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Rechen-Trick: Österreich soll atomstromfrei werden

16.04.2012 | 18:16 |   (Die Presse)

Eine lückenlose Kennzeichnungspflicht und ein selbst auferlegtes Importverbot sollen Österreich bis 2015 rechnerisch atomstromfrei machen. Energieversorger wollen sich selbst den Import von Atomstrom verbieten.

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Wien/Auer. Seit vergangenem Sommer streiten Regierung, Elektrizitätswirtschaft und Umweltschutzorganisationen darüber, ob und wie Atomstrom aus den heimischen Netzen verbannt werden kann. Erst der dritte Energiegipfel im Bundeskanzleramt am Montag brachte erste Ergebnisse: In Zukunft muss jede Kilowattstunde Strom, die in Österreich verkauft wird, über ein Herkunftszertifikat verfügen, damit nachvollzogen werden kann, aus welcher Energiequelle der Strom kommt.

Damit konnten sich die Umweltgruppen mit ihrer Forderung nach einer lückenlosen Stromkennzeichnung durchsetzen. Der Import von sogenanntem Graustrom unbekannter Herkunft, in dem gut ein Viertel Atomstrom steckt, soll künftig verboten sein. Ab Ende 2013 sollen alle Haushaltskunden, spätestens ab Ende 2015 auch alle Industriekunden nur noch Strom mit einem eindeutigen Herkunftszertifikat – und dem noch zu schaffenden „Atomstromfrei-Siegel“ – bekommen.

Kein „echtes“ Importverbot

Spätestens ab 2015 ist Österreich atomstromfrei, jubelten die Gipfel-Teilnehmer am Montag. Damit es tatsächlich so weit kommt, sind sie allerdings vor allem auf die Mithilfe der Energieversorger angewiesen. Diese wollen sich selbst den Import von deklariertem Atomstrom verbieten, sicherte der Branchenverband Österreichs Energie zu. Lediglich jene Unternehmen, die direkt von einem ausländischen Energielieferanten Strom beziehen, könnten noch teilweise mit Atomstrom versorgt werden. An den Strompreisen solle sich durch die neue Regelung nichts ändern.

„Für uns ist es ein großer Erfolg“, sagt Reinhard Uhrig von Global 2000. „Aber es war nur der erste Schritt.“ Denn die zweite Forderung der Umweltschützer, das komplette Verbot von Atomstromimporten, wurde nicht umgesetzt. Schon zu Jahresbeginn hatte der Rechtsdienst der EU-Kommission ein derartiges Ansinnen Österreichs als unionsrechtswidrig bezeichnet. Ein komplettes Importverbot sei nicht möglich, da es sich um ein legales Produkt handle, hieß es damals.

(c) DiePresse

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Physikalisch ändert sich nichts

Derzeit decken Österreichs Energieversorger rund 14,7 Prozent des gesamten Strombedarfs mit „Graustrom“ ab, den sie an internationalen Börsen zukaufen. Woher diese Kilowattstunden kommen, ist da meist nicht eindeutig nachzuvollziehen. Rein rechnerisch hat das Land damit einen Atomstromanteil von rund vier Prozent.

Physikalisch ändert sich durch die neue Regelung, die durch eine Novelle des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes fixiert werden soll, freilich nichts. Auch künftig wird Atomstrom von osteuropäischen AKW in heimische Steckdosen fließen. Auch nach der Kennzeichnungspflicht werden heimische Versorger an den Börsen Strom einkaufen, von dem nicht klar ist, wie er produziert wurde. Sie müssen sich lediglich an einer anderen Börse mit entsprechend vielen Herkunftszertifikaten – etwa von Wasser-, oder aber auch von Kohlekraftwerken – eindecken.

Hoffen auf Nachahmer

Den Umweltschutzorganisationen ist diese Problematik zwar bewusst. Sie setzen aber vor allem auf die Symbolkraft der gestrigen Entscheidung. Wenn sich erst große europäische Länder wie etwa Deutschland, das bereits den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hat, ähnliche Verpflichtungen auferlegen, könnte es für die Betreiber für Atomkraftwerke eng werden, so das Kalkül. Je mehr Staaten Österreichs Beispiel folgen, desto knapper würde das Angebot an grünen und thermischen Herkunftszertifikaten, die dann für die Einfuhr von Atomstrom nötig wären.

