Der Goldpreis kommt nicht von der Stelle

Eigentlich müsste die wachsende Unsicherheit auf den globalen Märkten den Goldpreis beflügeln. Tut sie aber nicht.

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THEMENBILD: 'GOLD' – APA/ROBERT JAEGER

Eigentlich müssten ja goldene Zeiten für den Goldpreis herrschen: Die Wirren um den Brexit erhöhen die Unsicherheit in Europa beträchtlich, die erratische Dekret-Politik nach Erdogan-Art des neuen US-Präsidenten erhöht die Unsicherheiten in den USA. Und der heraufdämmernde Handelskonflikt zwischen den Schwerschiffen USA und China erhöht die ökonomische Unsicherheit global.

Und nichts kommt dem Goldpreis normalerweise mehr zupass als hohe Unsicherheit. Am Markt ist derzeit davon aber so gut wie nichts zu bemerken. Was immer Trump macht, wie immer sich der Dollar bewegt – die Goldnotierung mäandert seit Wochen eisern um die 1200 Dollar-Marke herum. Vor ein paar Tagen war sie ein bisschen drüber, zuletzt war sie mit rund 1180 Dollar je Feinunze ein wenig darunter.

Die tollen Preisprognosen, die die Gold-Anhänger nach den steilen Kursanstiegen in der ersten Hälfte des Vorjahres abgegeben hatten, kann man also wieder vergessen. Es sieht, so nicht wirklich große Krisen ausbrechen, eher nach einer Stabilisierung auf dem erreichten Niveau aus.

Natürlich gibt es Szenarien, die Gold begünstigen könnten. Beispielsweise die deutlich anziehende Inflation, die die Notenbanken zu einem schnelleren Abrücken von ihrer Niedrigzinspolitik bringen könnten.

Höhere Zinsen sind normalerweise zwar nicht gerade das Umfeld, das die zinsenlose Anlageform Gold begünstigt. Steigen die Zinsen aber zu schnell, dann werden die Kurse der Staatsanleihen sehr kräftig unter Druck geraten. Das, so glauben einige Experten, wird Gold zur gefragten Anlagealternative machen. Denn die schon in recht luftige Bereiche gestiegenen Aktienkurse sind dann keine halbwegs sichere Alternative mehr.

Gerade die jüngste Entwicklung stützt diese These aber nicht besonders. Eigentlich müssten sich Aktienanleger bei den anhaltenden Höhenflügen der wichtigen Börsenindizes langsam Gedanken über Absicherungsstrategien machen. Gold spielt in diesen Absicherungsüberlegungen, wie die jüngste Entwicklung zeigt, aber keine besondere Rolle mehr.

Offenbar ist die Wirkungsweise als Krisenmetall verloren gegangen. Zumindest bei absehbaren kleinen Krisen.

Zumindest kurzfristig ist vom Aufwärtstrend, den Goldanalysten immer wieder beschwören, keine Rede. Wer also auf kurzfristige Renditen aus ist, für den ist Gold derzeit nicht die Anlage der Wahl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2017)

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