Klimawandel: Krise bremst CO2-Ausstoß in Europa

Im Vorjahr emittierte die Welt dennoch um drei Prozent mehr CO2 als noch 2010. Ein Gutteil des Anstiegs geht auf das Konto von China und Indien.

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Doha/Wien/Ag./Red. Mehr als 190 Staaten verhandeln derzeit in Doha über die Zukunft des Klimaschutzes. Ziel ist ein neues Abkommen, das 2020 in Kraft treten soll. Die Fronten sind verhärtet: Die Entwicklungsstaaten wollen primär die Industrieländer in die Pflicht nehmen. Wie berichtet lehnen sie bindende Klimaschutzziele aus Sorge um ihre aufstrebenden Volkswirtschaften ab. Das tun auch die USA - nur die EU ist grundsätzlich bereit, ihre eigenen Vorgaben zu verschärfen, wenn andere Länder mitziehen.

Pro-Kopf-Emission in USA am höchsten

Während noch bis 7. Dezember verhandelt wird, hat am Sonntag ein internationales Forscherteam in den Fachmagazinen „Nature Climate Change" und „Earth System Science Data" seine Prognosen zur Entwicklung der weltweiten Emissionen berichtet. Die sind wenig erfreulich: Während bereits im Vorjahr die CO2-Emissionen um drei Prozent auf 34,7 Mrd. Tonnen gestiegen sind, dürfte es heuer trotz Wirtschaftskrise zu einem weiteren Anstieg um 2,6 Prozent kommen.

Die Krise machte sich indes schon im Vorjahr bemerkbar: In den schuldengeplagten Regionen Europa und USA ist der CO2-Ausstoß zurückgegangen. Ein Gutteil des Anstiegs geht auf das Konto von China und Indien. In China kletterten die Emissionen im Vergleich zum Jahr 2010 um zehn Prozent, in Indien um 7,5 Prozent. In den Ländern der EU sanken sie um 2,8 Prozent, in den USA um 1,8 Prozent. Als Ursache sieht Glen Peters vom Klimaforschungsinstitut Cicero in Norwegen „die andauernden wirtschaftlichen Probleme" in den Industriestaaten. „Der starke Emissionsanstieg in rasch wachsenden Volkswirtschaften wie China gleicht das aber mehr als aus."

Heuer dürfte die Wirtschaft in den meisten Regionen schwächer wachsen als im Vorjahr. In der Eurozone soll das Bruttoinlandsprodukt leicht sinken, doch auch in China und Indien soll das Wachstum mit 7,5 Prozent (China) bzw. 5,5 Prozent (Indien) so mager ausfallen wie schon lange nicht mehr.

Das Wirtschaftswachstum ist indes nur ein Faktor, der die CO2-Emissionen vorantreibt: Im Jahr 2010, als die Emissionen nach der Krise stark anzogen, machte die Internationale Energieagentur dafür als zweiten Grund die Verschlechterung der Energieeffizienz ausfindig. Ursache seien staatliche Subventionen für fossilen Brennstoff.
China und Indien haben wirtschaftlichen Aufholbedarf, doch bei den Emissionen sind die Unterschiede zu den Industriestaaten nicht mehr so hoch. Pro Kopf lag der CO2-Ausstoß in China bei 6,6 Tonnen, das ist fast so viel wie in der EU (7,3 Tonnen). Unangefochtener Spitzenreiter sind nach wie vor die USA mit einer Pro-Kopf-Emission von 17,2 Tonnen. In Indien lag der Ausstoß im Vorjahr bei 1,8 Tonnen pro Kopf. „Hohe Emissionen in einigen Entwicklungsländern ändern stetig die globale Verteilung der Emissionen", sagte Peters. „Das Gerechtigkeitsargument, das noch 1990 galt, trifft 2012 nicht mehr zu." Damals seien die Entwicklungsländer für 35 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich gewesen, inzwischen stehen sie für 58 Prozent. Kritiker wenden freilich ein, dass ein Gutteil des Emissionsanstiegs in Schwellenländern zugunsten von Europa und den USA erfolge, die ihre Produktion dorthin ausgelagert haben.

China ist „Klimasünder" Nummer eins

Absolut betrachtet ist China mit seinem 1,3 Milliarden Einwohnern der größte Umweltsünder. 28 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die USA sind für 16 Prozent, die EU für elf Prozent und Indien für sieben Prozent verantwortlich. Ginge es nach den Forschern, würden sie beide Seiten in die Pflicht nehmen, vor allem aber China und die USA.

Schafften es die beiden Top-Emittenten nicht, ihren CO2-Ausstoß deutlich zu senken, sei das Zwei-Grad-Ziel nicht erreichbar. Dabei handelt es sich um das Vorhaben, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Laut der Studie steuert die Welt aber eher auf eine Erwärmung um fünf Grad bis zum Jahr 2100 zu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 3. Dezember 2012)

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