Lasst Griechen bankrott gehen!

CHRISTIAN EBNER (Die Presse)

Die Furcht vor den angeblich schrecklichen Folgen der Griechenland-Pleite lässt die EU noch mehr zur Transferunion verkommen.

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Staatsbankrotte sind nichts Ungewöhnliches: Griechenland war seit 1822 fünf Mal bankrott, zuletzt hat es 2001 Argentinien erwischt (drei Mal so viele Einwohner wie Griechenland). Eine katastrophale Kettenreaktion ist aber ausgeblieben.

Die Bundesregierung, die EU-Kommission, die EZB (aufgrund des verantwortungslosen Anleihenaufkaufprogramms nunmehr größter Gläubiger Griechenlands), die Bank Austria (hält 800 Mio. Griechenland-Anteile) betreiben eine beispiellose Angstkampagne, die offenbar jedermann klarmachen soll, dass eine Pleite Griechenlands unweigerlich in die Apokalypse führen würde.

Angeblich würde die Griechenland-Pleite die Banken in ganz Europa in den Ruin treiben. Bei näherer Betrachtung der Forderungen europäischer Banken zeigt sich: Manche Banken würden herbe Verluste erleiden, aber es würde sie nicht umbringen. Der jüngste Banken-Stresstest und eine Studie des Finanzministeriums bestätigen dies. Angeblich gäbe es im Falle einer Griechenland-Pleite eine Kettenreaktion wie im Falle der Lehman-Brothers-Pleite. Lehman Brothers war eine Investmentbank, die gegen Garantie-Entgelt Ausfallsgarantien für eine Vielzahl von Finanzprodukten in der ganzen Welt übernommen hat. Das ist nicht einmal annähernd mit Griechenland vergleichbar.

 

Die Beispiele Schweiz, Slowakei

Österreichs Exportwirtschaft würde massiv geschädigt, das österreichische BIP würde dauerhaft um fünf Prozent sinken (© Bank Austria Chef-Ökonom Bruckbauer), heißt es. Ach ja? Ganze 1,6Prozent der österreichischen Exporte gehen nach Griechenland. Und die EU würde auseinanderbrechen. Weil nur noch 16 von 27 EU-Mitgliedern bei der Währungsunion dabei wären statt bisher 17?

Wenn Bankvorstände wissen, dass ihre Bank aufgefangen wird, haben sie gute Gründe, riskant zu agieren: Wenn es gut geht, winkt ein fetter Bonus, wenn es schlecht geht, bezahlt der Steuerzahler. Ähnliches gilt für Politiker von Olivenrepubliken: Warum unpopuläre Reformen machen, wenn am Ende andere zahlen? Hilfe kann eben verantwortungslos machen.

Die Furcht vor den angeblich schrecklichen Folgen der Griechenland-Pleite lässt die EU noch mehr zur Transferunion verkommen. Diese Zusatzbelastung droht Österreich den Rest zu geben. Schon bisher hat die Furcht der Großen Koalition vor Landesfürsten, Beamtengewerkschaftern und Inhabern von Pensionsprivilegien notwendige Reformen verhindert.

Wir leiden unter einer irrwitzig hohen Steuer- und Abgabenlast und haben trotzdem einen gewaltigen Schuldenberg. Zum Vergleich: Steuern und Abgaben in der Schweiz und der Slowakei sind rund um ein Drittel niedriger als in Österreich, aber die Staatsschulden sind dort circa halb so hoch wie bei uns! Die Slowakei ist übrigens jenes Land, das den Mut aufbrachte, sich dem Gruppendruck zu widersetzen und bei der Griechenhilfe nicht mitzumachen.

Übrigens: Infolge der Staatspleite wurde die argentinische Währung stark abgewertet, die Exporte sprangen wieder an, und Argentinien geht es heute wieder besser. Genauso würde auch Griechenland nach Einführung der eigenen Währung wieder gesunden.

Christian Ebner (geb. 6.2. 1970), Betriebswirt und Unternehmensberater, ist Generalsekretär des Bündnisses Zukunft Österreich (BZÖ).


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2011)

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10 Kommentare
Gast: Hubertus
28.07.2011 21:29
0

Slowakei kein gutes Beispiel

Die Staatsverschuldung der Slowakei ist kein gutes Beispiel. Die haben noch nicht Zeit genug gehabt Schulden zu machen. Reden wir in 40 Jahren weiter. Außerdem hat denen niemand Geld geliehen, weil ihre wirtschaftliche Historie viel zu kurz war.

