25.05.2012 23:08 | Meine Presse Merkliste 0

Die Zeit wäre reif für einen neuen Mieter im Weißen Haus

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Die größte Stärke von US-Präsident Obama bei der Wahl im November ist die Schwäche seiner Herausforderer. Nur Romney kann ihm gefährlich werden.

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Die Zeichen stünden auf Wechsel in den USA. Die Wirtschaft stagniert, die Arbeitslosigkeit verharrt hartnäckig über acht Prozent, die Schulden türmen sich auf gigantische 15 Billionen Dollar. Längst ist die Aufbruchstimmung, die Barack Obama herbeigeredet hat, auf dem Kuscheltierfriedhof der enttäuschten Hoffnungen gelandet.

Mehr als die Hälfte der Amerikaner ist mit der Amtsführung ihres Präsidenten unzufrieden. Außer einer Gesundheitsreform, die auch nicht unumstritten ist, hat der entzauberte Massenhypnotiseur nicht viel weitergebracht. Barack Obama wäre für die Abwahl im November reif wie Weintrauben für die Lese.

Doch gefüllt ist die Butte noch lange nicht. Denn die Republikaner haben bisher noch keinen überzeugenden Erntehelfer ins Feld geschickt. Von den sieben Präsidentschaftskandidaten der Grand Old Party, die sich seit Monaten in einem peinlichen Dauerwahlkampf beharken, kann auch ein geknebelter Obama die meisten problemlos wegputzen.

Kreativität hat die Partei zuletzt nur beim Blockieren im Kongress gezeigt. Aussichtsreichster Konkurrent Obamas wäre wohl noch Mitt Romney. Das hat man sich in Iowa auch gedacht. Und deshalb hat der Ex-Gouverneur von Massachusetts bei den Vorwahlen in dem kleinen bäuerlichen Bundesstaat auch die meisten Stimmen erhalten, wenngleich nur um acht mehr als der überraschend starke Rick Santorum.

In der nächsten Station des Vorwahlwanderzirkus, in New Hampshire, liegt Romney in Umfragen klar voran. Der bigotte Santorum muss auf ein Wunder hoffen: Er hat fast nur in Iowa Hände geschüttelt und ist anderswo sowohl finanziell als auch organisatorisch schwach aufgestellt. Ihm könnte nach dem Traumstart schnell die Puste ausgehen.

Romneys wichtigster Erstrundenerfolg ist es, seinem schärfsten Gegner, Newt Gingrich, einen schweren Schlag in die Magengrube versetzt zu haben. Eine Kampagne negativer TV-Werbespots reichte, um den ehemaligen Kongressmehrheitsführer in die Schranken zu weisen. Spätestens jetzt müsste allen klar sein, welche weiten Angriffsflächen Gingrichs Biografie bietet. Er wechselte nicht nur Frauen, sondern auch die Religion und seine politischen Positionen. Es wäre bei aller intellektuellen und rhetorischen Schärfe, zu der Gingrich fähig ist, keine gute Idee, einen mehrfach überführten Heuchler in die Präsidentschaftswahl zu schicken. Für Rick Perry, den geistig offenbar etwas überforderten Gouverneur aus Texas, ist das Rennen nach Iowa vorbei. Für den Diplomaten und ehemaligen Gouverneur von Utah, Jon Huntsman, hat es nie richtig begonnen. Michele Bachman, der schrille Star der Tea Party, ist schneller verglüht als eine Silvesterrakete.

Bleibt Ron Paul: Das 76-jährige libertäre Urgestein brachte es in Iowa auf beachtliche 21 Prozent und liegt auch bundesweit in Umfragen gut im Rennen. Mit seiner radikalen Ablehnung des Staates und seinem außenpolitischen Isolationismus verschreckt er zwar das Establishment, doch er begeistert viele Jugendliche. Doch dass die Republikaner tatsächlich einen erratischen Außenseiter wie ihn auf den Schild heben, ist nach wie vor kaum vorstellbar.


Drei Strömungen wurden in Iowa sichtbar: Pauls zorniger Anti-Etatismus, Santorums aggressiver Konservativismus und Romneys professioneller Pragmatismus. Bündeln kann sie am ehesten der biegsame Mitt Romney. Der Mann ist nicht wirklich beliebt. Er hat die Ausstrahlung einer Schaufensterpuppe, ändert seine Argumente je nach Verkaufssituation wie ein Versicherungsvertreter, und er ist ein Mormone. Bei allem Geld, das der Millionär in den Wahlkampf gesteckt hatte, durchbrach er in Umfragen nie die 25-Prozent-Marke. Monatelang suchten die Republikaner verzweifelt nach einer Alternative – und landeten doch wieder bei ihm. Denn keiner kann dem Manager die Wirtschaftskompetenz absprechen. Und keinem wird deshalb in Zeiten der Krise eher zugetraut, Obama schlagen zu können.

