So funktioniert die Zwei-Klassen-Medizin

12.12.2007 | 18:14 |  ANDREAS WETZ UND MICHAEL LOHMEYER (Die Presse)

Eine ehemalige Krankenhaus-Angestellte erhebt massive Korruptionsvorwürfe gegen Ärzte. Experten kritisieren das System, Ärzte die Kritiker.

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Wien. Was (Gesundheits-)Politiker bestreiten, ist offenbar längst Realität: Die Patienten in den heimischen Spitälern sind in zwei Klassen unterteilt. Jene, die im Rahmen der gesetzlichen Pflichtversicherung auf Gleichbehandlung bei der Vergabe von Operationsterminen vertrauen, und jene, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und auf Kosten Erstgenannter mit privaten Zusatzversicherungen oder Geld in Kuverts die Warteliste umgehen.

Und wenn die (Gesundheits-)Politik auch dieses Mal die Existenz der Zwei-Klassen-Medizin abstreitet: Die Indizien für Korruption im Gesundheitswesen verdichten sich. Im ORF-Radio Ö1 berichtete die ehemalige Angestellte eines Wiener Ordensspitals davon, dass sie jahrelang Sonderklasse-Patienten in der Warteliste für Operationen vorreihen musste.

Einen anderen Bericht konnte „Die Presse“ am Mittwoch dokumentieren. Die Mutter eines Teenagers, der im Rollstuhl sitzt, berichtet: „Ich habe einen schwerst behinderten Sohn. Nach einer Operation hat mir der Chirurg in der Ambulanz des Spitals angeboten, zur weiteren Behandlung des Buben in seine Privatordination zu kommen. Als sich herausstellte, dass dies nicht möglich war, bot er mir an, während seiner Dienstzeiten ins Spital zu kommen: Trotzdem wollte er mir eine Honorarnote stellen, dafür wären wir gleich dran gekommen. Ich habe darauf nicht reagiert, komme seither alle paar Monate zu Nachuntersuchungen in die Ambulanz und warte stundenlang, auch wenn das für meinen Sohn sehr belastend ist. Ich kann mir keine Konfrontation leisten, wir sind von dem Arzt abhängig. Er ist einer der wenigen Spezialisten auf seinem Gebiet.“

Gerald Bachinger, Sprecher der Patienten- und Pflegeanwälte Österreichs, kritisiert das „Ausnützen dieses Abhängigkeitsverhältnisses“. Ihm sei der Fall eines Patienten zu Ohren gekommen, der aus geschäftlichen Gründen für einen Operationstermin nur ein kleines Zeitfenster hatte. „,Kein Problem‘, hat ihm der Arzt in der Privatordination versprochen“, so Bachinger. „Und der Patient hat dem Arzt, nachdem alles geklappt hatte, 1000 Euro geschenkt.“ Beweise gibt es dafür nicht, klagen wolle der Patient ebenfalls nicht, „denn er ist ja zufrieden“. Für Bachinger ist eine derartige Vorgangsweise allerdings „völlig inakzeptabel“.


Forderung nach Kontrollbehörde

Der undurchdringliche Filz aus Privatleistungen, die von in öffentlichen Spitälern angestellten Ärzten erbracht werden, ist es, der laut Experten das System anfällig für Ungereimtheiten macht. Theoretisch berechtigt eine Sonderklasse-Versicherung (siehe Kasten) nämlich nicht dazu, gegenüber pflichtversicherten Patienten bevorzugt zu werden. Der Anspruch, der aus der Zusatzversicherung entsteht, betrifft lediglich eine bessere Unterbringung (Ein- oder Zwei- anstatt Mehrbettzimmer) und die Freiheit zur Wahl des behandelnden Arztes. Allerdings: „Wenn sich dadurch die Gelegenheit ergibt, anstatt 5000 vielleicht 50.000 Euro zu verdienen, werden sie wohl viele Ärzte wahrnehmen“, glaubt der System-Kenner und ehemalige Wiener Pflege-Ombudsmann Werner Vogt. „Das vermeintliche Recht, bevorzugt behandelt zu werden, entsteht durch die Ökonomie der Privatmedizin in öffentlichen Spitälern.“

Die Voraussetzungen dafür, dass bestimmte Patienten bevorzugt werden, schafft das System selbst. Tatsächlich existieren die viel zitieren Wartelisten für Operationen nämlich nicht. Zumindest nicht in Form eines zentral und allgemein zugänglichen Dokuments, das die Vor- oder Zurückreihung von Patienten (Notfälle sind davon ausgenommen) dokumentiert und damit nachvollziehbar machte. Die gängige Praxis der Terminvergabe geschieht also in einer Grauzone, in der niemand – außer dem Arzt selbst – weiß, warum der eine früher auf dem Operationstisch landet als der andere. Was also tun?

