25.05.2012 22:50 | Meine Presse Merkliste 0

Leitartikel: Nur Regimewechsel kann Iran-Problem lösen

von HELMAR DUMBS (Die Presse)

Drohungen, Gespräche, Sanktionen: Bisher hat der Westen kein Rezept gegen Irans Atom(bomben)programm gefunden. Auch ein Militärschlag wäre keine gute Idee.

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Es ist ein etwas eigenwilliger Humor, den Ali Asghar Soltanieh da an den Tag legt. Der Iran sei ein „Vorreiter im Kampf für eine atomwaffenfreie Welt“, sagte Irans Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien am Mittwoch. Im Lichte des keine 24 Stunden vorher veröffentlichten Berichts dieser Behörde zu Irans Nuklearprogramm kann das allenfalls als verfrühter Faschingsscherz durchgehen, wenn auch als kein besonders guter.

Denn das, was IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano penibel auflistet, lässt nur einen Schluss zu: Der Iran arbeitet allen anders lautenden Beteuerungen zum Trotz zielstrebig daran, Atomwaffen zu bauen. Und er ist dabei schon recht weit gekommen. Gerade das irakische Beispiel sollte als Mahnung dienen. Im Vorfeld der US-Invasion 2003 hatte Amanos viel gescholtener Vorgänger Mohamed ElBaradei erklärt, man habe keine Beweise für ein Atomwaffenprogramm Saddam Husseins. Er und seine Inspektoren behielten recht. Wenn nun also ein IAEA-Bericht, erstellt von Leuten, die nicht gerade als Laien gelten, von zahlreichen Aktivitäten des Iran berichtet, die „spezifisch“ für ein militärisches Atomprogramm seien, ist das zwar noch keine „smoking gun“, doch genau die gilt es ja zu vermeiden. Dass, wie oft behauptet, Amano gegenüber dem Iran eine härtere Gangart einschlägt als sein Vorgänger, trifft es nicht ganz. Der Unterschied ist: ElBaradei sagte, was er nicht wusste, Amano sagt, was er weiß. Und das ist höchst beunruhigend.

Freilich werden jetzt wieder die Beschwichtiger auf den Plan treten: Was denn so schlimm an ein paar iranischen Atombomben wäre? Andere Länder, nicht zuletzt Israel, hätten doch auch welche. Abgesehen von der Unappetitlichkeit, eine Demokratie wie Israel mit dem iranischen Hybrid aus Theokratie und Militärdiktatur zu vergleichen, ist dieses Scheinargument kurzsichtig: Wer dem Iran den Griff zur Bombe gewährt, stößt die Tür zu einem regionalen atomaren Rüstungswettlauf weit auf. Und je mehr Länder diese Waffen im Arsenal haben, desto größer die Gefahr, dass irgendjemand einmal den roten Knopf drückt. Der Nahe Osten ist definitiv nicht die Region, in der man um jeden Preis die Probe aufs Exempel machen sollte.

Würde der Iran die Bombe einsetzen? Schwer zu sagen. Doch beim Thema Nuklearwaffen ist schon der kleinste Zweifel zu groß. Auf ausgeprägte rationale Grundierung sollte man bei einem Regime nicht bauen, dessen führende Exponenten die Ankunft des Mahdi erwarten, also des Messias, der, so der Glaube, im größten Chaos zurückkehrt.


Nein, wir sollten nicht lernen müssen, die iranische Bombe zu lieben. Also muss man verhindern, dass es so weit kommt. Aber wie? Ex-Mossad-Chef Meir Dagan hat einen militärischen Angriff als „dümmste Idee“ bezeichnet. Die Folgen für Israel selbst und für die Region wären unabsehbar, massive Angriffe der hochgerüsteten Hisbollah auf israelische Städte wären das Mindeste, worauf sich Israel einstellen müsste. Und die Zahl der Freunde des jüdischen Staates ist in den letzten Monaten nicht unbedingt gewachsen.

Verhandlungen? Die waren bisher ein Tanzkurs, den der Iran auf der Nase des Westens veranstaltete. Sanktionen? China und Russland haben noch jeden Versuch verwässert, die Iraner Schlupflöcher gefunden. Am effizientesten waren noch Kommandoaktionen und Sabotageakte des Mossad, von denen der Angriff mit dem Computerwurm Stuxnet 2010 nur der spektakulärste war. Doch gänzlich aufgehalten konnte Irans Atomprogramm auch dadurch nicht werden.

