25.05.2013 12:45 Merkliste 0

Abgeschmiert – fünf Jahre Eurofighter

PETER PILZ (Die Presse)

Gastkommentar. Die Eurofighter-Affäre ist eine doppelte Geschichte. Der erste Teil erzählt von Korruption und einem erprobten Netzwerk. Der zweite vom kleinen Militär, das sich mit viel zu großen Flugzeugen überhoben hat.

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Rund um die Eurofighter gibt es eine gute Nachricht: In der Regel sind zwischen ein und drei Geräten flugtauglich. Damit können sie rechtzeitig für ihren sinnvollsten Einsatz vorbereitet werden: für den Heimflug nach Bayern zur Eurofighter GmbH.

„Eurofighter-Österreich“ ist eine doppelte Geschichte. Der erste Teil handelt von Korruption und erprobten Netzwerken. Ihr zweiter Teil vom kleinen Militär das sich mit viel zu großen Fliegern übernommen hat. Ich fasse den zweiten Teil zusammen, weil er zum Verständnis des ersten hilfreich ist.

Als das Verteidigungsministerium vor fünfzehn Jahren mit der Suche nach einem Draken-Nachfolger begann, ließ sich der Minister von seinen Kampffliegern überzeugen: Diesmal würde nicht billigstes Gerät für die Luftraumüberwachung beschafft. Diesmal würde Österreich den Sprung in die Königsklasse der Luftwaffe schaffen: mit dem modernsten Kampfbomber der Welt. Das war der Eurofighter, zumindest in den Plänen der EADS-Ingenieure, denn mehr war nicht da. Der Chef der Luftabteilung nutzte jede Chance, seine Kampfbomber der vierten Generation zu bekommen. Während das Projekt öffentlich kleingeredet wurde, schrieben die Piloten in ihr Pflichtenheft: „internationale Einsätze“, „Radar- und infrarotgesteuerte Lenkwaffen“ und Kampfbomben.

 

Aus Neu mach Alt

Vom Pflichtenheft bis zur Bewertung manipulierten die Beamten die vorgeschriebenen Leistungen und Bewertungen, bis der Eurofighter auf den ersten Platz geschoben war. Wie bei Buwog und Glücksspielgesetz agierte der Finanzminister bis zuletzt im Hintergrund. Dann griff er plötzlich ein und stellte sicher, dass der Eurofighter als Teuerster zum Zug kam.

Zwei Regierungen später saß ein roter Verteidigungsminister vor dem Vertrag und war ratlos. Seine Vorgänger hatten mit 18 Eurofightern der Tranche 2 einen Luftferrari bestellt. Das Budget war ausgeräumt, das Geld für Betrieb, Ersatzteile und Ausbildung fehlte, und der Minister war seiner Partei mit der Kündigung des Vertrags im Wort. Mit „Sozialfighter statt Eurofighter“ hatte sein Parteichef die Wahl gewonnen, sich dann aber arrangiert. Abbestellen kam nicht mehr infrage. Also musste umbestellt werden.

Der Minister verhandelte und wurde über den Tisch gezogen. Statt 18 Kampfflieger der Tranche 2 sollten 15 Prototypen der Tranche 1 geliefert werden. Und im Eurofighter-Hauptquartier brach das große Lachen aus, weil der Minister statt 105 Millionen Euro für ein neues 108 Millionen für ein gebrauchtes Flugzeug bezahlen würde.

Vielleicht sagte dem Minister ja niemand, dass für die auslaufende Tranche 1 die Ersatzteilproduktion mitauslaufen würde. Als die 15 Gebrauchtflugzeuge in Zeltweg versammelt waren, blieb nur eine Lösung: Die Flugzeuge selbst wurden zum Ersatzteillager. Als der zweite Eurofighter vor einem Jahr kannibalisiert wurde, hängten die Techniker ein Schild an den geplünderten Rumpf: „R.I.P. – Rest in Peace“.

