Wien-Museum: Der Karlsplatz erscheint als „logischer Ort“

Die Entscheidung für den Standort des Wien-Museums sollte noch heuer fallen. Experten raten von einem Umzug zum Hauptbahnhof ab.

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Wien Museum Karlsplatz – (c) Clemens Fabry

Hauptbahnhof oder Karlsplatz? Auf diese beiden Varianten hat sich die Entscheidung für den zukünftigen Standort des Wien-Museums (bis 2003: Historisches Museum der Stadt Wien) reduziert. Lange war ja auch der Morzinplatz, kurz die Donauplatte im Gespräch – diese beiden sind aber bereits ausgeschieden.

Die Entscheidung sei dringlich, heißt es seit Längerem von allen Seiten: Das in den Fünfzigerjahren von Oswald Haerdtl errichtete Gebäude müsse dringend saniert werden, und es biete zu wenig Raum. Bis Ende des Jahres werde eine Entscheidung fallen, hieß es. Das sei auch so geplant, bestätigt man im Büro des Wiener Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny, aber man werde sie sicher nicht mehr heuer publik machen.

Diese seltsame Auskunft zeigt, wie heikel die Entscheidung geworden ist. Mailath-Pokorny tendiert deutlich in Richtung Hauptbahnhof, wo das Museum in eine Immobilie der Erste Bank einziehen soll, die an der Arsenalstraße errichtet wird. Ein menschliches Motiv könnte wohl auch sein, dass er es gerne sähe, dass in seiner Ära ein repräsentatives Kulturgebäude entsteht, ein „architektonisches Signal“, wie er gerne sagt. In der „Kronen Zeitung“ hieß es jedenfalls schon am 5.Dezember, die Frage sei „fast entschieden“, und zwar für den Hauptbahnhof. Mailath wurde mit dem Satz zitiert: „Alle vier Parteien unterstützen das Projekt.“

Das stimmt nicht. Und je mehr Experten befragt werden – vor allem auf Betreiben der Grünen, deren Kultursprecher, Klaus-Werner Lobo, freilich versichert, dass seine Partei keine offizielle Präferenz hat –, umso klarer werden die Vorteile des zentralen Karlsplatzes. Den „logischen Ort“ der Stadt nennt ihn etwa Max Hollein, Direktor der Schirn-Kunsthalle und des Städel-Museums in Frankfurt: „Das Wien-Museum braucht den Karlsplatz, und der Karlsplatz braucht das Wien-Museum.“ Er sieht auch das Engagement der Erste Bank kritisch: „Ein Museum darf keine dienende Einrichtung für Immobilien-Development sein.“

Hollein war unter den Teilnehmern einer nicht öffentlichen Enquete mit 40 Fachleuten, deren Stellungnahmen vom Rathaus geheim gehalten werden. Man hört aber, dass die Mehrheit für den Karlsplatz war.

In die endgültige Entscheidung sollte wohl auch die Haltung des Direktors, Wolfgang Kos, einfließen, der das Museum seit zehn Jahren führt und es zu einem spannenden Stadtmuseum gemacht hat. Er liebäugelte noch 2011 mit einem Neubau am Morzinplatz, plädiert nun aber immer klarer für einen Verbleib auf dem Karlsplatz – auch im bisherigen Gebäude, an das man etwa anbauen könnte.

Zu Kos' Präferenz mag neben den Aussagen der Experten seine Erfahrung am und mit dem Karlsplatz beigetragen haben, der im letzten Jahrzehnt sein Image geändert hat: von der urbanen Wüste zum Kunst- und Universitätsplatz, auf den etwa das Wiener Popfest sehr gut passt.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

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