Griechenland ist absolut zahlungsunfähig und kann ohne Währungsabwertung nicht auf die Beine kommen!

Das leugnen die EU-Bonzen aber mit allen Mitteln! Sie müssten sonst zugeben, dass es ein fataler Fehler war, Griechenland in den Euro-Raum aufzunehmen. Jetzt kann Griechenland nicht abwerten, ohne den Euro in den Abgrund zu reißen!
Es gibt aber keine andere Möglichkeit als Abwertung, weshalb die EU-Bonzen alles aufwenden, um die Stunde der Wahrheit hinauszuschieben. Sie “kaufen Zeit” mit ungeheuren Milliardenbeträgen, die sie nicht haben, sondern aus uns herauspressen wollen. Geholfen ist damit niemandem, der einzige Effekt ist, dass sich die noch zahlungsfähigen EU-Staaten dafür auch unzulässig hoch verschulden werden. Unsere Politiker, “blöd, feig und ahnungslos”, wie sie sind, machen den EU-Haderlumpen auch noch die Mauer!

Für einen Staat, der zahlungsunfähig ist, gibt es keine andere Möglichkeit, sich wieder zu erholen, als Währungsabwertung. Deshalb muss die geldvernichtende Spiegelfechterei der EU so rasch wie möglich beendet werden! Griechenland muss heraus aus dem Euro und wieder hinein in die Drachme! Diese Blamage bleibt den EU-Bonzen so und so nicht erspart, deshalb je eher, umso besser!

Re: Griechenland ist absolut zahlungsunfähig und kann ohne Währungsabwertung nicht auf die Beine kommen!

Die Ratingagenturen sagen es den "Schirmherren" ohnehin mit drastischen Abstufungsworten hinein: Für sie ist jedes neue 100-Milliarden-Paket ein neuerlicher Berweis dafür, wie schlecht es den Griechen tatsächlich geht! Ist ja auch irgendwie logisch: Wenn jemand gestern drei Tabletten bruachte, um halbwegs schmerzfrei zu sein und heute schon deren fünf: Dann ist es doch für jeden objektiv nachvollziehbar, daß der Mann morgen vermutlich eine noch höhere Dosis benötigt! Die Ratingagenturen sehen jedenfalls keine Ansätze für einen langfristigen Gesundungsprozeß...

BRAVO - klare, konsistente, richtige Analyse!

Je mehr sich die Politik in die Wirtschaft einmischt, desto schlechter. Fördergelder, Subventionen, Schutzschirme und dergleichen zerstören den Markt, führen zu Bevorzugung der kranken Marktteilnehmer, zur Belohnung der Schlechten und im Endeffekt zum Schaden für alle anderen. Wer wirtschaftlich versagt hat, soll Pleite gehen, dies gilt für Unternehmen ebenso wie für Staaten.

Gast: Rebell
27.07.2011 12:56
4

"Jagt doch die Politiker zum Teufel!"

. . . ein Konsortium der Wissenschaften müsste ein einheitliches Steuer-, Budget- und Sozialsystem schaffen und die Wirtschaft der Länder integrieren, jegliche Neuverschuldung unterbinden und den Schuldenberg der Wirtschaftsgemeinschaft abtragen.
Schulden und soziale Gerechtigkeit sind unvereinbar!

Gast: Zen Su Riert
27.07.2011 11:41
6

BZÖ

ich finde es interessant, dass aus dem BZÖ oftmals echt sinnvolle Statemnts und Analysen kommen, meist aber aus der zweiten oder dritten reihe (das es die dort überhaupt gibt;-). wenn man sich aber dann die mannschaft im rampenlicht anschaut dann fällt man (mit ausnahme von bucher) vom sessel vor lachen. eigentlich schade.

Re: BZÖ

da haben Sie völlig recht. Bucher macht oft einen passablen Eindruck, aber da laufen ja auch noch Leute wie Westenthaler rum, oder?

Re: BZÖ

so etwas nennt man "Altlasten"...

ziemlich vernünftiger gastkommentar

warum können die regierungsparteien das nicht auch so sehen...

Gast: amarie
26.07.2011 21:47
3

ja

aber die machen nur was für sie selbst das profitabelste ist.

wie schlecht das für die hunderten millionen euro bürger ist, ist denen egal.

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