25.05.2012 18:55 | Meine Presse Merkliste 0

Österreichs Entwicklungspolitik: Kurzsichtig, verfehlt, kümmerlich

ELIAS SAGMEISTER (Die Presse)

Der österreichische Beitrag zur weltweiten Armutsbekämpfung ist in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgegangen.

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Wo sind wir in der Hungerkrise am Horn von Afrika? Bei näherem Hinsehen drängt sich der Eindruck auf, dass Österreich bei der Verhinderung solcher und zukünftiger Katastrophen keine nennenswerte Rolle spielt. Nicht, weil es zu klein wäre oder die Mittel dazu nicht hätte, sondern, weil es sich durch kurzsichtige Entwicklungspolitik und die stiefmütterliche Behandlung humanitärer Herausforderungen selbst ins Abseits stellt.

Österreich braucht eine schonungslose Bestandsaufnahme dieses Versagens und sollte dringend eine Kurskorrektur einleiten.

Der österreichische Beitrag zur weltweiten Armutsbekämpfung verkümmerte in den vergangenen Jahren zusehends. Allein zwischen 2007 und 2009 wurde die offizielle Entwicklungshilfe um gut ein Drittel gesenkt. Innerhalb der EU gaben – gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung 2009 – nur Portugal, Griechenland und Italien weniger.

Der aktuellste Bericht zur Effektivität der österreichischen Hilfe rechnet es zudem deutlich vor: Von den knapp zwei Millionen Euro, die jedes Empfängerland erhielt, floss nur ein Zehntel in tatsächliche Entwicklungsprojekte vor Ort. Die Hälfte bis ein Drittel der offiziellen Mittel wurde hingegen für den Erlass längst verlorener Schulen von Ländern wie dem Irak oder Madagaskar verbucht.

 

Geld ist nicht alles

Natürlich ist Geld nicht alles. Der Umfang der Geldflüsse sagt noch nichts über die langfristigen Resultate der Hilfe aus. Doch leider steht Österreich auch in puncto Wirksamkeit an hinterster Stelle.

Während international akzeptierte Abkommen wie die Pariser Erklärung über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit Harmonisierung und Bündelung der Ressourcen fordern, bleibt Österreich seinem „Gießkannenprinzip“ treu. So war die Republik 2009 in 136 von 150 möglichen Entwicklungsländern aktiv. Diese mangelnde Konzentration schmälert die einzelnen Beiträge auf ein Niveau, das kaum sinnvolle Einflussnahme zulässt.

Insgesamt fehlt Österreichs Entwicklungspolitik noch immer eine übergeordnete Strategie, an der sich die verantwortlichen Institutionen orientieren könnten. Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMeiA), die Austrian Development Agency (ADA), die Länder sowie bis zu sieben andere Ministerien und zahlreiche Nichtregierungsorganisationen stimmen sich in ihrer Entwicklungsarbeit nur unzureichend ab.

Bereits jetzt ist abzusehen, dass mit tragischer Regelmäßigkeit weitere Katastrophen in Afrika und den ärmsten Regionen der Welt bevorstehen. Was die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit in Österreich betrifft, sind die Aussichten kaum besser.

Am Tiefpunkt der entwicklungspolitischen Krise angekommen, muss sich Österreich deshalb entscheiden: weiterer Rückzug oder konstruktives Engagement.

Die erste Option ist die leichte. Österreich kann sich weiter aus der internationalen Entwicklungsarbeit zurückziehen und von seiner Insel der Seligen aus zusehen, wie trotz globalen Überschusses täglich 37.000 Menschen verhungern und dabei nur hier und da ein wenig spenden.

Österreich kann sich über die Vorhersehbarkeit tragischer Hungersnöte echauffieren und die langsame oder unzureichende Antwort der UNO kritisieren. Es kann die Effektivität von privaten und öffentlichen Hilfsorganisationen anzweifeln und fragen, wieso Somalia so lange vergessen wurde. Es kann dem radikalen Islamismus, dem Klimawandel oder chinesischen Landkäufen in Afrika eine Mitschuld an der gegenwärtigen und an zukünftigen Katastrophen geben.

 

Globaler Verantwortung stellen

Die Alternative wäre für Österreich, sich endlich seiner globalen Verantwortung zu stellen und die dafür vorgesehenen Steuergelder sinnvoll einzusetzen.

