Suchtprävention bei Migranten

Mehrere Einrichtungen widmen sich der Drogenproblematik von Migranten. Auch in der zweiten und dritten Generation sind Migranten eher von Depression, Armut und Sucht betroffen als die einheimische Bevölkerung.

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(c) AP (ERMINDO ARMINO)

Wien. Psychologen und Migrationsforscher sind sich einig: Migration ist eine Herausforderung und Belastung. Auch in der zweiten und dritten Generation sind Migranten eher von Depression, Armut und Sucht betroffen als die einheimische Bevölkerung. Anfang April startete nun ein Pionierprojekt des Instituts für Sozial- und Gesundheitspsychologie (ISG) und des privaten „Phoenix Realgymnasiums“, das sich speziell der Drogenproblematik widmet.

Das Programm trägt den Namen „unplugged“, wird vom ISG, dem Fonds Gesundes Österreich und von Spenden hiesiger Unternehmen kofinanziert. Nach Angaben des ISG haben mehrere Studien belegt, dass die „unterschiedlichen Krankheitshäufigkeiten im Suchtmittelkonsum“ zwischen hier geborener und zugewanderter Bevölkerung kein Zufall sind. Der „kulturelle Zugang“ ist auch für das ISG wichtig. Schließlich würden Faktoren wie Sprache, Religion und unterschiedliche soziale Strukturen in den Migrantencommunitys zu einem unterschiedlichen Zugang zu Gesundheitsangeboten – und auch zu einem anderen Suchtverhalten – führen. Ziel des Projekts ist es zunächst, das Lehrpersonal am „Phoenix Realgymnasium“ selbstständig und sachdienlich Präventionsmaßnahmen setzen zu lassen.

 

Seminare zur Suchtprävention

Doch das ISG ist nicht die einzige Institution, die in diesem Bereich tätig ist: So bietet etwa der Psychologe Erdal Kayhan Seminare zur Suchtprävention bei Migranten an. Speziell Eltern jugendlicher Migranten sind die Zielgruppe. Ein Problem seien etwa streng muslimische Familien und deren Reaktion auf Suchtprobleme – schließlich gibt es im Islam ein Suchtmittelverbot. „Auffällig ist, dass es in der Erstgeneration sehr wenige Suchtkranke gibt, während der Suchtmittelkonsum in der zweiten Generation überproportional zunimmt“, sagt Kayhan. Man müsse nur darauf achten, dass gesonderte Angebote für Migranten nicht zu einer Art „Ghettoisierung“ der Einrichtungen führen.

Erdal Kayhan ist auch am Projekt „Nein zu Drogen!“ beteiligt, das er zusammen mit der ehemaligen Wiener ÖVP-Gemeinderätin Sirvan Ekici vergangenen Oktober ins Leben gerufen hat. Das Projekt soll junge Migranten über Angebote informieren, aber auch auf die Schieflage im Bereich Suchtprävention und Behandlung aufmerksam machen. Denn es gebe kaum muttersprachliche Betreuung und Anlaufstellen. Das Bedürfnis nach Aufklärung sei jedenfalls groß, meint Ekici. Und auch nach Angeboten – vor allem nach solchen, die auch die Eltern suchtkranker Migranten einbeziehen.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.isg.co.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2011)

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