25.05.2012 18:42 | Meine Presse Merkliste 0

„Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“

FRANK SCHIRRMACHER (Die Presse)

Im bürgerlichen Lager werden die Zweifel immer größer, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Gerade zeigt sich in Echtzeit, dass die Annahmen der größten Gegner zuzutreffen scheinen.

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Ein Jahrzehnt enthemmter Finanzmarktökonomie entpuppt sich als das erfolgreichste Resozialisierungsprogramm linker Gesellschaftskritik. So abgewirtschaftet sie schien, sie ist nicht nur wieder da, sie wird auch gebraucht. Die Krise der sogenannten bürgerlichen Politik, einer Politik, die das Wort Bürgertum so gekidnappt hat wie einst der Kommunismus den Proletarier, entwickelt sich zur Selbstbewusstseinskrise des politischen Konservatismus.

Realpolitik und Pragmatismus verdecken die gähnende Leere, und die Entschuldigung, Fehler machten ja auch die anderen, ist das Pfeifen im Walde. Aber es geht heute nicht allein um falsches oder richtiges politisches Handeln. Es geht darum, dass die Praxis dieser Politik wie in einem Echtzeitexperiment nicht nur belegt, dass die gegenwärtige „bürgerliche“ Politik falsch ist, sondern, viel erstaunlicher, dass die Annahmen ihrer größten Gegner richtig sind.

„Die Stärke der Analyse der Linken“, so schreibt der erzkonservative Charles Moore im „Daily Telegraph“, „liegt darin, dass sie verstanden haben, wie die Mächtigen sich liberal-konservativer Sprache als Tarnumhang bedient haben, um sich ihre Vorteile zu sichern. ,Globalisierung‘ zum Beispiel sollte ursprünglich nichts anderes bedeuten als weltweiter freier Handel. Jetzt heißt es, dass Banken die Gewinne internationalen Erfolgs an sich reißen und die Verluste auf jeden Steuerzahler in jeder Nation verteilen. Die Banken kommen nur noch ,nach Hause‘, wenn sie kein Geld mehr haben. Dann geben unsere Regierungen ihnen neues.“

 

Das System dient den Reichen?

Es gibt Sätze, die sind falsch. Und es gibt Sätze, die sind richtig. Schlimm ist, wenn Sätze, die falsch waren, plötzlich richtig werden. Dann beginnt der Zweifel an der Rationalität des Ganzen. Dann beginnen die Zweifel, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Es ist historisch der Moment, in dem alte Fahrensleute sich noch einmal zu Wort melden, um zu retten, was zu retten ist. Der liberale Katholik Erwin Teufel hat das mit einer hochdramatischen, aus zusammenbrechenden Glaubenssystemen überlieferten rhetorischen Figur getan: Er rede, weil er nicht mehr länger schweigen könne. Erwin Teufel: „Ich schweige nicht länger.“ Es ist der erste Akt.

Das komplette Drama der Selbstdesillusionierung des bürgerlichen Denkens spielt sich gerade in England ab. In einem der meistdiskutierten Kommentare der letzten Wochen schrieb dort Charles Moore: „Es hat mehr als 30 Jahre gedauert, bis ich mir als Journalist diese Frage stelle, aber in dieser Woche spüre ich, dass ich sie stellen muss: Hat die Linke nicht am Ende recht?“ Moore hatte das vor den Unruhen geschrieben und ohne jede Vorahnung. Ehrlich gestanden: Wer könnte ihm widersprechen?

Das politische System dient nur den Reichen? Das ist so ein linker Satz, der immer falsch schien, in England vielleicht etwas weniger falsch als im Deutschland Ludwig Erhards. Ein falscher Satz, so Moore, der nun plötzlich ein richtiger ist. „Denn wenn die Banken, die sich um unser Geld kümmern sollen, uns das Geld wegnehmen, es verlieren und aufgrund staatlicher Garantien dafür nicht bestraft werden, passiert etwas Schlimmes. Es zeigt sich – wie die Linke immer behauptet hat –, dass ein System, das angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu ermöglichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert.“ So Moore. Er geht es alles durch: Murdoch, von dem er sagt, dass ihn die Linke schon durchschaute, als die Rechte Populismus noch für Demokratie hielt, die Kredit- und Finanzkrise, den Rechtsbruch europäischer Regierungschefs, den Primat des ökonomischen Diskurses und schließlich die Krise der Eurozone selbst. Ein linker Propagandist, so Moore, hätte eine Satire, wie Geld die Welt regiert, nicht besser erfinden können.

