Je lächerlicher der General, desto unabhängiger der ORF

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Die ORF-Journalisten sehen durch das Ende der „Causa Pelinka“ die Unabhängigkeit des Unternehmens gestärkt. Unoriginell sind sie also nicht.

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Also sind wir froh: Nikolaus Pelinka hat seine Bewerbung für den Posten des Büroleiters des Generaldirektors des ORF zurückgezogen, der Generaldirektor des ORF hat die Ausschreibung des Postens eines Büroleiters des Generaldirektors des ORF zurückgezogen, die Journalistinnen und Journalisten des ORF sehen dadurch die Unabhängigkeit des Unternehmens „gestärkt“, Roman Rafreider erklärt via Twitter, dass Generaldirektor Alexander Wrabetz und Nikolaus Pelinka „Größe“ gezeigt hätten, Armin Wolf klassifiziert die Erklärung von Alexander Wrabetz via Twitter als „bemerkenswert“. AAA plus AWG sozusagen: Alexander Am Anfang, Alles Wird Gut.

Man kann das sicher so sehen. Wenn man zum Beispiel der Meinung ist, dass es von Größe zeugt, wenn sich der Generaldirektor des größten Medienunternehmens des Landes am Nasenring durch die SPÖ-Parteizentrale schleifen lässt und am Ende seinem präsumtiven Bürochef großzügig die Möglichkeit einräumt, seine Bewerbung zurückzuziehen, um seinerseits das Ausschreibungsverfahren zurückzuziehen, das nach der Ernennung des Kandidaten begonnen hat und jetzt vor dem Hearing der anderen Bewerber endet, weil der Generaldirektor offensichtlich Nikolaus Pelinka braucht, nicht einen Bürochef.

Wenn ein Vorgang, an dem zwei Personen beteiligt sind, außer Kontrolle gerät und bereits ein erhebliches Maß an Kollateralschäden hervorgerufen hat, muss der Stärkere die Initiative ergreifen und handeln. Das hat Herr Pelinka getan, und, da muss man Herrn Rafreider recht geben, es ist ein Zeichen von Wrabetz' Größe, wenn er begreift, dass er von den zweien der Kleinere ist.

Man kann es auch so sehen, wenn man der Meinung ist, dass ein Generaldirektor, der nach einem wochenlangen Eiertanz um eine parteipolitische Personalie, deren Totaleskalation durch die biedere Befolgung der bekannten Formalien verhinderbar gewesen wäre, am Ende das erwartbar österreichische Ergebnis erzielt – sag' ma, es war nix –, einen Beitrag zur Stärkung der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geleistet hat.

Zusammengefasst: Je lächerlicher sich der Generaldirektor macht, desto unabhängiger ist der ORF. Vielleicht stimmt das ja, dann sollte man es im Zuge der Änderung des ORF-Gesetzes, das die heldenhaften Redakteurinnen und Redakteure weiterhin fordern, gleich auch rechtlich fixieren. Das würde den Parteien die Auswahl erleichtern und dem Unternehmen zu viele Wechsel an der ORF-Spitze ersparen.

Damit hätte dann auch endlich der Mythos eine gesetzliche Grundlage, der davon erzählt, dass seit der ersten Wahl von Alexander Wrabetz im Sommer 2006 eine nie da gewesene Art der journalistischen Unabhängigkeit auf dem Küniglberg Einzug gehalten habe. Jetzt endlich dürfen die Kolleginnen und Kollegen in den ORF-Redaktionen nach ihrer eigenen Definition von journalistischer Freiheit machen, was sie wollen, was den nicht zu unterschätzenden Vorteil hat, dass es zu einem dramatischen Rückgang der politischen Interventionen kommt – weil sie nicht mehr notwendig sind. Dies umso mehr, als die rot-grüne Zweidrittelmehrheit der ORF-Belegschaft weltanschaulich großzügig genug ist, auch das großkoalitionär-sozialpartnerschaftliche Ostinato der Republik in ihre Komposition der österreichischen Medienwirklichkeit einfließen zu lassen.


Dass die Journalisten ihren Generaldirektor jetzt wieder für einen Großen halten, ist ihr gutes Recht, und es ist auch gut nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass sie sich seine bewundernswerte Aussendung im Großen und Ganzen selbst geschrieben haben. Wer hat schon einen Chef, der die große Stärke seines Unternehmens darin sieht, dass die Belegschaft bereit ist, die Fehler, die er macht, durch öffentlichen Protest einer Scheinkorrektur zuzuführen?

