Die wunderbare Geldvermehrung

Der Markt lässt sich nicht täuschen. Eine „Hebelung“ des Euro-Rettungsschirms wird das Problem nicht lösen, sondern höchstens aufschieben.

Wie beschafft sich Europa Geld ohne schwierige politische Beschlüsse? Wie beschafft es sich die gewaltige Summe von zwei Billionen Euro, ohne dass es jemandem wehtut? Das sind die Hauptfragen, die derzeit die Vorbereitung auf den EU-Gipfel dominieren. Die wunderbare Geldvermehrung wird „Hebelung“ genannt. Sie ist ein virtuelles Instrument für virtuelle Märkte. Sie hat aber letztlich nur einen Zweck: Zeitgewinn.

Ein auf diese Weise aufgeblähter Euro-Rettungsschirm soll die Finanzmärkte beruhigen und den Verkauf von Staatsanleihen wieder erleichtern. Doch die Märkte werden sich nicht lange täuschen lassen. Es gibt deshalb nicht mehr reales Geld. Und es wird dadurch eher weniger als mehr reale Anstrengungen geben, das eigentliche Schuldenproblem zu lösen.

Wir sollten uns nichts vormachen: Die Geldvermehrung für verschuldete Staaten wird durch Geldentwertung, höhere Steuern und schmerzhafte Kürzungen von Sozialleistungen kommen. Es gibt keine Wunder. Auch den Haupttreffer einer Lotterie zahlen jene, die Woche für Woche leer ausgehen. Nur mit einem Unterschied: Bei der Lotterie kann jeder selbst entscheiden, ob er mitmacht.

 

E-Mails an: wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2011)

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