25.05.2012 18:47 | Meine Presse Merkliste 0

Wer zahlt den Spitzensteuersatz?

JOE THOMAN (Die Presse)

Jene Erwerbstätigen, die tatsächlich vom 50-prozentigen Steuersatz betroffen sind, machen keineswegs den Kern der Mittelschicht aus.

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Maria Fekter findet, dass „ein Steuerzahler mit 4500 Euro Monatsgehalt nicht als Spitzenverdiener gelten soll und daher nicht den Spitzensteuersatz von 50 Prozent zahlen soll“ (Standard, 15.9.2011). Die Finanzministerin argumentiert damit bewusst mit Halbwahrheiten oder hatte einfach noch nicht Zeit, sich mit wichtigen Details des österreichischen Steuer- und Abgabensystems auseinanderzusetzen.

Ein genauer Blick auf das Einkommensteuersystem macht nämlich Folgendes deutlich:

• nur ein sehr kleiner Teil der Erwerbstätigen ist vom höchsten Steuersatz betroffen;
• auch jene, die vom Spitzensteuersatz betroffen sind, müssen nur für einen Teil ihres Einkommens den Spitzensteuersatz abführen;
• selbst von jenem Einkommensteil, der vom Spitzensteuersatz betroffen ist, müssen nicht 50Prozent abgeführt werden.

Denn obwohl laut Gesetz Einkommen von über 60.000 Euro mit 50Prozent besteuert werden, kann es praktisch aus drei Gründen gar nicht so weit kommen:

1. Die Bemessungsgrundlage des Spitzensteuersatzes wird erst nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge schlagend, die insofern als Schutzschild wirken. Tatsächlich muss nämlich nur für jenen Teil des Jahresbruttoeinkommens, der über 80.550€ liegt, der höchste Steuersatz gezahlt werden.

 

Was die Topverdiener zahlen

2. Auch dann beträgt die Grenzbelastung nicht 50 Prozent. Denn aufgrund der begünstigten Besteuerung des 13. und 14. Monatsgehalts wird jeder zusätzlich verdiente Euro „nur“ mit 43,71Prozent besteuert. Insgesamt müssen bei einem Jahresbruttobezug von 80.550€ rund 38% an Lohnsteuern und SV-Beiträgen bezahlt werden.

3. Auch die Topverdiener zahlen für die ersten 11.000€ (zu versteuerndes Einkommen) keine Steuer, für die nächsten 14.000€ 36,5Prozent und die folgenden 35.000€ dann 43,21Prozent. Erst für den Rest gilt der Spitzensteuersatz von 50 Prozent.

Effektiv bedeutet dies, dass nur jene 3,2 (!) Prozent aller Erwerbstätigen (5,5Prozent aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten), die mehr als 80.550€/Jahr (5750€ brutto/Monat) verdienen, für einen Teil ihres Lohneinkommens den Spitzensteuersatz von effektiv 43,71Prozent abführen müssen. Selbst bei einem Jahresbruttobezug von über 250.000€ (rund 18.000€/Monat) beträgt die Gesamtbelastung durch Einkommensteuer und SV-Beiträge so „nur“ knapp 42Prozent.

Fakt ist also, dass jene Erwerbstätigen, die vom Spitzensteuersatz betroffen sind, nicht den Kern des Mittelstands ausmachen. Will man wirklich die Arbeitseinkommen als Größe heranziehen, um den Mittelstand zu definieren, bleiben zwei Möglichkeiten:

Variante a): Man teilt die Erwerbstätigen in drei gleich große Gruppen, also in „Unter-, Mittel- und Oberschicht“. Die Mittelschicht sind demnach alle jene, die zwischen 1600 und 2600€ brutto/Monat verdienen.

Variante b): Man zählt alle jene zum Mittelstand, die zwischen rund 1000 und 3000€ brutto/Monat verdienen (das sind 61% der Erwerbstätigen). Da ein großer Teil der wichtigen gesellschaftlichen Arbeit aber ohnehin schlecht oder gar unbezahlt erfolgt, eignet sich im Endeffekt wohl keines dieser Konzepte, um „Leistungsträger“ zu definieren.

Joe Thoman (*1983 in Tirol) arbeitet als Volkswirt in Wien und ist in der Sektion8 der SPÖ Alsergrund aktiv. www.steuermythen.at


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2011)

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18 Kommentare
Gast: montaigne
21.09.2011 19:54
0 1

Volkswirt??