 

Eine Welt des Doppelstandards

An dieser Stelle muss man sagen, wer Charles Moore ist. Nicht nur ein brillanter konservativer Publizist, sondern auch der offizielle Biograf Margaret Thatchers, eine Biografie übrigens, die erst nach ihrem Tode erscheinen darf. „Die Resonanz auf meinen Artikel ist gewaltig“, sagt er im Gespräch, „aber es gibt ein paar Missverständnisse. Manche Leute glauben, ich meinte, Labour habe recht. Davon rede ich nicht. Ich rede von linken Ideen und bürgerlichen Ideen.“

Es mag sein und wird auch sofort gesagt werden, dass die Lage in England eine andere ist. Und dennoch sind die Übereinstimmungen unübersehbar, die Erwin-Teufel-Debatte ist nur ein Indiz. Es war ja nicht so, dass der Neoliberalismus wie eine Gehirnwäsche über die Gesellschaft kam. Er bediente sich im imaginativen Depot des bürgerlichen Denkens: Freiheit, Autonomie, Selbstbestimmung bei gleichzeitiger Achtung von individuellen Werten, die Chance zu werden, wer man werden will, bei gleichzeitiger Zähmung des Staates und seiner Allmacht. Und gleichzeitig lieferte ihm die CDU ihren größten Wert aus: die Legitimation durch die Erben Ludwig Erhards, das Versprechen, dass Globalisierung ein Evolutionsprodukt der sozialen Marktwirtschaft wird. Ludwig Erhard plus AIG plus Lehman plus bürgerliche Werte – das ist wahrhaft eine Killerapplikation gewesen.

Man muss hier nicht mehr aufzählen, was dann geschah, wer alles im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate saß und was schließlich in der flehentlichen Bitte von Bankern um Verstaatlichung nicht endete. Entscheidend ist etwas anderes: Die CDU hat ihre an die Finanzmärkte ausgeliehenen immateriellen Werte, ihre Vorstellung vom Individuum und vom Glück des Einzelnen, niemals zurückgefordert. Sie hat nicht nur keine Verantwortung für pleitegehende Banken verlangt, sie hat sich noch nicht einmal über die Verhunzung und Zertrümmerung ihrer Ideale beklagt. Entstanden ist so eine Welt des Doppelstandards, in der aus ökonomischen Problemen unweigerlich moralische Probleme werden. Darin liegt die Explosivität der gegenwärtigen Lage, und das unterscheidet sie von den Krisen der alten Republik. Die Atomisierung der FDP, die für den Irrweg bestraft wurde, ist rein funktionell. Niemand würde der existierenden liberalen Partei besondere moralische Kompetenz zusprechen, und sie hat es, ehrlicherweise, auch nie von sich behauptet. Der Preis der CDU ist weit mehr als ein Wahlergebnis. Es ist die Frage, ob sie ein bürgerlicher Agendasetter ist oder ob sie das Bürgertum als ihren Wirt nur noch parasitär besetzt, aussaugt und entkräftet.

 

Kein Wort, nichts, niemand

Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es ist Moore, der hier spricht und der einst im Thatcherismus alter Prägung die größtmögliche Erfahrung gesellschaftlicher Perfektion erblickte: „Ihre Chancen für einen Job, für ein eigenes Haus, eine anständige Pension, einen guten Start für Ihre Kinder werden immer kleiner. Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weitergeht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“

Die CDU aber, belehnt mit einem autodidaktischen Ludwig-Erhard-Studium, sieht nicht, wer in diesen schrumpfenden Räumen sitzt: Lehrer und Hochschullehrer und Studenten, Polizisten, Ärzte, Krankenschwestern, gesellschaftliche Gruppen, die in ihrem Leben nicht auf Reichtum spekulierten, sondern in einer Gesellschaft leben wollen, wo eindeutige Standards für alle gelten, für Einzelne, für Unternehmen und für Staaten, Standards von Zuverlässigkeit, Loyalität, Kontrolle.