Auf einen Blick

Österreich wird rechnerisch atomstromfrei. Ab 2015 darf nur noch Strom mit Herkunftsnachweis verkauft werden. Die Energieversorger verpflichten sich, auf den Kauf von Atomstrom zu verzichten.

Derzeit deckt Österreich 14,7 Prozent seines Strombedarfs mit „Graustrom“, in dem rund ein Viertel Atomstrom enthalten ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2012)

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54 Kommentare
 
12
Gast: M. Jäger
19.04.2012 09:23
2 0

Kein Atomstrom in Österreich.....

Guten Tag,
in den 90-er Jahren gab es für geistig minderbemittelte Zeitgenossen "spezielle" Geräte um ATS 4.000.-, die in E-Verteilern im Haushalt eingebaut werden konnten, Atom-Strom erkannten und diesen wieder zurück schickten ?!? Für wie dumm halten uns eigentlich "unsere" Politiker oder sind sie selbst der Meinung, dass man Atom-Strom von Wasser- bzw. Windkraftwerken unterscheiden kann ? Einen derartigen Blödsinn zu schreiben und vielleicht noch selbst daran zu glauben ist schon ein starkes Stück !

Gast: plebs potus
19.04.2012 03:18
0 2

Ich glaub nicht dass der Wolfi Schüssel das zulassen wird

Wird ja schliesslich nun millionenschwer vergoldet, seitdem unser "wirtschaftskomptenter" "wertekanzler".... äh ..."Wendehalskanzler" als Lobbyist für die europäische Atomindustrie arbeitet.

Aber wie gesagt, im Nachhinein ist man immer klüger, nur für den Wähler in diesem Land scheint das nicht zu gelten.

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Wichtig!

Darum kümmert sich die politische Klasse! Da braucht man sich nicht wundern wenn das Verbrennen von fremden Geld in Griechenland als Rettung des Abendlandes verkauft wird.

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Ihr versteht das alle nicht!

Der gute Konsument meldet sich bei ökostrom an und verbraucht nur gute Energie.

Die böse Industrie muss dann den Strom aus Kohle und Atom verbrauchen.

Und was macht die Bahn? (Die eigenen Wasserkraftwerke genügen nicht mehr und neue verhindern die Grünen).

So viel Unwissenheit kann man gar nicht erfinden!

Das gigantische, zusammenhängende europäische Stromnetz kann man vergleichen mit einem gleich großen, wassergefüllten Röhrensystem.
Wenn man irgendwo in dieses System Wasser hineinpresst, ist das nur möglich, wenn gleichzeitig anderswo - es kann 1000e km entfernt sein - genau so viel Wasser das System verlassen kann. Dieses herausgekommene Wasser ist natürlich überhaupt nicht dasselbe wie das eingepresste Wasser. Ein Herkunftszertifikat für dieses Wasser zu verlangen, ist völlig verrückt!

Bei Strom ist es genau so: Herkunftszertifikate für Strom sind einfach nur sinnlose Jux-Urkunden!

Man muss auch bedenken, dass sich die Elektronen in den Kupferkabeln nur mit einer Geschwindigkeit von ein paar Metern in der Stunde bewegen können. Schon allein deshalb ist es völlig ausgeschlossen zu wissen, wo der Strom, den man gerade entnimmt, herkommt!

Ein Österreicher kann die Ankunft eines Elektrons, das jetzt gerade von einem Atomkraftwerk eingespeist wird, gar nicht mehr erleben. Er kann auch niemals erfahren, wann und wo das Elektron, das er gerade jetzt dem Netz entnimmt, eingespeist wurde!

Herkunftszertifikate für Strom zu verlangen, ist nichts als eine ungeheure Narretei!

Gast: Flexis
17.04.2012 11:20
3 0

Diktatur

Wieso darf ich nicht Atomstrom kaufen obwohl ich das will?