Mit dem Wirtschaftswissen reicht's nicht einmal zum Schankwirt.
Frage an die Presse: hat der für den Aufsatz (nichtgenügend, setzen!) vielleicht noch ein Honorar bekommen?

periskop
21.09.2011 08:07
3 0

Die Finanzämter machen aber nicht solche wunderlichen Berechnungen, sondern verwenden überall dort, wo es der Gesetzgeber verlangt den Grenzsteuersatz von 50 Prozent!

Jeder, der seinen Gehaltszettel anschaut, muss wissen, dass man unter den ca. 270 Staaten der Welt diejenigen, die ihren Bürgern so viele Steuern aufgebrummt haben wie Österreich, an den Fingern einer Hand abzählen kann!
Die Gier unserer Politiker zählt zur Weltspitze! Sie müssten endlich aufhören, die enorme Steuerbelastung kleinzureden (wie hier) oder sogar über neue Steuern nachzudenken. Wir zahlen im internationalen Vergleich schon jetzt viel zu viel, es wären Steuersenkungen aber keine Erhöhungen nötig!

grazer100
20.09.2011 17:24
3 2

"Leistungsträger"

Wenn man sich die Homepage der politisch organisierten Gruppe von Ökonomen der SPÖ Alsergrund näher anschaut, kommt einem das Grausen, wenn man hart arbeitet und Geld verdient.
Das sage ich als einer, der sehr deutlich unter einem 80.000 Bruttoeinkommen liegt.

Angesprochen von vielen Vorstellungen dieser Organisation fühlen sich gewiss viele Menschen, meines Erachtens primär wohl jene, die - aus welchen Gründen immer - sehr wenig verdienen oder in irgend einer Form vom Staat finanziert werden.

Die Mittelstandsdefinition, die sich auf der Homepage findet, ist schlichtweg ein Witz. Abgesehen davon ist für diese Gruppe Leistung schlichtweg ein Fremdwort.

Für die SP wäre ein größerer Bekanntheitsgrad dieser Gruppe nicht hilfreich, denn man kann sich ausmalen, wohin ihre Forderung nach einer Vermögenssteuer in Wirklichkeit münden soll....Was ihre wirklichen Intentionen sind, liest sich mehr oder weniger klar aus ihren "Wahrheiten".....

Ich bin dafür, dass mit gezielten Schritten Arbeit steuerlich entlastet wird und (leistungsloses) Vermögen höher besteuert wird, aber gleichzeitig froh, dass die SP nicht allein in einer Regierung ist.....

3 2

2.601 brutto = 1.720,23 netto


So so lieber Joe - bei 1.720,23 Euro monatlich beginnt bei Ihnen also die Oberschicht....

minus Miete
minus Heizung
minus Strom
minus KFZ-Steuer
minus Benzin
minus ORF
minus Telefon
minus Versicherungen
.
.
.

Ja da geht sich schon ein gepflegtes Cottage aus, ein Aston Martin davor und ein paar Morgen Land rundherum, ein Yachterl in Monaco, kommod zu erreichen mit dem eigenen Lear-Jet.....

kaum zu glauben wie bescheuert die Nachwuchsfunktionäre schon sind.


Gast: Da Novak
20.09.2011 13:39
3 4

Einfache Wahrheiten,

wie die in diesem Kommentar beschriebenen, werden in der österreichischen Medienlandschaft viel zu selten dargestellt. Gratulation an die Presse! Diese Analyse deckt sich vollends mit WIFO, STAT uva., die mit der einzigen, repräsentativen Erhebung zur Einkommensverteilung in Österreich, dem EU-SILC, arbeiten. Die politische Diskussion ignoriert diese Ergebnisse jedoch.

3 2

erinnert stark an Asterix

Ganz Österreich stöhnt unter einer hohen Steuer und Abgabenlast aber in einer kleinen Enklave in Wien Alsergrund gibt es einige, die glauben, dass die Steuerbelastung für "Leistungsträger" gering ist. Herr Thoman hatte noch Windeln an, als das kommunistische Wirtschaftsmodell grandios gescheitert ist. Ich weiß nicht, was man für Volkswirtschaft studieren muss, aber als Arzt kann ich eine Ferndiagnose wagen. Herr Thoman leidet unter selektiver Wahrnehmungs-Störung. Selbständige Unternehmer kommen in seiner Welt nicht vor. Abgaben, die zu leisten sind ignoriert er und Leistungsträger versteht er vemuttlich nur, wenn man ihm mit Fußball kommt. Aber auch dort wird er vermutlich nicht Lionel Messi als Leistungsträger des FC Barcelona erkennen sondern die gesellschaftlich wirklich wichtige Arbeit dem Platzwart gutschreiben. Das hat natürlich eine Logik, aber mit der Fußball-Realität nichts zu tun. Wer in Österreich Argumente publiziert, die eine geringe Steuerlast darstellen, braucht einen Arzt. Ich bin als HNO-Arzt allerdings im falschen Fach....

