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Gas vom Gaskammer-Leugner

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Die Affäre Waldheim lässt grüßen: Wa- rum Österreich plötzlich wie ein Mann hinter dem Mullah-Deal der OMV steht.

Die Beliebtheit von multinationalen Ölkonzernen hält sich ja in eher überschaubaren Grenzen. Dass nun trotzdem Österreich im „nationalen Schulterschluss“ hinter der OMV und deren geplantem Gasdeal mit dem Iran steht, dürfte daher nicht zuletzt daran liegen, dass ausgerechnet die US-Regierung dieses Geschäft kritisiert hat. Auf den tief verwurzelten Antiamerikanismus ist eben Verlass – die Affäre Waldheim lässt grüßen. Im Zweifelsfall genießt eine Liaison zwischen Mullah-Diktatur und Mineralölmulti hierzulande mehr Ansehen als jene, denen wir die Befreiung von den Nazis offenkundig noch immer nicht verziehen haben. Und die komischerweise auch jetzt etwas dagegen haben, dass der Iran mit Atombomben ein Nachbarland pulverisiert, wie das sein Präsident angekündigt hat.

Legal und wohl auch legitim ist das Geschäft der OMV natürlich trotzdem: Schließlich ist es Aufgabe eines Unternehmens, innerhalb der vom Gesetz gezogenen Grenzen seinen Gewinn zu maximieren – und nicht, das iranische Kernwaffenprogramm zu verhindern. Dass die USA nun Druck auf europäische Unternehmen wie die OMV ausüben, Teheran wirtschaftlich zu isolieren, liegt letztlich (auch) daran, dass Europa genau an diesem Problem gescheitert ist. Denn seit über zwei Jahren schon versucht die EU, den Iran mit sogenannten „weichen“, diplomatischen Mitteln dazu zu bewegen, seine Atombombenpläne zu stoppen. Der Erfolg war genau null. Der angeblich moralisch weit überlegene „weiche“ Zugang der Europäer war im Grunde noch erfolgloser als der brachiale der Amerikaner im Irak (außer Präsident Ahmadinejad lacht sich über die EU tot).

Deshalb stellt sich natürlich schon die Frage, ob der Westen tatenlos hinnehmen soll, dass die Mullahs in ein paar Jahren imstande sein werden, Israel wie angekündigt auszulöschen und Europa nuklear bedrohen zu können – oder zumindest den wirtschaftlichen Druck auf Teheran deutlich zu erhöhen, um die Denkgeschwindigkeit der Mullahs ein wenig zu erhöhen. Wenn es Europa vorzieht, den islamofaschistischen Gaskammer-Leugnern Gas abzukaufen anstatt eher harte Sanktionen wie die USA zu verhängen, dürfte einen einfachen Grund haben: Die Europäer (glauben zu) wissen, dass sie sich noch immer unter den Rock der Amerikaner flüchten können, sobald sie der Iran einmal tatsächlich nuklear bedroht. Das ist als europäische Politik schon töricht genug; geradezu unanständig ist freilich, den USA dann auch noch vorzuwerfen, zumindest den Versuch zu unternehmen, diese Bedrohung durch wirtschaftliche Sanktionen abzuwenden.

Vom Vorstand der OMV ist zu erwarten, dass er nicht diese geopolitischen, sondern die ökonomischen Interessen seiner Aktionäre verfolgt. Von der EU hingegen wäre zu erwarten, dass sie ihre existenziellen Interessen gegenüber den Teheraner Islamofaschisten wesentlich robuster als derzeit vertreten. Das heißt u. a.: Unternehmen wie die OMV mittels harter Sanktionsgesetze daran zu hindern, dort Geschäfte zu machen, solange Teheran nicht auf Atomwaffen verzichtet. So töricht der hiesige „nationale Schulterschluss“ gegen die US-Kritik an der OMV ist, so nötig wäre einer der Demokratien gegen den Iran.

