Pizzicato

Wenn Menschen verschwinden

Es war vor einigen Jahren in einer Küstenstadt in Südengland, dass ich mich blamierte.

Man braucht die Leute nimmer, und Abgang! Das ist angeblich Fortschritt.
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Man braucht die Leute nimmer, und Abgang! Das ist angeblich Fortschritt.
Man braucht die Leute nimmer, und Abgang! Das ist angeblich Fortschritt. – The Simpsons/Screenshot

Ich ging am Abend in einem Supermarkt mit meinen Waren zur Kassa. Aber dort war niemand. Kein Kassier, keine Kasseuse. Dafür standen da seltsame Maschinen, auf die die Leut ihr Zeug legten, Tasten drückten und irgendwie zahlten. Aha: Kassenautomaten! Noch nie gesehen. Probier' ma mal.

Denkste: Nach zwei Minuten sah ich gestresst und hilfesuchend herum, hinter mir standen schon Typen an, raunten, ich fühlte mich wie ein Hinterwäldler vom Kontinent. Dann kam endlich einer von der Aufsicht, der sich bis dahin gut versteckt zu haben schien, und half mir wie einer älteren Lady. Thank you, Sir! (Sollt' ich Ihnen übrigens noch sagen, dass ich Mitte der 1980er als einer der Ersten in meinem Umfeld einen Computer hatte? Okay, forget it. Die Jungen kennen das nicht mehr.)

Seit Kurzem stehen sie jetzt im Supermarkt nahe unsrer Redaktion, die Kassenautomaten. Dort gibt es nur noch eine „analoge" Kassa. Die Apparate sind easy zu bedienen, und es geht echt zügig voran. Man könnte es Fortschritt nennen. Die Hälfte der mir über Jahre vertraut gewordenen Kassendamen habe ich seither nicht mehr gesehen. Da ist nur noch eine an der analogen, der menschlichen Kassa, vielleicht zwei weitere helfen einem bei den Maschinen oder müssen auf einen Freigabeknopf drücken, wenn man was Alkoholisches kauft. Wie lange dauert es wohl, bis auch die nimmer da sind? Und wo sind die anderen? Machen wohl Kurse für Webdesigner, Onlinebusiness, Lebensberater etc., oder?

Irgendwann wird dann halt auch ein Automat das „Pizzicato" schreiben. Wenn nicht mehr. (wg)

Reaktionen an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2017)

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