Seitdem meldet Zeltweg pro Einsatztag einen Klarstand zwischen null und drei Flugzeugen. Waren drei Stück startklar, konnte 14 Tage lang überwacht werden. Dann wurde für 14 Tage an Hörsching abgegeben. Bis heute will der Minister nicht darüber reden, dass die halbe Zeit die alte SAAB 105 OE den Luftraum überwachte, weil die Eurofighter nur zwei Wochen am Stück schafften. Um die Zeit zwischen Draken und Eurofightern zu überbrücken, mietete der Minister von der Schweiz F5 für 17 Millionen Euro im Jahr. Der Betrieb der Eurofighter kostet das Fünffache. Die Anschaffung fast 1,5 Milliarden. Mit den Eurofightern wurde das Bundesheer in die Pleite geführt. Ein guter Allparteienvorschlag für die Bundesheerreform scheiterte, weil das Geld bereits verpulvert war.

 

Luftraum als Geldraum

Aber warum haben vom Kanzler über den Verteidigungsminister bis zum Finanzminister alle alles falsch gemacht? Warum haben sie für einen Feldweg einen Ferrari gekauft, ihn gegen einen Yugo getauscht und noch Geld draufgelegt?

Dafür gibt es nur eine Antwort: Weil es nicht um das Produkt, sondern nur um das Geld gegangen ist. Wer als Minister etwas kauft, was er nicht braucht und den höchsten Preis bezahlt, begründet immer denselben Verdacht: Korruption.

Mensdorff-Pouilly. Rumpold. Grasser. Scheibner. Valurex. MPA. 100% Communications. Seit wir im Untersuchungsausschuss Korruption auf Bundesebene untersuchen, stoßen wir auf alte Bekannte aus der Causa Eurofighter. Damals fand der Ausschuss drei Hinweise:

•Die Geschäftsbeziehung zwischen EADS-Lobbyist Erhard Steiniger und der Familie des Luftwaffenchefs. Er wurde suspendiert und in die Pension abgeschoben.

•Die Scheinrechnungen der Rumpolds über 6,5 Millionen Euro. Der Staatsanwalt ließ das Verfahren ohne ernste Ermittlung versanden.

•Eine Buchungszeile der Wiener Firma EBD, die für EADS Kompensationsgeschäfte abwickeln sollte und von der Firma Vector Aerospace Geld erhalten hatte.

Der Ausschuss fand auch heraus, dass sich hinter EBD die Waffenhändler Plattner und Schön verbargen. Dann wurde der Ausschuss mit Regierungsmehrheit abgedreht.

 

Bauer mit großem Horizont

Aber mit Vector Aerospace hatten wir das erste Glied einer Kette gefunden. Unter dem Namen entdeckten wir in London einen Briefkasten, der mit Dutzenden Tarnfirmen verbunden war. Über 80 Millionen Euro wurden über London, Guernsey und die British Virgin Islands an ihre Empfänger geschleust. Bald war klar, dass der Eurofighter-Miteigentümer British Aerospace eine Schlüsselrolle spielte.

Gleichzeitig stießen britische Ermittler rund um BAE-Zahlungen auf Alfons Mensdorff-Pouilly. Der Bauer mit dem großen Beratungshorizont wurde festgenommen und verhört. Als es BAE gelang, sich von der US-Justiz freizukaufen, schien auch Mensdorff in Sicherheit.

Dann ließ ein römischer Staatsanwalt den Millionenbetrüger Gianfranco Lande verhaften. Dieser weigerte sich, zu seinem Pyramidenbetrug auszusagen. Aber er erzählte eine andere Geschichte: die vom Rüstungskonzern Finmeccanica, EADS, Plattner, Schön und Bergner, dem EADS-Vertreter in Wien, und von 85 Millionen Euro, die EADS-Deutschland für das Österreich-Geschäft zu Vector Aerospace verschoben hatte. Ein weiterer Zeuge berichtete, wer zwischen Wien und London als Geldbote gependelt war. Heute werden fünf Schmierkreise untersucht. Der Staatsanwalt bereitet die Anklage gegen Mensdorff-Pouilly vor. Vieles spricht dafür, dass der Fall „Eurofighter“ geklärt werden kann.

Dem Nationalrat wird nichts übrig bleiben, als den Untersuchungsausschuss noch einmal einzusetzen. Dann werden wir das Kapitel abschließen – und mit ihm den größten Fall der supersauberen Politik der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ. Vielleicht überlegt sich dann zumindest der ÖVP-Obmann, ob eine Wiederholung dieser Zusammenarbeit nicht im Interesse der Republik und ihrer Steuerzahler ausgeschlossen werden sollte.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zur Person

Peter Pilz ist Gründungsmitglied der Grünen. Einen Namen machte sich der gebürtige Kapfenberger als Aufdecker in den Affären Noricum, Lucona, Eurofighter. Derzeit ist Pilz Fraktionsführer der Grünen im parlamentarischen Korruptionsuntersuchungsausschuss. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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10 Kommentare
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Wenn Experten verhandeln, dann ...