„Oberstes Ziel muss eine unabhängige Aufsichtsbehörde für den Gesundheitssektor sein“, sagt Andrea Fried, Leiterin der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen der Anti-Korruptions-Gesellschaft Transparency International (TI). Die Rechnungshöfe seien dafür nämlich nicht zuständig, die Patientenanwälte schlichtweg überfordert. Außerdem sei es notwendig, Wartelisten für Operationen transparent zu machen. Nur so müsse nämlich auch jede Vorreihung begründet werden.

Wege, etwa bei besonders gefragten Gelenks- oder Augenoperationen, nach vorne gereiht zu werden, gibt es viele. TI hat Fälle dokumentiert, in denen Patienten entweder in die Privatordination des Primars auswichen, ihre Beziehungen nutzten, oder gar das viel zitierte Geldkuvert in der Ordination „vergaßen“.

Die Wiener Gemeinderatsabgeordnete Sigrid Pilz (Grüne) will einen besonderen Fall aus dem SMZ-Ost kennen: Eine kranke und als „austherapiert“ geltende Frau hätte das Spital bis zum Freiwerden eines Pflegeplatzes verlassen sollen. Gegen Schmiergeld in Höhe von 900 Euro soll sich der zuständige Arzt gegenüber der Familie aber dazu bereit erklärt haben, dafür zu sorgen, dass die Dame bis dahin im Krankenhaus bleiben kann: auf Kosten aller Beitragszahler.


Zwei-Klassen-Medizin „offiziell“

Scharfe Kritik an den Anschuldigungen kommt aus der Ärztekammer. Vizepräsident Harald Mayer bezeichnete die anonymen Anschuldigungen als Teil einer „pauschalen Diffamierungskampagne“. Er forderte Betroffene dazu auf, sich an den Ehrensenat der Kammer zu wenden, der die Vorwürfe prüfen und im schlimmsten Fall die beschuldigten Ärzte mit Berufsverbot belegen werde. Kammerdirektor Karl-Heinz Kux betonte, dass sich Korruptionsvorwürfe in den vergangenen Jahren „kein einziges Mal“ erhärtet hätten.

Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky griff alle Kritiker frontal an. „Der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin ist völlig aus der Luft gegriffen und dient lediglich der Verunsicherung der Patienten.“

Kammerdirektor Kux sieht das im Ö1-Interview anders: „Die Zwei-Klassen-Medizin gibt es allein deshalb schon ganz offiziell, weil es in Österreich das System der Sonderklasse gibt und ein Viertel aller Spitalsbetten dafür zur Verfügung steht.“

LEXIKON

Sonderklasse-Patienten haben neben der Pflichtversicherung eine private Zusatzversicherung. In Österreich sind das etwa eine Million. Die Versicherung berechtigt nicht zur Bevorzugung bei Operationen (das ist per Gesetz ausgeschlossen), gewährt Annehmlichkeiten wie freie Arztwahl oder Unterbringung in Ein-/Zwei-Bett-Zimmern. Die Erlöse der Sonderklasse-Honorare gehen zu 60 Prozent an den Primararzt, den Rest teilen sich die übrigen Stationsmitarbeiter. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2007)

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28 Kommentare
 
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Zusatzversicherung

Ich zahle seit 40 Jahren monatlich € 200 für meine Zusatzkrankenversicherung, d.s. 15 % meines Einkommens.

Mein Vertrag sichert mir ein 3-Bettzimmer zu, in neuen Spitälers Standard.

Nur dafür, dass ich mir den Arzt aussuchen darf, sind die Kosten wohl etwas zu hoch.

Außerdem ist bekannt, dass die Patienten mit Zusatzversicherung das ganze System stützen.

Natürlich erwarte ich mir auch eine Besserbehandlung, sprich sofortige Operation, wenn notwendig.

Wenn ich all die Angeberautos auf der Straße sehen, könnten sich wohl ein beträchtlicher Anteil eine Zusatzversicherung leisten.

Außerdem gibt es die Zweiklassenmedizin auch bei den Medikamenten. Auch da werden Bewilligungen abgelehnt.

Mein Arzt bekommt € 6 - 7 für eine Ordination von der GKK. Für eine Privatordination bezahlte ich € 80 bis € 200. Dard da die Beratung auch nicht besser sein?

