Offene Feindseligkeit gegenüber dem Papst

Leserreaktionen. Die Abrechnung von Hans Winkler in seiner „Déjà-vu“-Kolumne im Dienstagsblatt („Franziskus – Populismus auf katholisch“) hat eine Flut von Stellungnahmen aus der Leserschaft ausgelöst. Hier eine Auswahl.

Es war einmal vor langer Zeit der Sohn einer Zimmermannsfamilie. Als er erwachsen wurde, begann er über das, was ihm wichtig und richtig erschien, zu den Menschen zu reden. Er missachtete des Öfteren die religiösen Gesetze, legte sich mit starken Worten mit der herrschenden Klasse an und vertrieb zornig die Händler aus den Tempelanlagen. Mit der populistischen Art seiner Reden zog er viele Menschen an. Und obwohl er schon lange gestorben ist, hält der Personenkult um ihn noch immer an, und seine Worte werden bis heute verschieden ausgelegt.

Lieber Herr Winkler, vielleicht haben Sie auch schon von ihm gehört, obwohl er natürlich nicht katholisch war.

Eva Riedl, 6900 Bregenz

 

Kein Guter Hirte für seine Schafe in Europa

Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Endlich wagt es jemand, die Tatsachen auf den Tisch zu legen und klar auszusprechen. Meiner Meinung nach könnte man Papst Franziskus, insbesondere was das Migrationsthema anbelangt, auch als Wolf im Schafspelz bezeichnen.

Zweifelsfrei ist Papst Franziskus nicht der Gute Hirte, der sich um seine Schafe kümmert, zumindest nicht in Europa. Wenn das so weitergeht, entsteht eine neue Los-von-Rom-Bewegung in Europa, die noch stärker wird als die Spaltung unter dem Medici-Papst Leo X. Ob wir das wollen, nämlich alleingelassen im Regen stehen und dem Islam ausgeliefert sein?

DI Georg Alt, 1040 Wien

 

Unverzichtbar

Hans Winklers offen präsentierte Feindseligkeit gegenüber Papst Franziskus zeigt überdeutlich, wie unverzichtbar dieses vom Evangelium anstatt von vatikanischem Machtstreben geleitete Pontifikat für die katholische Kirche ist. Die Auswirkungen eines schrankenlosen und destruktiven Neoliberalismus sind schon heute vielerorts sicht- und spürbar. Bewahren wir wenigstens die Botschaft des Jesus von Nazareth davor.

Dr. Gerhard Wagner, 1080 Wien

 

Zu viele Balken im Auge des Kolumnisten

Winklers erzkonservative Haltung und Nähe zu den „Protest“-Kardinälen sei ihm unbenommen, aber nicht so unsachgemäße Argumentation. Die Fehler unter anderen:

► Falsche Definition von Populismus;

► das Herstellen von Gemeinsamkeit mit Trump;

► Franz von Assisi als „Patron der Kaufleute“ zu punzieren ist Manipulation, auch die Geschäftstüchtigkeit des Franziskanerordens muss fälschlicherweise herhalten;

►„die schnoddrige Reaktion des Papstes auf die allen kirchlichen Regeln und Formen der Höflichkeit entsprechende Anfrage (,dubia‘) von vier Kardinälen zu Amoris laetitia, dem Lehrschreiben über Ehe und Familie. Franz sei ,wütend‘ darüber gewesen, wird erzählt.“

► „Bis heute hält er diese Kardinäle für keiner Antwort würdig. Das ist nicht nur unhöflich, es hat offenkundig Methode. Kein anderer Chef einer Weltfirma würde so mit seinem Führungspersonal umgehen.“

Herr Winkler weiß ja genau, wie es in einer Weltfirma zugeht. Ich kann ihm das erklären: Dort gäbe es die vier Kardinäle nicht mehr, sie wären – wohl zu Recht – abgelöst worden; ► eine einzigartige Kritiklosigkeit gegenüber Kapitalismus und Marktwirtschaft;

► die Fehleinschätzung der Aufgaben der K9-Gruppe;

► eine Fehleinschätzung, wie man Reformen anzugehen hat, daher kann er auch noch keine bei Franziskus erkennen.

