Aktien: Dividenden auf der Überholspur

06.11.2012 | 18:19 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Österreichische und deutsche Firmen zahlen höhere Dividenden, als Sparbücher Zinsen und Staatsanleihen Renditen abwerfen. Das könnte noch eine Weile so bleiben.

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Wien. Die Sparbuchzinsen bleiben weit unter der Inflationsrate zurück, auch mit Staatsanleihen sicherer Staaten lässt sich die Inflation nicht schlagen. Börsenotierte Unternehmen schütten vielfach höhere Dividenden aus, als Staaten Renditen zahlen. Zum Vergleich: Zehnjährige deutsche Anleihen werfen 1,43 Prozent pro Jahr ab, DAX-Konzerne werden Schätzungen zufolge für heuer 3,4 und für nächstes Jahr 3,6 Prozent des gegenwärtigen Kurses ausschütten.

 

Staaten zahlen weniger

Für Österreich ergibt sich ein ähnliches Verhältnis: Zehnjährige Staatsanleihen rentieren mit 1,89 Prozent, die ATX-Konzerne werden für heuer 3,1 Prozent und für nächstes Jahr 3,6 Prozent ausschütten. „Das ist historisch gesehen eine Ausnahmesituation“, sagt Erste-Analyst Günther Artner. Denn während die Zinsen einer Staatsanleihe gleich bleiben, hat man bei Aktien die Chance auf Wachstum. Ähnlicher Ansicht ist Johannes Mattner von Raiffeisen Research: Die niedrigen Renditen von Staatsanleihen sprächen für dividendenstarke Aktien.

Dividenden versüßen auch Verluste: Wer vor fünf Jahren, als an den Börsen Hochstimmung herrschte, deutsche Aktien gekauft hat, sitzt auf einem Minus von fast einem Viertel. Rechnet man die Dividenden ein, muss er „nur“ ein Minus von fünf Prozent verkraften. Seit drei Jahren warfen die DAX-Aktien 36 Prozent Ertrag ab, ohne Dividenden wären es 23 Prozent (siehe Grafik).Der österreichische ATX, ein Kursindex (in dem die Dividenden nicht berücksichtigt sind) performte schlechter: In den vergangenen drei Jahren gab er um 15 Prozent nach. Rechnet man die Dividenden dazu, beträgt das Minus fünf Prozent.

Dividendenaktien dürften in nächster Zeit auch dank der Nachfrage bessere Erträge abwerfen, glaubt Artner: Dividendenaktienfonds erfreuen sich großen Zuspruchs.

Dividendenstarke Papiere im DAX sind etwa die Versorger E.On und RWE, der Autokonzern Daimler, die Versicherer Münchener Rück und Allianz, und – noch– die Deutsche Telekom, die jedoch Medienberichten zufolge die Dividende 2013 kürzen soll.

Unter den ATX-Werten schütten Post, Immofinanz, CA Immo und OMV die höchsten Dividenden aus. Der einstige Dividendenstar an der Wiener Börse, die Telekom Austria, ist dagegen im Ranking abgerutscht. Der Konzern, der unter dem harten Wettbewerbsdruck leidet, halbierte die Dividende zunächst auf 38 Cent pro Aktie; für heuer soll es nur noch fünf Cent geben.

Das Beispiel der Telekom zeigt das Risiko, das mit Dividendenaktien eingeht: Nichtimmer sind die Dividenden nachhaltig.

Deswegen achten Fondsmanager neben der Höhe der Dividende auch auf die Ausschüttungsquote (je höher der Anteil der Gewinns, der ausgeschüttet wird, desto weniger kann das Unternehmen investieren) und die Nachhaltigkeit (die Gewinnausschüttung sollte idealerweise Jahr für Jahr steigen).

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Risiko Konjunkturschwäche

Artner empfiehlt die OMV, auch die Immofinanz sei attraktiv, habe aber erst vor wenigen Wochen ausgeschüttet. Wer es „ein bisschen spekulativer“ liebe, sollte zum Autozulieferer Polytec (Dividendenrendite 5,5 Prozent) greifen. Hier bestehe freilich das Risiko, dass der Kurs angesichts der allgemeinen Wirtschaftsschwäche nachgebe.

Was Sie beachten sollten bei... Dividenden

Tipp 1

Kriterien. Neben der Höhe der Dividende sollte man auch auf die Ausschüttungsquote achten (Anteil der Dividende am Gewinn). Schüttet ein Unternehmen nämlich zu viel aus, bleibt ihm häufig kein Geld zum Investieren, und es kann nicht wachsen. Auch sollte man sich über die Aussichten des Unternehmens in den kommenden Jahren (Gewinnschätzungen) informieren.

