Was geht Mohammeds Sexualleben das Wiener Straflandesgericht an?

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Die Ägypter haben sich mit Mut und Entschlossenheit endlich des Recht erkämpft, ihre Meinung frei von staatlicher Repression äußern zu können. In Österreich sind wir noch nicht ganz so weit.

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Hunderte Jahre schon hatte die islamische Welt sehnsüchtig auf diesen Augenblick gewartet, Millionen frommer Muslime mussten in schrecklicher Ungewissheit verharren, auch die klügsten Gelehrten konnten sich nie auf eine allseits anerkannte Lösung einigen – doch am Montag dieser Woche war es so weit.

In einem Urteil erster Instanz klärte das Straflandesgericht Wien endlich die heiß umstrittene Frage, ob der Prophet Mohammed seiner Frau Aisha im eher zarten Alter von neun Jahren beigewohnt hat, wie es viele Quellen behaupten. Und so hat eine unter Koranexperten bisher eher weniger bekannte Wiener Richterin, sozusagen als höchste Glaubensinstanz der islamischen Welt von Marokko bis Malaysia, entschieden: jedenfalls kein Fall von Pädophilie im Hause Mohammed. Und verknackte deshalb die Angeklagte für ihre öffentliche Behauptung, der Prophet habe „gern mit Kindern ein bisschen was gehabt“, zu 120 Tagsätzen. Denn der gegen Mohammed gerichtete Vorwurf des Kindesmissbrauchs sei „sachlich völlig ungerechtfertigt“. Also „Herabwürdigung einer religiösen“ Lehre und fertig.

Ganz abgesehen von der schrägen Anmaßung, eine rund 1500Jahre zurückliegende arabische Bettgeschichte vor dem Wiener Landesgericht klären zu wollen: Ein derartiges Urteil (und das Gesetz, auf dem es basiert) passt besser nach Pakistan, Saudi-Arabien oder in den Iran als in einen vermeintlich liberalen und säkularen Rechtsstaat. Dafür verurteilt zu werden, dass man sinngemäß zitiert, was in einem erheblichen Teil der islamischen Welt als Glaubensinhalt gilt, mutet mehr wie die Erkenntnis eines Scharia-Gerichtshofes an und nicht wie ein Urteil „Im Namen der Republik“.

Vielleicht sollten wir uns künftig nicht nur mit der Frage beschäftigen, ob es künftig Meinungsfreiheit in Ägypten geben wird, sondern auch damit, wie wir hierzulande diese Meinungsfreiheit erringen können, ohne deswegen gleich tagelang den Wiener Stephansplatz besetzen zu müssen. Gesetze, die just eine Gruppe staatlich lizenzierter Glaubensgemeinschaften unter erhöhten Schutz vor allzu robuster Kritik stellt, sind nämlich mit dem Prinzip der Meinungsfreiheit nicht wirklich kompatibel.

Der einschlägige §188 Strafgesetzbuch ragt aus vormodernen Zeiten ins 21.Jahrhundert wie die Habsburgergesetze oder das Verbot, den Bundesrat verächtlich zu machen. Zeitgemäß ist eine derartige Norm nicht: Auf die allfälligen religiösen Gefühle seiner Mitmenschen Rücksicht zu nehmen ist im säkularen Staat eine Frage des Anstandes und der Ehre, die keiner staatlicher Regelung bedarf.

Der Zufall wollte es, dass zeitnah zum Wiener Urteil in den Kinos der Film „Tal der Wölfe“ anlief, ein türkisches Macho-Epos mit schwer antisemitischen Tendenzen. Mit Recht beklagte sich die jüdische Kultusgemeinde über den üblen Streifen. Trotzdem kann die Konsequenz daraus nicht sein, einen derartigen Film par ordre de mufti zu verbieten.