Antworten Gast: jessasna
20.09.2011 15:37
2 2

Re: erinnert stark an Asterix

Was an der sehr übersichtlichen, faktengenauen Darstellung von Herrn Thoman haben Sie genau nicht verstanden?

Oder gehts eher um ideologisch gefärbtes sprachschwaches Herumpolemisieren, Herr Doktor?

Antworten Antworten grazer100
20.09.2011 17:32
0 0

übersichtlich, faktengenau ?

Das ist nur vordergründig so.

Wenn Sie sich unter dem angebotenen Link von Thoman näher umschauen und genau lesen, werden Sie vielleicht verstehen, was ich meine.

1 0

Re: Re: erinnert stark an Asterix

es fehlt der Platz und ich habe keine Lust, Ihnen Nachhilfe zu geben. Sie können aber weiter unten bei Betriebswirt bzw. 1. Parteiloser nachlesen. Das wäre mal ein guter Anfang.
Da gehts gar nicht um Ideologie oder Polemik. Aber vielleicht um geflissentliches Weglassen (Selbständige, Abgaben neben Steuern....)

Antworten Antworten Antworten Gast: jessasna
20.09.2011 16:37
0 0

Re: Re: Re: erinnert stark an Asterix

Nennen Sie mir das Land, in dem die Abgaben neben Steuern (was auch immer) in die Berechnung und diskussion zum Spitzensteersatz einfließen.
Da kommt jetzt nichts mehr.
Das Problem der Selbständigen ist ähnlich gelagert.

PS: vielleicht Takatukaland...

2 0

Re: Re: Re: Re: erinnert stark an Asterix

leben Sie am Mond? Waren Sie schon mal im Ausland? Lesen Sie ausländische Tages-Zeitungen? Verfolgen Sie Diskussionen zur Einkommens und Vermögens-Steuer? Fallen Ihnen Länder ein, die Einkommen weniger besteuern und Vermögen mehr. Waren Sie mal in den USA und haben dort über Aufgaben des Staates, Eigenvorsorge etc. gehört. Das heißt nicht, dass ich glühender Verfechter des amerikanischen Systems bin, aber wenn Sie Bürger belasten ist es relevant, ob diese zu den zu leistenden Beiträgen zur Sozialversicherung (Krankenkassen, Pension) zu Steuern auch Zinsen, Aktien-Gewinnen etc. zusätzlich mit hohen Einkommens/Lohnsteuern belastet werden. Mir ist es egal, wie Sie das nenen, aber wenn ich über die Hälfte des Jahres für den Staat arbeite habe ich keine Lust, mir Artikel wie den obigen zu kaufen. Das ist einfach eine zu anspruchslose Diskussions-Grundlage, was der Volkswirt aus "Mitten im Achten" liefert. Passt aber zu unserem Bundeskanzler und das Problem: der glaubt es vielleicht noch

Re: Re: Re: Re: Re: erinnert stark an Asterix

Sehr geehrter Herr Kollege!

Ich darf sie unterstützen: http://blog.zakel.at/?p=276

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten grazer100
20.09.2011 17:28
0 0

...eine zu anspruchslose Diskussions-Grundlage...

Damit haben Sie sich sehr höflich ausgedrückt.

Gast: Betriebswirt
20.09.2011 09:55
1 1

unvollständig....

Herr Thomann vergißt in seinen Ausführungen geflissentlich die "Arbeitgeber"-Beiträge zur SV sowie lohnsummenabhängige Steuern zu berücksichtigen, die letztlich ebenfalls durch die Arbeitsleistung des Angestellten "erbracht" werden.

Auch andere Sachverhalte die "abgabenrelevant sind, wie etwa, daß Selbständige keine dem "13./14." Gehalt entsprechenden Steuervergünstigungen enthalten, oder höhere Selbstbehalte bei Leistungen der Zwangs-Krankenversicherung abführen müssen, sind dem Herrn "Volkswirt" offenbar nicht bekannt.

