Die SPÖ sitzt am Küniglberg

Pelinkas Wechsel zum ORF ist symptomatisch für die dreiste und plumpe SP-Medienpolitik.

Der Mann, der bisher offiziell die Anliegen der SPÖ im ORF vertreten hat, ist nun Büroleiter des ORF-Chefs; dessen enger Vertrauter war und ist er sowieso. Die Optik ist, wie man in Medienkreisen sagt, fatal. Und es ist strengstens zu befürchten, dass es sich nicht nur um ein optisches Phänomen handelt, sondern um die unverschämt deutliche Manifestation eines Faktums: Die SPÖ besteht darauf, von dem (nicht wirklich erfolgreichen) ORF-Chef, dem sie bei der letzten Wahl doch die Treue gehalten hat, verlässlich gut behandelt zu werden. Und da sich das womöglich in manchen Fällen doch nicht so einfach organisieren lässt – wer weiß, was manchen Redakteuren so einfällt in ihrem Wahn, parteiunabhängig zu sein? –, schickt sie ihren Mann gleich mitten ins Zentrum der Macht. Ist doch praktisch so.

Da hätte man gleich Laura Rudas nehmen können, hat ORF-Moderator Armin Wolf gehöhnt. Er hat recht und doch wieder nicht: Rudas wäre zu ungeschickt, ihr fehlt die „slickness“ von Nikolaus Pelinka, der (scheinbar) tolerant lächelte, wenn ihn Kabarettisten als direktes Sprachrohr der SPÖ im ORF darstellten. Er lächelte zu Recht: Denn es stimmte und stimmt, und es war und ist ihm nicht peinlich.

Doch die SPÖ tut sich mit dieser Beschickung nichts Gutes. Sie ist genauso kurzsichtig wie Werner Faymanns Fütterung der Boulevardzeitungen mit Inseraten, wie die skurrilen Versuche seines Büros, den Internetauftritt des Kanzlers zu „optimieren“. Eine alte, stolze, staatstragende Partei wie die SPÖ hat es nicht nötig, sich die Gunst der Medien so zu sichern: Wer davon (noch) überzeugt ist, ist bestürzt. Die anderen fühlen sich bestätigt. Man kann sie verstehen.

 

thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2011)

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