Es gilt wohl das abgewandelte Wort aus Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“, das Marcel Reich-Ranicki immer ans Ende seines „Literarischen Quartetts“ gestellt hat: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Wollen wir also hoffen, dass der Generaldirektor diesmal allen alles gibt, was er ihnen versprochen hat.

 

E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)

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66 Kommentare
 
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Gast: Lukas
24.01.2012 01:00
0

allein das Wort ORF

erweckt in mir einen schlimmen Brechreiz... Einzig die Privatisierung kann hier noch helfen!

das stimmt nicht!

die lindner war die lächerlichkeit in person.
trotzdem war und ist der ORF immer unter der knute der schwarzen gestanden!

Yesss!


Jessas, wie kann Gift spritzen gut tun ...


Waidmanns Heil?

Einerseits hat man ja eh Verständnis dafür, dass FLE den roten Platzhirschen zur Zielscheibe seiner Kritik macht und ihn am liebsten zur Strecke bringen würde. Wrabetz hat sich durch seine unüberlegte Aktion schließlich selbst zum Abschuss freigegeben.

Andererseits übersieht Großwildjäger FLE in seinem blinden Jagdeifer geflissentlich, dass sich am Küniglberg nicht nur das Rotwild ungeniert vermehrt, sondern dass dort auch Schwarzwild und diverses Niederwild Schaden anrichtet. Oder hat dieses in seinem Jagdkalender unbegrenzte Schonzeit?

Nun ja, bei der Treibjagd auf den roten Sechzehnender (oder Zwölfender, falls es doch noch zum Rücktritt von Wrabetz kommt) ist leider so manches auf der Strecke geblieben, vor allem auch die Fairness.


Der ORF ist eine geschützte Werkstätte

Die können natürlich ohne Sanktionen um sich schlagen. Die Anzahl der Redakteure ist atemberaubend. Das ist ein reiner Machtkampf unter Führung des schwarzen Betriebsratsobmannes der selbst eine erst zu schaffende Stelle bekommen hätte sollen (Bundesländerkoordinator). Wie da alle Angestellten rot sein sollen ist mir unerklärlich. Solange der Betriebsrat bestimmt wer General wird haben wir ein Problem (eine Hand wäscht die andere). Wieviel der angeblich freien Redakteure wurden NICHT durch eine Partei gefördert.

Mehr Privat

Der ORF gehört privatisiert!

Von einem öffentlichen Rundfunk zu sprechen, ist bei dieser linksgrün dominierten einseitigen und manipulativen Berichterstattung sowieso ein Hohn.

Der ORF gehört nicht privatisiert!

Die "linksgrün dominierte einseitige und manipulative Berichterstattung" gehört durch eine "rechtsblau" oder "rechtsorange" dominierte einseitige und manipulative Berichterstattung ersetzt, isn't it?

Re: Der ORF gehört nicht privatisiert!

Ein eindeutiges Nein.

Das eine zu kritisieren, bedeutet nicht, das andere zu preferieren.

Ich wünsche mir die vierte Macht, in unserer Demokratie.

Unabhängig und soweit wie möglich objektiv.


Gast: Darth Rosie
20.01.2012 12:28
7

Wunderbar

Ein Vergnügen, diesen Kommentar zu lesen.

Abgeshen davon,

wie stellen Sie Sich das vor, Herr Fle, dass sämtliche Redaktionsposten auch nach parteipolitischem Proporz vergeben werden, so wie die Managementstellen? Damit nur ja keine rot-grüne Zweidrittelmehrheit zustande kommt?

Vielleicht könnten SiIe ein bisschen realitätsnäher argumentieren?

Woher kommt eigentlich die rot-grüne Zweidrittelmehrheit der ORF-Belegschaft?

Von Gerd Bacher noch? Vom Alter her müssten die doch fast alle unter ihm gelernt haben?

Gast: Q-Tip
20.01.2012 11:24
3

@Pete_2

Der Zwangsbeitrag ist dann so gestaltet, dass er im Fahrscheinpreis untergebracht wird und jeder ihn zu entrichten hat.
Das sind keine lästigen Gebühren, die meisten von uns zahlen wesentlich höhere Abgaben, aber es ist schlichtweg eine marktwirtschaftliche Perversion, für etwas zu bezahlen, das ich nicht nutze. Das wäre nur dann legitim, agierte der ORF im öffentlichen Interesse (wie Straßen, Schulen…), dann wäre er aber rein aus Steuern zu finanzieren.
Ich habe mich bei GIS abgemeldet und den Fernseher in den Keller geräumt. Es hat mit Psychohygiene zu tun, das Lächeln von Niko nur als Zeitungsbild sehen zu müssen und die Verbeugungen der Generalintendanz vor der Parteizentrale nur vom Lesen her zu kennen. Weg mt dem ORF in seiner derzeitigen Form!