Meinungsfreiheit ist immer die Freiheit, jene Meinungen zuzulassen, die unseren eigenen diametral entgegengesetzt sind, oder es ist keine Meinungsfreiheit. Wenn wir Richter darüber urteilen lassen, welche Meinungen vertreten werden dürfen und welche nicht, dann sollten wir uns weniger vor ägyptischen Moslembrüdern als vor unserem eigenen Verständnis von Freiheit zu fürchten beginnen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2011)

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110 Kommentare
 
12 3
Gast: heliophoros
24.02.2011 12:23
1

endlich...

ich hab mich selten in letzter zeit so amüsiert und selten etwas so auf den punkt gebracht gesehen wie durch diesen kommentar.

gratuliere.

österreich ist fast frei....

lg

das sind halt schon die Auswirkungen der

Quote.
Jaja Donahl und konsorten frohlocken wenn noch ein paar unfaehige genosinnen in wichtige Positionen geschubst werden

Gast: 5nugast
21.02.2011 12:15
0

Verleumdung ist Lüge

und Lügen sind keine Meinung ...

Antworten Gast: Nemesis
21.02.2011 19:23
10

Re: Verleumdung ist Lüge

Deshalb sind die Grünen auch keine Partei...

Re: Verleumdung ist Lüge

Was Sie als "Verleumdung" und "Lüge" bezeichnen, ist historischer Fakt und Teil Mohammeds Vita. Es mag zwar sein, daß man "damals" nichts dabei gefunden hat, eine 6jährige zu heiraten und ihr dann mit 9 "beizuwohnen"; aber nach unserer HEUTIGEN Einschätzung handelt es sich sehr wohl um PÄDOPHILIE! Das wird man 2011, bitte schön, doch wohl noch so sagen dürfen! Übrigens: Auch heute noch werden im Islam kleine Mädchen sozusagen "verheiratet"; sprich: für einen bestimmten, von den Eltern vorgesehenen Mann, "bereit gehalten". Die islamischen Sitten und Gebräuche haben sich also nicht geändert...

Re: Re: Verleumdung ist Lüge

Na ja, nach unserer heutigen Einschätzung wäre auch Jesus ein Sektenführer. Sagt trotzdem niemand.

Antworten Antworten Antworten Gast: j a j
06.11.2011 21:47
0

Re: Re: Re: Verleumdung ist Lüge

So eine Einschätzung wäre auch nicht besonders neu und modern (siehe z.B. Apg. 24,14). Jesus war zu allen Zeiten vielen ein "Dorn im Auge". Was aber keineswegs bedeuten muss, dass er nicht der ist, der er zu sein behauptete. Aber genau das erregt ja genau den Unmut der menschlichen Natur.

Apostelgeschichte 24,14 "Aber dies bekenne ich dir, daß ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, so dem Gott meiner Väter diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben steht,"


Antworten Antworten Antworten Gast: Jo Seas
24.02.2011 10:28
2

Re: Re: Re: Verleumdung ist Lüge

Es steht Ihnen allerdings frei dies zu behaupten ohne dafür verurteilt zu werden.

Den Unterschied verstanden?

§188 muss jedem aufgeklärten Menschen

zuwider sein.Interessant aber, dass diese Empörung erst Fuß fast wenn muslimische religiöse Gefühle verletzt werden.
Wenn katholische Gefühle verletzt werden, dann ist der § 188 voll in Ordnung(Stichwort:Habsburg Recycling).Der Richterin kann man das Gesetz nicht vorwerfen, eher dem Nationalrat.Denn der ist für das Strafrecht zuständig.

Newsance

Gut erkärt! Wir haben mehr extensive Meinungsfreiheit in USA! Was denken sie über diese Frage von Gates of Vienna (http://gatesofvienna.blogspot.com)?

Does this judicial ruling apply to all Austrians partial to a piece of underage totty? For example, Wolfgang Priklopil:

The Austrian girl who was kidnapped at the age of ten and imprisoned for eight years in a dungeon-like basement room by a pedophile predator who committed suicide when she escaped last week…

Ein Artikel der den hiesigen Meinungsterror aufzeigt

der den Meinungsterror, der in unserem Land herrscht und auch von der Justiz unterstützt wird offen und ordentlich anspricht. Man möchte tasächlich feststellen: Die Meinungsfreiheit ist nicht mehr in Österreich (westlichen Europa zu Hause) sondern in Ägypten neu erkämpft worden. Eine Schande für die österr. Justiz.

