Älpler? Anzugträger!

Mein Lieblingswirtschaftsjournalist ließ sich jüngst in einer seiner treffenden Analysen zu einem seltsamen Wort hinreißen.

Mein Lieblingswirtschaftsjournalist ließ sich jüngst in einer seiner treffenden Analysen zu einem seltsamen Wort hinreißen: Im Konnex mit dem Finanzskandal in Salzburg schrieb er von „älplerischen“ Landesräten und Bürgermeistern, von denen es sinngemäß zu viel verlangt sei, die hochkomplexe Finanzwelt zu verstehen. Nun, Älpler nennt man salopp Menschen auf sogenannten „Almen“ oder „Alpen“. Für Städter: Das sind Weiden mit Wirtschaftsgebäuden in den Bergen, wo man im Sommer Milchwirtschaft betreibt, meist mit Kühen (das sind diese lila-weiß gescheckten Schokotiere minus der Farbe, normal sind sie grau oder braun). Teils gibt's dort auch Ziegen und Schafe. Der Job ist sauhart: superfrüh aufstehen, melken, ausmisten, bis in die Nacht mähen, heuen, Käs machen und oft Wanderer bewirten. Immer ist was zu reparieren, und eine anständige Buchhaltung braucht es auch, weil eine Alm ist ein Wirtschaftsbetrieb, kein Platz für Ökoträumer.

Die herabsetzende Tonalität des Wortes „älplerisch“ ist daher verfehlt: Ein echter Älpler ist nämlich nicht blöd und hält sich aus den ganzen windigen Finanzgschichtln heraus. Es sind die slicken, betont urbanen Anzugträger und Kampfkostümamazonen, die den Finanzkarren an die Wand fahren. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2012)

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