Die Voraussetzungen für mehr Engagement sind nicht schlecht: Neutralität und eine Vergangenheit ohne Kolonialismus würden Österreich erlauben, glaubhafter als andere für Not leidende Menschen in Entwicklungsländern einzutreten. Finanziell sollte die angeblich souveräne Bewältigung der Krise den notwendigen Spielraum geschaffen haben, allmählich zum europäischen Mittelfeld aufzurücken. Um diese Chance zu nutzen, braucht die österreichische Entwicklungspolitik eine einheitliche Gesamtstrategie. Sie braucht ein klares Bekenntnis zur gemeinsamen Verantwortung und Arbeitsteilung.

 

Erster Schritt: Ein „Weißbuch“

Ein erster Schritt muss daher sein, ein „Weißbuch“ der österreichischen Entwicklungspolitik zu erarbeiten, an dem sich alle Akteure orientieren können. Daraus sollte klar werden, wo Österreich seine Stärken sieht, und wie es sein technisches Know-how und die dafür vorgesehenen Steuergelder strategisch einzusetzen gedenkt.

Wie international üblich, muss Österreich dann seine Hilfe transparent und vorausschauend planen, statt wie bisher angefallene Beiträge erst im Nachhinein als Entwicklungshilfe zu verbuchen.

Österreich muss zudem die Vorgaben der Pariser Erklärung, in der sich Geberländer zu mehr Wirksamkeit verpflichten, besser als bisher umsetzen. Das kann nur über eine Fokussierung der Mittel bei verbesserter Abstimmung zwischen Ministerien und der 2004 gegründeten Austrian Development Agency (ADA) gelingen. Zwangsläufig bedeutet dies auch eine Konzentration auf einige wenige Schwerpunktländer.

In akuten Hungerkrisen, wie derzeit etwa in Somalia, ist es darüber hinaus durchaus sinnvoll, dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und anderen Organisationen kurzfristig Mittel zuzuschießen. Von einem so wohlhabenden Land wie Österreich erwartet die Weltgemeinschaft allerdings zu Recht deutlich höhere Beiträge (Schweden etwa gab in der aktuellen Krise das Zwölffache).

 

Einbindung der Öffentlichkeit

Vor allem brauchen wir zunächst eine breite öffentliche Debatte darüber, wie Steuermittel am sinnvollsten eingesetzt werden können und wie Österreich seinen Beitrag an arme Länder wieder über die entwicklungspolitische Wahrnehmungsschwelle heben kann. Bisher hat die breitere Öffentlichkeit dem Verfall der österreichischen Entwicklungspolitik recht passiv zugesehen.

Wir brauchen jetzt dringend eine Diskussion darüber, ob sich Österreich als Land endgültig von der entwicklungspolitischen Bildfläche verabschieden will, oder ob es endlich anfangen will, seiner globalen Verantwortung gerecht zu werden.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zum Autor

Elias Sagmeister ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Global Public Policy Institute (GPPi) in Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe. Im Rahmen seines Dissertationsprojektes an der Universität Münster forscht Elias Sagmeister über die Lernfähigkeit von Entwicklungsorganisationen. Er studierte Internationale Entwicklung und Psychologie in Wien. [Privat]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2011)

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21 Kommentare
Gast: Volker Seitz
17.11.2011 13:24
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Öffentliche Debatte wäre gut

Zuerst müsste zwischen Nothilfe und Entwicklungshilfe unterschieden werden. Nothilfe muß sein, Entwicklungshilfe in der heutigen Form sollte endlich kritisch hinterfragt werden.Der Kern für Entwicklung ist immer noch der Aufstiegswille der politischen Eliten z.B. in Afrika. Dieser Wille ist vielen abhandengekommen, weil für jedes Problem mindestens ein Geber bereitsteht. Es scheint schwer zu sein, die Menschen ihren eigenen Ideen zu überlassen. Immer nimmt sie jemand bei der Hand.
Oder wie formulierte es der deutsche Bundespräsident Wulff
am 14. November anlässlich der 50 Jahr Feier des Entwicklungsministeriums: “ Junge Afrikaner haben heute ihre eigene Ideen wie sie ihre Zukunft gestalten wollen,ihnen geht es weniger darum welche Ressourcen wir zur Verfügung stellen, sondern wie sie ihre eigenen Ressourcen mobilisieren können."
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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Rotweißrot rettet die Welt!