An den maßgeblichen Vergleichsverhandlungen nahmen auf Seiten der Republik Österreich ausschließlich der Bundesminister für
Landesverteidigung und ein externer Gutachter teil.
Die Finanzprokuratur war in die maßgeblichen Vergleichsverhandlungen nicht eingebunden. Die Vergleichsverhandlungen waren nicht dokumentiert.

Durch den Vergleich vom 24. Juni 2007 wurde die Anzahl der Flugzeuge von 18 auf 15 reduziert sowie Einsatzausrüstung (Selbstschutz–
und elektrooptische Zielerfassungssysteme) abbestellt. Zusätzlich wurde die Änderung der Konfi guration der Flugzeuge von Tranche 2 auf Tranche 1 und der Materialbeschaffenheit bei sechs Flugzeugen von „ungebraucht und fabriksneu“ auf „fast neuwertig“ vereinbart.

Die Abbestellungen umfassten einen Wert von rd. 307 Mill. EUR.
Die Eurofighter GmbH stellte für „Systemänderung“ (Abbestellungskosten)
einen Betrag von rd. 57 Mill. EUR in Rechnung.

Als Differenz ergab sich eine Reduzierung des Kaufpreises bzw. eine Rückzahlungs-
verpflichtung der Eurofi ghter GmbH von 250 Mill. EUR.

Ausgabenreduzierende Auswirkungen der Leistungsminderungen (Änderung von Tranche 2– auf Tranche 1–Konfiguration und Akzeptanz
teilweise gebrauchter Flugzeuge) sowie durch die Vermeidung der Umrüstung der Flugzeuge von Tranche 1– auf Tranche 2–Konfiguration waren im Vergleich nicht nachvollziehbar ausgewiesen.


Gast: Weiterso
21.07.2012 16:57
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Buchtipp: Lesen Lesen Lesen Sie "Waffenhandel"

von Andrew Feinstein. Der Autor belegt mit noch nie da gewesener Akribie die unglaubliche Korruption im Rüstungsgeschäft. BAE war eine der korruptesten Firmen überhaupt, und bereichert haben sie sich ALLE von Thatcher(s Sohn) über George Bush(s Bruder) einfach alle. Fotoportraits der wichtigsten Player sind abgebildet - und siehe da zwischen "Größen" wie Charles Taylor und Viktor Bout ein bekanntes Gesicht: Herr A M-P.
Das Problem seiner Tätigkeit ist, dass er uns Steuerzahlern Milliarden kostet da unnötige Produkte wie eben Eurofighter in den Markt gedrückt werden. Das Schmiergeld wird von den Rüstungsfirmen natürlich auf den Kaufpreis aufgeschlagen, ein doppelter Verlust also. Herr Pilz, bitte finden Sie alle Empfänger und stellen Sie diese vor Gericht!!!

Gast: Warum ist ??? nicht mehr erlaubt?
20.07.2012 08:29
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" ... einen Namen als Aufdecker ..."? - lol

Pilz ist berühmt dafür, als selbsternannter Aufdecker dort "Skandal" zu schreien, wo dann nichts dahinter ist. Siehe die nicht bestätigten Vorwürfe in diesem Artikel. Siehe die definitiv falschen und inhaltsleeren Vorwürfen zur Einsatzbereitschaft, die schon einige Beitragsschreiber vor mir angesprochen haben.

Erschwerend kommt noch seine augenscheinlich parteipolitisch gefärbte Brille dazu: Die 5 Mio Euro - Spende an den roten Fußballverein Rapid erwähnt er nicht. Und das, obwohl gleich nach dem Bekanntwerden dieser "Spende" der Untersuchungsausschuss damals von der SPÖ abgedreht wurde. Wenn ihn das heute nicht mehr stört, dann ist die zumindest interessant.

Anmerkung: Ein Hr. Pretterebner hatte sich seinerzeit als Aufdecker einen Namen gemacht - wurde aber in Folge mundtot gemacht ...

