23.05.2013 04:13 Merkliste 0

Widerstand gegen fundamentalistische Ziele

AMER ALBAYATI (Die Presse)

Gastkommentar.Es gibt viele Muslime in Österreich, die in ihrer religiösen Vielfalt nicht länger diskriminiert und manipuliert werden wollen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Anlässlich des 100. Geburtstags des Islamgesetzes in Österreich wird behauptet, die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) sei 1979 gegründet worden. Das ist falsch. Tatsächlich war am 2.Mai 1979 die erste islamische Religionsgemeinde in Österreich genehmigt worden, der Verfassungsgerichtshof hob diese Genehmigung am 29.Februar 1988 aber wieder auf. Seither werden zwar islamische Religionsgemeinden vorgetäuscht, aber eine neue Genehmigung hat es nie gegeben.

Das Reichsgesetz von 1912 hatte nicht den Islam als Religion anerkannt, sondern die Anhänger des Islam (Muslime) als Religionsgesellschaft. Der Verfassungsgerichtshof hatte 1987 in diese Anerkennung die Muslime aller Glaubensrichtungen einbezogen. Die Entstehung der IGGiÖ ab 1986 konnte nichts daran ändern, dass die Muslime in Österreich bis heute keine gemeinschaftliche Vertretung haben.

Fundamentalistische arabische und türkische Einwanderer versuchen seither, den Muslimen überkommene Traditionen wie das Kopftuch (das im Koran nicht mal erwähnt ist) und die in Europa verbotene Scharia aufzuzwingen und sie mit fundamentalistischen Lehren zu beeinflussen. Das größte Problem der IGGiÖ sind politische Vereine, die die Religion für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren.


Das türkische Verständnis

Bei den 2011 abgehaltenen ersten Wahlen der IGGiÖ durften deshalb nur Mitglieder bestimmter Vereine teilnehmen; aber hunderttausende Muslime wurden zu diesen Wahlen gar nicht zugelassen. Seither beherrschen fundamentalistische türkische Vereine die IGGiÖ, darunter die ATIB als Vertretung des türkischen Religionsministeriums. Nach dem Verständnis der Türkei gibt es keine Trennung von Staat und Religion, sondern einen vom Staat kontrollierten Islam. Mit österreichischem Recht unvereinbar ist, dass im IGGiÖ-Vorstand türkische Beamte vertreten sind.

In Österreich leben Muslime diverser Glaubensrichtungen – Sunniten, Schiiten, Alawiten, liberale Muslime und andere. Die Muslime sind aber nicht homogen, es gibt im Islam keine Hierarchie, sondern im Islam beruht alles auf der persönlichen Verantwortung vor Gott allein.


Kein Alleinvertretungsanspruch

Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes (1.12.2010), dass die IGGiÖ keinen Alleinvertretungsanspruch für alle Muslime hat, wird aber nicht einmal vom Kultusministerium beachtet, obwohl die Mehrheit der Muslime mit der IGGiÖ nichts zu tun haben will. Deshalb hat das Islamische Österreichische Zentrum (IÖZ) im Februar beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) eine Beschwerde eingebracht. Die seit 33 Jahren andauernde rechtliche Nichtexistenz der IGGiÖ soll durch das Höchstgericht festgestellt werden; die Gesetzwidrigkeiten des Islamgesetzes von 1912 sollen saniert werden.

Verschiedene Glaubensrichtungen der Muslime bemühen sich seit Jahren um Anerkennung als eigene Religionsgesellschaft. Das Kultusministerium will das verhindern, will sie nur als Bekenntnisgemeinschaft zulassen, obwohl alle Muslime schon seit 1912 als Religionsgesellschaft anerkannt sind.

Viele Muslime in Österreich in ihrer religiösen Vielfalt wollen nicht länger diskriminiert und manipuliert werden. Sie wollen nicht länger mit fundamentalistischen Strukturen und Zielen in Zusammenhang gebracht werden.

Es ist schlimm, dass sich Muslime nur auf Vereinsbasis organisieren können, dass die Kultusbehörden politische Vereine fördern und Schüler im Religionsunterricht politischem Einfluss ausgesetzt werden. Das Kultusministerium wird sich überlegen müssen, ob es weiter die Religionsfreiheit einschränken will.

Amer Albayati (*1942 in Bagdad) ist Journalist mit Schwerpunkt Islamfragen und arabische Politik. Er ist Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich (Ilmö).


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

9 Kommentare
Gast: soliderecherche
30.06.2012 21:53
2 0

verpflichtung

Die Medien, wie auch die "Presse", könnten endlich einmal emotionslos alle Fakten über den Islam in Ö. recherchieren und veröffentlichen. Heutzutage ist es unglaublich, was alles nach der Lektüre dieses Artikels und der aufschlussreichen Berichterstattung über den Festakt im Wr.Rathaus (ganz genau die Wortwahl beachten) scheinbar im Graubereich verbleiben "muss". Als Forenregeln werden die Zensurmaßnahmen benannt.

Gast: Gast alhambra
30.06.2012 08:19
4 0

Schade

Die Presse läßt hier etliche Kommentare nicht zu. Ein Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit, wie es doch so sehr von gewissen Kreisen geschätzt wird.

