Gesucht: Sparbuch-Alternative

Banken locken Anleger mit Zinsprodukten. Etwa einer Aktienanleihe der Erste Group: Damit kann man netto 5,5 Prozent verdienen. Oder einen herben Verlust erleiden.

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(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Wien/Ker. Jetzt sagen es auch schon die Banker selbst: Sparen sei „freiwillige Enteignung“, hieß es bei einer Pressekonferenz der Erste Bank kurz vor dem Weltspartag. Das stimmt auch. Wenn man von den Sparzinsen die 25-prozentige Kapitalertragssteuer abzieht und den Rest dann der Inflation entgegenhält, kommt ein Minus heraus.

Bestes Beispiel ist die Erste Bank selbst: Für ein einjähriges Sparbuch bekommt man – wenn es gut geht – derzeit 0,875 Prozent Zinsen. Nach einem Jahr schaut ein reales (also inflationsbereinigtes) Minus von mehr als 1,3 Prozent heraus. Aber auch nur dann, wenn die Inflation bei nur zwei Prozent liegt. Im Vorjahr war sie deutlich höher.

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Zinsen hängen vom Kurs ab

Gibt es Alternativen mit höheren Zinsen? Auf der Webseite der Erste Group für Privatanleger kann man eine nicht übersehen: 11,25 Prozent! So viel gibt es an Zinsen für eine Aktienanleihe (ISIN: AT000B007489). Somit sollte gleich klar sein, dass hier mit einem höheren Risiko gespielt wird. Was aber steckt hinter dem Produkt? Ist es tatsächlich eine Alternative für Privatanleger, die sich nicht „freiwillig enteignen“ lassen wollen?

Zunächst klingt es ein wenig kompliziert. Es handelt sich um eine Anleihe, die aber mit dem Aktienkurs der Raiffeisenbank International (RBI) verknüpft ist. In der Praxis schaut das so aus: Der Anleger besorgt sich die Anleihe im Nennwert von 3000 Euro (sie wird Ende Oktober herausgegeben, Anm.). Er behält das Papier bis zur Fälligkeit Ende Oktober 2013, also ein Jahr lang. Dafür bekommt er ganze 11,25 Prozent an Zinsen. Aber: Wenn die Anleihe fällig wird, hat die Erste Group die Entscheidungsfreiheit, ob sie dem Kunden den Nennwert von 3000 Euro zurückzahlt oder ihm entsprechende Raiffeisen-Aktien aushändigt.

Ein Szenario: Die Aktie der RBI fällt bis Oktober nächsten Jahres stark ab. Die Erste wird dem Anleger nun die Aktien aushändigen, da sie weniger wert sind als der Anleihen-Nennwert von 3000 Euro. Bleibt die große Frage, ab wann sich der Deal für den Kunden rechnet. Dazu muss man einmal alle Kosten berücksichtigen. Darunter fallen Ausgabeaufschlag, Depotgebühren und die Steuer.

 

Keine Absicherung nach unten

Nicht zu vergessen ist der Wertverlust des Geldes, also die Inflation (es wird hier eine Jahresinflation von zwei Prozent angenommen, Anm.). Derzeit notiert die RBI-Aktie bei knapp 30 Euro. Im Endeffekt darf sie bis 30. Oktober 2013 nicht mehr als 5,5 Prozent fallen. Wenn doch, dann steigt der Anleger trotz der hohen Zinsen mit einem realen Verlust aus. Nach unten ist man hier nicht abgesichert. Es kann wegen der Euro-Schuldenkrise durchaus sein, dass Finanzaktien um 20 Prozent oder mehr an Wert verlieren. Das hat gerade die Aktie der Raiffeisenbank International selbst schon in diesem Jahr bewiesen. Zwischen Februar und Juli war sie zwischenzeitlich um 24 Prozent abgestürzt.

 

Chance auf Ertrag

Sollte sie das von heute bis Ende Oktober auch wieder machen, dann hat sich der Anleger sprichwörtlich die Finger verbrannt, ein herber Verlust. Dann wäre ein Sparbuch besser gewesen.

Aber: Steht der Aktienkurs der RBI in einem Jahr auf dem gleichen Niveau oder steigt an, erzielt der Anleger eine „reale“ Nettorendite (also nach allen Kosten, Steuern und Inflation) von 5,5 Prozent. Das ist dann doch deutlich mehr als die minus 1,3 Prozent beim Sparbuch.

Was Sie beachten sollten bei... alternativen Zinsprodukten

Tipp 1

Struktur der Anleihe. Vor dem Kauf sollte man sich über den Basiswert informieren, der der Anleihe zugrunde liegt. Eine Erste-Aktienanleihe (ISIN: AT000B007489) ist verknüpft mit dem Aktienkurs der Raiffeisenbank International (RBI). Stürzt die RBI-Aktie bis Ende Oktober 2013 stark ab, zahlt die Erste Group dem Anleger nicht den Nennwert der Anleihe zurück, sondern RBI-Aktien.

Tipp 2

Rendite. Aktienanleihen rechnen sich nur, wenn der Basiswert nicht zu steil abstürzt. Wenn ein Anleger Erste-Aktienanleihen mit dem Basiswert RBI im Wert von 3000 Euro kauft, darf bis Ende Oktober 2013 die RBI-Aktie nicht mehr als 5,5 Prozent abstürzen. Sonst erleidet man einen realen Verlust. Geben die RBI-Aktien nicht nach, erzielt der Anleger eine Nettorendite von 5,5 Prozent.

Tipp 3

Risken. Nicht nur der RBI-Aktienkurs ist ein Risiko für den Anleger. Die Anleihe ist nicht börsenotiert. Man kann keine Stop-Loss-Order einziehen und ist somit nach unten nicht abgesichert. Und noch etwas: Geht die Erste Group pleite, dann könnten Anleihen-Inhaber komplett durch die Finger schauen (Emittentenrisiko). Denn Aktienanleihen sind Zertifikate, und für sie gilt keine Einlagensicherung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2012)

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