Obelix, der Russe

 (Die Presse)

Wenn sich ein Klischee in den Köpfen der Menschen einmal verfestigt hat, dann ist es sehr schwer, dieses Bild wieder aus diesen herauszubekommen.

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Wenn sich ein Klischee in den Köpfen der Menschen einmal verfestigt hat, dann ist es sehr schwer, dieses Bild wieder aus diesen herauszubekommen. Nehmen wir nur den Russen der (Post-)Jelzin-Ära: Wenn wir ihn uns vorstellen, was sehen wir vor uns? Einen bulligen Mann in der Jogginghose, eine schlanke, attraktive Blondine neben oder hinter sich, wie er durch die elegante Einkaufsstraße einer europäischen Stadt flaniert. Nicht selten übergewichtig, also verfressen, mitunter ungehobelt und unbeherrscht, sprich ohne Manieren.

Viele Jahre hat es gebraucht, um dieses Bild zurechtzurücken. Der kultivierte Russe von heute ist auch dankbar dafür. Und was bitte macht nun Wladimir Putin? Er verleiht Obelix die russische Staatsbürgerschaft – ausgerechnet diesem bulligen Mann in der gestreiften Jogginghose mit der schlanken, attraktiven Blondine neben oder hinter sich, übergewichtig, verfressen, mitunter ungehobelt und unbeherrscht, sprich ohne Manieren.

Was sich Wladimir Putin dabei gedacht hat, wissen wir nicht. Nicht viel wahrscheinlich. Dem Image des russischen Mannes hat er jedenfalls schweren Schaden zugefügt. OLI


E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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