Auch beim Gynäkologen muss ich jetzt die Ultraschalluntersuchung selbst gezahlen, da die GKK nicht mehr zahlt.


Antworten Gast: Presseleser
17.12.2007 11:59
0

Re: Zusatzversicherung - so schauts aus

Eine meiner Bekannten (zusatzversichert) wurde von einem Primar für Innere Medizin 3 Monate in einem Wiener Spital behandelt - ohne Erfolg. Der Primar hatte keine Ahnung, was die Ursache der Erkrankung war. Er wollte das nicht zugeben, behielt aber die Patientin monatelang in seiner Abteilung, um Privathonorar zu kassieren. In ihrer Verzweiflung verließ die Patientin auf eigene Verantwortung das Spital und suchte einen Facharzt im AKH auf, der sofort die richtige Diagnose stellte.
Das Ende der Geschichte: Die enormen Kosten des dreimonatigen Krankenhausaufenthalts veranlassten die Versicherung, der Bekannten ihre Zusatzversicherung zu kündigen - nach über 25 Jahren Versicherungszeit !!!

Gast: Franz
13.12.2007 16:41
0

Soziale Verträglichkeit ist eine Selbstverständlichkeit

Selbstverständlich reicht man dem Wunschprimar ein Kuvert. Das war doch immer so. Der Arzt spricht mit dem Patient, damit das Kuvert sozial verträglich ausgestattet wird. Ein Sachberbeiter wird sich die Gunst des Arztes mit einem kleineren Betrag sichern als ein Direktor. Daher auch ein Vorgespräch auf persönlicher Ebene. Der Arzt berücksichtigt selbstverständlich die finanziellen Umstände. Daher wird ein Angestellter genauso behandelt wie ein Generaldirektor, auch wenn die Beträge in den Kuverts unterschiedlich hoch ausgefallen sind. Das muß auch mal im Interesse der oft geschmähten Ärzteschaft gesagt werden.

Gast: Gneisser
13.12.2007 12:57
0

Tage der Heuchler!

Wieder einmal geht ein Gespenst um: das Gespenst der Heuchelei! - das ist jenes, das gerne vom Neid begleitet wird! Ich habe weder eine Sonderklasseversicherung, noch bin ich Nutznießer dieses Brauches, aber 1. Diese angebliche Angestellte vernadert ein bekanntes System sicher nicht aus Betroffenheit, sondern wahrscheinlich aus Rache. 2. Wer zahlt schafft an! Blauäugig, wer anderes annimmt, außerdem leben die Spitäler ganz gut von den Sonderklassen! 3. Die 2-Klassenmedizin gibt es in Österreich auch ohne, daß dafür bezahlt wird. Wer glaubt, daß ein sozialistischer Politiker in einem Gemeindespital, oder im Hanuschspital ohne Sonderklasseversicherung in einem "normalen" Zimmer, oder gar am Gang wie andere Patienten liegt, ist ein Träumer - nur die zahlen nicht für diese Leistung! Auch übergewichtige Stadtpolitikerinnen mit einem wehen Fußerl werden nicht wie andere vom einem KTW, sondern von Chefarzt, Notarzt und NAW vom Flughafen abgeholt, wie man hört! Sozimaulhelden sind sie alle!

wer mehr zahlt bekommt mehr, auch in der Medizin, wen wundert das?

Am ehrlichsten ist das System in einem reinen Privatspital. Hier bekommt der Patient den Arzt seiner Wahl, gute Infrastruktur und natürlich einen schnelleren OP-Termin. Selbstverständlich kauft sich der Zusatzversicherte mit seinem Geld auch eine schnellere Behandlung. Ein anderer gibt sein Geld vielleicht lieber für ein schnelleres Auto oder einen schöneren Urlaub aus. Wirklich drigende Behandlungen (Tumor-Operationen, Behandlungen nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt etc.) bekommt zumindest in Wien jeder -unabhängig von der Versicherung- zu gleichen Bedingungen und rasch. Die Zweiklassen-Medizin beginnt aber schon am Land, wo der Zugang zu einem Herzkatheter-Labor oder einer stroke-unit nicht so leicht ist. Und natürlich spart die Politik bei der Bezahlung von Spitzenärzten (soll ein guter Chirurg weniger verdienen als ein guter Bankdirektor, Manager, Anwalt, Handwerker?) mit dem Hinweis, sie mögen sich den Hauptteil ihres Einkommens von den Zusatzversicherten holen. Verlogen!

Antworten Gast: HB
13.12.2007 14:01
0

Re: wer mehr zahlt bekommt mehr, auch in der Medizin, wen wundert das?