Noch ist kein Fall von Romney-Mania ärztlich attestiert. Die Begeisterung für ihn war bisher ähnlich ausgeprägt wie bei einem Buchhalterkongress. Doch das muss kein Nachteil sein. Obama hat den Bedarf nach Charismatikern für die nächsten Jahre gesättigt.

 

E-Mails an: christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2012)

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76 Kommentare
 
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Chauvinist
14.01.2012 10:08
0 0

Das kommt raus, wenn man die eigene Identität ablehnt und alles fremde hochlobt! Internationale politische Verflechtungen sind meiner Einschätzung nach abzulehnen. Sieht man ja was herauskommt Österreich ist mit Ungarn und Italien äußerst eng verbunden und schwups is das AAA weg!

Eigene Meinung---->>

<<----politisch korrekt

Gast: Zeitungsleserin
06.01.2012 14:07
0 0

Ron Paul

Ron Paul ist trotz Alter durchaus ernst zu nehmen. Sein Programm : er ist für wenig Staat, gegen eine Interventionspolitik, möchte die Kriege beenden, und ist liberal in Fragen persönlicher Lebensgestaltung. Diese Mischung kommt bei den Jungen. und der wachsenden Gruppe der "Independents" gut an.

0 1

romneys lebenslauf ist schlichtweg beeindruckend

idiologie hin oder her was er geleistet hat ist sehr beeindruckend
im englischem wikipedia steht z.b dass er in harvard ein doppelstudium jus und wirtschaftswissenschaften abgeschlossen hat.
ersteres cum laude im oberen drittel seines jahrgangs das wirtschaftsstudium gar mit einem baker scholar unter den besten 5%

auch seine arbeit als wirtschaftsberater und die handhabung der olympischen spiele 2002 sind sehr beeindruckend

betrachtet man also rein die ausbildung der presidentschaftsanwerter, so kann wohl kaum einer auch nur annähernd romney das wasser reichen
von einem politiker mit derart guten qualifikationen können wir in österreich nur träumen.
Die qualifikationen allein machen zwar noch keinen guten presidenten (zu erinnerung auch obama hat sehr gute akademische leistungen erbracht) dennoch denke ich, dass romney schon allein aufgrund seiner wirtschaftskompetenzen der beste presidentschaftskanidat ist, denn wer diverse unternehmen derart erfolgreich führt (z.b bain &company, aber auch boston consultig group) ist wahrscheinlich auch in der lage einen staat wirtschaftlich erfolgreich zu führen

Antworten Gast: Fekter lässt grüßen
09.01.2012 21:00
0 0

Re: romneys lebenslauf ist schlichtweg beeindruckend

Ein Staat ist kein Unternehmen, das will auch unsere Finanzministerin nicht einsehen.

Gast: dirge
05.01.2012 20:57
1 0

warum denn in die ferne schweifen

wenn das gute liegt so nah.


TheAlien
05.01.2012 16:48
2 1

Streiken die Drehbuchautoren immer noch?

Das Skript und die Charaktäre für die sinnlose Wahl-Show in der Zwei-Parteien-Diktatur USA ist jedenfalls mehr als schwach.
Hoffentlich setzten sie diese Serie bald ab.

modestus
05.01.2012 13:41
0 4

strohfeuer in iowa

new hampshire wird romney auch noch gewinnen, dann kommt newt gingrich
....und er ist obamas angstgegner,...und nicht
die wetterfahne aus dem osten

Antworten Gast: Lasse
05.01.2012 15:04
6 3

Re: strohfeuer in iowa

Klar doch, Mr. "ich begehe selbst Ehebruch, während ich Clintons Amtsenthebung wegen Ehebruchs betreibe" ist der Angstgegner

Antworten Antworten modestus
05.01.2012 16:02
1 3

Re: Re: strohfeuer in iowa

nachdem er seine ehebrecherin geheiratet hat ist, nach usa brauch die sache gegessen.
bei clinton ging es ja weniger um ehebruch, als um den sexuellen missbrauch einer ihm anvertrauten praktikantin und um die lügen die clinton erzählte

Antworten Antworten Antworten Gast: Lasse
05.01.2012 16:39
3 1

Re: Re: Re: strohfeuer in iowa

Also wenn hier jemand jemanden mißbraucht hat, dann wohl Monica den Bill. In Anbetracht der Peinlichkeit dieser Sache (Oral Office), hätte wohl jeder gelogen, solang er meint, er kommt damit durch. Ansonsten gilt: "When Bill Clinton lied, nobody died." Den Vorfall kann man natürlich auch weniger gelassen sehen. Solang man aber wie Newt selbst als einer der größten Heuchler und Lügner verschrien ist, ist das so eine Sache mit der Glaubwürdigkeit.

0 0

"When Bill Clinton lied, nobody died."

oder:
nicht ein einziger ist von uns gegangen, aber einer ist gekommen.