Letztlich kann nur ein Regimewechsel die Lösung bringen. Wer langfristig an der Stabilität in der Region interessiert ist, sollte alles auf eine Re-Infektion des Iran mit dem „Revolutionären Virus“ setzen, das seit Jahresanfang in der arabischen Welt grassiert. Der lächerliche Versuch Teherans, die Bewegungen anfangs zu vereinnahmen, zeigt die Hilflosigkeit des Regimes. Im Falle seines engen Verbündeten Syrien war die Begeisterung für den Aufstand denn auch wie weggeblasen. Das Regime weiß ganz genau, dass die wahre Gefahr für sein Überleben nicht von einem auswärtigen Angriff ausgeht, der die Iraner zum nationalen Schulterschluss drängen würde– sondern vom eigenen Volk.

 

E-Mails an: helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2011)

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22 Kommentare
Gast: Luzifer
13.11.2011 13:59
1 0

Waren es nicht die USA, die skrupellos die A-Bomben warfen?

Da müßte man doch im Fall der USA die größten Zweifel über die Sicherheit der A-Waffen haben...
An anderer Stelle hebt ein Autor hervor, daß eine Atom-Bewaffnung die einzige Sicherheit gegen einen militärischen Überfall bietet. Auch da ist wieder auf die USA zu verweisen: seit N-Korea die A-Waffe besitzt, wird dieses Land kaum mehr von den USA als Mitglied der "Achse des B ösen" verleumdet und militärisch bedroht. Jene Länder hingegen, die dem US-Druck stattgegeben und auf A-Waffen verzichtet haben (Irak, Libyen, Syrien) wurden von Nato-Truppen entweder beeits überfallen oder werden aktuell von ihnen bedroht!

Svenco
11.11.2011 13:21
2 0

Nur Regimewechsel kann Euro-Problem lösen!

Die Eurokrise kann mit gewöhnlichen Methoden nicht mehr gelöst werden. Bauerapfern wie Papandreou oder Berlusconi können auch keine Lösung sein. Man muss jetzt an einen Wechsel von Regime denken!

Gast: Hans Raum
10.11.2011 17:48
3 0

DANKE!

Die beste Beschreibung der Situation, die ich seit langem lesen konnte. Vor allem auf der Presse.

Ein Militärschlag würde die Mühe und das Blutvergiessen der Freiheits- Bewegung der letzten 30 Jahre im Iran zu nichte machen!

Gast: Free
10.11.2011 17:28
2 0

Bei den Worten nur Regimewechsel kann Problem lösen dachte ich zuerst sofort an Österreich..

.. dann erst sah ich dort Iran stehen...

Gast: b754
10.11.2011 16:43
3 2

also ich höre in der region immer nur ein land

nach krieg schreien und der iran ist es nicht

Gast: b754
10.11.2011 16:42
2 2

seit wann ist israel ein regime?


Antworten German15
10.11.2011 17:35
3 1

Re: seit wann ist israel ein regime?

Schon immer!!!

MaDi
10.11.2011 16:27
2 2

Nur eine Schlußfolgerung möglich?

Seltsamerweise kommen Länder die nicht mit den USA und Israel verbündet sind, sehr wohl zu anderen Schlußfolgerungen, was den IAEA Bericht angeht, der ja auch weiterhin keine Beweise für ein iranisches militärisches Atomprogramm liefert, sondern wieder einmal "erhebliche Bedenken". Nichts Neues also. Raketenentwürfe und -produktion verwundern wohl niemanden.
Immerhin setzt der Autor nicht auf einen militärischen Angriff, auch wenn er "Kommandoaktionen" durchaus rechtfertigt. Terrorangriffe könnte man die Ermordung iranischer Wissenschaftler auch nenne.
Nun: das iranische Staatsoberhaupt Chamenei verbietet Herstellung, Lagerung und Einsatz von Atomwaffen als Kriegsverbrechen. Zu unser aller Glück, denn die Zustimmung der iranischen Bevölkerung zu Atomwaffen steigt - je mehr Sanktionen, je größer der Wunsch nach Atomwaffen. Die Lösung ist also, den Iran weniger in die Enge zu treiben, sondern die Beziehungen zu normalisieren, das wird dann auch innenpolitisch Bewegung bringen. Wir haben kein Recht, uns in innere Angelegenheiten einzumischen - im Vergleich Israel als demokratischer zu bezeichnen ist wohl fragwürdig, wenn sie Israels arabische, nichtjüdische Bürger nach seiner Meinung fragen.

Antworten Gast: Spooky
11.11.2011 11:37
1 2

Re: Nur eine Schlußfolgerung möglich?

Irgendwann..... wenn die erste schmutzige Bombe in einer westlichen Metropole hochgegangen ist...... werden sich viele Meinungen hier ändern.

Dann wird gezetert und geschrien, dann wird man sich wünschen man hätte damals Nordkorea, Pakistan und Iran davon abgehalten Nukleartechnik zu entwickeln und notabene weiterzuverkaufen.