Bei Einkommen aus Gesellschaftsanteilen (z.B. GmbH) werden vom 100.000 Euro "Gesellschaftsgewinn" zunächst 25% als Körperschaftssteuer fällig. Von den verbleibenden 75.000 sind dann bei Kapitalentnahme durch die Gesellschafter wiederum 25% Steuer (18.750 Euro) zu bezahlen, somit werden also bei dieser Form 43.75% des ursprünglichen Gewinns an den Staat abgeführt

Antworten Gast: Nur_so_zur_Info
28.09.2011 18:55
0 0

Der Betriebswirt irrt

Nun Herr Betriebswirt, da scheint ihr Steuerwissen wohl bereits vor Paragraph 10 des Einkommensteuergesetzes zu enden. Dort wird nämlich der sog. Gewinnfreibertrag geregelt und der stellt 13% des Gewinnes steuerfrei, das kommt im Effekt der Begünstigung für 13. Und 14. sehr nahe, liegt sogar etwas drüber. Am besten Sie lesen die Erläuterungen zum Gesetz, darin finden Sie auch dass dies ein Pendant zur Sechstelbegünstigung ist. Paragraph 10 EStG nicht zu kennen ist ja per se keine Schande, aber wenn man anderen Unwissenheit vorwirft wärs nicht schlecht wenn man sich in dieser Hinsicht von den Unwissenden unterscheidet.

Zu Herrn Dr. Kürsten möchte ich anmerken dass es ein Schlag ins Gesicht all jener ist, die wie ich 60 Stunden arbeiten, wenn Herr Dr. sich nach 16 Stunden Ordinationszeit über den Spitzensteuersatz beschwert. Erklärt aber auch warum er so oft posten kann, hatte ja heute nur 3 Stunden offen. Laut Homepage arbeitet er im Übrigen nicht zusätzlich im Krankenhaus. 

Sich zuerst das teuerste Studium aus öffentlichen Quellen finanzieren zu lassen, danach in einer Branche tätig zu werden, wo der überwiegende Teil öffentlich finanziert wird und sich dann über die Steuerbelastung zu beschweren ist - vorsichtig ausgedrückt - ziemlich originell!

Wenn Herr Doktor die USA heranzieht dann find ich das absolut legitim. In den USA sind Erbschaftsteuer und Grundsteuer jedoch höher als bei uns!

Kürsten arbeitet das halbe Jahr für den Staat und lebt das ganze Jahr vom Staat!

Antworten Gast: Dr. Gugg
20.09.2011 15:39
0 0

Re: unvollständig....

Na Herr Betriebswirt: was haben denn die Körperschaftssteuern mit dem persönlichen Einkommen der bei der Firma Bediensteten zu tun?
Oder soll man sich einfach aus der Kasse bedienen?

Und in welchem Land werden die Arbeitgeberanteile zum Spitzensteuersatz gezählt?
In Kasperlhausen?

Gast: 1. Parteiloser
19.09.2011 19:21
3 1

Dieser Volkswirt steht aber schon voll daneben!

1) Die Zwangsabgaben für die SV, also auch Wohnbauförderung oder AK Betrag, als Schutzschild vor Steuern zu bezeichnen ist dann doch reichlich absurd.

2) Die Einkommenssteuerpflichtigen sind auch Ewerbstätige und daher gibt es durchaus eine Gruppe wo das 14. und 15. Gehalt nicht greift. Der Spitzensteuersatz wirkt also doch.

3) Der Mittelstand hat mit der Einkommenshöhe aber schon gar nichts zu tun, weil dieser Begriff im Deutschen Sprachraum die Unternehmer von KMU bezeichnet. Übrigens nach einer Meldung der BA zu 43% schon in der Verlustzone, also nicht mehr wirklich relevant für die Spitzensteuersatz, wenn nicht Notar, Zahnsarzt oder ein sonstiger geschützter privater Bereich.

Den Mittelstand hat diese Kotzstaatlichkeit nämlich schon ausgeraubt. Auch die Unternehmen, welche Verluste schreiben liefern auch um die 60% der Wertschöpfung an diese Kotzstaatlichkeit ab.

Eigentlich müsste einem SPÖler die Tatsache von Staatsausgaben in der Weltrekordhöhe von 42.000.- Euro pro Haushalt und Jahr bei über 1 Mio. Menschen in Armutsgefährdung doch nervös machen. Dieses Versagen bei der Kontrolle über die Staatsausgaben wird aber hartnäckig negiert. Und dieses Versagen ist ein Versagen der SPÖ geführten Regierung.

Ist der ein HASCH Volkswirt?

Antworten Gast: toro
20.09.2011 15:40
0 0

Re: Dieser Volkswirt steht aber schon voll daneben!

Zitat:

das 14. und 15. Gehalt.

Ich dachte mir schon, dass Ihnen ein 13. Monat zum Blödsinnausdenken zur Verfügung stehen muss.

Real sinds 12.

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