Zwei Tote nach Eisenbahnunglück in Niederösterreich

28.03.2013 | 11:20 |   (DiePresse.com)

In Obereggendorf bei Wiener Neustadt sind ein Güterzug und ein Bauzug kollidiert. In dem Bauzug kamen zwei Personen ums Leben.

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Bei einem Eisenbahnunglück in Niederösterreich sind am späten Mittwochabend zwei Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Feuerwehr und von "144 - Notruf NÖ" prallte kurz vor Mitternacht in Obereggendorf (Bezirk Wiener Neustadt) ein Güterzug des Privat-Unternehmens RCS auf einen Bauzug, der mit vier Personen besetzt war. Zwei davon kamen bei dem Zusammenstoß ums Leben. Sie erlagen an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Die anderen beiden Personen auf dem Bauzug wurden verletzt. Ein RCS-Mitarbeiter wurde ebenfalls verletzt. Die Verletzten wurden ins Landesklinikum Wiener Neustadt eingeliefert. Der Lokführer des Güterzuges blieb laut "144 - Notruf NÖ" unverletzt. Er musste jedoch psychologisch betreut werden.

Das Unglück auf der Pottendorfer Linie ereignete sich laut Feuerwehr im erweiterten Bahnhofsbereich von Obereggendorf. Die Lok des Güterzuges krachte demnach frontal in den stehenden Bauzug.

"Fehleinschätzung"

Das Eisenbahnunglück dürfte auf menschliches Versagen zurückzuführen sein. Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes NÖ, meinte unter Hinweis darauf, dass die Ursachenermittlung am Donnerstag noch im Gang war, dass es "zu einer Fehleinschätzung" hinsichtlich der Freigabe der Strecke gekommen sein müsse.

Der Alarm bei der Feuerwehr war um 23.56 Uhr eingegangen, teilte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, mit. Sechs Feuerwehren mit 85 Personen rückten an die Unglücksstelle aus. Außerdem waren Notarzt- und Rettungsteams im Einsatz.

ÖBB "tief betroffen"

Die ÖBB haben sich tief betroffen über das Unglück gezeigt und den Angehörigen der Verstorbenen ihr Beileid ausgedrückt. Die Unfallursache werde lückenlos aufgeklärt, sagte eine Sprecherin. Eine Unfallkommission werde eingesetzt. Wenn die Polizei ihre Arbeiten abgeschlossen habe, könne die Wagenbergung in Angriff genommen werden. Alle Unfallbeteiligten - auch der Fahrdienstleiter des Bahnhofs - würden durch ein Kriseninterventionsteam psychologisch.

Bauzüge dienen der Bahn für Dienstfahrten wie Materialtransport für den Bau oder die Wartung der Strecken. Bei dem in den Unfall verwickelten Bauzug handelte es sich laut ÖBB um ein Gleismessfahrzeug. 

Schienenersatzverkehr

Die Pottendorferlinie (S-Bahnlinie S80) ist zwischen Wiener Neustadt und Ebenfurth noch bis in die Nachmittagsstunden gesperrt. Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr eingerichtet.

(APA)

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9 Kommentare

Automatische Zugsicherung versagte

Falls es so was auf der Pottendorfbahn überhaupt gibt, wo neben Güterzügen Personenzüge von 4 bis 20 Uhr im Stundentakt fahren. Ich warte nur noch auf die Ausrede, bzw, Beschuldigung des Lokführers mit "Ursache dafür war das Überfahren eines Rotlichts durch einen der Lokomotivführer." Sind nicht Menschenleben mehr wert als Einsparungen mit einem nicht installierten ATC? Schon im 19. Jhdt gab es weit sicherere Zugsicherungen als bloß ein rotes Licht.

Air Traffic Control, ATC

Sie verwechseln da was.

Re: Air Traffic Control, ATC

Automatic Train Control seit den 1980ern, aber nicht in Ö und D. Aktuelle Version ATC 2.2. Fahrdienstleitung kann einen Streckenabschnitt nur freigeben, wenn dieser absolut frei ist. Ein Zug, dessen Fahrer ein Rotsignal ignoriert, wird notgebremst; ein Zug, der zu lange schneller als erlaubt fährt, wird verlangsamt und bei 3 Sekunden ausbleibender Fehlerbestätigung des Lokführers notgebremst etc. Vorgänger der Erobalise ERTMS. - Googeln!

Re: Automatische Zugsicherung versagte

kenne niemanden, der den ausdruck atc verwendet.
verstehe ihre aussage nicht: zuerst weisen sie auf die geringe zugdichte hin, und dann beschweren sie sich, dass ein zugbeeinflussungssystem 'eingespart' wird. was jetzt

Re: Re: Automatische Zugsicherung versagte

ich korrigiere mich: die geschwindigkeit ist für pzb maßgeblich. aber ein bisl einen zusammenhang gibts da ja...

Vermutlich menschliches Versagen !

Entweder hat der Fahrdienstleiter net aufgepasst und vergessen, dass auf einem Gleis ein Bauzug stand, oder aber der Lokführer hatte ein Signal übersehen. Bei solchen Unfällen ist immer auch irgendeine normalerweise funktionierende Sicherungsanlage außer Betrieb. Da mittlerweile nahezu der gesamte Zugsverkehr computergestützt arbeitet, können die wenigsten Fahrdienstleiter den Zugsverkehr noch verlässlich auch händisch regeln. Wenn einmal die technische Sicherung auslässt, ist es derzeit verdammt gefährlich, mit dem Zug zu fahren........sag ich jetzt mal so heraus als ehemaliger Fahrdienstleiter, der den händischen Betrieb noch aus dem FF kannte.

Re: Vermutlich menschliches Versagen !

Lieber Kollege, wenn Du Dich vor dem Zugfahren so fürchtest, dann bleib zu Hause und behalte vor allem Deine Weisheiten für Dich.

Re: Vermutlich menschliches Versagen !

Wie wahr geschrieben !!
Kaum fällt die Sicherungsanlage aus , sind die Beteiligten überfordert !!

Re: Vermutlich menschliches Versagen !

... während tausende andere fdl, sicherungstechniker, tfzf und andere, die verstehen wie die eisenbahn funktioniert, die ergebnisse der ermittlungen abwarten, und sich da nicht wichtig machen in der öffentlichkeit...

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