Nordkorea macht damit bereits gute Geschäfte und kümmert sich wenig um die Reputation von vorhandenen Geschäftspartnern.

Aber im Nachhinein ist man ja immer klüger.

So, dann lass ich euch jetzt mal wieder weiter Israel und die USA verteufeln und Diktatorische Regimes verteidigen.

Bis die Tage, vielleicht schon in ein paar Jahren.

Antworten Förster
10.11.2011 19:13
1 1

Re: Nur eine Schlußfolgerung möglich?

Hätte der Irak Atomwaffen gehabt, wären dem Land 2 grauenvolle Angriffskriege erspart geblieben. So gesehen ist es die Pflicht eines besonnenen Staatsmanns, seinem Land die Atomwaffe zu beschaffen. Vor allem dann, wenn auf seinem Staatsgebiet Erdöl gefördert werden kann.

Antworten Gast: Schreiber der einzigen Wahrheit
10.11.2011 18:38
1 1

"Das iranische Staatsoberhaupt Chamenei verbietet Herstellung, Lagerung und Einsatz von Atomwaffen als Kriegsverbrechen."
Sie haben ja mächtig Respekt vor den Worten dieses blutrünstigen Mummenschanzes! Dessen Auftritte muss man einmal gesehen haben: Hoch thront er über seinen pflichtgemäß skandierenden Gläubigen und ruft sie zum heiligen Schlachten auf.

Gast: Weltanalyst
10.11.2011 15:58
0 1

Wie lange soll der Regimewechsel dauern?

Ohne Nachhilfe werden die Henker-Mullahs wohl nicht so bald in die Hölle zurückfahren.

2 4

"Letztlich kann nur ein Regimewechsel die Lösung bringen."

ja, so scheint es.

überhaupt wenn man bedenkt, wieviel unrecht, not und elend dieses regime schon über die welt gebracht hat.

für alle aufmerksamen: ich rede jetzt nicht über den iran (iran = lercherlschaas), ich rede über ein ganzes wirtschaftliches und soziales system, das direkt und indirekt verantwortlich ist für locker eine milliarde toter in den letzten jahrzehnten und vor allem in den nächsten!

wer andere regimes für gefährlich hält und sie wegschreiben will, aber den riesiegen misthaufen vor der eigenen tür nicht sieht, ist ein....dumbs!

Gast: Eber
10.11.2011 01:39
4 6

In welcher Welt ...

... lebt Presse.com ???
Woher nehmen Sie das Recht, einem Ihnen mit Sicherheit vollkommen fremden und unbekannten Land vorzuschreiben, welche Staatsform es haben will ??? Waren Sie einmal da? Ich schon! Ich hatte nicht den Eindruck, die Menschen dort wollen etwas anderes.
Iran ist das bei Weitem modernste, bestentwickeltste und -industrialisierteste Land in der Region.
Und: es hat seit Jahrhunderten keinerlei Kriege gegen seine Nachbarn begonnen.
Welches Land ist es denn, das in der Region mit "westlicher" Hilfe seit Langem Atomwaffen besitzt und damit alle seine Nachbarn bedroht ???
Erraten ...

Antworten Dagobert
10.11.2011 11:52
4 2

Re: In welcher Welt ...

In welcher Welt leben sie?

Iran = Terrorismusexporteur Nr. 1

Antworten Antworten Gast: Kommentar34
10.11.2011 14:56
2 4

Re: Re: In welcher Welt ...

schwachsinn. der größte terrorismusexporteur ist die usa: al kaida + jundallah uvm

Antworten Antworten Gast: donald23
10.11.2011 14:35
0 0

Re: Re: In welcher Welt ...

wenn Sie es sagen, wird es schon stimmen....

wogi77
09.11.2011 20:28
6 4

guter kommentar

gar nicht schlecht der kommentar!

Gast: Revolutionären Virus
09.11.2011 19:03
7 6

Drohungen, Gespräche, Sanktionen, Massenmord an die Zivilbevölkerung.

Der ganz normale Natoterrorstaaten Raubmordfeldzug Fahrplan gegen anders denkende und Andersgläubige!

Antworten mig29
10.11.2011 15:36
1 1

Re: Drohungen, Gespräche, Sanktionen, Massenmord an die Zivilbevölkerung.

Wirrer vorgestriger Komentar - grüßen Sie in Ihrer Anstalt Honegger von mir!

Antworten Gast: Sorryyyy
09.11.2011 22:36
1 2

Andersgläubige!?


3 3

Re: Drohungen, Gespräche, Sanktionen, Massenmord an die Zivilbevölkerung.

Haben Sie den Artikel gelesen und verstanden?

Der Autor hält einen vom iranischen Volk getragene Revolution für das beste, was hat das mit Massenmord zu tun?

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