Völlig egal, wer und was sich dem durchaus respektablen Ziel, die Hungersnot in der Dritten Welt zu bekämpfen, auch immer entgegen stellen mag: Wir Österreicher sind dazu aufgrufen, tortzdem sämtliche einschlägige Probleme quasi im Alleingang zu lösen!

Ich würde Herrn Sagmeister dringend empfehlen, die ORF-"Weltjournal"-Dokumentation über das "Landgrabbing" internationaler Konzerne in Afrika anzusehen. Da werden die ortsansässigen Kleinbauern, die sich zwar kümmerlich, aber doch einigermaßen ausreichend von den Erträgen ihrer Felder ernähren konnten, einfach mit einem Federstrich seitens ihrer Regierung von ihrem Grund vertrieben. Dieser gehört jetzt irgend welchen indischen oder chinesischen "Investoren", die sich sogar Patente geben lassen auf alles, was ab nun dort angebaut werden soll.

Diese Konzerne fallen wie Heuschreckenschwärme ein und sichern sich auf diese Weise DEN Zukunftsmarkt schelchthin: Denn essen müssen die Menschen und wer an der Nahrungsquelle sitzt, kann auch den Preis bestimmen.

Von der eigenen Regierung können die nun landlos gewordenen heimischen Bauern nichts erwarten: Diese wurde ja bereits von den "Investoren" gekauft und sagt zu allem Ja und Amen!

Und gegen diese Vertreter der internationalen Hochfinanz; den Spekulanten und Großkonzernen soll das kleine Österreich, eh schon überfordert vom ständigen Rettungsschirm-Knüpfen, im Alleingang ankämpfen und die armen Negerlein vor diesen bösen Invasoren schützen? Wie soll das gehen?


Antworten Gast: schneevormhaus
16.11.2011 23:26
0 0

Re: Rotweißrot rettet die Welt!

also ihre Empfehlung ist, dass Österreich das was es macht nicht in seiner Effektivität und Effizient verbessert und sich dabei an vergleichbaren Ländern mit weitaus besserer Wirksamkeit orientiert, sondern statt dessen gar nichts macht? Diese Einstellung bringt uns gar nichts!

Ich finde konstruktive Kritik immer gut und ich denke Herr Sagmeister liefert in seinem Artikel eine gute Analyse der Schwächen der aktuellen Situation und zeigt erste Lösungsvorschläge auf. Sowas kann man sich nur wünschen! "Wir können eh nichts machen" ist als antik-österreichische Lösung nicht mehr zeitgemäss.

Gast: Gast: Leser
16.11.2011 15:17
1 0

Verlorene Schulen

"... wurde hingegen für den Erlass längst verlorener Schulen..." Was sind denn "verlorene Schulen"? Und wie kann man Schulen erlassen? So ganz genau weiß der gute Herr Elias wohl nicht, was er da sagt oder sagen will.

Antworten Gast: typo
16.11.2011 21:53
0 0

Re: Verlorene Schulen

Ein Tippfehler - SchulDen wurden erlassen...

Svenco
16.11.2011 12:54
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Warum denn auch...

Österreich ist in vielen Bereichen selbst ein Entwicklungsland! Ohne die deutsche Hilfe würde es nicht mal Österreich geben!

1 0

Re: Warum denn auch...

Genau! Und ohne die vielen deutschen Studenten, die unsere Universitäten füllen, wären diese öd und leer! Aber jetzt im Ernst: Von welcher "deuschen Hilfe" ist hier eigentlich wirklich die Rede?

Antworten Gast: di kn
16.11.2011 13:31
0 0

Re: Warum denn auch...

Genau ! Österreich ist ein Entwicklungsland.

Gast: Grummelbart2
16.11.2011 10:04
4 0

interessante Sichtweise...

"Österreich kann sich über die Vorhersehbarkeit tragischer Hungersnöte echauffieren und die langsame oder unzureichende Antwort der UNO kritisieren. Es kann die Effektivität von privaten und öffentlichen Hilfsorganisationen anzweifeln und fragen, wieso Somalia so lange vergessen wurde. Es kann dem radikalen Islamismus, dem Klimawandel oder chinesischen Landkäufen in Afrika eine Mitschuld an der gegenwärtigen und an zukünftigen Katastrophen geben."