Antworten Gast: Gast
21.02.2011 23:57
1

Re: Ein Artikel der den hiesigen Meinungsterror aufzeigt

Was kann die Justiz dafür? Die hat Gesetze zu verfolgen und Recht zu sprechen. Wenn dann wenen Sie sich an ihre Partei oder an die Regierung.

Antworten Antworten Gast: 0815
23.02.2011 12:31
3

Re: Re: Ein Artikel der den hiesigen Meinungsterror aufzeigt

Die Justiz hat Gesetze zu "interpretieren", also: auszulegen, und hätte den Tatbestand als nicht erfüllt erachten können. Einerseits, weil objektiv historische Wahrheiten behauptet wurden, und andererseits vermutlich auch die subjektive Tatseite (einer "Herabwürdigung") fehlte! Und wo bleibt das vom Gesetz verlangte "berechtigte Ärgernis", wenn mit den Behauptungen das wiedergegeben wird, was sogar Religionsanhänger als gegeben annehmen?

Gast: <GAST
20.02.2011 18:57
10

Ganz abgesehen von der schrägen Anmaßung, eine rund 1500Jahre zurückliegende arabische Bettgeschichte vor dem Wiener Landesgericht klären zu wollen: Ein derartiges Urteil (und das Gesetz, auf dem es basiert) passt besser nach Pakistan, Saudi-Arabien oder in den Iran als in einen vermeintlich liberalen und säkularen Rechtsstaat. Dafür verurteilt zu werden, dass man sinngemäß zitiert, was in einem erheblichen Teil der islamischen Welt als Glaubensinhalt gilt, mutet mehr wie die Erkenntnis eines Scharia-Gerichtshofes an und nicht wie ein Urteil „Im Namen der Republik“.

http://europenews.dk/de/node/40275

Hervorhebenswert


"Meinungsfreiheit ist immer die Freiheit,
jene Meinungen zuzulassen, die unseren eigenen diametral entgegengesetzt sind,
oder es ist keine Meinungsfreiheit."

(Christian Ortner, im obigen Beitrag)

Gast: gastronom
20.02.2011 14:38
17

Kompliment!

Ihr Artikel ist ganz ausgezeichnet. Genau so ist es und nicht einen Strich anders. Sichtlich sind sich manche Richterinnen/Richter nicht im Klaren darüber, was sie mit ihren ach so politisch korrekten Urteilen an Unheil anrichten. Und da sie unzerstörbar sind, diese Herrschaften (da ja selbst beharrliche Arbeitsverweigerung nicht zur Entfernung aus dem Amt führt, wo kämen wir denn da hin und so) bleibt uns Bürgern nur die Hoffung auf das Jüngste Gericht - wo ihnen hoffentlich ordentlich der Kopf gewaschen wird für den vielen Blödsinn.

Antworten Gast: Gast
22.02.2011 00:00
0

Re: Kompliment!

Richter haben einen Prozess zu führen, wenn die Anklage eintrifft. Ein Staatsanwalt hat anhand des geltenden Rechts zu prüfen, wenn eine Anzeige eingeht.
Wenden Sie sich an die Parteien und die Regierung da sind Sie besser aufgehoben.

Die Hauptschuld

dass sich Ö-Gerichte mit solchen Themen überhaupt befassen liegt eindeutig an den politischen Vol.ksv.errä.tern und jenen, die ihnen Rosen streuen - also Richter wie diese (hat die denn keinen Namen?).

