WHO: Dieselabgase so giftig wie Asbest und Arsen

Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Abgase des Treibstoffs nicht mehr nur als "potenziell krebserregend" ein, sondern sieht Beweise für einen "eindeutigen Zusammenhang" mit der Krankheit.

Diesel gefaehrlicher bisher bekannt
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Diesel gefaehrlicher bisher bekannt
(c) AP (Michael Probst)

Das Einatmen von Dieselabgasen ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation gefährlicher als bisher angenommen. Die WHO stuft die Abgase des Treibstoffs nun nicht mehr nur als potenziell krebserregend ein, sondern sieht Belege für einen eindeutigen Zusammenhang mit der Krankheit. Damit gruppiert die Organisation Dieselabgase wie Asbest, Arsen und Senfgas ein.

Eine Expertengruppe habe Belege gefunden, dass sie eine Ursache von Lungenkrebs seien und es zudem eine Verbindung zu Blasenkrebs gebe, teilte die zuständige WHO-Abteilung am Dienstag mit. Die WHO gruppierte Diesel nach Beratungen unabhängiger Experten als gefährlicher ein. Zuvor wurden jüngste wissenschaftliche Forschungen ausgewertet.

Die Einschätzung von Benzin-Abgasen veränderte die WHO dagegen nicht. Diese werden weiter mit "wahrscheinlich krebserregend" bewertet.

Dieselbetriebene Fahrzeuge sind bei Privatleuten vor allem in Westeuropa beliebt. In Ländern außerhalb Europas und Indiens werden vor allem Lkw mit dem Treibstoff betankt.

"Gewisser Auftrag an die Politik"

"Ich gehe davon aus, dass der Handlungsbedarf steigt", lautet nun die Prognose von Otto Burghuber, Vorstand der Internen Lungenabteilung am Wiener Otto Wagner Spital. Burghuber unterstreicht aber, dass Tabakkonsum nach wie vor das größte Risiko für Lungenkrebs mit sich bringe.

Burghuber sieht in der Neueinstufung trotzdem einen "gewissen Auftrag an die Politik". "Asbest ist ein guter Vergleich", so der Experte. Auch wenn Asbest im Unterschied zu den Dieselabgasen zu einem Mesotheliom führt, einer Form von Lungenkrebs, die das Brustfell befällt, ist der Zeitablauf bis zum Ausbrechen der Erkrankung ähnlich. "Bei Asbest treten die Schäden nach etwa 20 bis 30 Jahren auf, auch bei Diesel ist von einem ähnlichen Zeitablauf auszugehen."

"Passivrauchen weitaus dramatischer"

Eine große Verbesserung bezüglich der Gesundheitsgefährdung durch die Abgase, habe sich jedenfalls bereits durch die Partikelfilter ergeben. Daher sei die Situation in Entwicklungsländern nun weitaus schlechter. "Ich bin überzeugt, dass die Autoindustrie die Technologie bei Dieselfahrzeugen verbessern wird", sieht Burghuber mögliche positive Auswirkungen in der Neueinstufung der Abgase. Und eines sollte man nicht vergessen: "Die Situation durch das Passivrauchen ist weitaus dramatischer für den Menschen."

Der Lungenfachmann gibt in diesem Zusammenhang auch zu bedenken, dass die WHO-Vorgaben bezüglich Tabakrauch nicht in allen EU-Ländern gleich konsequent umgesetzt wurden. Inwieweit die jetzige WHO-Studie politische Folgen zeitigen wird, darüber könne man derzeit nur mutmaßen.

ÖAMTC unterstreicht Wichtigkeit der Wartung

Bezüglich der Schädlichkeit der Dieselabgase wies ÖAMTC-Techniker Fritz Eppel auf die Wichtigkeit der Wartung hin. "Derzeit gibt es sehr viele Dieselschwerfahrzeuge. Dieselfilter sind teuer, die Wartung kostet viel Geld, daher wird sie oft so lange wie möglich hinausgezögert." Aber nicht nur bei Maschinen und Lkw, auch bei Autos sei die Instandhaltung wichtig. "Man sieht immer wieder Diesel-Pkw, vor allem ältere Modelle, die rauchend durch die Gegend fahren." Grundsätzlich seien die Abgasgrenzwerte sehr niedrig angesetzt, "auch um die Industrie anzutreiben".

Diesel gewinnt man wie Benzin aus Erdöl. Wenn man dieses raffiniert, kommen Produkte unterschiedlicher Natur heraus. Etwa nach Teer kommt irgendwann Diesel, dann - etwas leichter und flüssiger - Benzin, erklärte der Techniker. Aus einem Liter Erdöl erhält man stets die selbe Menge der Produkte - man kann also nicht nach Wunsch mehr Diesel und weniger Benzin (oder umgekehrt) aus einem Liter raffinieren.

(Ag.)

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