Angela Merkel war bisher nicht in der Lage, die moralischen Folgen der Krise in der Eurozone zu thematisieren. Das ist schlimm genug. Undenkbar, dass zu Zeiten Erhards nicht ein Selbstverständigungsprozess eingesetzt hätte. Dafür fehlt der Partei augenscheinlich das Personal. Denn die Macht dazu fehlt ihr keinesfalls. Über das Wort „Monster“ ist die politische Positionierung der Konservativen bis heute nicht hinausgekommen – und das las man früher und besser auf den „Nachdenkseiten“ des unverzichtbaren Albrecht Müller, einst Vordenker von Willy Brandt.

Ein Bundespräsident aus dem bürgerlichen Lager, von dem man sich ständig fragt, warum er unbedingt Bundespräsident werden wollte, schweigt zur größten Krise Europas, als glaube er selbst schon nicht mehr an die Rede, die er dann halten muss. Eine Ära bürgerlicher Politik sah die Deklassierung geistiger Arbeit, die schleichende Zerstörung der deutschen Universität, die ökonomische Unterhöhlung der Lehrberufe. Frau Schavan ist inexistent. Dass Gesundheit in einer alternden Gesellschaft nicht mehr das letzte Gut sein kann, weil sie nicht mehr finanzierbar sein wird – eine der großen Wertedebatten der Zukunft, die jede einzelne Familie betreffen wird, zu der man eine sich christlich nennende Partei gerne hören würde, ja hören muss –: kein Wort, nichts, niemand.

Schließlich: Der geradezu verantwortungslose Umgang mit dem demografischen Wandel – der endgültige Abschied von Ludwig Erhards aufstiegswilligen Mehrheiten – macht in seiner gespenstischen Abgebrühtheit einfach nur noch sprachlos. Ein Bürgertum, das seine Werte und Lebensvorstellungen von den „gierigen Wenigen“ (Moore) missbraucht sieht, muss in sich selbst die Fähigkeit zu bürgerlicher Gesellschaftskritik wiederfinden. Charles Moores Intervention zeigt, wie sie aussehen könnte.

© Alle Rechte vorbehalten.
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Dieser Text erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ am 15. August 2011.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2011)

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31 Kommentare
 
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Gast: Antideologe
19.08.2011 11:01
1 1

Es gibt nichts Schlimmeres

als deutsche Intellektuelle. Seien sie nun links oder rechts. Wobei letztlich alle irgendwann links sind, siehe Schirrmacher. Nichts Schlimmeres deshalb, weil sie einfach nicht begreifen, dass die Welt und ihre Probleme nie - nie - mit dem Intellekt allein verstehbar oder die Probleme damit lösbar sind. Intellektoide Klugscheisser führen sich und ihre Hörigen in die Irre - etwa von der Frankfurter Schule bis Schirrmacher. Gott möge die Welt vor diesem schwachsinnigen, von der Realität völlig abgekoppelten Geschwätz bewahren. (Wobei auch etwa französische Intellektuelle sensationell sind im sinnlosen Schwafeln - aber sie schreiben weit unterhaltsamer!)

Gast: radius
19.08.2011 10:04
0 0

Schirrmacher differenziert nicht

zwischen Marktwirtschaft und Organisierter Kriminalität. Auf die OK hat er recht, auf die Marktwirtschaft nicht.

Ich meine, Herr Schirrmacher schlägt einen gefährlichen Weg ein. Ich finde so und so, dass die Medien zurückgestutzt gehören auf sachliche Information. Für Politik sind sie nicht legitimiert.