Immer beängstigender wird es, wie frech und unverfroren wir Österreicher als Bürger letzter Wahl behandelt werden. Wie weit wagen es die, in ihrer Diskriminierung der eigenen Leute noch zu gehen.
Was muss erst passieren, damit wir Lämmer aufhören, unseren Schl.äch.ter.n blauäugig unsere Stimme zu geben.
Häupl und seine Va.sal.len. haben bloss noch nicht geschnallt, dass ihre mit viel Steuergeld "gezüchteten neuen Wähler" ihnen einen gewaltigen Tritt versetzen werden, sobald ihre eigenen Parteien und Vernetzungen gross genug im Untergrund gewachsen sind.
Dennoch - unterm Strich bleiben wir, die Österreich durch jahrzehntelange Arbeit zum Wohlstand geführt haben (und unsere Nachkommen) auf allen Linien auf der Strecke und das ist ein Verbrechen am eigenen Volk, das seinesgleichen sucht.
Daher noch einmal: Diese Richterin gehört ihres Amtes enthoben und genau recherchiert, wer ihr "Einflüsterer" in dieser schmutzigen Angelegenheit war und was sie eventuell dafür geboten bekommen hat.

Antworten Gast: Gast
22.02.2011 00:06
0

Re: Die Hauptschuld

Was kann die Richterin dafür wenn sie den Akt von einem Verteilersystem zugeteilt bekommen hat??
Gehen Sie zu den Parteien, wenn Sie sich über dem § beschweren wollen.

Antworten Gast: Hochwuerden
20.02.2011 16:04
9

Re: Die Hauptschuld

Da habe ich etwas für Sie!
Sie werden begeistert sein:

http://sosheimat.wordpress.com/2011/02/18/wo-bleibt-mein-recht-als-osterreicher/#comments

Gast: unbeteiligter^^
19.02.2011 16:36
23

Das grüne Gesindel wird sicher .........

bald die Scharia in Wien einführen, wenn nicht bald ein eiserner Besen auskehrt.

Gast: frau
19.02.2011 15:56
26

Dank an Christian Ortner

Danke für diesen mutigen und guten Artikel.

Aber vielleicht sollten wir uns vor der bei uns schon lange Einzug gehaltenen Political-Correctness-Diktatur (die immer ärgere Auswüchse hat) nicht fürchten sondern endlich auch etwas dagegen unternehmen.

Antworten Gast: h
19.02.2011 21:06
11

Re: Dank an Christian Ortner

Dazu ist ein großer Teil der Wähler noch zu blöd.

15

Na dann ...

...sollte doch einmal ein Mann bei uns probieren, eine 6-jährige zu heiraten und dann mit 9 Jahren ein wenig "beizuwohnen" - ob die liebe Frau Rat das dann auch als "keinen Fall von Pädophilie" ansehen wollte?

Antworten Gast: na so was
20.02.2011 06:42
17

Re: Na dann ...

Da Österreich ja im Ausland geschlossene Mehrfachehen duldet, die in Ö ausgelebt werden, kann er schon eine Sechsjährige heiraten, sofern seine Erstfrau erwachsen ist.

Lt. Richterindefinition ist er dann kein Pädophiler.

Da lacht das Pädophilenherz, jeder kann sich auf dieses Urteil, sofern es in nächster Instanz nicht kassiert wird, berufen.

Ja, so setzt die Justiz wieder einmal Politik.

Gewaltenteilung? Kostet unseren "Eliten" nicht einmal einen Gedanken.

Antworten Antworten Gast: Gast
22.02.2011 00:13
0

Re: Re: Na dann ...

Sie hauen da naiv einfach alles zusammen oder?
1. Es gibt Ausländer und es gibt internationales Recht was regelt wann wo welches Recht zu r Anwednung kommt. Wenn zwei arabischstämmige Leute hier Heiraten wollen, kommt deren Recht nund nicht öst. Recht zur Anwendung lernen sie Jus oder lassen Sie lieber das posten.
2. Damals war das keine Pädophilie und darum geht es. Außerdem hat die Herabwürdigung gar nichts mit den anderen Strafttatbeständen im StGB zu tun.

 
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