Glawischnigs Pyrrhussieg

Ein Drama mit grünen Selbstdarstellern: Über die Eskalation eines banalen Konflikts und die Langeweile, die die grüne Partei heute verströmt.

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Eva Glawischnig
Eva Glawischnig – APA/GEORG HOCHMUTH

Johannes Voggenhuber wurde 2009 selbst mehr oder weniger weggemobbt: Die Parteiführung wollte den Dauerkritiker aus Brüssel nicht wieder im Europaparlament sitzen haben, er bekam dann einfach keinen Listenplatz mehr. Seither wird er von Rachegedanken angetrieben, kein grüner Konflikt, keine grüne Krise, in der er nicht verlässlich auf der Seite der Gegner von Eva Glawischnig ist.

Das heißt allerdings nicht, dass es uninteressant wäre, was Voggenhuber zu sagen hat. Im aktuellen Fall ist es sogar sehr erhellend, und zwar weniger, was die Grünen, sondern vielmehr, was den ORF betrifft. Auf Facebook schrieb Voggenhuber nach der „Im Zentrum"-Sendung zum Streit bei den Grünen, dass eigentlich auch er zu dieser eingeladen gewesen sei, jedoch wieder ausgeladen wurde, nachdem Eva Glawischnig zugesagt hatte. „Statt eines Anwalts für die Jungen brauchte man nun einen Bullterrier, einen Mann fürs Grobe, an der Seite der angeschlagenen Bundessprecherin." Damit gemeint: PR-Berater Rudi Fußi, der schon in den Tagen davor auf Twitter kein Hehl daraus gemacht hatte, auf welcher Seite er stand – auf jener Eva Glawischnigs.

Es stand also schon vor Beginn der Talkshow 2:1 für die alten Grünen. Als Vierter saß Politologe Anton Pelinka in der Runde. Was genau ihn jetzt – oder eben auch Fußi – dazu prädestinierte, an diesem „Im Zentrum" zum Streit bei den Grünen teilzunehmen, weiß kein Mensch. Bei Fußi lässt sich das noch mit seinem Unterhaltungswert erklären. Bei Pelinka höchstens damit, dass er als Vertreter Soros-Uni derzeit ohnehin Stammgast im ORF ist und man ihn für Sonntagabend eben auch noch einbehalten hat.

Inhaltlich gab es im Fernsehen nichts Neues. Weil es bei dem ganzen Streit ja bekanntlich auch nicht um Inhaltliches geht. Die Sympathien des Publikums gehörten mutmaßlich der von allen Seiten bedrängten Außenseiterin, Flora Petrik. Wirklich etwas anzufangen wusste sie damit allerdings auch nicht. Statt Argumenten kamen von ihr nur Plattitüden. In der Sache hat Eva Glawischnig recht. Das ganze Setting war aber dermaßen seltsam, dass die Botschaft nicht wirklich ankam.

Reizfigur Reimon

Erstaunlich ist es dennoch, dass es ein so banaler Konflikt im Jungpolitikermilieu über die Wahrnehmungsschwelle geschafft hat. Zum einen hat das schon auch mit den Medien zu tun, die jeder Rücktrittsaufforderung an einen Parteichef – und sei es vom siebenten Zwerg von links – den entsprechenden Platz einräumen. Flora Petrik hat genau das getan. Hinzu kam, dass Michel Reimon, ein selbst überaus polarisierender Politiker mit hoher Social-Media-Reichweite, diesen Konflikt noch befeuerte, indem er die Jungen Grünen unter anderem mit Sebastian Kurz' JVP verglich.

Nun konnte man sich auch an Reimon abarbeiten – oder ihm zuarbeiten. Je nachdem. All dies bekam jetzt eine zwischenmenschliche Dramakomponente – erst recht, als dann auch noch eine der Protagonistinnen im Krankenhaus landete. „Dallas" oder „Dynasty" – die jungen Grünen werden das nicht mehr kennen – für Arme.

Zum anderen hätte all das wohl nicht verfangen, wenn es nicht eine unterschwellige – bei Leuten wie Voggenhuber sogar eine offensichtliche – Unzufriedenheit mit Eva Glawischnig gebe. Sie ist zwar eine toughe Parteimanagerin, hat Wahlerfolge und Regierungsbeteiligungen vorzuweisen und den ersten grünen Bundespräsidenten mitermöglicht. Aber: So eine richtig mitreißende Führungsfigur ist sie nicht. Oder eben nicht mehr. Immerhin ist sie auch schon seit 2008 Parteichefin. Und während die SPÖ einen Neuen an der Spitze hat und dieser bei der ÖVP vor der Tür steht, ist bei den Grünen alles „more of the same". Kein Plan A wie bei den Roten, kein akzentuierterer Kurs in der Migrationspolitik wie bei den Schwarzen.

Mit einem Wort: Die Grünen sind – wenn sie nicht gerade streiten – langweilig geworden. Das dürften auch die Jungen Grünen so sehen. Wobei man nicht davon ausgehen sollte, dass sie die Grünen spannender, schon gar nicht regierungsfähiger machen würden. 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

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