Wer Greenpeace hört, denkt an Wale und Eisbären. Zum WWF fallen einem sofort Pandabären und Regenwälder ein. Und zu Global 2000? Eva Glawischnig und Ulrike Sima.
Beide Politikerinnen waren – neben vielen ihrer Kollegen bei Grünen und SPÖ – einst Aktivisten der größten rein österreichischen Umweltorganisation, die heute, Freitag, ihren 30. Geburtstag feiert. 30 Jahre, in denen Global 2000 von einem idealistischen Projekt von sechs Freunden aus der Anti-Zwentendorf-Bewegung zu einer professionellen Lobbyingbewegung avanciert ist, komplett mit eigenem Forschungsinstitut und einem Jahresbudget von 3,8 Millionen Euro – und besten Kontakten zu Politik und Beamtenschaft.
Hinsichtlich der Atomkraft musste Global 2000 die Fackel nur noch weitertragen – schon 1978, vier Jahre vor Gründung des Vereins, hatten die Österreicher entschieden, das AKW Zwentendorf nicht einzuschalten, spätestens mit Tschernobyl 1986 war die Anti-Atom-Haltung einzementiert. Trotzdem gelang es Global 2000, das Thema über Jahrzehnte präsent zu halten, etwa mit dem Protest gegen grenznahe Kraftwerke wie Bohunice, Krsko oder Temelin oder mit dem Wunsch, auch dem Import von „Atomstrom“ nach Österreich ein Ende zu setzen – ein Ziel, das nach der Fukushima-Katastrophe im Vorjahr und zwei „Atomgipfeln“ der Bundesregierung deutlich näher rückte.
Verzicht für Ressourceneffizienz
Dass damit der Strom für heimische Kunden teurer werden dürfte, nimmt Global 2000 in Kauf – „das werden aber nicht mehr als ein paar Euro sein“, sagt Kastenhofer. Überhaupt hat der Mediziner wenig Vorbehalte, seine Zeitgenossen im Namen der Nachhaltigkeit auf den Verzicht einzustimmen: „Wer Glück dadurch definiert, ein großes SUV zu fahren“, werde mit der Zukunft, wie Global 2000 sie sich vorstelle, ein Problem haben. Seit einigen Jahren thematisiert die Organisation verstärkt die effiziente Nutzung von Ressourcen – und ohne gesetzlichen Zwang zu mehr Bescheidenheit werde es dabei nicht gehen, glauben die Aktivisten.
Ein Thema, das die Geldbörsen der Spender, die ihre Gaben seit heuer übrigens steuerlich absetzen können, nicht ganz so sehr aufgehen lässt wie die traditionellen Anliegen des Vereins: 2,44 Millionen Euro, ein Viertel mehr als noch vor zehn Jahren, hat Global 2000 im Vorjahr gespendet bekommen – wobei die wirklichen „Renner“ Sammlungen für konkrete Projekte, etwa für die Hilfe für Tschernobyl-Kinder, waren.
Der Rest der Einnahmen stammte aus Förderungen (rund 463.000 Euro) und Kooperationen mit Unternehmen (805.000 Euro) – etwa dem Handelskonzern Rewe, der seit zehn Jahren seine Obst- und Gemüselieferungen von Global 2000 auf Pestizidrückstände untersuchen lässt.
Rund zwei Drittel des Budgets fließen in die Kampagnen des Vereins, ein knappes Sechstel in Fundraising und Organisation: 50 bezahlte Mitarbeiter sind heute für Global 2000 tätig, dazu kommen bis zu 500 Ehrenamtliche, die für diverse Aktionen eingesetzt werden. Neben wissenschaftlichen Experten im vereinseigenen „Umweltforschungsinstitut“ fällt darunter etwa auch eine Anti-Atom-Lobbyistin der Organisation in Brüssel. In der EU-Hauptstadt ist Global – das sich im Gegensatz etwa zu Greenpeace vor allem auf nationale Angelegenheiten fokussiert – auch durch den NGO-Dachverband „Friends of Nature“ vertreten.
Gänzlich freundschaftlich dürfte es hinter den Kulissen des Vereins – in dem übrigens nicht alle Mitglieder, sondern fast nur aktive und Ex-Mitglieder wahlberechtigt sind – aber nicht immer zugehen. Ein Insider spricht von einem „Generationswechsel“ alter „Birkenstockträger“ gegen „junge Aktivisten“: „Die einen wollen alles aussitzen, die anderen wollen mehr Aktivitäten setzen.“ Nervig sei auch, dass „immer alles sieben Mal besprochen werden muss, bevor etwas passiert“. Was mit ein Grund dafür sein mag, dass viele Global-Funktionäre letztlich ihren Weg in die Politik gefunden haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2012)
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