Staatsschulden: Im Süden besser kurzfristig

09.07.2012 | 18:43 |  von Alexander Weber und Beate Lammer (Die Presse)

Besonders lange währte die gute Stimmung nach dem jüngsten Eurogipfel nicht. Trotz neuen Rettungsschirms steigen die Renditen von spanischen und italienischen Staatsanleihen wieder. Ein attraktives Investment?

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Wien. Nachdem die Aktienmärkte mehrere Tage in Folge gestiegen waren und sich die Renditen von Staatsanleihen wieder entspannt hatten, versetzten Konjunktursorgen die Investoren zuletzt wieder in Unruhe. Aktien stießen sie ebenso wieder ab wie Anleihen aus den Schuldenstaaten Spanien und Italien.

Unter den Verkäufern fanden sich auch viele große Vermögensverwalter wie Union Investment, Standard Life oder M&G Group, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Einhellige Begründung: Die auf dem Gipfel beschlossenen Maßnahmen seien „von Natur aus zeitlich begrenzt“, für private Investoren habe sich wenig geändert. „Selbst wenn der permanente Euro-Rettungsschirm ESM die Bonds direkt kaufen würde, wären wir noch nachrangig“, sagte Frank Engels, Leiter des Rentenfondsmanagement bei Union Investment, zu Bloomberg. Private Investoren fürchten, dass Spanien im Fall eines Schuldenschnitts zuerst einmal seine Schulden beim Rettungsschirm begleichen muss, bevor das Land Privatinvestoren ausbezahlen kann.

 

Risiko für zehn Jahre schwer kalkulierbar

Am Montag kletterten die Renditen von zehnjährigen spanischen Staatsanleihen einmal mehr über die Marke von sieben Prozent. Italien müsste Anlegern jetzt knapp sechs Prozent bieten, brächte es neue zehnjährige Papiere auf den Markt. Dabei, so könnte man anmerken, steht mit dem ESM doch bald eine ständige Krisenfeuerwehr bereit, die nach den jüngsten Beschlüssen selbst Banken direkt aus der Patsche helfen kann. Macht das Rentenpapiere aus den „Olivenländern“ zu einem attraktiven Investment?

Kurzfristig sehen Experten kein allzu großes Risiko. „Dass der Euro zerbrechen wird, erwarten die Märkte offenbar nicht“, kommentiert Harald Besser, der für die Kathrein Privatbank einen Fonds mit europäischen Staatsanleihen verwaltet. Denn die Kurse der Anleihen hätten sich mittlerweile stabilisiert, wenn auch auf sehr hohem Niveau. Das heißt aber nicht, dass die Papiere – besonders jene mit einer Restlaufzeit von vielen Jahren – ein risikofreies Investment sind. In zehn Jahren kann viel passieren.

„Die Sparbemühungen sind zuletzt etwas ins Stocken geraten. Und von der Konjunktur ist auch kein Rückenwind zu erwarten“, so der Experte. Er wählt daher Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten. Spanische Papiere, bei denen Anleger in einem Jahr ihren Einsatz zurückbekommen, werfen immerhin rund 4,4 Prozent ab. Das klingt im Vergleich zu Sparbuchzinsen, die meist bei weniger als zwei Prozent liegen, nicht schlecht. Und auch im Vergleich zu Unternehmensanleihen, die auf solch kurze Sicht nicht viel abwerfen, kann sich der Wert sehen lassen.

Italienische Anleihen werfen für diesen Zeitraum rund drei Prozent ab, portugiesische Anleihen 4,2 Prozent. Bei zwei Jahren Laufzeit erhöhen sich diese Werte auf 4,9 (Spanien), 3,9 (Italien) bzw. 6,6 Prozent (Portugal). Längere Laufzeit bedeutet jedoch höheres Risiko: Wie es mit dem Euro weitergeht, hängt nämlich in erster Linie von der Politik ab. Und diese ist naturgemäß schwer vorherzusagen. Aus diesem Grund ist es auch schwierig, mit den Kursen der Anleihen zu spekulieren. Am sichersten fährt man mit einem Investment auf kurze Sicht, bei dem man das Papier bis zum Laufzeitende hält.

Das sieht auch Felix Düregger, Asset Manager bei der Schoellerbank, so: Bei Anleihen mit kurzen Laufzeiten (bis zu zwei Jahren) werde das Risiko vom Markt derzeit hoch eingeschätzt. Das Rendite-Risiko-Verhältnis sei also attraktiv genug, um „selektiv zugreifen“ zu können. Dabei hält der Experte pfandrechtlich besicherte Anleihen von systemrelevanten Banken für eine interessante Alternative. Denn die Erfahrungen der jüngsten Zeit hätten gezeigt, dass man Banken nicht fallen lasse.

 

Nur als Beimischung geeignet

Mehr als ein Fünftel sollten Peripherieanleihen in einem Anleiheportfolio aber nicht ausmachen, schränkt Düregger ein. Am attraktivsten findet er Italien (wegen der Größe des Marktes) und Irland: Dort sei es aber schwierig, geeignete Werte zu finden. Von portugiesischen Anleihen lasse man dagegen die Finger.

Bei längeren Laufzeiten seien die Zinsen nicht attraktiv genug, auch wenn sie auf den ersten Blick gut aussehen. Die Renditen könnten weiter steigen, was enorme Kursschwankungen bewirken würde. Will ein Anleger vorzeitig aussteigen, muss er Verluste in Kauf nehmen.

Was Sie beachten sollten bei... Staatsanleihen

Tipp 1

Laufzeit. Anleihen mit mehrjähriger Laufzeit versprechen höhere jährliche Renditen. Doch schwankt auch der Kurs stark: Will man das Papier vorzeitig abstoßen, muss man unter Umständen hohe Kursverluste realisieren. Wer es bis zum Laufzeitende hält, riskiert keine Kursverluste, dafür ist das Ausfallrisiko hoch: In zehn Jahren kann viel passieren.

Tipp 2

Streuen. Staatsanleihen gelten längst nicht mehr als besonders sicheres Investment. Daher gilt das Gleiche wie für Aktien: Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen. Anleihen von Peripheriestaaten, auch wenn sie noch so hoch rentieren, sollten allenfalls eine Beimischung in einem breiten Portfolio sein. Oder man greift gleich zu einem Fonds.

Tipp 3

Alternativen. Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten oder pfandrechtlich besicherte Bankanleihen versprechen zwar etwas weniger Rendite, dafür ist das Risiko deutlich geringer als bei Anleihen mit langer Laufzeit. Viele Experten meinen auch, dass Unternehmensanleihen vergleichsweise attraktiv sind. Sie würden jedoch von einer Wirtschaftsflaute härter getroffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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