Ich dachte wir leben in einem freien Land?

Antworten Gast: Matador
17.04.2012 12:52
0 0

Re: Diktatur

Das dürfen sie, wenn Sie einen Anbieter finden.
Wenn kein Anbieter der Meinung ist, dass ausreichend Markt vorhanden ist, wird es das nicht geben.

Gast: Ing.Stefan Lagadyn
17.04.2012 10:39
3 0

Physik? Was ist das?

Da lachen ja die Hühner! Wie wenn es möglich wäre elektrischen Strom bzw. Arbeit (kWh) ein Mascherl umzuhängen.
Ich frag mich nur wo die Physiker/Techniker etc. sind die wissen wie es richtig ist und diesen Blödsinn anprangern.

Re: Physik? Was ist das?

Physiker und besonders Techniker sind Leute, die immer etwas anderes sagen, als das, was Grüne und sonstige Umweltschützer gerne hören. Deshalb gelten sie als "Fachidioten", die man nie und nirgends zu Wort kommen lassen darf!

Antworten Gast: Techniker 1a
17.04.2012 12:54
0 0

Re: Physik? Was ist das?

Es steht doch im Artikel: es geht ums Rechnerische.
Was ist so schwer zu begreifen?

Antworten Gast: kana da
17.04.2012 11:11
5 0

dieser diskurs ...

... muss von jedem techniker oder naturwissenschaftler in österreich wegen sinnlosigkeit aufgegeben werden. wer kann sich schon gegen rutengeher, muter, pendler und die tachyonische seru (single electron reversal unit), welche im nucleostop intgriert ist, mit schnöder, langweiliger elektrotechnik durchsetzen.

Gast: Hardliner 1
17.04.2012 10:17
1 0

Lug und Trug

Und auf dem importierten Strom steht drauf, wie er produziert wurde und wo er produziert wurde? Das erinnert mich an Bio-Lebensmittel, wo immer wieder Lug und Trug aufgedeckt wird. Zuletzt mit Dioxin-Eiern.

So eine Schnapsidee...

Und wer darfs zahlen...? Richtig: Der Endverbraucher, ob er will oder nicht!

Immer dieser vorauseilende Gehorsam der EU-hörigen Politiker in AT...
Die müssen ja schon ganz rote Knie von den Fußfällen haben - die Farbe des Halses erspare ich mir hier...

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Wären Sie bitte so freundlich, uns zu erklären,

warum Sie in diesem Fall von vorauseilendem EU-Gehorsam sprechen? Was hat die Geschichte mit der EU zu tun?
Ich sehe hier vielmehr nacheilende HC - Hörigkeit bei Ihnen.

Re: Wären Sie bitte so freundlich, uns zu erklären,

Aber gerne:
Die EU-Hörigkeit besteht darin, dass sich durch solch gesetzte Aktionen die Märkte untereinander immer abhängiger machen, und das die Stellung der EU umso mehr einzementiert.
Wenn einmal de (Wind) und at (Berge) soweit miteinander verwoben sind, dass der eine ohne den anderen nicht mehr kann, ist das Ziel erreicht. Der Preis für Strom ist dann keine nationale Sache mehr, sondern kann dann bequem auf "übernationale" Faktoren abgeschoben werden!
Und das ist genau das, was die Politik brauchen würde, sollte sich der unsägliche Elektro-KFZ Unsinn durchsetzen - dann schnalzen wir die Preise für Strom massiv hinauf, und reden uns auf den internationale Abhängikeit aus.

Dass die Atomanlagen so phöse sind, ist nichts anderes als eine gelegen gekommener Vorwand.

WARUM NICHT DEN KUNDEN ENTSCHEIDEN LASSEN, WAS ER KONSUMIERT!?

Aber ja, noble Gedanken sind nur solange vorhanden, solange die Auswirkung nicht ins eigene Geldbörsel durchgreift... Und da bilden die "treehugger" keine Ausnahme...

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Eine weitere Antwort ist bei Ihrer

Weitsicht sinnlos.