Ob so viele „Balken im Auge“ des sonst ja oft kurzweiligen Kolumnisten der Qualität und Objektivität der „Presse“ guttun, werden ja die Leser beantworten.

Prof. H. F. Karner, 2391 Kaltenleutgeben

 

Der Faktencheck fällt erbärmlich negativ aus

Ohne populistischen Hintergedanken fällt der Faktencheck hinsichtlich des Artikels von „Hans“ erbärmlich negativ aus: eine despektierlich schnoddrige Wortwahl für den Namen des Bischofs von Rom, theologische Kurzschlüsse, schablonenhafter (Aber-)Glaube, pseudowissenschaftliche Schlussfolgerungen, kirchengeschichtliche Simplifizierungen, drohende Untergriffe auf kirchliche Mitarbeiter etc. Mit den Worten Papst Franziskus': „Einige verstehen es weiterhin nicht.“

DDr. Paul F. Röttig, Diakon, 1180 Wien

 

Im Ton und im Inhalt danebengegriffen

Da hat der „Hans“ aber ordentlich danebengegriffen, sowohl im Ton („Franz“) und noch mehr im Inhalt. Es gibt halt leider noch immer ein Grüppchen selbstgerechter Katholiken, die lieber den strengen und strafenden und nicht den gütigen und barmherzigen Gott anbeten wollen. Gott sei Dank wird das Grüppchen um „Hans“ und gleichgesinnte Freunde immer kleiner, denn mit deren Geist würde sich die katholische Kirche endgültig ins Out manövrieren.

Dr. Walter Eigner, 1170 Wien

 

Kritiker werden als Häretiker gebrandmarkt

Es ist wohltuend, ein solches Lebenszeichen eines rational-kritischen Journalismus wahrnehmen zu dürfen. Es ist ja ziemlich ermüdend, sich den geklonten Ergüssen der österreichischen journalistischen Schwarmintelligenz nicht gänzlich entziehen zu können. Zugleich ist es erschreckend, dass eine von den Medien erfolgte Punzierung einer in der Öffentlichkeit stehenden Person durch die ständige Wiederholung eines Klischees kritische Reflexion kaum noch zulässt. Wenn rationale Kritik und Analyse tatsächlich einmal erfolgen und geäußert werden, dann wird der Autor als Häretiker gebrandmarkt. Es ist bestürzend, dass die Medien Populismus dann nicht erkennen (wollen), wenn er dem Mainstream entspricht.

Da wundert man sich dann in journalistischen Kreisen über den Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit.

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Alois Kernbauer, Karl-Franzens-Universität Graz, 8010 Graz

 

Der Ökologe ist dankbar

Herr Winkler mag den Papst anscheinend nicht. Das hat er schon anlässlich der Publikation von „Laudato Si“ durchblicken lassen. Aber angesichts der Tatsache, dass wir dabei sind, unseren Planeten in einen unbewohnbaren Saustall zu verwandeln, ist man als Ökologe dankbar, dass seitens des Vatikans dieses Problem endlich in der nötigen Deutlichkeit angesprochen wird.

Die innerkirchlichen Streitfragen, wie z. B. die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten, sind gegen das, was wir unserem Planeten und uns selbst gerade antun, auf gut Wienerisch ein „Schas im Wald“.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Josef Greimler, 2560 Berndorf

 

Analyse ist keine Majestätsbeleidigung

Winkler belegt seine Einschätzung mit mehreren guten Beispielen. Seine klare und unaufgeregte Analyse ist keine Majestätsbeleidigung. Noch viel weniger ist es eine, wenn er von „Papst Franz“ spricht. Im deutschen Messbuch wird der päpstliche Namenspatron in den Orationen als „Franz (von Assisi)“ genannt, und selbst Kaiser Franz II. (I.) oder Kaiser Franz Joseph haben sich, abgesehen von lateinischen Dokumenten, nur ihrer deutschen Namensform bedient.

Wolfgang Pristavec, Pfarrprovisor, 8562 Mooskirchen

E-Mails an: debatte@diepresse.com


[NDDHZ]

(Print-Ausgabe, 10.03.2017)

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