Darüber kann man schon reden - nur wenn ich Privat-Patient bin und für ein reines Privatspital zahle, dann steigt auch meine Versicherungsprämie überproportional an. Dann bin ich aber in keinster Weise bereit, die gesetzliche Krankenversichuerng zu zahlen.

Dann fallen für die sowieso schon maroden Krankenkassen weitere Defizite an - die Querfinanzierungen durch die Privatkassen noch gar nicht miteingerechnet.

Ob das im Interesse der Patienten ist ?

Rolle der Justiz überprüfen

Es stinkt im österreichischen Gesundheitssystem. Man hat immer öfter den Eindruck, dass die Justiz einfach wegschaut.

Warum?

Zweiklassenmedizin

Jo, mei, der Klima Vickerl wird im Jahr 1999, als ihm der Wahlkampf zu sehr zusetzte, schon gewußt haben, warum er sich in eine Privatklinik und nicht in ein sozialistisch herabgewirtschaftetes Wiener Spital gelegt hat. Und unser allseits geschätzter Herr BK wird sich auch gut überlegt haben, warum er von den Segnungnen des Zweiklassenschulwesens Gebrauch macht und nicht auf die Sozialistische Wiener Einheitsschule zurückgreift.

Gast: may
13.12.2007 10:49
0

System bereits jahrzehntelang geduldet

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass es nur möglich ist, einen raschen OP-Termin zu bekommen, wenn man zum betreffenden Chirurgen etc. vorher privat in die Ordination geht. Die Ärzte benützen die Spezialgeräte im Krankenhaus, um eine Diagnose zu stellen, verlangen aber vorher einen Privatbesuch in ihrer relativ einfachen Ordination.
Mich wundert nur, dass diese seit Jahrzehnte geübte Praxis jetzt plötzlich in der Presse hochgespielt wird, als hätte dies niemand gewusst.
Eine Änderung - und die kann nur heissen: Verbot von Privatpraxen, wenn man gleichzeitig im KH angestellt ist - wird sowieso niemand durchsetzen.

mfg may

Gast: hein
13.12.2007 08:56
0

Untragbar ist diese Kdolsky

WER DIE MENSCHEN DERART BELÜGT WIE SIE VERACHTET SIE AUCH:
DAHER WEG MIT DER !!!!!!!

Re: Untragbar ist diese Kdolsky

hast recht,was die aufführt is a schweinerei!!!!!!!!!!!!!!!!

Re: Untragbar ist diese Kdolsky

Andrea Kdolsky hat nie einen überragenden, aber einen noch tragbaren Eindruck gemacht. Nach ihrer Aussage über die Inexistenz der Zwei-Klassen-Medizin in Österreich hat sie gezeigt, dass sie weltfremd und rücktrittsreif ist und sich selbst - man erinnere sich an ihren Vorschlag für bessere Zahnbehandlung auf Kasse für alle - widerspricht.

Wann gibt es endlich Neuwahlen? Diese Regierung ist einfach verlogen UND unfähig.

Allein der Fall des Skistars Maier hat doch schon gezeigt, dass vor allem bei der Nachbehandlung eine extreme Zwei-Klassen-Medizin besteht.

Andererseits muss man sagen, dass Klassepatienten eben viel mehr zahlen und auf vieles - da ginge mit monatlichen Leasingraten immer ein schönes Auto aus - verzichten, um im Fall des Falles eben nicht nur auf Klasse liegen zu können, sondern eben um auch andere Vorzüge zu haben, wie bei Operationen vorgereiht zu werden.

Noch viel stärker ist aber die Zweiklassendentalmedizin in Österreich institutionalisiert.

"Operation? Ober geh, a bisserl werdens do no worten können!

Beim Sterben wolln's dann eh wieder da Letzte sein ...!"
.
.
"Jawohl Herr Direktor, ein neues Herzerl, eventuell ein neues Niernderl, jawohl haben wir gleich!
Wie das geht fragen Sie?
Nau, i hab da wem, der stirbt eh glei ...
Wieso fragen Sie?
Das System, total überlastet ..."

Gast: Blitzky
12.12.2007 20:16
0

Man lasse sich folgende Behauptung Kdolskys¿ auf der Zunge zergehen:

„Der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin ist völlig aus der Luft gegriffen und dient lediglich der Verunsicherung der Patienten.“

Antworten Gast: Otto
14.12.2007 10:08
0

Die Kdolsky hat ja auch im Fall Luca

gemeint, "Es sei alles behördlich ordnungsgemäß abgelaufen" und ist dann auf ein Weinderl gelaufen ...

