Retrospektive

Wienerroither & Kohlbacher widmen Josef Floch eine umfangreiche Werkschau im Palais Schönborn-Batthyány. Einige Werke davon stehen zum Verkauf.

"Wien", notierte Josef Floch einmal, „ist die Stadt der Musik, die Malerei kommt danach.“ Für sich selbst zog er daraus die Konsequenzen – er ging weg, 1925 nach Paris, 1939, weniger freiwillig, ins mittelalterliche Turenne in der französischen Zone, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. 1941 musste er mit seiner Familie endgültig flüchten, über Spanien nach New York. Am Markt war er in Frankreich und Amerika erfolgreicher als in seiner Heimat. Wesentlich dazu beigetragen, dass Floch auch in Österreich vom Markt wiederentdeckt wurde, hat der 1974 nach New York ausgewanderte niederösterreichische Kunstliebhaber Karl Pallauf. Er kaufte Flochs Bilder und übernahm später auch die Nachlassverwaltung. Er war es auch, der ein Werkverzeichnis verfasste, das einen Überblick über das Werk Flochs ermöglichte.


Preise steigen

In den 1990er-Jahren ging es rapide bergauf mit den Preisen Flochs. Der Trend hielt an. Im Vorjahr erzielte das Hauptwerk „Mutter mit Kind“ aus den 1920er-Jahren im Auktionshaus im Kinsky den neuen Rekordpreis von 220.000 Euro. Der bisherige Höchstpreis war bei 85.000 Euro gelegen, erzielt 2008.

Jetzt kommt zwischen 15. September und 6. November eine umfassende Retrospektive in die Ausstellungsräume von Wienerroihter & Kohlbacher im Palais Schönborn-Batthyány. Sie umfasst über hundert Meisterwerke und ist in Kooperation mit Karl Pallauf entstanden. Zahlreiche Werke sind Leihgaben vom Belvedere, dem Leopold Museum und Privatsammlern. Einige Arbeiten sind auch käuflich. Die Preisspanne liegt laut Alois Wienerroither zwischen 10.000 und 250.000 Euro.

Im Rahmen der Retrospektive werden die drei bedeutendsten Schaffensphasen Flochs beleuchtet. Beginnend mit den in satten Farben expressiv gemalten Bildern der frühen 1920er-Jahre in Wien, über die Hauptwerke der 1920er- und 1930er-Jahre, die in Paris entstanden, bis hin zu den späteren Terrassen-, Atelier- und New Yorker Stadtmotiven aus der Zeit nach seiner Emigration in die USA. Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auf der Pariser Schaffensphase. In Paris verkehrte er im illustren Kreis der Galeristin Berthe Weill. Seine Werke wurden im Salon d'Automne und im Salon des Tuileries mehrfach ausgestellt. Germain Bazin, Direktor des Louvre, würdigte Floch in seinem Standardwerk über die moderne Kunst als einen der wichtigsten Vertreter für den Neohumanismus.

Zur Ausstellung erscheint eine 250 Seiten umfassende Monographie.

kunstwerte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2017)

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