Nichts kann gefährlicher sein als frei schwebende Gedanken

Plötzlich könnte manches, das früher wortwörtlich undenkbar war, wie selbstverständlich gutgeheißen werden.

Es wird unter den Kuriosa der letzten Tage des vergangenen Jahres vermerkt werden: Ein sehr törichter Mensch, nomina sunt odiosa, der an einer Universität als Professor angestellt ist und daher seiner Meinung mit einem Titel Gewicht verleihen kann, hat in einem seiner Ergüsse gefordert, es möge – obwohl dieser Professor als eifriger Unterstützer von Amnesty International ein engagierter Gegner der Todesstrafe sei – ebendiese Todesstrafe für die in der Öffentlichkeit wirksamen Leugner des Klimawandels verhängt werden, da – so die krude Begründung – die Auswirkung ihres Skeptizismus das sichere Verderben von Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen zur Folge hätte. Als dieser Vorschlag ruchbar wurde, zog der Professor mit dem Ausdruck des Bedauerns den Artikel zurück. Wir wollen daher diesen dummen Mann mit seiner verrückten Botschaft vergessen. Bemerkenswert ist nur der Vorgang als solcher. Denn er zeigt etwas auf, das wir gerne unter den Teppich kehren: wie gefährlich Gedanken sein können.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2013)

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