Christian Ortner ist Journalist in Wien.


christian-ortner@chello.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2007)


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22 Kommentare
 
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Von Gast: Leser am 03.05.2007 um 12:36

Mit Schaum vor dem Mund

schreibt es sich schlecht Kommentare, Herr Ortner. Ihr Weltbild ist zum Glück in der Minderheit.

Von typhon typhoon am 03.05.2007 um 09:44

da lachen ja die Hühner

Mir ist eine Karikatur aus den frühen 80iger Jahre des legendären Stern Zeichners Köhler bekannt. Dort wird ein wilder Stier mit Aufschrift "Iran-Embargo" von nicht schwer zu erkennenden Vertretern der damaligen EG (die Holländer als Fr. Antje mit Holzschuhen, die Franzosen als Marianne, die Briten als Dickens Ebenezer Scrooge, etc. ) präpariert: die Hornspitzen abgepolstert, das Maul verschnürt, die Füsse gefesselt, am Rücken ein liebliches Platzdeckchen von Oma genäht etc..
Aus einem dunklen Eck werden sie dabei von einem unschwer als Khomeni erkennbaren Mullah diebisch beobachtet & belächelt!
Die Naivität der Europäer zieht sich ergo schon seit Jahrzehnten hin!

Von Gast: Hansi Hüpfer am 01.05.2007 um 17:33

Affäre Waldheim lässt grüßen

Wer lässt was wann und wo grüssen? Waldheim wurde verleumdet, reingewaschen und wird von den Amis stur weiterbestraft. Die ÖMV möchte mit den Iranern Geschäfte machen, hallo, nichts weiter; also nicht zum Bau einer Nuklearwaffe beitragen!
Die Nuklearsprengköpfe der Israelis, die zu Luft, Wassr und Land jederzeit Östereich bedrohen könnten sind mir viel weniger koscher, als die nicht Existenten der Iraner.

Antworten Von Ayan Hirsi Ali am 02.05.2007 um 18:10

Re: Affäre Waldheim lässt grüßen

angesichts des sich leider wieder immer mehr unter dem deckmantel der moralischen betroffenheit breitmachenden antisemitismus in ganz europa der linke spinner solche wirren phrasen dreschen lässt, ist aus der sicht der antisemiten ein mulmiges gefühl den israelis gegenüber zwar nicht angebracht, aber zumindest nachvollziehbar.

aber ihr könnt euch beruhigen, ihr habt ja moralische größen vom kaliber eines ben laden und eines ahmadinejad auf eurer seite.

schon eine seltsame welt in der es massenhaft leute mit einer eigentlich guten und umfassenden ausbildung gibt, die in dem 7 millionen einwohner kleinstaat israel eine größere bedrohung sehen als in 1,5 milliarden moslems von denen sich gute 40% zu al qaida bekennen und deren führer am laufenden band bemerkungen absondern, die in Europa unter strafandrohung verboten sind.

Von Gast: Minderheit am 29.04.2007 um 06:08

Erhöhe

die Zahl der Zustimmer um eins: Ausgezeichneter Artikel!

Von Mietzekatze07 am 27.04.2007 um 12:38

Eine reine Freude

Herr Ortner, dieser Kommentar ist einfach wunderbar! Genau so ist es. Danke! :)

Antworten Von Gast: Roman am 24.03.2008 um 23:21

Re: Eine reine Freude

So sehen es Leute, die wahrscheinlich selbst noch nie den Iran bereist haben, von Israel (abgesehen von einer Neckermannreisetour) wahrscheinlich auch nicht.

Haben Sie heute in der Früh Kaffee getrunken? Spielt ihr Kind mit einem Fussball? Verwenden Sie Produkte, die das Siegel "Made in China" tragen?

Falls Sie auch nur eine dieser Fragen mit JA beantworten müssen, bitte ich Sie inständig, kein Statement mehr über Ostgeschäfte von Firmen abzugeben. Denn dann gehören Sie auch zu der Gemeinschaft der "Augenauswischer", die Menschenrechtsverletzungen nur dann interessieren, wenn diese gerade Gesprächsstoff zum Ausfüllen langweiliger Stunden liefern. Ahnung haben 90% der Personen, die sich dazu äußern (wie in Österreich leider allzu oft) offensichtlich nicht...