Gast: Hinschauer
19.08.2011 08:39
1 0

Es ist nie zu spät, auch nicht nach dreißig Jahren

Umsturz im Feuiletton.
Es ist nie zu spät, auch nicht nach dreißig Jahren.

http://derstandard.at/1313024588529/Umsturz-im-Feuilleton

Brillante Satire.

Gast: Goiserer1
19.08.2011 08:02
1 0

brillante Analyse

brillante Analyse - und wie ist die Therapie?
Die Regierungen als Büttel der Banken - ja so ist es!

nimmgib
19.08.2011 00:45
1 0

Das System dient den Reichen

endlich einmal einer, der so was überhaupt einmal medial aufgreift! Lange hats gedauert, aber ich bin da schon früher draufgekommen!
Schön wärs, wenn noch ein paar draufkommen.

wmaurer
18.08.2011 18:37
0 2

entbehrlich, der Artikel,

aber er füllt die Seiten. Füllmaterial halt,
um an den ehemals großen Horizont zu erinnern.

2 0

Hervorhebenswert


"Es gibt Sätze, die sind falsch.
Und es gibt Sätze, die sind richtig.
Schlimm ist, wenn Sätze, die falsch waren,
plötzlich richtig werden. Dann beginnt der Zweifel
an der Rationalität des Ganzen. Dann beginnen
die Zweifel, ob man richtig gelegen hat,
ein ganzes Leben lang."

(Frank Schirrmacher, im obigen Beitrag)

2 0

gilt auch für Ö, aber...

"Eine Ära bürgerlicher Politik sah die Deklassierung geistiger Arbeit, die schleichende Zerstörung der deutschen Universität, die ökonomische Unterhöhlung der Lehrberufe."...und damit die perspaktivenlosigkeit vieler jugendlicher. nur in Ö war in dieser ganzen zeit (mit einer kurzen unterbrechung) die linke an der macht. und es ist nicht besser.

Antworten Gast: ebennicht
18.08.2011 18:16
0 0

Re: gilt auch für Ö, aber...

mit vorutreilen und reflexhaftem verhalten kann man leider eben nicht
a) lesen UND verstehen
b) bis drei zählen....

Antworten saddam
18.08.2011 17:07
0 2

Re: gilt auch für Ö, aber...

Sie haben den Artikel nicht verstanden, Nochmal lesen!

Gast: Vogel Strauss
18.08.2011 13:35
3 0

Deutsche Journalisten ...

... sind bekanntermassen alles andere als konservativ - dies relativiert diese Aussagen. Was ich nicht kapiere: Nur die Konservativen / Bürgerlichen / rechts d. Mitte (wie immer man das bezeichnen will) schaffen es, sich selbst abzuschaffen und ständig selber anzupatzen!

Antworten Gast: jemand
18.08.2011 19:14
0 0

Re: Deutsche Journalisten ...

Kann ja sein mit den Journalisten, der Herr Schirrmacher ist aber immerhin Mitherausgeber der FAZ und die ist quasi seit Jahrzehnten das Hausblatt der Marktwirtschaft. Ausserdem gilt Charles Moore auch nicht gerade als linker Ideologe.

Antworten Antworten nimmgib
19.08.2011 01:01
0 0

Re: Re: Deutsche Journalisten ...

das will dann etwas heissen!

Antworten Gast: punktgenau
18.08.2011 18:33
0 0

Re: Deutsche Journalisten ...

haben sie ihren namen ihrem beitrag angepasst?

Gast: Zen Su Riert
18.08.2011 12:09
4 0

auweia

das ist der hanebüchernste unsinn, der jemals in der presse veröffentlicht wurde. den einzigen sinn, den man diesem geschreibsel beimessen kann ist, dass es eine vollständige auflistung der stereotypen der dumben linksdoktrin ist (lediglich die jungen britischen helden der arbeiterklasse, die so heroisch das vermögen der kapitalisten attackiert haben, fehlen).

Gast: wieder mal ein Gast
18.08.2011 11:47
3 0

Rote Träumereien

Sie haben sicher schon gehört, dass das sozialistische Paradies Kuba sich langsam , aber doch, der Marktwirtschaft öffnet ?