Gast: Q-Tip
20.01.2012 11:22
0

@Pete_1

Naja, da gibt es schon noch den kleinen Unterschied, dass die Printmedien kein Analogon zur GIS betreiben. Kommen Sie jetzt nicht mit der Presseförderung, der ORF erhält viel höhere Steuersubvention und erhebt zusätzlich Zwangsgebühr. Ja, der ORF sendet 24 Stunden, von Karlich bis Dancing-Stars, unterbrochen von umfangreichen Werbeblöcken und Sportübertragungen, die ja schon ein hysterisches Ausmaß angenommen haben.
Ihr Vergleich des Verkaufspreises der Presse (ich finde ihn ebenfalls überhöht) mit der GIS-Gebühr hinkt, denn beim Zeitungskauf liegt die Entscheidung ob und welche immer noch einzig bei mir. Ich fände es auch vollkommen in Ordnung, wenn der ORF seine Sendungen verschlüsselte und via Verkauf von ORF-Card (oder Ähnlichem) seine Gebühren eintriebe. Die Leute, die sich das ansehen wollen, sollen dafür zahlen, in Höhe des derzeitigen Beitrags. Dass sich vielleicht erschreckend wenige für das derzeit dargebotene ORF-Programm entscheiden würden erschreckt natürlich – in welche Kamera soll ein Politiker lächeln, wenn ihn keiner sehen will, wer zeigt dann den Landesfürsten bei der Eröffnung der Autobahn?
Ihre Argumentation läuft etwa nach folgender Logik: Weil bei der U-Bahn eine Gratis-Zeitung verteilt wird (jeden Tag, das entspricht dann 24 Stunden ORF) kann man doch mit Recht von jedem Fahrgast einen Zwangsbeitrag für diese Zeitung einheben (weil jeder weiß, dass das Mistblatt zu regulären Bedingungen nicht am Markt bestehen könnte).

" ... als die rot-grüne Zweidrittelmehrheit der ORF-Belegschaft ..."

aha,

und deshalb haben sich fast alle gegen die bestellung eines roten aufgelehnt.

fle!
mit deiner logik würdest du die erste klasse in einer htl nicht überstehen

Antworten Gast: LeonardoS4
20.01.2012 11:30
6

Re: " ... als die rot-grüne Zweidrittelmehrheit der ORF-Belegschaft ..."

"mit deiner logik würdest du die erste klasse in einer htl nicht überstehen"

Sie ohne Protektion auch nicht. Sie haben nämlich offenbar den Artikel nicht verstanden.

Gast: kahai
20.01.2012 11:03
5

jetzt

Jetzt hat sich der GENERAL selbst anprunzt und den Ruf noch mehr ruiniert.

Gast: Till aus dem Haus der Freude
20.01.2012 10:51
6

Zumindest sieht man...

...wie "wichtig" der Posten des Büroleiters ist, wenn die Ausschreibung dafür gecancelt wird, nachdem der allen guten Sitten zuwider bestellte Kanditat in die Röhre guckt.
War ja beim Erfolgsmodell ÖBB genauso- kaum hatte Pelinka jun. das Milliardengrab verlassen, war sein Versorgungsposten obsolet.

Conclusio: W. ist nicht nur zu dämlich für einen einfachen Postenschacher, er ist sogar zu unfähig eine Begründung für's Platzerl am Futtertrog zusammenzuschustern.

...die journalistische Freiheit am Küniglberg müsste nach o.a. Logik grenzenlos sein.

Re: Zumindest sieht man...

