden sie auf Drängen der ÖVP halbiert.

Ja, ja, aber nur die Reichen nicht belasten, den kleinen Mann, da ist es der ÖVP doch egal.

Eingriff in bestehende Verträge ???

Wenn es um ÖNB-Pensionszusagen oder Abfertigungen für Flughafen-Vorstands-Versager geht, heißt es immer, dass man bestehende Verträge leider nicht ändern kann bzw. einhalten muss.

Bei den Rechten der Allgemeinheit sieht die Vertragstreue aber dann ganz anders aus ...

Ich wünsche Rot-Schwarz einen ordentlichen Denkzettel bei der nächsten Wahl.

Antworten Gast: Gast (1090)
26.03.2012 17:48
0

Re: Eingriff in bestehende Verträge ???


Ich finde die Kürzungen auch eine Frechheit, aber juristisch ist die Sache klar:
Es handelt sich eben nicht um den Eingriff in bestehende Verträge, weil diesen Prämien kein Vertrag zugrunde liegt.

Ich wünsche Rot-Schwarz einen ordentlichen Denkzettel bei der nächsten Wahl

kommt schon, kommt schon - nur nicht verzagen solange man nicht von der SPÖVP ausgehalten wird.

Gast: Anders veranlagen
21.02.2012 21:21
1

Mein Tipp: Auf Bausparer nichts mehr einzahlen

Habe dummerweise vor 2 Monaten einen neuen Bausparvertrag abgeschlossen.

Ich werde ihn nicht auflösen, aber einfach nichts mehr einzahlen - das scheint mir die beste Lösung.

"Verrentung" nur bei Versicherungen möglich

"Auch kann man eine lebenslange Rente erhalten." Dieser Satz gilt nur für Lebens-, Rentenversicherungen und die Zukunfftsvorsorge. Eine Verrentung bei den angeführten Anlageformen (Aktien, Fonds,
Sparbuch) ist nicht möglich. ("Tip 3")

Gerhard Miko,
Wr. Neudorf

Antworten Gast: BoxBox
26.03.2012 17:50
0

Re: "Verrentung" nur bei Versicherungen möglich

Richtig!
Aber so genau nehmen es die Schluderer der Presse, die sich Wirtschaftsjournalisten nennen, eben nicht.

Reichensteuer....

....nennt man das!

Wer war wirklich soooooo naiv zu glauben, dass es nur die Anderen trifft?

Der Staat im 21. Jhdt verkommt immer mehr zu einem maf..iös.en Geschwür!

Gast: 1. Parteiloser
21.02.2012 08:45
2

Einseitiger, kranker, Vertrauensschutz in Österreich!

Diese Gelder, welche nun der Masse der Bevölkerung sehr schnell entzogen werden, die sind ja ein Bruch des Vertrauensschutzes. Ein Vertrauensschutz, welche doch nur noch bei den Beamten und sonstigen grausigen Typen in den geschützten Bereichen (samt Korrupten) angewandt wird.

Es steht außer Zweifel, dass die Anwendung des Vertrauensschutzes für die Grausigen eine Gegenfinanzierung braucht, welche die anderen Österreicher zu leisten haben. Diese anderen Österreicher, denen wird kein Vertrauensschutz zugesprochen. Eher im Gegenteil, die werden immer mehr ausgeraubt, um den Regierungswahnsinn, einem Abkassiererwahnsinn, bezahlen zu können.

Dieser Abkassiererwahnsinn der grausigen Staatlichkeit wird 2012 einen neuen Rekord bei den Staatsausgaben von min 155.000 Mio. Euro erreichen, also min. 43.000.- Euro pro Haushalt. Weil aber die frechen Abkassierer alles für sich selber brauchen, und noch viel mehr, so bleibt für die Masse der Österreicher immer weniger übrig.

Eine Staatlichkeit, welche Ruhegenüsse bis über 100.000.- Euro pro Jahr unter "Soziales" bucht, sich aber auch mehr als 1/2 Million Menschen in manifester Armut hält, eine solche Staatlichkeit hat jedes Recht auf Existenz verloren.

Der Wahnsinn wurde durch "Erkenntnisse" des VfGH auch letztinstanzlich einbetoniert. Das ist heute die Macht des Schattenkanzler Neugebauer.

Gast: Martin_S
20.02.2012 22:44
6

Ich hoffe,

diese 5 Millionen Bausparer werden nicht unter Alzheimer leiden bei der nächsten Wahl sondern sich ordentlich bei ROT und SCHWARZ dafür bedanken!

Antworten Gast: 1. Parteiloser
21.02.2012 08:58
3

Re: Ich hoffe,

Könnte, auf Basis der Wahlberechtigten, so aussehen:

1) Ungültige Stimmen/Nichtwähler: 50%
2) FPÖ/FPK: 15%
3) SPÖ: 12,5%
4) ÖVP: 9%
5) Grüne: 7,5%
6) BZÖ: 6%

Wahlergebnis dann:
2) FPÖ/FPK: 30%
3) SPÖ: 25%
4) ÖVP: 18%
5) Grüne: 15%
6) BZÖ: 12%

Da kann sich aber noch viel ändern.
Der mittelfristige Erfolg der SPÖ Neidpropaganda ist ja ein Unsicherheitsfaktor, welche Potenzial in beide Richtungen hat.
Die ÖVP wird sich auf die Kernbereiche Beamte und Landwirte reduzieren, a bissl Raiffeisenbereich noch dazu.
Bei der FPÖ liegt wohl viel an der Erreichung der Glaubwürdigkeit zur Einleitung der notwendigen Korrekturen. Es fehlt ja bis heute ein brauchbares Parteiprogramm (Sanierungskonzept und Personen zur Umsetzung) für Österreich.
Das BZÖ hat ein erhebliches Risiko durch Altlasten und den Vorbestraften bei der Gesetzgebung.
Die Grünen werden wohl einigen idyllische Wähler haben und auch Protestwählerstimme bekommen.

Das Dumme für Österreich ist aber, dass auch diese Änderungen des Wahlergebnisse, also der Machtverhältnisse in Österreich, für Österreich keine Verbesserungen versprechen. Demokratisch geht da nichts mehr, weil die Parteibonzen, egal in welchen Farben diese auch immer schillern, gar nichts für Österreich und die Österreicher tun wollen. Das sind doch nur noch restlos degenerierte Typen.

Auch wenn Ihre Hoffnung erfüllt wird, es ist keine Hoffnung für Österreich!

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