Und das ist laut Auffassung des Autors schlecht? Quasi Ö als Geldgeber, wurscht ob und wie die Empfänger "selber schuld" sind? Das passt zwar zum sozialistischen Credo, ist aber ineffizient hoch zehn

1) Wer sich auf eine Alimentierung verlassen kann wird keine Schritte tätigen, seine Situation selbst zu verändern.

2) Die meisten afrikansichen Länder wären in der Lage, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen - immerhin schaffen "wir" das ja auch. Warum das nicht klappt - siehe Islamisten, siehe Diktatoren. Aber halt; gegen diese Übel direkt vorgehen (oder ja nur kritisieren), das wäre ja eurozentrismus, post-Kolonialismus (und andere -ismen)! Und damit ganz pfui!

Genausogut könnte ich einem Alkoholiker immer wieder Geld geben, in der Hoffnung, dass er doch irgendwann aufhören möge zu trinken, und sich statt des Alkohols einmal was anderes kauft.

Gast: 1. Parteiloser
16.11.2011 09:27
3 0

Muahaha, die Ö Regierung soll anderen Menschen helfen!

Die Österreichische Regierung schafft doch nicht einmal im Inland eine Armutsbekämpfung, im Gegenteil die produziert nur Armut. Lesen Sie doch mal die relevante Armutsberichte und sprechen Sie mit den NGO's.

Österreich hat etwa 6,5 Mio. steuerpflichtige Menschen. 2,7 Mio. Menschen davon müssen mit einem Einkommen von weniger als 786.- Euro pro Monat leben (Ö Darstellung mit 14/12). Wer das Ö Preisniveau kennt, dem ist auch klar, dass das eine echte Armutsgefährdung ist. Weil aber die Menschen der geschützten Bereiche (Parteibonzenhochburgen) davon nicht betroffen sind, so ist das schon jeder 2. Mensch in, und aus, der Realwirtschaft. Ich will damit darstellen, dass Österreichs Regierung so versagt hat, dass wir eine versteckte Massenarmut haben. Auch wenn es mit dem Elend in einigen Gebieten auf dieser Welt kaum vergleichbar ist, so zeigt das doch die "Fähigkeiten" der Entscheidungsträger deutlich auf.

Was diese Tatsachen in einer öff. Diskussion bewirken würden, das brauche ich wohl keinen Psychologen zu erklären.

Seien Sie doch froh, dass diese Versager kaum bei der internationalen Entwicklungshilfe tätig sind. Die würden ja viel mehr Schaden machen als die Helfen können!

Antworten Gast: Grummelbart2
16.11.2011 10:11
4 0

Re: Muahaha, die Ö Regierung soll anderen Menschen helfen!

NGOs werd ich zur Armutsfrage sicher nicht befragen, da diese ein inherentes Interesse an "möglichst großer Armut" haben.

Im Übrigen gibt es rein rechnerisch IMMER Armut, weil diese (anstatt an fixen Kriterien) aus dem Medianeinkommen berechnet wird - also vergleichend, statt absolut.

Es ist also nur in einem Staat, in dem alle annähernd das gleiche verdienen, keine Armut vorhanden - witzigerweise ist es dann aber egal, wieviel jede einzelne Person verdient (dh bei einem medianeinkommen von € 500 gäbs auch keine Armut mehr).

Diese Definition ist also komplett sinnlos.

Armut sollte absolut definiert werden - .e. anhand der Nahrungsmittel- und Mietpreise ein entsprechendes Monatseinkommen - unter Berücksichtigung aller staatlicher Hilfen!

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
16.11.2011 13:40
1 0

Definition von Armut und deren Auswirkungen in Österreich!

1) Ihre Meinung zu den NGOs teile ich prinzipiell. Es ist aber auch so, dass die meisten Österreicher das Problem in Österreich gar nicht erkennen können, die Mitarbeiter der NGOs damit aber schon konfrontiert sind.

2) Ich bin auch Ihrer Meinung, dass die mathematische Betrachtung auf Basis des Medianeinkommens eine unbrauchbare Definition ist.

3) Ich bin auch der Meinung, dass es immer Armut geben wird, weil ein Teil der Menschen ein Talent dazu haben. Dafür kann man dann nicht die Mitmenschen zur Verantwortung ziehen.