So weit ich weiß gab es schon vorher einen Büroleiter und wird es auch weiterhin einen geben. Nur einen anderen.

die ganze geschichte ist/war lächerlich hoch drei!

der anteil von pelinka-wrabetz ist dabei aber noch der geringste.

war der jetzt doch nicht büroleiter pelinka das einzige dankeschön für die wahl zum GD?
da gab es doch noch 4 oder 5 andere, die wundersam die karriereleiter bestiegen. KEIN MENSCH hat sich über die aufgeregt, im redakteursrat-statement waren sie ein nebensatz. in den medien detto. in der poster-gemeinde nicht mal bekannt....

die postergemeinde ist mittlerweile schon goldmedaillengewinner im lächerlichkeitsbewerb:
jahrelang wird nicht ein gutes haar an den redakteuren des orf gelassen. sie sind die reinkarnation alles bösen schlechthin. doch kaum kommt deren 'no zu niko', schon werden sie geliebt...
kann man das noch argumentieren mit einem 'das sind doch eh alles senile und fanatische idioten im forum!" ?

und damit wird IHR job auch lächerlich, hr. fleischhacker:

nichts beigetragen zur objektiven erklärung der situation.
nichts beigetragen zu einer vernünftigeren lösung.
weggeschaut bei den anderen polit-posten.
einen haufen von 'lesern', vollgestopft mit hass und dummheit, nicht in den griff bekommen...

ok, in ö kommt man damit durch.



Je lächerlicher der General

Die gilt auch für Printmedien, allen voran die Presse. Während im ORF eine Vielfalt an Informationen geboten wird, bewegt sich die Richtung der Presse in schwarzbraune Gefilde. Und da immer wieder von den lästigen Gebühren die Rede ist, er bietet vierundzwanzig Stunden täglich verschiedenste Programme auf mehreren Sendern, während zum Beispiel die Presse eine Ausgabe täglich zum nahezu doppelten Preis der GIS Gebühr bringt. Diese ganze Kampagne dient nur der Zerschlagung des ORF , Raiffeisen und der Styria-Verlag haben großes Interesse daran dass es so weit kommt, es bleibt zu hoffen dass dies nicht gelingt

Die Vielfalt der Informationen wird in der Löwelstraße

bestimmt. Und noch ein bissl in der Lindengasse von den Grünen.

So was von Vielfalt aber auch.

Re: Je lächerlicher der General

Wenn Ihnen die Presse nicht gefällt, dann brauchen Sie diese nicht kaufen.

Für den ORF muss man Gebühren zahlen auch wenn man ihn nicht konsumiert sondern nur ein TV-Gerät besitzt!

Die "Vielfalt an Informationen" des ORF kann ich als langjähriger Gebührenzahler nicht nachvollziehen . Die Informations- und Meinungssendungen (auch s.g. -immer die gleichen- Experten) sind bereits mit einer linkslinken Brille ausgewählt und immer nach linksideologischer Moral gerichtet.

Eine Ausgewogenheit und Unparteilichkeit fehlt schon seit langem.

Der Rotfunk und auch viele Medien (auch jene die eigentlich in "konservativem" Besitz sind) sind leider oft von linkslastigen Redakteuren dominiert (aus welchen Gründen immer).

Am schlimmsten am ORF ist die Verlogenheit mit der man eine angebliche Unparteilichkeit vorgibt um auch das Geld der Nichtlinken zu kassieren!

Daher liebe(r) Pete : Behaltet Euch den ORF in Eurer linken Hand, aber finanziert ihn auch selber !!!

Re: Re: Je lächerlicher der General

Nennen sie mir bitte eine informationssendung die linkslastig ist. Man muss schon beinahe rechtsradikal sein um zum Beispiel die ZIB oder den Report als links zu empfinden

Antworten Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
20.01.2012 20:19
0

Re: Re: Re: Je lächerlicher der General

Sie hören anscheinend NIE Ö1! Die sog. Bildungssendungen dort sind linke Propaganda in Reinkultur, ebenso die meisten Nachrichten. Hören / Sehen Sie mal Nachrichten in Deutschland oder der Schweiz - dort wird es von den wenigsten Moderatoren so peinliche Kommentare wie beim ORF geben!

Re: Re: Re: Je lächerlicher der General

fr. turnherr bei jedem runden Tisch, um nur ein Beispiel zu nennen.
warum wird korruption von Blau thematisiert, aber nie von rot? warum fragt im ORF niemand, was Faymann in liesing verbrochen hat? oder Häupl in Wien? oder warum der verurteilte(!) Blecha noch immer ein SPÖ amterl hat?
warum fragt niemand nach einer giwissen grünen wiener Gemeindepolitikerin, die so viel dreck am stecken hat als wäre sie durch die tauende Tundra sibiriens gewandert?

Antworten Antworten Antworten Gast: Alex31956
20.01.2012 12:53
1

Re: Re: Re: Je lächerlicher der General

Eine einfache Welt!
Wenn einem die Argumente ausgehen kommt man mit der braunen Keule

 
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