25.05.2012 18:01 | Meine Presse Merkliste 0

Verdächtige auf Vorrat züchten

ERICH KOCINA (Die Presse)

Das geplante Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung geht eindeutig zu weit.

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In der Logik der Exekutive ist es ja durchaus verständlich: Man will alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Verbrechern auf die Spur zu kommen – und deshalb auf möglichst viele Daten Zugriff haben, die ohnehin schon da sind. Der Gesetzesentwurf zur Vorratsdatenspeicherung geht auf genau diesen Wunsch zurück – und räumt der Polizei erweiterte Zugriffsrechte auf Daten, die bei Telefon- und Internetprovidern gespeichert werden müssen, ein. Und das zum Teil ohne richterliche Anordnung. Und sogar ohne konkreten Verdacht – nämlich unter dem Schlagwort der „Abwehr allgemeiner Gefahren“. Eine Logik, die man von diversen Antiterror-Maßnahmen der USA kennt: Im Zweifel lässt man Grundrechte eben Grundrechte sein. Und züchtet sich quasi Verdächtige auf Vorrat, auf die man bei Bedarf zurückgreifen kann. Erst mal alles von allen sammeln, ob unschuldig oder nicht, irgendwas wird dabei schon hängen bleiben...

Kein Wunder, dass der Vorsitzende des Datenschutzrats im Bundeskanzleramt aufschreit: Es bestehe eine „ernste Gefahr für die Freiheit der Bürger“, heißt es in einem Gutachten. Eine Freiheit, die dem Innenministerium, das hinter dem Entwurf steht, offensichtlich nicht viel wert sein dürfte.

 

erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2011)

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9 Kommentare
Gast: Gast: Leser
03.03.2011 12:16
1 0

Der gläserne Mensch

Schuld ist in diesem Fall ausnahmsweise nicht das Innenministerium (obwohl es ja sicherlich nichts dagegen hat), sondern die EU. Die Vorratsdatenspeicherung ist eine EU-Richtlinie (bei der Österreich ja sogar noch säumig ist). Damit erweist sich die EU leider als Organisation, deren Ziel die totale Überwachung der Bürger ist, die jeden Bürger à priori als potenziellen Verbrecher und Terroristen einstuft (die "Terrorbekämpfung" ist ja der mehr als lächerliche Vorwand für diese Aktion, die nicht einmal Orwell eingefallen wäre).

Paul Katz
03.03.2011 09:18
5 0

Lernt Geschichte!

Wie Trojanow/Zeh in ihrem Buch zu dem thema so richtig feststellen: Bei allen realen Möglichkeiten grässlicher Terroranschläge - die richtig großen Schlächtereien wurde stets von Regierenden angezettelt. Der Generalverdacht müßte sich also gegen diese richten.

Wir geben die über 200 Jahre erkämpften Grundrechte auf, warum? Weil uns dafür Sicherheit vorgegaukelt wird? Weil wir Politike nur mehr für Würstchen halten, die uns nie mehr gefährlich werden können? Da sollten wir uns nicht täuschen. Das so oft heruntergeleierte "nie wieder" sollte sich weniger auf braune Dumpfköpfe als auf die tatsächlichen Strukturen der autoritären Machtübernahme richten.

Antworten Gast: Paul Hund
03.03.2011 16:53
1 1

Re: Lernt Hausverstand ?

Wenn der Staat Verbrechen möglichst verhindern soll, dann werden eben auch unschuldige Passanten mittels Rasterfahndung "beobachtet" um potentielle Einbrecher anhalten zu können und wir finden das gut, ohne sinnlos nach einem Richter zu schreien. Solange elektronische Verbindungsdaten nicht missbrächlich an Dritte wie ehefrauen etc. weitergegeben werden; kann uns das doch ebenso egal sein. Was soll der pseudoreliöse Grundrechte-Quatsch ?

Gast: tigerbalsam
03.03.2011 08:27
1 1

die freiheit

haben diese angsterregenden kommissare und politiker schon abgeschafft.

ich schrei schon seit mindestens 2 jahren wegen dieser eu directive, aber ich bin nur ein privater mensch in der eu und somit (auf anweisung der usa und offenbar zur grossen freude unserer regierung) offiziell zum terroristischen staatsfeind erklärt.

es ist unerhört.

danke, dass sich wenigstens diepresse diesbezüglich zur objektiven berichterstattung entschlossen hat. anscheinend eine mutige entscheidung, wenn man sich anschaut wie das thema in den anderen medien verharmlost und totgeschwiegen wird.

Gast: luzifer
03.03.2011 01:14
1 0

Solange ganze Abhörprotokolle in den Medien abgedruckt werden,

sind die Vorbehalte gegen die Datenspeicherung absurd! Hier geht es den Mobiltelefonbetreibern offensichtlich um den Kostenersatz. Wenn die bei den Telefongesellschaften geführten Gespräche geschützt gegen Eingriffe von außen und geheim gehalten werden, dann kann man ja auch die Daten ein paar Monate schützen! Mehrkosten können ja nicht entstehen, weil die Daten für die Reklamationen ohnehin verfügbar sein müssen!

Antworten gms_
03.03.2011 16:23
0 0

Re: Solange ganze Abhörprotokolle in den Medien abgedruckt werden,


Bei Flatfees speichern Provider schon jetzt keine Detaildaten, Standortdaten sind zumeist ebenso irrellevant.

Last not least: Die Richtlinie und das Gesetz erfassen auch Email, Skype, etc. - mit "ein bißchen mehr" hat dies rein garnichts zu tun.

montan
03.03.2011 00:28
0 2

Bin empört und frustriert

und zwar darüber, dass ein Zugriff "ohne richterliche Anordnung" erfolgen darf. "Verdächtig" ist alles und jeder, und zwar mehr oder weniger begründet. Das ist eine riesige Schweinerei, was hier passiert ! Es ist gerade so, als würde andauernd jemand meine Briefe öffnen ! Leider ist es nur eine Minderheit im Land, die sich dafür interessiert und kapiert, was hier abläuft. Eine richterliche Anordnung, und eine Verständigung des Untersuchten, natürlich einige Zeit später, wäre doch das, was in einem Rechtsstaat angemessen wäre. Hier geht einigen Ermittlern die Lust mit der Freud durch ! Und die Politiker haben etwas, womit sie sich schmücken dürfen ! Ich protestiere !

0 4

Wir brauchen zumindest -

eine neue, vernünftige innenressortleitung!

ADAXL
02.03.2011 21:18
0 0

Ich bin böse!

Los, fangt mich!

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