Antworten Von Gast: Viper007 am 27.04.2007 um 21:15

Genauso seh ich's auch

is aber ein Minderheitenprogramm im Land der "Krone", "News" und "Österreich" Analphabeten...

Von Gast: go am 27.04.2007 um 11:50

Unglaublich geschmacklos ist die Überschrift

ihres Artikels. Eigentlich schon ein Fall für die Ethikkommission!
Aber das kommt eben raus, wenn flaches Denken und vor allem: Flache Moral! glaubt, unbedingt witzig sein zu müssen!


Antworten Von Reinhold Sulz am 28.04.2007 um 19:02

Geschmacklos?

Vielleicht. Jedenfalls aber den Tatsachen entsprechend. Mehr erwarte ich von Journalismus nicht.

Antworten Von Gast: Noodnik am 27.04.2007 um 12:34

Re: Geschmacklos

ist jedenfalls die Geschäftemacherei mit einem Mullahregime dass nicht nur die eigene Bevölkerung drangsaliert (letztens die Bevormundung der Iranerinnen bezüglich Mode) sondern auch noch einem UNO Mitgliedsland mit Vernichtung droht und den Holocaust an den Juden leugnet. Ethik? Da müssen Sie mit Herrn Ruttensdorfer sprechen und nicht Herrn Ortner ans Bein pinkeln.

Von Gast: 1 am 27.04.2007 um 11:11

...

Wieso Lügen Sie und ihre Medien immer, wenn es um islamische Länder geht?
Ganz klar. Barazon ist der Cherf der Presse. Das mal zu dem.

Der Iran wird sicherlich nicht Europa bedrohen, wozu auch, oder Israel auslöschen wollen, es sei denn, USA und Israel spielen sich weiter so aggressiv (geld und ölgeil) auf und der Iran greift zur Notwehr. Soll dann aber Recht sein.

Soll der Iran von mir aus auch Atombomben bauen - was ich nicht glaube - was soll's? Dann hat der Iran eben eine Bombe, na und, aber wie viel hat Israel?

Reden wir mal davon.

ps

Würde mich wundern, wenn mein Kommentar HIER veröffentlicht werden sollte.

Die Kronen Zeitung würde es machen.

Wetten?

Mit freundlichen Grüßen Nummer 1

Antworten Von Gast: Minderheit am 29.04.2007 um 06:47

Re: ------

Nummer 1, schlagen Sie doch einmal Ihre Schlacht im Forum über den Artikel betreffend Minister Platter - als Nummer 1 dürfte das wohl kein Problem für Sie darstellen. Glück auf!

Antworten Von Gast: Noodnik am 27.04.2007 um 12:24
Von Gast: Alex am 27.04.2007 um 11:05

Wollen Sie nicht, oder können Sie nicht.

Herr Ortner; was ist die erste journalistische Tugend?

Richtig. Recherche.

Sie schreiben:*den islamofaschistischen Gaskammer-Leugnern*

Wer genau von den iranischen Offiziellen hat die Gaskammern geleugnet? Sie sollten sich mal die Rede, die Ahmadi Nejad gehalten hat, und von der immer wieder gesagt wird, dass er in ihr den Holocaust geleugnet hat, mit einem unvoreingenommenen Perser anhören. Der wird Ihnen diese dann übersetzen, und dann werden Sie ziemlich ins Staunen kommen, und dann werden Sie verstehen, dass Sie sich zum Instrument einer ziemlich geschlossenen Front der *Vor-dem-bösen-Iran-Angst-Macher* haben machen lassen.

Achso, das wissen Sie eh schon? Sie wollen nur ein kleiner unbedeutender Mainstream Journalist sein?, und andere, mögliche Zusammenhänge auf der Welt gar nicht verstehen? Na dann, dann ist ja alles klar.

Aber warum sind Sie dann eigentlich Journalist geworden?