4) Ich bin auch der Meinung, dass der Staat nur zur sozialen Mindesthilfe verantwortlich ist, den Menschen aber eine Chance geben muss sich selber zu befreien. Dazu würde es aber einen freien Markt brauchen und dazu ist die Ö Planwirtschaft (deckt 3/4 des BIP ab) denkbar ungeeignet.

5) Ich bin vollkommen Ihrer Meinung, dass absolute Werte zum Einkommen als Parameter dienen sollen, welche die Lebenshaltungskosten beinhalten. Ich meine auch, dass die Regierung diese Grenze auch gezogen hat indem Menschen mit einem Einkommen unter 11.000.- Euro pro Jahr Einkommens- und Lohnssteuerfrei gestellt wurden. Das sind dann alle Einkommen unter 786.- Euro pro Monat (14/12).

Leider hat Österreich schon 2,7 Mio. Menschen mit Steuerpflicht, welche unter diese Schwelle fallen. Weil die geschützten Bereiche davon nicht betroffen sind, so ist das schon jeder 2. Mensch in, und aus, der Realwirtschaft. Die sind aber nicht absolut arm, sicher aber armutsgefährdet!

Antworten Antworten Antworten Gast: Grummelbart2
16.11.2011 15:11
1 0

Re: Definition von Armut und deren Auswirkungen in Österreich!

Ich stimme... Ihnen zu? Wahnsinn, den Tag müssen wir uns rot eintragen ;-)

Ich glaube aber, der Grund, weshalb man die Armut so "relativ" berechnet, ist ein fundamentaler: Armut ist ein unklarer Begriff und ein ungutes Thema. Und anstatt eine ernsthafte Diskussion darüber zu führen, ab wann jemand in unserer reichen Gesellscahft "arm" ist, "rettet" man sich mit solchen SCheinformeln.

Die echte Frage ist: Was ist arm? Dauernd Hunger zu haben? Sich nicht jedes Jahr eine komplett neue Garderobe leisten zu können? Nicht zweimal im Jahr auf Urlaub fahren zu können? Keinen plasma-TV?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
17.11.2011 08:26
0 0

Re: Re: Definition von Armut und deren Auswirkungen in Österreich!

Ich habe früher mal betreffend der Definition recherchiert und eine Masse verschiedener Definitionen gefunden. Auch die offizielle Sichtweise ist den USA und Europa sehr unterschiedlich, in anderen Gebieten wahrscheinlich dann noch mal ganz anders.

Ich muss Ihnen aber schon wieder in einem Punkt Recht geben, Armut ist ein ungutes Thema. Die meisten Menschen können es nicht akzeptieren, dass Armut ein natürliches Phänomen ist und immer ein Teil, auch einer gesunden, Gesellschaft ist und sein wird.

Abgesehen von der Definition von Armut, sehe ich das Kernproblem eines "Armmachens" durch falsche Strukturen, auch einer kranken Umverteilung. Ich meine damit, dass die Strukturen so geschaffen werden müssen, dass es einerseits möglich sein muss, dass die Menschen von Arbeit menschenwürdig leben können und sich als ein Teil der Gesellschaft fühlen können (brauchbare Netto- Mindestlöhne?). Andererseits ist auf jeden Fall auch eine hohe Eigenverantwortung gefragt, welche heute anscheinend nicht einmal diskutiert werden darf. Bei beiden Fragen versagen die Entscheidungsträger aber vollständig.

Würden diese beiden Punkte realisiert, dann würde es auch eine Menge an armen Menschen geben. Nur, die können dann nicht die Anderen dafür verantwortlich machen.

Bin selber eher das Gegenteil von arm, fahre aber ganz selten 2 x pro Jahr im Urlaub. Flat TV wurde nach Ausfall des Altgerätes letztes Jahr besorgt. Bei der Garderobe bin ich auch vernünftig, wird aber wohl doch öfter ergänzt.

freeman
16.11.2011 08:30
6 0

Wenn es Österreich mit der Bekämpfung der internationalen Armut wirklich ernst meinte

sollte es die "Entwicklungshilfe" gänzlich einstellen und sich EU-weit für die Aufhebung aller Handelsschranken und Exportförderungen einsetzen.