Schönen Tag noch!

Antworten Antworten Antworten Gast: toro
17.04.2012 12:56
0 0

Re: Re: Wären Sie bitte so freundlich, uns zu erklären,

Nochmals für Sie Fanatiker:
das hat NICHTS mit der EU zu tun.
Nationale Anbieter sind der Meinung, dass sie besser fahren, wenn Sie keinen Atomstrom im Mix haben.
Sie können sich gerne als Importeur von Atomstrom selbständig machen; ich bezweifle, dass es Markt gibt hierzulande.

3 0

Ich verstehe die dogmatische Diskussion der Grünen nicht.

Aber ich sehe kein Problem für die E-Wirtschaft oder die vernünftige Versorgung.
Der laufende Strombedarf wird mit allem gedeckt, wo nicht Atom drauf steht. Wenn es überschüssigen (daher billigsten) Wind-, PV- oder Atomstrom gibt, dann werden die Pumpen angeworfen (Kaprun, Kamp,....). Da wird der Strom dann gewaschen. Und dass auch die fundamentalsten Grünen Talibane zufrieden sind, wird der gewaschene Wind-, PV- und Atomstrom ins Ausland exportiert. Zum 4 - 10-fachen Preis!

Und darum ist Österreich mengenmäßig meist ein knapper Stromimporteur, WERTmäßig ein deutlicher Exporteur. Für jeden Cent Atomstrom, den wir Importieren, Exportieren wir 3-6 cent Spitzenstrom aus Pumpspeicherwerken. Zumindest aus denen, welche die Grünen nicht verhindert haben.

toll, muendiger konsument.

auszeichnung ist ja ok, aber warum den kosumenten vorschreiben? und dann diese 'freiwillige selbstverpflichtung'... jeder soll kaufen duerfen was er will, und der staat hat sich da nicht einzumischen. und ob man jetzt atomstrom hat und braucht oder nicht ist ein europaeisches problem, und so eine dumme aktion oesterreichs aendert da gar nichts!

Gast: gustixf
17.04.2012 08:52
4 0

seliges österreich

rechnerisch atomfreies österreich.... bla,bla,bla

Na das ist ja wunderbar!

Wir haben es geschafft! Wir Ösis hängen jeder KWh ein Zertifikat um! Wir sind wieder mal wer! Wir sind super!

Gast: ydons
17.04.2012 08:17
0 1

Vorbild

Liebe Österreicher, Ihr könnt stolz sein auf Euere Energiepolitik. Für uns Deutschen seid Ihr ein Vorbild.

Gast: Silvan
17.04.2012 07:40
0 10

gut gemacht

dass Österreich ab 2015 keinen Atomstrom mehr verbrauchen darf ist wirklich gut und ein Beispiel für aktiven Umweltschutz, die Energiewende ist überfällig und wird sich auch sehr bald im Motorisierten Individualverkehr (MIV) niederschlagen, ich bin zuversichtlich, dass Österreich wieder im Umweltschutz eine Spitzenposition erlangen wird und bietet nebenbei auch riesige Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten

Antworten Gast: Ggrufti
17.04.2012 23:49
2 0

Re: gut gemacht

Sie verzeihen mir eine sarkastische Bemerkung. Ich sehe Sie schon mit dem Leiterwagen eine Kiste Bier aus dem Supermarkt holen.

Gast: DI
17.04.2012 07:31
1 0

Glaubwürdig???

Wenn ich an den Kyotovertrag, die Halbherzigkeit bei Förderungen von Haussanierung und Photovoltaik denke, was soll da rauskommen? Wunschdenken?

Gast: biersauer
17.04.2012 06:55
10 0

Die beste Methode den AKW-Stromzu vermeiden, ..

ist es eigenen Strom aus der Umwelt zu erzeugen und nicht gegen solche Kraftwerke andauernd zu demonstrieren.
Wie eifrig und stupide gegen das Speicherkraftwerk im Kaunertal von den GrunInnen demonstriert wird, lässt deren Idee zur Vermeidung von Atomstrom sehr alt ausschauen.

 
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