Tipp 2

Steuer. Dividenden werden mit 25 Prozent besteuert. Das werden (realisierte) Kursgewinne ebenfalls. Bei ausländischen Dividenden hat man häufig das Problem, dass der ausländische Staat und der österreichische Fiskus zusammen mehr als 25 Prozent abziehen. Die Differenz muss man auf kompliziertem Weg vom ausländischen Staat zurückfordern.

Tipp 3

Indizes. Beim Vergleich von Aktienindizes sollte man darauf achten, ob diese Dividenden berücksichtigen (Performance-Indizes) oder nicht (Kursindizes). Der deutsche DAX ist ein Performance-Index und schneidet daher meist besser ab als der ATX, der ein reiner Kursindex ist. Im DAX wird davon ausgegangen, dass die Dividenden sofort reinvestiert werden, was für Privatanleger in der Praxis oft schwierig ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2012)

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10 Kommentare

Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Hinweis: Es gibt noch andere Staaten. Ausserhalb des Euroraums wird man schon noch fündig.

Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Sehr geehrter C.C.

Ich stimme Ihnen zu. Ich zweifle zusätzlich daran, ob die deutschen Anleihen wirklich so sicher sind wie oftmals behauptet wird. Die Schuldenquote ist nach wie vor hoch, ein ausgeglichenes Budget - trotz Rekordeinnahmen und schönen Worten - (noch) nicht in Sicht. Die "Euro-Haftungen" könnten sich zusätzlich erhöhen. Dazu kommt eine - meines Erachtens - äusserst wankelmütige Finanzpolitik. Ich erinnere an die von der Koalition am Wochenende beschlossenen "Reformen". Ob vor diesem Hintergrund die tiefen Zinsen objektiv gesehen überhaupt gerechtfertigt sind?

Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Das mit der "Rechtfertigung von Zinsen" ist so eine Sache. Sie kommen i.A. durch Kräfte wie Angebot/Nachfrage zustande. Und diese wiederum stellen den Durchschnitt persönlicher Befindlichkeiten bzw. natürlich auch von "Vorschriften" dar. So ist es ja nicht unüblich, dass ein Fondsmanager einen gewissen %-Satz des Kapitals in AAA-Länder in Euro investieren *muss*.

Im Endeffekt zählt ja auch der Zinssatz nur zu einem Teil. Wichtiger ist die Rendite. Und für mich persönlich wichtig ist die Risikostreuung. So gesehen ist mir eine AUD-Anleihe lieber als eine spanische (in etwa gleicher Zinssatz), auch wenn bei der spanischen aufgrund des niedrigeren Kurses am Sekundarmarkt eine höhere Rendite drin wäre.

Die Motivation, als Privater eine D-Anleihe zu halten, sehe ich nicht. Rendite im besten Fall bei null, im schlimmsten Fall das von Ihnen beschriebene Risiko.

Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Mir ist (auch als Laie) bewusst, dass es wohl keinen objektiv richtigen, bestimmbaren Zinssatz geben kann. Trotzdem scheint die Höhe des Zinses das (auch für sogenannte Experten und Analysten) wichtigste Kriterium der Risikobewertung zu sein. Ich jedoch kann diese Einschätzung keineswegs nachvollziehen (Gründe: Siehe u.a. Kommentar von 09:54h). Ein Exempel: In der CH wird das Volk jeweils mit dem Ustand beruhigt, dass die Schweizerische Nationalbank den Grossteil ihrer Eurobestände keineswegs in spanischen, italienischen oder gar griechischen, dafür jedoch vorwiegend in deutschen Anleihen angelegt habe. Also mich vermag dies nicht wirklich zu beruhigen oder überzeugen ;-)

Re: Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Doch doch, das ist eigentlich recht logisch:

a) Das Risiko eines Schuldenschnitts ist ganz objektiv in D geringer als z.B. in GR. Was nicht heisst, dass das Risiko Null ist.

b) Fondsmanager *müssen* AAA-Anleihen kaufen, was die Nachfrage bei Neuemissionen erhöht und den Staaten damit die Möglichkeit gibt, gerigere Zinsen zu bieten und trotzdem alles loszuwerden. Gleichzeitig sinkt (Kapital schon in D investiert) die Nachfrage in "Krisenstaaten". Jetzt natürlich stark vereinfacht.

Sie müssen zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit, von D in 2 Jahren vollständig Ihr Geld wiederzubekommen höher ist, als in GR. Daher der Renditeunterschied.

