Von autoritären Fleischessern und vegetarischen Frauen

Man isst, was man ist. Ärgerlich, dass selbst das Essen in den Bereich der Political Correctness rutscht.

Eine neue Studie von Petra Veser und Kollegen der Unis Wuppertal und Mainz zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen individuellem Ernährungsstil und Einstellungen. Fast 1400 Fragebögen, zu je einem Drittel ausgefüllt von Fleischessern, von Vegetariern und von Veganern (nutzen keinerlei Produkte von Tieren) wiesen die Fleisch essenden Männer als die mit Abstand autoritätsorientierteste und vorurteilsgetriebenste Gruppe aus.

Ein nicht ganz überraschendes Ergebnis, ist doch lang bekannt, dass sich die Wähler unterschiedlicher Parteien nicht nur in ihren Einstellungen unterscheiden (no na), sondern auch in ihren Persönlichkeitsprofilen.

Konservative Wähler etwa sind skeptischer gegenüber Neuem als Anhänger von Reformparteien. Allerdings ist Vorsicht geboten, dies an Parteien festzumachen, die können sich von reformorientiert zu stockkonservativ wandeln, wie die verkrustete SPÖ zeigt. Deren konservative Wähler wandern ja in Scharen zur noch neophob-konservativeren FPÖ ab, die zudem als Trutzburg gegen die schleichende Feminisierung der Gesellschaft auftritt. Dort wird man als Fleisch essender Biertrinker wenigstens noch nicht scheel angeschaut.


Wenn Sie sich also als autoritärer Dominanzbolzen outen wollen, dann bestellen Sie ruhig weiterhin lauthals ihr Schnitzel im Wirtshaus oder laden Sie sich am kalten Buffet den Teller tüchtig mit Fleisch voll, vor aller Augen. Sollte man nicht doch lieber Grünes mampfen – der Gesundheit und dem korrekten Image zuliebe? Oder aber nur mehr dort Schnitzel bestellen, wo einen keiner kennt? Man kann natürlich zu seiner konservativen Einstellung stehen und selbstbewusst in jeglicher Gesellschaft das Fleisch von – hoffentlich glücklichen – Tieren verzehren. Setzt Mann dagegen auf Imagepflege, dann sollte er in unserer bereits tief verweiblichten Welt mit dem öffentlichen Fleischessen eher vorsichtig sein.

Faktum ist, dass Frauen generell empathischer, verbindlicher und weniger autoritär-dogmatisch ticken als Männer. Sie ernähren sich auch gesünder und fleischärmer. Sollte also Mann zum ersten Mal mit seiner angestrebten Flamme zu Abend essen, so ist der Bauernschmaus zu vergessen. Sogar selbst Fleisch essenden Damen imponiert man eher mit Qualität, denn mit fettiger Masse. Ärgerlich eigentlich, dass auch die Ernährung schon längst in den Bereich der Political Correctness gerutscht ist – Status- und Imagezeiger ist das Essen ja immer schon, eigentlich, seit es Menschen gibt.

Dass Österreich kaum zu reformieren ist, könnte auch an der Immer-noch-Dominanz der Fleisch essenden Männer liegen; nur ungern und wesentlich zäher als anderswo geben wir lieb gewordene Gewohnheiten auf, die „gsunde Watschn“ etwa, legen das Autoritäre in den Beziehungen ab, verändern Essgewohnheiten oder hören auf zu rauchen. Es wäre natürlich eine Verwechslung von Ursache und Wirkung, wollte man mit einem verordneten fleischlosen Tag pro Woche etwa die Einstellung zu Fremden verbessern. Und es wird auch nicht funktionieren, Kinder bloß durch vegetarische Ernährung zu weltoffenen, partnerschaftlich orientierten Menschen heranzuziehen.

In Umkehrung des alten Spruchs isst man also, was man ist, bis tief in die politische Grundeinstellung. Aber wussten wir nicht eh schon längst, dass es bei den Grünen viel mehr Vegetarier gibt als bei den Schwarzen?

Kurt Kotrschal ist Zoologe an der Uni Wien und Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2015)

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