Abseits jedes positiven Spins

CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Europas Staatenlenker sind wahre Meister im Verschlimmbessern.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Kommentar

Mehr zum Thema:

Die Eurokrise für sich genommen ist schlimm genug. Das Zaudern der europäischen Politiker ist auch nicht besser. Die Art aber, wie sie im Vorfeld einen jeden Krisengipfel zum Desaster machen, die ist richtiggehend selbstzerstörerisch.

Da warten Europas Staaten angeblich aus Kalkül zu, um sich in Sachen Eurorettung wieder einmal zusammenzutun. Man erklärt dies damit, sich wirklich nur noch dann treffen zu wollen, wenn man tatsächlich etwas zu entscheiden hat. Potzblitz! Das hätte sich der einfache Europäer nicht gedacht. Die Spannung wird also sukzessive aufgebaut. Was man an sich noch als Taktik ansehen könnte.

Und dann? Lassen die Deutschen den eben erst aufgeblasenen Luftballon platzen. Nichts Großartiges sei zu erwarten, wird vorerst über die sogenannten „Kreise“ verbreitet. Was Kanzlerin Angela Merkel wenig später in eigenen Worten bestätigt. Es gehe eben alles nur Schritt für Schritt. Ihr französischer Freund stellt der Kanzlerin prompt ein Bein. Nicolas Sarkozy lässt über seine Minister ein „überzeugendes Signal“ einfordern und per Indiskretion wissen, dass er die Deutschen für verantwortungslose Egoisten hält. Dann wird wieder telefoniert, beim gemeinsamen Abendessen parliert und auf dem Brüsseler Medienteppich flaniert.

Also alles wie schon öfter gehabt. Dabei hätten sich die pleitegeplagten und durch Horrorszenarien verunsicherten Europäer zumindest einmal eine stimmigere Gipfelinszenierung verdient. Vielleicht wird's ja dann auch noch was aus einer schlagkräftigen Wirtschaftspolitik – so es bis dahin nicht zu spät ist.

 

claudia.dannhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

6 Kommentare

worüber beschweren sie sich denn?

dass ihnen merkel, sarkozy & co ihren job sichern?

wenn diese ihre beratungen/entscheidungen im geheimen machten und auch die ergebnisse nicht durchsickern würden: worüber würden sie dann schreiben? was würden ihre an sensationen und nicht an banalitäten interessierten leser dann konsumieren? dass heute regenwetter vorherrscht?

haben sie sich auch beschwert, dass kate und willi nicht zu fünft (die beiden, 2 trauzeugen und 1 standesbeamter) geheiratet haben?
haben sie sich auch beschwert, dass otto nicht im engsten familienkreis bestattet wurde?

politik ist show.
medien sind teil der show.
und das fadisierte publikum liebt nichts mehr als show, show, show...

ich finde, sie sollten sich tatsächlich beschweren: entweder bei ihrem arbeitgeber oder beim salzamt!

Der Nikolas "Sonnenzwerg" denkt sich ...

"Wahlen gewinne ich in Frankreich und mit dessen Bankenklüngel, der tief in Griechenland verstrickt ist". Sobald die Anleihen europäisiert sind, wird er dann die Griechen übers Bankl jagen.

Und Anschi Mädel pflanzt jeden Tag einen neuen Kaktus, damit die anderen nicht unbemerkt an ihr Fell kommen. Das gelingt, weil Rot, Gelb und Dunkelrot in der BRD flach liegen. Ob Claudia Roth dann mit Angela auf ein Foto passen wird, bei der nächsten Bundestagswahl? Die beiden Damen und Seehofer in der Mitte. Schaut aus, als würde er mit zwei Einkaufstaschen durch die bayrischen Länder ziehen.

Gast: radius
20.07.2011 23:22
2

Frankreich fährt seit Mai 2010 eine Überrumpelungskurs

und Club-Med-Mehrheitskurs. Frankreich muss ganz schön tief drinnen stecken.

Die Melkkühe Europas müssen gemolken werden, egal ob die globale Wettbewerbsfähigkeit draufgeht oder nicht.

Re: Frankreich fährt seit Mai 2010 eine Überrumpelungskurs

ja, die globale wettbewerbsfähigkeit ist schon immens wichtig, wenn 80+% des handels INNERHALB der eu stattfinden...

aber schön, dass sie dieses thema angeschnitten haben.
denn hauptsächlich darum geht es bei der bewältigung der pigs-krise: wenn den 'nord-staaten' diese märkte wegbrechen, dann hat europa ein echtes problem!

zu spät

Es ist schon zu spät, sie wissen es nur noch nicht.

Gast: Vogel Strauss
20.07.2011 20:08
3

Erster vernünftiger Kommentar ...

... im Vorfeld eines EU-Rats - endlich mal jemand, der nicht der Brüsseler Gehirnwäsche erlegen ist!

Top-News

  • Hypo: Die lang geplante Fastpleite
    Der Bund verhandelt nun mit den Anleihegläubigern über einen Schuldenschnitt bei der Hypo-Bad-Bank. Ein Gläubiger hält zehn bis 35 Prozent für „nicht komplett unrealistisch“.
    Gut für Steuerzahler, schlecht für Kapitalmarkt
    Der Finanzminister hat entschieden, kein Geld mehr in die Hypo-Bad-Bank zu stecken. Für die Steuerzahler ist das eine gute Nachricht. Anders sieht die Situation für die Gläubiger und den Ruf von Österreichs Kapitalmarkt aus.
    Fall Alijew: "Einen Freitod schließen wir aus"
    Nach dem in U-Haft begangenen Suizid des Ex-Botschafters Rachat Alijew weisen die Anwälte die offizielle Version vom Tod des 52-Jährigen zurück, vermeiden aber das Wort „Mord“.
    USA-Israel: „Wir sind wie eine Mischpoke“
    Israels Premier Netanjahu versuchte mit Charmeoffensive, die Delegierten der US-jüdischen Lobby Aipac zu umschmeicheln. Vor Kongress-Rede zog er in Polit-Show alle Register.
    Marihuana: Amerika hört das Gras wachsen
    Die Cannabislegalisierung in der US-Hauptstadt Washington D.C. markiert trotz unklarer Rechtslage den rasanten Meinungswandel der amerikanischen Gesellschaft gegenüber der Selbstberauschung.
    Ein Präsident Leitl – so oder so
    Die Folgen der Wirtschaftskammerwahl: Christoph Leitl kommt seinem Ziel, der Hofburg, ein Stückchen näher. Die Grünen haben eine neue Klientel. Die Neos ein Problem.
AnmeldenAnmelden