Antworten Von Gast: Keke am 27.04.2007 um 12:23

Re: ??? Ah ja!

Ahmadinejad hat also folgendes gesagt und ein "unvoreingenommener Perser" hat wie folgt auch übersetzt:

Wir lieben Israel und die Juden, wir sind besorgt um dieses Volk und deswegen haben wir ja eine Holocaustkonferenz abgehalten. Wir haben zu dieser Veranstaltung Holocaustleugner eingeladen um ihnen die Augen zu öffnen.
Wir wollen Israel unterstützen und würden ihnen ein paar Raketen rüberschießen...so zur Übung.
etc.etc.
Ja, und der Ortner ist ein ganz böser....weil der ja nicht so schreibt wie ein "unvoreingenommener Perser" ein ganz großes *LOL*

Von harryqu am 27.04.2007 um 10:26

über diese zeile musste ich mich gerade sehr wundern...

"Der angeblich moralisch weit überlegene „weiche“ Zugang der Europäer war im Grunde noch erfolgloser als der brachiale der Amerikaner im Irak"

gut, man hat den iran nicht zum einlenken gebracht, aber ich wage zu bezweifeln, dass es so viel besser ist, der ganzen welt falsche "beweise" über angebliche massenvernichtungswaffen vorzulegen, um dann ein land anzugreifen und in ein völliges chaos mit nahezu (?) bürgerkriegsähnlichen zuständen zu stürzen!

wenn das ihre auffassung von geglückter intervention ist, dann frage ich mich, wie eine gescheiterte aussehen soll...!

ihrer warnung vor übertriebenem und blindem antiamerikanismus sei natürlich beigepfiichtet, ich frage mich allerdings andererseits, ob wir uns den usa gegenüber seit 1945 zu ewigem gehorsam verpflichtet fühlen müssen, oder uns doch ein bisschen eigene meinung erlauben dürfen?

Von Gast: Albert Valentin am 27.04.2007 um 08:09

Gefährliches Israel

Ich finde es absurd, die Gasgeschäfte der OMV mit dem Iran wegen dessen Haltung zu Israel in Frage zu stellen. Der Iran besitzt keine Atomwaffen, Israel etwa 160. Der Iran hat jedenfalls seit 1945 keinen Angriffskrieg geführt, Israel vier (1956, 1967, 1982 und 2006). Der Iran unterstützt möglicherweise Terroristen, Israel bombardiert wahllos Zivilisten. 59 Jahre Arroganz und Brutalität haben den Haß der Araber ins Unendliche steigen lassen. Aus meiner Sicht ist daher Israel wesentlich gefährlicher. Die OMV muß sich daher genau überlegen, ob sie ihre Investitionen der Gefahr eines nuklearen Erstschlags durch Israel aussetzen will.

Antworten Von Gast: Noodnik am 27.04.2007 um 11:34

Re: Bitte um

Erklärung inwieweit Israel "gefährlich" ist und vor allem: Für wen?
Bitte um weitere Erklärung, wann Israel "wahllos Zivilisten bombardiert" hat.
Ich glaube, sie sitzen im falschen Film oder sind ein ganz gewähnlicher Anti..Zionist wie ja die neue Sprachregelung ist.

Antworten Antworten Von diogenes am 30.04.2007 um 22:36

Re: wann Israel "wahllos Zivilisten bombardiert" hat.

Ständig

Von Gast: Saturn am 26.04.2007 um 21:04

Antiamkerikanismus

ist in Österreich mittlerweile schon ein Muß, um als politisch korrekt zu gelten. Bin gespannt, ob wir wieder mal - so wie im kalten Krieg - uns an die USA anbiedern, wenn uns der neue Freund aus dem nahen Osten mit Raketen missionieren will....
Der Artikel ist perfekt - Gratulation.

Von Gast: gerz am 26.04.2007 um 20:16

Bravo!

Ausgezeichnet beobachtet!

 
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Christian Ortner
Christian Ortner ist Journalist in Wien.

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