Ich verstehe Ihre Bedenken, nehme aber an, dass die SNB das Risiko, dass sich D bis zum bitteren Ende hinunterziehen lässt (und ausfällt), geringer einstuft als die Chance, mit der Eurostützung den CHF in Grössenordnungen halten zu können, die den Euroraum als Markt für CH-Exporte erhält.
Ohne mich für einen Posten bei der SNB zu qualifizieren, könnte ich diese Überlegung nachvollziehen;-)

Mit anderen Worten: Die SNB muss als Währungshüter Dinge zwangsweise in einem anderen Kontext bewerten (und hat damit etliche Sorgen mehr), als wir als Privatanleger.
Oder nochmals anders: Selbst wenn die SNB aus reiner Anlage- oder Risikoabsicherungssicht die o.a. AUD-Bonds bevorzugen würde, müsste sie sich auf EUR-Werte stürzen. Einfach, da der CHF gegenüber AUD keine exportbehindernde Stärke in grossem Stil aufweist.

Re: Re: Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Lieber Kollege. Besten Dank für Ihre überzeugenden und ebenso beruhigenden Worte ;-) Ich muss Ihnen - allenfalls zu meiner Schande - gestehen, dass mir noch selten jemand die ganze "Angelegenheit" dermassen einleuchtend erklären konnte wie Sie. Absolut bestechend! In Ihren Augen muss ich wohl als ziemlich ahnungslos erscheinen. Sie liegen durchaus richtig. Ich weiss jedoch, dass Sie mir meine Unkenntnis nicht übel nehmen...

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Das ist wohl zuviel des Lobes...Es freut mich, den Punkt erlärt haben zu können. Ich hoffe, die Ausführungen waren richtig;-) So sehr wie Sie denken, kenne ich mich nämlich in der Materie nicht aus. Ausgenommen Risikomanagement, daher sehe ich die Dinge eher oft von dieser Seite.
Deshalb bin ich bei Artikeln wie dem obigen auch immer sehr skeptisch, denn wer versucht, Kurse od. Dividenden vorherzusagen, wird irgendwann feststellen, dass das weitgehend nur Lotto ist. Jede langfristig brauchbare Anlagestrategie lebt essentiell von Risikostreuung.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Kurz zum zweiten Abschnitt ("Deshalb bin ich..."): Aus meiner unprofessionellen Sicht würde ich Ihnen zustimmen. Es gibt in der CH (wohl ebenso in A) zum Jahresende immer so lustige, amüsante "Experten-Börsenspielchen". Da versuchen meist drei, vier, fünf Bankanalysten den Stand des Schweizerischen Börsenindex SMI für das nächste (also aktuell 2013) Jahresende vorauszusagen. Ihre Analysen und Erklärungsversuche sind durchwegs beeindruckend. Ich habe mir auch schon den Spass gemacht und habe mir die entsprechenden Zeitungsartikel beiseite gelegt. Kaum je lag jemand auch nur in der Nähe (sagen wir mal +/- 200 Punkte) des effektiven Schlussstandes. Womöglich wird von den Herren zu viel verlangt. Mit welcher Selbstsicherheit und Überzeugungskraft sie jedoch auftreten ist erstaunlich. Womöglich stecken dahinter handfeste Interessen? Sie wüssten bestimmt mehr ;-)

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Simple Überlegung: Würde jemand *wissen*, wie sich ein Wert entwickelt, müsste er/sie diese Weisheit nicht in Medien kundtun, sondern würde in der Sonne am Pool liegen.
Anderes Beispiel Fremdwährungskredit: Wer weiss, wie sich CHF zu EUR auf 20 Jahre entwickelt, braucht eigentlich keinen Kredit.

Zu den Interessen: Wenn ich die Masse davon überzeugen kann, dass der SMI steigen wird, wird sich meine Long-Position auf diesen Index gut entwickeln;-) Wie Sie sehen, bin ich eher skeptisch, was "Expertentipps" betrifft.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wobei der Vergleich mit D-Bonds schon Humor hat

Ich mag kritische, skeptische Zeitgenossen ;-)

Ihre Ausführungen sind auch dieses Mal simpel, aber dennoch bestechend (logisch). Ich gratuliere!

Wenn ich einmal einen Rat in risikotechnischer Hinsicht haben sollte (wann hat dies ein moderner Homo Sapiens eigentlich nicht? Sie müssen reich geworden sein...) werde ich mich vertrauensvoll an Sie wenden ;-)

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