Die herkömmliche Entwicklungshilfe ist (abgesehen von rein humanitärer Unterstützung bei außergewöhnlichen Notlagen nach Naturkatastrophen) größtenteils kontraproduktiv:

- Sie konserviert bestehende Strukturen, die vielfach Grund der Armut sind.

- Sie ermöglicht es lokalen Regierungen Kriege zu führen und Geld für sinnlosen Luxus der Herrscherschicht auszugeben, weil die Grundbedürfnisse des Volkes eh durch Dritte befriedigt werden.

- Sie schafft eine Entwicklungshilfeindustrie in den Geberländern, die mehr an den Bedürfnissen von NGO-Mitarbeitern als der Menschen vor Ort orientiert ist.

- Sie kommt vielfach verknüpft mit Bedingungen oder unrealistischen Ideen, die ihre Wirkung vor Ort minimieren (zB DDT-Verbot verhindert wirksame Malariabekämpfung).


Antworten Gast: Gerne nur Gast
16.11.2011 08:44
1 0

Exzellent!

At the point. Danke!

Gast: Gerne nur Gast
15.11.2011 18:30
11 1

Bezeichnend!


1.)
"Er studierte Internationale Entwicklung und Psychologie in Wien" - das sind genau die Übelstudien, die niemand braucht.
2.)
Entwicklungshilfe hilft vor allem den "Helfern", da es deren Lebensgrundlage darstellt.
3.)
Darum wollen diese Linksideologen den Staat und seine Bürger erpressen: "..AUT muss sich seiner Verantwortung stellen .. AUT muss uns weiter bezahlen.." usw.

NEIN! Muss es nicht und soll es nicht. NEIN!

Ps: beachten sie den ersten Satz: "Wo sind wir in der Hungerkrise am Horn von Afrika?". Das ist linkes Kabarett in Reinkultur - und gleichzeitig beinharte Erpressung.


Antworten Gast: schneevormhaus
16.11.2011 23:44
0 0

Re: Bezeichnend!

Also mir ist ihre Logik nicht ganz klar...weil jemand der Meinung ist, dass man als wohlhabender, ressourcenarmer Staat, der seinen Wohlstand neben der harten Arbeit seiner Einwohner auch der Kooperation mit diktatorischen oder schlichtweg unfähigen Regimen verdankt, eine gewisse Verantwortung den Einwohnern des Staates gegenüber hat, ist er ein "Sozialist", "Linksideologe" usw.?
Wieso sind dann die bekanntesten Philantrophen der Welt konservative, liberale Unternehmer?

1. Woher denken Sie erhalten solche Regime die Unterstützung (Kapital & militärische Komponenten), um die eigene Bevölkerung zu unterdrücken?

2. Wenn Sie einen korrupten, unfähigen Staatschef haben, gegen den Sie sich nicht auflehnen, weil sie keine Alternativen sehen oder zu schwach sind und der Sie verhungern lässt, dann darf Ihnen nicht geholfen werden? Oder sind Sie nur mit der Wahl der Hilfe (humanitarian relief vs. military intervention) nicht einverstanden?

Antworten Gast: kardinal
16.11.2011 06:54
6 0

Re: Bezeichnend!

Sie sprechen mir aus der Seele - der Mann spricht von "Österreichs globaler
Verantwortung" - ist er noch zu retten?

Antworten Antworten Gast: Gerne nur Gast
16.11.2011 08:43
7 0

Re: Re: Bezeichnend!

Nein, ist er nicht.
Ronald Reagan sprach von Linken/Sozialisten als psychisch und mental erkrankten Menschen. Der obige Artikel ist ein Exemplum dafür.

Im KERN der Sache sagt Herr Elias Sagmeister: Gebt uns weiter Enteignungsgeld, von dem wir leben. Her mit dem Geld, das wir nicht selbst erarbeitet haben. Begründungen dafür ist das falsche Geschwätz von "globaler Verantwortung", "Krisen" usw.

Die größte KRISE ist, dass wir solche Mitbürger unter uns haben.


Antworten Antworten Antworten Gast: kardinal
16.11.2011 08:55
4 0

Re: Re: Re: Bezeichnend!

wie man sieht, liegt Reagan nicht so
falsch mit seiner Einschätzung.
Der Wahnsinn hat System, aber immer mehr Bürger beginnen sich dagegen zu wehren.

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