„Bürgerlich“ mögen sie offensichtlich nicht, aber wer ist eigentlich ein Bürger, der Bankbeamte, die Friseurin, der Computerspezialist, der Pensionist,die Billa Kassiererin....also wir alle. Sie versuchen da künstlich ein Feindbild eines „neoliberalen Bürgerlichen“ zu konstruieren, der in negativen Gegensatz zum idealen „sozialistischen Menschen“ steht.

Antworten Gast: ein gast
18.08.2011 21:40
0 0

Re: Rote Träumereien

Ach lies doch erstmal zu Ende und recherchier auch noch ein wenig. Bürgerlich ist der Autor des Artikels selbst und dazu würde er sich klar und deutlich bekennen. Er stellt lediglich die Frage ob die Banken, die Finanzmärkte, die Großunternehmen und die bürgerlichen Parteien noch bürgerlich sind. Der Verweis auf die Linke bedeutet nicht, dass Links eine Lösung hätte. Da die Linken während der letzten 20 Jahre aber, als einzige kritisch mit der bürgerlichen Gesellschaft umgegangen sind gibt es dort mittlerweile mehr Wissen über die Probleme von Markt und Bürgern als bei Konservativen und Marktspezialisten. Auch Unternehmen, müssen sich externe Berater suchen wenn sie sich selbst nicht mehr verstehen.

Antworten Antworten Gast: wieder mal ein Gast
19.08.2011 08:03
0 0

Re: Re: Rote Träumereien

Trotzdem der Begriff „bürgerlich” wird hier, wir meist , völlig unkritisch und mit negativem Beigeschmack verwendet . Wie definieren sie „bürgerlich“ und was ist eine sogenannte bürgerliche Politik ??

Mühsam
18.08.2011 10:13
0 5

Dämmerung

Wer einen klaren Verstand behalten hat und ideologisch nicht völlig verblendet ist (wie die meisten Kommentareschreiber der "Presse"), dem muss wie Schirrmacher langsam dämmern, dass die neoliberale Wirtschaftspolitik der Jahre seit dem Zusammenbruch des Ostblocks an einen Abgrund geführt hat, der auch die Werte des Bürgertums zu verschlingen droht. Zu Erwarten, dass diese Einsicht auch unsere gläubigen Wurschtel des Neoliberalismus a la Fleischhacker und Ortner überkommt, ist allerdings wegen der oben angeführten Gründe illusorisch.

Antworten Gast: Zen Su Riert
18.08.2011 12:13
5 0

Re: Dämmerung

an den abgrund hat einzig und allein die jahrzehntelange sozialistische schuldenpolitik (zur bedienung der eigenen klientel) und die unfähigkeit der aktuellen politiker zu mutigen und weitsichtigen lösungen geführt. das hat nichts mit liberalismus vs keynsianismus zu tun. selbst das beste wirtschaftspolitische konzept ist immer nur so gut, wie die idiotischen politiker, die es umsetzen.

Antworten Antworten Gast: fnord perfect
18.08.2011 20:50
0 0

Re: Re: Dämmerung

Wer ist denn die Klientel? Nach meiner Erfahrung sind es diejenigen, welche die Parteien und die öffentliche Meinungsbildung finanzieren. Je mehr Geld desto wichtiger der Klient. Wahlstimmen erhält man nicht mehr durch bedienung der ursprünglichen Klientel von vor hundert Jahren sondern durch Marketing. Die Krise der Politik ist vom Markt verursacht worden genau wie die Krise des Marktes von der Politik verursacht wurde.

Antworten Gast: auch so einer
18.08.2011 11:57
4 0

Re: Dämmerung

Also im Großen und Ganzen leben wir in der verteufelten neoliberalen Demokratie eigentlich ganz gut !
Nein, diese Gesellschaft ist nicht vollkommen, aber die Weltverbesserer mit ihrer idealen, aber letztlich autoritären, Gesellschaftsordnung sind sicher gefährlicher als die neoliberalen Reparierer.

Gast: Gäst
17.08.2011 22:05
6 0

Wenn Banken das Geld verlieren und dann durch Garantien des Steuerzahlers gerettet werden.