Der obige Artikel hatte zur Folge, dass Dr. Albayati mehrere Morddrohungen erhielt. So auch andere, die sich mit diesen Themen befassen und radikalen Elementen, wie der Muslimbruderschaft und Milli Görüs, in die Quere kommen.

Darüber nicht zu schreiben, stellt Medien in ein undemokratisches Abseits.

Gast: Gast Slavko
26.06.2012 10:33
5 0

Künstliche Erregungen

Das Marionettenspiel mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist am Ende. Die hat Muslime nie vertreten, sondern nur die Interessen von Terroristen. Besser ein Verein mit 5 Hanseln, als einer mit 200 Muslimbrüdern.

Die Religionsfreiheit ist in Österreich nicht gewährleistet,
wenn eine Glaubensgemeinschaft nur mehr aus Vereinen besteht
wenn das Kultusamt Muslimen die Anerkennung als Religionsgesellschaft verweigert, obwohl diese Anerkennung schon 1912 passiert ist
wenn das Kultusamt von gewissen Gruppen Ausweisdaten verlangt und diese Daten dann an andere Staaten weitergibt.

Die Berichterstattung über diese Umtriebe müsste viel heftiger sein.

Antworten Gast: Ahmed Mahmoud
26.06.2012 11:57
0 2

Des Islamgesetzes muss Saniert werden

Aufgrund des Islamgesetzes im Jahr 1912 ist der Integration der Muslime und die Frauen rechte nicht mehr gesichert leider in Österreich und Europa das muss man endlich Sanieren.


Re: Des Islamgesetzes muss Saniert werden

Die Frauenrechte sind nicht gesichert?
Da liegen Sie völlig richtig. Um dies zu ändern finden Sie ein weites Betätigungsfeld in Afghanistan, Pakistan, in SA, im Sudan, in Somalia usw.
Österreich und Europa brauchen Sie nicht ans Bein zu pinkeln. Kehren Sie zuerst vor der eigenen Tür.

Antworten Antworten Gast: Gast Slavko
26.06.2012 20:44
6 0

Re: Des Islamgesetzes muss Saniert werden

Warum sanieren? Das Islamgesetz ist schon in Ordnung. Kurz und bündig, und schon alle Muslime als Religionsgesellschaft anerkannt. - Jede Änderung wäre nur eine Verschlechterung.

Das Kultusamt müsste nur die Anhänger der verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen als separate Religionsgesellschaften bestätigen, das würde genügen. Der Einheitsbrei der IGGiÖ ist vom VfGH schon aufgehoben worden, Sanac's Rückkehr in die Türkei steht nichts mehr im Wege.

Gast: Raphael B.
26.06.2012 08:40
2 1

Wer ist die "Initiative Liberaler Muslime Österreich"

Soweit ich weiß, hat Ammer Albayati die "Initiative Liberaler Muslime Österreich", recht erfolglos gegründet, da die keine Muslime vertreten. Das ist meines Wissens ein Verein, der aus etwa fünf Hanseln besteht, einer davon nicht einmal Muslim.

Antworten Gast: Ahmed Mahmoud
26.06.2012 09:11
0 1

Bravo Herr Albayati

Bitte sachlich und nicht persönlich die anderen angreifen auf Die Presse Niveau bleiben

Gast: 1. Parteiloser
25.06.2012 21:13
8 0

Seelische Blähungen?

Die Religionsfreiheit ist doch in Österreich umfassend gewährt und jeder Bürger darf seinen Glauben im Privaten ausleben.

Das Limit jeder Freiheit des Menschen ist dann erreicht, wenn es unzulässig in das Leben anderer Menschen eindringt.

Wenn diese Religionsfreiheit von den verschieden Strömungen nur einer Grundreligion so missbraucht wird, dass die Mitmenschen damit belästigt werden, dann geht das eindeutig zu weit.

Wenn Muslime diverser Glaubensrichtungen – Sunniten, Schiiten, Alawiten, liberale Muslime und andere Differenzen haben, dann ist es deren Privatsache, welche die Österreichischen Mitmenschen gar nichts angeht.

Muslime aller Glaubensrichtungen haben auch kein Recht für deren Privatsache etwas von Kultusbehörden zu fordern. Das Gleiche gilt selbstredend für die christlichen Glaubensrichtungen, den Juden und alle anderen Glaubenrichtungen. Religion ist ein Menschenrecht und hat im Privaten zu erfolgen, ohne die Mitmenschen zu belästigen oder zu dominieren. Jede Forderung an eine Behörde ist eine Forderung an die Allgemeinheit und damit, nach den Menschenrechten, unzulässig.

Dieser Artikel ist ein Versuch die Mitmenschen zu diskriminieren, eine Diskriminierung von Muslimen in Ö gibt es doch nur nach deren Provokation.

Die Scharia ist nicht das Recht in Ö und wird es hoffentlich niemals sein, weil menschenrechtswidrig. Ich fühle mich durch diesen Artikel in meinen Rechten verletzt.

Warum lässt Ihr Euren Glauben nicht als Schatz im Privaten?

Hinweis

  • Der Inhalt von Gastkommentaren spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

Mehr Gastkommentare:

Top-News