Warum eine Million Euro nicht reich macht

Am ehesten kommt man als Unternehmer zu Reichtum. Doch auch reich zu bleiben ist eine Herausforderung. Rainer Zitelmann erklärt nicht nur, wie man reich wird, sondern auch, warum das nichts Unredliches ist.

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Gates – (c) Bloomberg (David Paul Morris)

Wien. Vorweg: Millionäre sind nicht wirklich reich. Das ist eine der Thesen, mit denen Rainer Zitelmann in seinem Buch „Reich werden und reich bleiben. Ihr Wegweiser zur finanziellen Freiheit“ aufwartet. Nennt jemand ein Vermögen von 800.000 Euro sein Eigen und will von seinen Vermögenserträgen leben, muss er sich mit 2000 Euro netto pro Monat begnügen– sofern er vier Prozent Zinsen (vor Steuern) erhält, was derzeit nicht leicht ist. Doch laut Umfragen ist man erst reich, wenn man völlig unabhängig von staatlicher Absicherung ist, sich jederzeit alles leisten kann, was man will, und ausschließlich von Vermögenserträgen leben kann, ohne arbeiten zu müssen.

Fast alle Reichen arbeiten

Sich jederzeit alles leisten zu können, was man will, schafft man mit einem 2000-Euro-Einkommen wohl kaum. Die Fehleinschätzung, dass eine Million Euro ein Luxusleben ohne Arbeit garantiert, ist ein Grund dafür, dass viele (Lotto-)Millionäre rasch wieder verarmen.

Zitelmann lässt in sein Buch viele Reichtumsstudien einfließen, schöpft aber auch aus der eigenen Erfahrung als Unternehmer und Bekannter von Millionären und Milliardären. Das Buch ist auch eine Apologie der Reichen, die nach Zitelmanns Ansicht mitunter selbst dem Reichen-Bashing zustimmen, indem sie etwa sagen, sie wollen der Gesellschaft „etwas zurückgeben“ (als ob sie ihr etwas weggenommen hätten).

Leute, die glaubten, dass Reiche durch Unehrlichkeit und auf Kosten anderer reich geworden seien, gingen davon aus, dass Geschäftsbeziehungen ein Nullsummenspiel sind – eine These, von der der Autor nichts hält. Er kann übrigens auch dem Bestseller von Thomas Piketty „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, das den „Nerv der Zeit mit seiner Kapitalismus- und Reichenkritik“ treffe, wenig abgewinnen.

Doch wie wird man nun reich? Am ehesten durch Unternehmertum– wenngleich Selbstständigkeit auch in die Armut führen kann, weswegen man es zunächst nebenberuflich versuchen sollte. „Reiche Müßiggänger“ seien selten. Die meisten Reichen seien (auch) durch Arbeit reich geworden. 73Prozent der Milliardäre weltweit kamen durch Unternehmertum und Arbeit zu Geld, 22,4 Prozent durch Erbschaft. Hoch gebildet muss man nicht sein, um reich zu werden, risikobereit schon. Wobei Reiche primär kalkulierte Risken eingehen: So habe eine Befragung in den USA gezeigt, dass Mehrfachmillionäre seltener Lotto spielen als andere.

Dass Reiche vor allem durch Korruption und Bruch von Gesetzen zu ihrem Geld kommen, treffe zumindest auf die USA oder Deutschland nicht zu. In China oder Russland sei es hingegen schwierig, reich zu werden und dabei streng alle Gesetze zu befolgen.

52 Prozent der Deutschen denken dennoch, dass man durch Unehrlichkeit reich werde. US-Millionäre sehen jedoch Ehrlichkeit als wesentlichen Erfolgsfaktor. Den möglichen Einwand, dass die Millionäre sich selbst eben in einem positiven Licht sehen wollen, will Zitelmann nicht gelten lassen: Intelligenz sehen nur 20 Prozent als sehr wichtigen Faktor für ihren Erfolg, Ehrlichkeit 57 Prozent.

„Die Geissens“ sind Ausnahme

Zitelmann zitiert aus US-Studien, denen zufolge Millionäre selten so auftreten wie die Geissens in der gleichnamigen Fernsehsendung. Drei Viertel haben nie mehr als 599 Dollar für einen Anzug ausgegeben. 94 Prozent geben im Restaurant üblicherweise nicht mehr als 40 Dollar für ein Essen aus.

Im zweiten Teil des Buches gibt es schließlich Tipps zum Reichbleiben: Grundsätzlich rät Zitelmann zu Immobilien, wobei er ausführlich über seine eigenen Erfahrungen berichtet, sowie zu Aktien, obwohl er darauf verweist, dass nur wenige primär mit Aktien reich werden. Hier sollte man am ehesten auf ETFs (Indexfonds ohne Fondsmanager) setzen. Denn aktiv gemanagte Fonds verursachten hohe Kosten und brächten dafür kaum Vorteile. Das wüssten auch die Fondsmanager: Nur wenige investierten nennenswerte Beträge in den eigenen Fonds.

Weiters sollte man dem Bankberater nicht zu viel Vertrauen schenken (zumal dieser selten zu Immobilien rät, da die Bank dabei kaum verdienen kann). Breit diversifizieren sollte man nur dann, wenn man glaubt, nicht mehr zu wissen als der Markt. Volatilität ist kein Nachteil, Home-Bias (das Fixiertsein auf den Heimatmarkt bei Aktien) rechnet sich nicht– es sei denn, man hat gute Gründe dafür (weil man den Markt wirklich besser kennt als andere). Der Spruch „The Trend is your Friend“ sei allenfalls für kurzfristig orientierte Anleger ein guter Rat, langfristig Orientierte tun besser daran, gegen den Strom zu schwimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2015)

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