Antworten Antworten Antworten Antworten modestus
05.01.2012 17:49
0 2

Re: Re: Re: Re: strohfeuer in iowa

also lewinsky war das eher dümmliche girl..da ist wohl der welterfahrene clinton der täter
der vergleich mit gingrich ist ein hinkebein

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Lasse
06.01.2012 09:41
1 0

Re: strohfeuer in iowa

Wer es mit einem B...job zur Millionärin schafft, ist wohl kaum dümmlich. Lewinski hat nur Vorteile aus der Sache gezogen, Clinton Ansehen und beinahe Amt verloren. Opfer- und Täterrolle sind eindeutig verteilt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten modestus
06.01.2012 11:37
0 1

Re: Re: strohfeuer in iowa

lewinsky hat mit ihrer designer firma schiffbruch erlitten...handtaschen ala monika waren nur kurzfristig verkäuflich.

millionärin?? wo haben sie diesen unsinn her??
unemployed and no job in sight..not even a blowjob

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Lasse
06.01.2012 12:09
1 0

Re: Re: Re: strohfeuer in iowa

Ihre Million hat sie nicht mit albernen Handtaschen sondern der Vermarktung ihrer Story gemacht. Dass sie das Geld für ihren ausschweifenden Lebensstil verprasst hat, ist eine andere Geschichte.

4 1

Beide Mist

In den USA ist man als Wähler noch mehr verloren als hierzulande.
Man hat die Chance, entweder die Rosarote-Brillen-Partei der Demokraten zu wählen, die schöne Sätze aufsagen können, aber sonst nichts (die Grünen der USA sozusagen).
Oder man wählt die radikal-marktliberalen Republikaner, die genau die negativsten Seiten der USA für tolle Errungenschaften halten und meinen, man muss dem islamistischen Extremismus jetzt mit christlichem Extremismus begegnen (eher eine Art FDP der USA).
In dem Land bleibt einem wirklich nichts mehr übrig, als auf die Gründung einer neuen Partei zu hoffen!

p.s.: Allerdings sind die Amis daran natürlich auch selber schuld.

4 4

Ich habe

selten eine so unfaire, unausgewogene und gehässige Berichterstattung mit einem dermaßen peinlich zynischen Unterton gesehen, wie es sie unserer Tage rund um die Vorwahlen der GOP und die GOP im Allgemeinen gibt.

Nur von der Presse, der ich die meiste Objektivität und das höchste journalistische Niveau in Österreich zugetraut hätte, hätte ich nicht erwartet, dass sie in diesen selbstgerechten, europäischen Spott-Tenor miteinstimmt.
Sehr sehr schade.

Antworten Gast: Lasse
05.01.2012 13:12
4 3

Re: Ich habe

ah, ein glühender Anhänger einer der Clowns, von denen der bemitleidenswerte Mitt Romney bei dieser Freakshow umgeben ist?

0 0

Re: Re: Ich habe

Wohl kaum!
Nur ein Medienkonsument, der sich eine Berichterstattung wünscht, die zumindest in Richtung Ausgewogenheit tendiert.

Gast: Denkmodern
05.01.2012 12:21
4 3

Bitte nicht!

Werden wir jetzt wieder monatelang über jenden Vorwahlausgang in jedem Bundesstaat informiert?Warum ist das so wichtig? Wichtige Probleme in Österreich wie Landschaftszersiedelung und Umweltzerstörung durch Bevölkerungswachstum werden viel zu wenig thematisiert.

Antworten Realist7
08.01.2012 02:55
0 0

Re: Bitte nicht!

Die Themen die Sie erwähnen sind imho nicht mal der Rede wert.

Und Die Presse, als funktionierendes Medienunternehmen, kann sicher für sich selbst entscheiden, was ihre Leser lieber haben: Informationen über den möglicherweise zukünftigen Präsidenten des mächtigsten Staates der Welt oder Ihre Pseudothemen die wohl aus dem Dunstkreis der Grünen oder des Bauernbundes kommen.

Gast: SKF
05.01.2012 11:53
1 1

Hollywood like

Soldat mit Hirn und Reporterin, deren Hilfe suchenden Blicke gegen die Kamera nicht helfen das Ruder herumzureißen und dann CUT.

http://rt.com/usa/news/cnn-ron-paul-thorsen-207/

EPIC FAIL

3 1

gut dass es mehrmals erwähnt wird.


zur klarstellung:
es handelt sich hier um kandidaten der repblikaner für das amt des us-präsidenten.

und nicht um patienten aus dem 'sanatorium', die beim letzten ausgang den bus für die rückfahrt verpasst haben!

7 8

Ron Paul

Um sich von der Krake des industriellen militärischen Komplexes zu befreien haben die Amerikaner nur eine Chance und die heisst RON PAUL !!!

All die Anderen sind nur Marionetten der Lobbies und der Kriegshetzer

Im übrigen von wo hat man diesen Artikel abgeschrieben,übersetzt oder übernommen.

"Credo des schwachen Staates" ahahahha hier wird klein,effizient und zurück zu den Kernaufgaben mit schwach gleichgesetzt.

....schlechter Journalismus


 
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