22.11.2009 08:40 | Meine Presse Merkliste0

Statt Putin zu finanzieren

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Der Sommer kommt und trotzdem sollten wir über das Heizen reden. Denn hier kann die Politik, speziell die Landeshäuptlinge wirklich wirksam etwas gegen steigende Energiekosten tun.

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Erstens sollten die Bürger nicht für blöd verkauft werden. Die Wiener SPÖ bestreitet wider besseres Wissen, dass die Gaspreise bald erhöht werden. Dabei weiß jeder, der sich nur ein bisschen auskennt: Vertraglich sind die Gaspreise an den Ölpreis gekoppelt, wenn auch mit einer Zeitverzögerung von drei bis sechs Monaten. Und wer sich anschaut, wo der Ölpreis vor einem halben Jahr stand (bei unter 100 USD) und was Öl heute kostet (130 USD), kann sich ausrechnen, dass nach den Erhöhungen 2006 und 2007 in Bälde eine, wenn nicht gar zwei Erhöhungen kommen müssen.

41 Prozent der Wiener Haushalte heizen mit Gas. Beim Heizen würden Einsparungen besonders einfach funktionieren. Wird ein Haus klug wärmetechnisch saniert, kann relativ einfach die Hälfte, in vielen Fällen mehr als 75% des Energieeinsatzes eingespart werden.

Das Problem ist nur: Ob saniert wird oder nicht, entscheidet der Hauseigentümer. Da dieser jedoch die Heizrechnung nicht bezahlt, sondern die Mieter, gibt's kaum einen wirtschaftlichen Anreiz es zu tun.

Was zu tun wäre: In der Bauordung muss verankert werden, dass alle Häuser, die wärmetechnisch in einem schlechten Zustand sind, saniert werden müssen. Wertschöpfung würde dadurch nicht mehr nach Russland fließen, sondern in die heimische Bauwirtschaft. An die 1000 Euro würde sich ein Haushalt bei der Gasrechnung dadurch ersparen. Förderungen dafür gibt's bereits, was jetzt fehlt, ist die klare Regelung, dass diese Sanierung obligat ist.

Das sei ein gemeiner Eingriff ins Eigentumsrecht, jammern manche. Nur: Was ist die Alternative? Wenn der Ölpreis weiter stark steigt, werden sich sehr viele die Gasrechnung nicht mehr leisten können. Und dabei heizen sie zum Fenster (und zur Wand) hinaus.

Wir sind eine reiche Gesellschaft; gerade im Immobiliengeschäft wurde sehr viel Geld verdient. Wenn man wirklich etwas ändern will, muss man etwas ändern. Deswegen: Nicht runter mit den Energiepreisen, sondern runter mit dem Energieverbrauch. Wien soll in einer großen Aktion seinen gesamten Gebäudebestand sanieren. Damit rechtzeitig verhindert wird, dass Tausende im Winter frieren müssen.

chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2008)

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