Sry ich habe ab dem Satz abgebrochen zu lesen, falls der Artikelschreiber sich nachher noch eine konträere Stelung einnimmt gut.
Das Banken durch Kredite gerettet werden, hat aber gar nichts mit einer neoliberalen marktorientierten bürgerlichen Einstellung zu tun, sondern genau mit der linken Einstellung, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen von Wohlstand auf jeden Fall koste es was es wolle erhalten werden muss (weil anderes is ja dem armen Bürger nicht zu zumuten).
Der Mob in GB war kein Mob der Armut oder der sozialen Beürftigkeit, es war eine Demo wegen eines Todes und danach ein Mob der Lust am zerstören und plündern hatte.
Die Globalisierung ist etwas gutes, schon allein auf dem Gedanken, dass eine Energieversorgung die ökologisch sein soll gar nicht anders funktioniert.
Dem Bürgertum nicht zu unterstellen, dass es mit dem Möglichkeiten und dem Know-How nicht auch gewinnorientiert ihr Vermögen verwaltet halte ich jetzt für puren Populismus.
Ich kenne keinen Steuerberater, Arzt, Anwalt, Techniker etc. der nur aus nächstenliebe arbeitet und klar Techniker verdienen auch nur so viel weil ihnen praktisch das Gehalt aufgedrängt wird.

Antworten Gast: jemand
18.08.2011 19:32
0 0

Re: Wenn Banken das Geld verlieren und dann durch Garantien des Steuerzahlers gerettet werden.

Die Banken haben das Geld bekommen, weil sie den Staat mit Argumenten von "Alternativlosigkeit" und "Systemrelevenz" dazu bringen konnten. Die Macht dazu haben sie am Markt verliehen bekommen. Dabei haben sie rein marktwirtschaftlich und im eigenen Interesse gehandelt und dabei gleichsam den Markt zerstört. Der Markt frisst seine Kinder könnte man sagen, eigentlich eine marktwirtschaftliche Selbstreinigung.

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Re: Wenn Banken das Geld verlieren und dann durch Garantien des Steuerzahlers gerettet werden.

Fakt ist, dass die weltweiten Wirtschaftssysteme gehörig krachen. Warum dem so ist, könnte man über Stunden diskutieren und würde dennoch nicht auf einen Konsens kommen.

Für mich steht (in Mitteleuropa) die "Linke" für menschenfreundlich, während die "Rechte" wieder und wieder auf Abgrenzung zu anderen Volksgruppen setzt. Ein sinnloser Ansatz wenn man bedenkt, dass wir uns in der größten Völkerwanderung aller Zeiten befinden und diese auch nicht gestoppt werden sondern die Integration (zum Wohle aller) nur optimiert werden kann.

Das Banken durch Kredite gerettet werden, hat aber gar nichts mit einer neoliberalen marktorientierten bürgerlichen Einstellung zu tun

Ich denke, es ist wie immer im Leben eine Mischung. "Linke Ideen" (die bei uns übrigens auch von jenen vertreten werden, die ansonsten eher weit "rechts" stehen) sorgen dafür, dass andauern mehr abfliesst als reinkommt. Das Geld dafür wird von Banken ausgeliehen.
Ein (echter) Linker hätte nun kein Problem damit, wenn sich eine solche Bank verspekuliert und gnadenlos Pleite geht.
Pleite heisst nun: Den Häuslbauern wird der Kredit fälliggestellt, der Sparer fällt um sein Geld um. Da die Banken auch noch untereinander verbandelt sind, fallen andere Institute gleich mit. In einem solchen Szenario stellt sich dann sehr schnell heraus, wieviele der Geschädigten dann eine "neoliberale marktorientierte bürgerliche Einstellung" haben.
"Links" und "rechts", "neuliberal", "sozialistisch" sind nur Behelfe, um durch "Konkurrenz" von Problemen abzulenken, die man nicht mit Weltanschauung sondern nur mit Hirn und Vernunft lösen kann.

 
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Hinweis

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