Wie verlogen ist diese Welt?

24.11.2012 | 18:04 |   (Die Presse)

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»Schuld ist immer nur Israel« – Leitartikel von Christian Ultsch, 18.11.

Herr Ultsch hat einen guten Leitartikel geschrieben! Verrat an Israel praktizieren alle. Feindschaft gegen Israel praktizieren alle. Aufseiten der Terroristen gegen Israel sind alle. Was ist das für eine Welt, die die Vernichtung der Juden durch Hitler verurteilt und die Vernichtung der Juden durch die arabische Welt gutheißt? Wie verlogen ist diese Welt? Wie verlogen sind die Bibel-Leser im Zusammenhang mit dem Staate Israel?
Horst Schraberger, 1120 Wien

Ursache und Wirkung

Herr Ultsch hat die einseitigen und unrichtigen Schuldzuweisungen gegen Israel vollkommen richtig dargestellt. Es genügen die Bilder einiger toter palästinensischer Kinder, um eine Art Denk-lähmung herbeizuführen und Wirkung mit Ursache zu verwechseln. Kaum einer scheint dann mehr zu fragen, wie es überhaupt dazu kam.

Ausgeblendet wird die Tatsache, dass Israel schon seit Jahren Opfer zahlloser permanenter Raketenangriffe war, die vor der nunmehrigen Militäroperation eskalierten. Trotzdem wird sofort der Ruf laut, Israel töte wieder einmal wahllos Zivilisten. Dabei ist es genau umgekehrt. Wer wie Israel gezielt Raketenstellungen ausschaltet, greift militärische Ziele an. Dass dabei auch Kinder getötet werden, ist in höchstem Maße bedauerlich und sehr traurig, aber einfach nicht zu vermeiden, wenn diese Raketenstellungen neben Schulen und Wohnhäusern platziert sind. Wer aber wie die Hamas gezielt tausende Raketen auf israelische Wohngebiete abfeuert, legt es auf die bewusste Tötung tausender Zivilisten an. Und wie Herr Ultsch ebenfalls richtig schreibt: Ziel der Hamas ist immer noch die Vernichtung Israels.

Das ist im Grunde genommen so schrecklich, dass ich sogar einiges Verständnis dafür aufbringen kann, dass diese Tatsache viele einfach nicht wahrhaben wollen.
Dr. Michael Kreuz, RA, 1010 Wien

»Die Vereinigten Staaten gehören nach rechts« – Von Leon de Winter, 18.11.

Gehirnwäsche inklusive

Mr. Leon de Winter hat seine Reise durch die USA ganz offensichtlich als embedded Journalist der Tea-Party-Bewegung durchgeführt, Gehirnwäsche inklusive. All das, was er in seinem skandalös-tendenziellen „Bericht“ an Obama anklagt, praktiziert er selbst: Obama ist für ihn einfach nur links-links, ja, er beschuldigt ihn gar, das Ende Amerikas im Sinn zu haben, während Mr. Romney, der „wahre gute Hirt Amerikas“, so böse verleumdet wird. Mr. de Winter wird schon gute Gründe haben, so einseitig zu schreiben. Aber ich werde auf diese „Wahrheiten“ verzichten, die nur das Gut-Böse-Schema der Tea-Party-People und Murdochs Fox News wiederkäuen. Wie halten Sie es übrigens mit der Evolution, Mr. de Winter?
Karl Forcher,
8755 St. Peter ob Judenburg

»O du fröhliche . . . « – 21.11.

Es weihnachtet...

Die ersten unverzinsten Zwangssparguthaben (vulgo Weihnachtsgeld) ausbezahlt, die letzten Einkaufstempel, zumindest teilweise, eröffnet, die Briefkästen voll mit Bettelbriefen – der Kampf um den Weihnachtseuro kann also in voller Stärke beginnen! Dazu werden Endlosschleifen an „White Christmas“-Gedudel angeworfen, Weihnachtsmänner auf die Straße geschickt und im Rundfunk von früh bis spät fröhliche Weihnachten gewunschen. Irgendein Ereignis vor vielen Jahren im Nahen Osten? Ja, der Volksschullehrer dürfte (noch in der Vor-Ethikunterrichtszeit) einmal davon gesprochen haben. Wie lange kann der liebe Gott da noch zuschauen?
Dkfm. Werner Lang, 1140 Wien

»Trauer um ,echten Sir‘« – Zum Tod von Branko Elsner, 18.11.

Branko Elsner, ein Visionär

Unser erstes Zusammentreffen war im Jahre 1987 im Zuge der staatlichen Fußballtrainer-Ausbildung, in der er als Dozent wirkte. Schon damals imponierten seine Ausstrahlung, sein fachliches Wissen, sein Witz, aber viel mehr seine zwischenmenschliche Kompetenz! Nach seiner Tätigkeit als Teamchef der ÖFB-Nationalmannschaft wurde er Nachwuchsleiter bei der „Wiener Austria“, genauer gesagt beim FK Austria Memphis.

Als ständig suchender Visionär rief er ein für damalige Verhältnisse „revolutionäres“ Fußball-Volksschulprojekt ins Leben, um die notwendige Kooperation von Verein und Schule zu unterstreichen, und engagierte dafür meinen Bruder (der ihm später als Nachwuchsleiter nachfolgte) und mich, um ihn darin zu unterstützen. Es folgten äußerst lehrreiche und erfolgreiche Jahre als Trainer der Mannschaften U9, U10, U13, BNZ U16 und BNZ U18. Es war sein freundschaftlicher Ratschlag an mich, den Fußballtrainer-Job von der Pike auf zu lernen und „klein“ anzufangen! Dafür bin ich ihm noch heute sehr dankbar!

Wie fortschrittlich er schon vor 25 Jahren dachte, beweist schließlich sein Leitspruch bezogen auf die aktuelle Diskussion um die adäquaten Spielfeldgrößen im Kinderfußball und die Leistungsheterogenität in vielen Fußballvereinen: „Nicht das Kind muss dem Spiel angepasst werden, sondern das Spiel dem Kind!“
Dr. Johannes Uhlig, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Universität Wien

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2012)

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