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Fotos

Hier ein Fotothread, jeder von euch kann hier selber nachzählen was so an einem Tag und in einer Woche fliegt und was wirklich an Klarstand herrscht.

http://www.doppeladler.com/forum/viewtopic.php?f=4&t=2700

Ich habe keine Ahnung woher das Schwammerl seine Wahrheiten bezieht, aber selbst er sollte wissen dass 100% Klarstand(=einsatzbereitschaft) komplett unwirtschaftlich und teuer ist. Es sind in der Regel 6-11 Typhoons einsatzbereit, je nach Aufgabe, bei DAVOS 2012 waren es 11 an einem Tag. 3 Stück sind jeden Tag zur Alarmrotte abgestellt, 2 fliegen, 1 ist Reserve. Das ist ganz normal und wird überall so gehandhabt.

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Dr. Pilz bitte abtreten

Lieber Herr Doktor, es mag ja sein dass Sie einige gefrustete Soldaten als Whistleblower in petto haben, aber ich bitte Sie inständigst endlich einmal die Grundregeln der militärischen Luftfahrt nachzulesen, im speziellen wozu unsere Typhoons laut Verfassung eingesetzt werden müssen.
Auch haben sie so wie es wieder mal scheint absolut keine Ahnung was es mit den Schlagworten Wartunsintervall und Klarstand so auf sich hat, denn sonst würden Sie nicht so einen Nonsens verzapfen, das ist ja echt widerlich.
Unsere Leute in Zeltweg erbringen Höchstleistungen in technischen Belangen und haben bei lediglich 15 Maschinen NUR 15 Piloten zur Hand, wobei in Höchstzeiten 11 Maschinen an 1 Tag einsetzbar sind, siehe Davos 2012.
Auch unterschlagen Sie die Tatsache dass der Typhoon immer noch in der Einführungsphase und Zeltweg seiner Zeit eigentlich weit voraus ist und vor allem dass die Typhoons SEPARAT finanziert wurden und NICHT vom laufenden Heeresbudget. Wenn Sie die Abfangjäger abschaffen wollen, müssen Sie die Verfassung ändern und/oder militärische Bündnisse eingehen die ihre Partei niemals gutheissen würde, ansonsten begehen Sie alle im Parlament ganz einfach Verfassungsbruch. Ihr Kommentar ist übelster Populismus und ich wundere mich dass Ihnen die Presse dafür auch noch Platz einräumt.

Gast: fulca
19.07.2012 08:07
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Der Verschender

Das Prinzip von Klarstand und Wartungsintervalle sowie das System Luftraumüberwachung hat der gute Mann offenbar immer noch nicht verstanden, sonst aber steht viel Wahres in dem Kommentar!

Gast: Luzifer
17.07.2012 16:04
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Die Luftverteidigung unseres neutralen Landes

könnten ebenso die "Modellflugzeuge"/Drohnen unseres Feldherrn Darabos übernehmen. Für die wäre uinser Buindesheer "groß" genug! Und kosten tät`s auch nicht viel...

Bin schon auf die ersten Videos und Luftaufnahmen von Neutralitätsverletzungen aus den Modellflugzeugerln neugierig. Die könnte man dann direkt in das Bundeskanzleramt/Außenministerium zwecks telefonischem Protest übertragen! Da wird es kein Nato-Flugzeug mehr wagen, unser Land ohne Genehmigung in großen Höhen zu überqueren und unsere Neutralität zu verletzten!

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Re: Die Luftverteidigung unseres neutralen Landes

Ihr Kommentar weist darauf hin dass auch Sie keine Ahnung von der Materie haben, es fängt schon damit an dass in der EU keine unbemannten Fluggeräte im zivilen Luftraum zugelassen sind. Damuss zuerst ein freier Korridor geschaffen werden wenn man diese einsetzen will...bei Katastrophen o.ä. zB.
Kommen Sie wieder wenn sie dazugelernt haben.

Antworten Antworten Gast: Luzifer
19.07.2012 22:36
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Re: Re: Die Luftverteidigung unseres neutralen Landes

Haben wohl die Smileys übersehen ..

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Re: Re: Re: Die Luftverteidigung unseres neutralen Landes

Ich sehe keine Smileys, sorry.

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