Seligsprechung: Späte Ehrung für Franz Jägerstätter

Mehr als 60 Jahre nach seiner Hinrichtung durch die Nazis wird das Gewissen der katholischen Kirche im NS-Regime selig gesprochen.

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ORF (Foto:ORF/Kommunikationsbüro Diözese Linz. )

Der von den Nazis hingerichtete Widerstandskämpfer Franz Jägerstätter ist am Nationalfeiertag in Linz seliggesprochen worden. An die 60 Familienmitglieder, 27 Bischöfe und Kardinäle aus dem In- und Ausland sowie Personen des öffentlichen Lebens feierten mit rund 5.000 Gläubigen im Mariendom. Jägerstätters 94-jährige Witwe Franziska nahm, in rot und damit in der Farbe des Martyriums gekleidet, sichtlich ergriffen an der Seligsprechung teil. "Ich freue mich ganz besonders, heute einen verheirateten Laien und Familienvater in das Verzeichnis der Seligen einschreiben zu dürfen", betonte Kardinal Jose Saraiva Martins, der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation.

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, der den Seligsprechungsprozess für die Diözese Linz betreut hat, und der Linzer Altbischof Maximilian Aichern baten den Kardinal am Beginn der Feier um die Seligsprechung. Der Gesandte von Benedikt XVI. verlas daraufhin das päpstliche Schreiben, mit dem Jägerstätter in das Buch der Seligen eingetragen wurde. "Er hat sein Leben hingegeben in hochherziger Selbstverleugnung, mit aufrichtigem Gewissen in Treue zum Evangelium und für die Würde der menschlichen Person", heißt es darin.

Franziska Jägerstätter begleitete im Anschluss den Reliquienschrein, in dem sich auch ein Autograph des berühmten Traums des Seligen befindet: Wie er berichtete, sei er im Schlaf vor den Schrecknissen der Nationalsozialisten gewarnt worden. Die Gläubigen sangen währenddessen das "Jägerstätter-Lied". Ein überdimensionales Bild des Seligen wurde im Altarraum enthüllt.

Symbol des Widerstands


"Alles steht für Franz Jägerstätter unter der Maxime der Liebe zu Gott", betonte der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz in seiner Predigt. Nicht Kerker, nicht Fesseln, auch nicht der Tod seien imstande, einen von dieser Liebe zu trennen, zitierte er aus dem Paulusbrief. Als Jägerstätter diesen Satz niederschrieb, seien ihm tatsächlich die Hände gefesselt gewesen und der gewaltsame Tod vor Augen gestanden, berichtete Schwarz. Der Selige habe aber darauf vertraut, dass "Gott ihn auch in seiner letzten Stunde nicht verlassen wird". Wacher Sinn, kritische Unterscheidung, klare Entscheidung und Standfestigkeit seien gefragt und hätten Jägerstätter geleitet, betonte der Bischof.

Am Abend wird im Alten Dom von Linz eine Jägerstätter-Oper aufgeführt. Im Ursulinenhof, wo der Widerstandskämpfer einst inhaftiert war, ist noch bis 4. November eine Dokumentationsschau über ihn zu sehen. In der Pfarrkirche von St. Radegund, dem Geburtsort Jägerstätters, findet am Sonntag eine Eucharistiefeier statt. Des Seligen gedacht wird künftig am 21. Mai, seinem Tauftag.

Der Bauer und Mesner Franz Jägerstätter, am 20. Mai 1907 im Innviertel geboren, gilt als eine der bekanntesten österreichischen Symbolfiguren des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Der Vater von vier Kindern weigerte sich, dem "Führer" den bedingungslosen Fahneneid zu schwören und bezahlte diesen Mut mit seinem Leben: Zwei Jahre vor Kriegsende wurde der "Wehrkraftersetzer" exekutiert. Juristisch rehabilitiert wurde Jägerstätter erst in den 90er Jahren, vor zwei Jahren folgte die Anerkennung durch den Vatikan.

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