0

Re: Man lasse sich folgende Behauptung Kdolskys¿ auf der Zunge zergehen:

darf denn das nicht sein, wenn jemand für etwas bezahlt (zusätzlich), dass er dann mehr bekommt?
traurig, wenn nicht mal mehr die politik dazu steht.
aber ich verstehe wo der zug hinläuft. manche (die viel arbeiten) zahlen viel ins system, manche wenig. bekommen sollen aber alle das gleiche, sonst ist es nicht gerecht. (der dumme ist der vorausschauende).
das was man bemängeln kann, ist, dass es überhaupt wartezeiten gibt, dass ist ein systemfehler!
glaubt man, dass krankheiten einmal verschwinden oder weniger werden, auf was will man warten?

Re: Re: Man lasse sich folgende Behauptung Kdolskys¿ auf der Zunge zergehen:

Schwachsinn. Natürlich ist es legitim, dass jemand der mehr zahlt auch mehr bekommt. Aber nur, wenn er die Leistung bezahlt die er in Anspruch nehmen will. Wenn man keine Strafzettel bekommt weil man einen Parkschein kauft ist das eine Sache - wenn man keine Strafzettel bekommt weil man den Polizeiball ausgerichtet hat eine andere.

Wenn ich im Spital besser behandelt werde, weil das Spital von meiner Versicherung Geld bekommt ist das völlig okay (besonders wenn andere die gleiche Leistung für den gleichen Preis bekommen würden). Wenn ich aber im Spital besser behandelt werde weil der Arzt unter der Hand einen Betrag in willkürlicher Höhe erhalten hat, dann ist das eben nicht okay. Denn hier zahle ich nicht die Leistung sondern die illegale (betrügerische) Verschaffung der Leistung.

Der Unterschied sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Prinzipiell

gebe ich Dir Recht, aber die Sache wird undurchsichtig, wenn die Ärzte für ihre Privatpatienten die öffentlich finanzierte Infrastruktur nutzen.

Wenn sie entsprechend dafür bezahlen ist es OK und trägt zur Finanzierung des Gesamtsystems bei, wenn nicht, wäre die Nutzung reiner Privatkliniken ehrlicher.

Re: Prinzipiell

Darum geht es ja. Die Ärzte nützen das System schamlos aus.
Der Einwand von HW, "der Fehler ist, daß es überhaupt Wartezeiten gibt" ist ja auch richtig.
Es wurde in der Vergangenheit ganz einfach zu viel Geld unnötig von den Krankenkassen hinausgeschmissen und das fehlt jetzt halt. Die Ärzte wollen jedoch finanziell nicht kürzer treten, ist irgendwie verständlich, aber trotzdem brutal.

Re: Prinzipiell

Darum geht es ja. Die Ärzte nützen das System schamlos aus.
Der Einwand von HW, "der Fehler ist, daß es überhaupt Wartezeiten gibt" ist ja auch richtig.
Es wurde in der Vergangenheit ganz einfach zu viel Geld unnötig von den Krankenkassen hinausgeschmissen und das fehlt jetzt halt. Die Ärzte wollen jedoch finanziell nicht kürzer treten, ist irgendwie verständlich, aber trotzdem brutal.

es ist, was es nicht sein soll,

nämlich der tatsächliche umgang mit nicht zusatzversicherten patienten. wenn die frau minister keine zwei klassenmedizin sieht, müßte sie sich neue brillen anschaffen oder mit offenen augen durch diese, unsere welt gehen. es ist doch bedauerlich wahrheiten wegzuleugnen. zusatzversicherte haben es einfach bei uns besser als der normalversicherte. bessere zimmer, der hr. primar kommt zur visite usw. nicht das man den zusatzversicherten vorwürfe macht, aber ist man, weil reich, ein besserer mensch? hat man "andere" schmerzen? bitte nicht falsch verstehen,aber zwischen agk und sonderklasse ist doch schon der name eine beleidigung und zwar aller die krank sind, aber nicht mit geld gesegnet sind. nicht sagen - da kann man nichts machen - natürlich könnte man, wenn man wollte.

You get what you pay for.

Woher kommt der Gedanke, alle wären "gleich" zu behandeln (interessanterweise NICHT bei den Beiträgen - obwohl "Reiche" sicher nicht öfter krank werden als "Arme"...)?

Letztendlich handelt es sich bei der so gescholtenen 2-Klassenmedizin um eine Form der Preisdiskriminierung, die im Allgemeinen allen Beteiligten Vorteile bringt.
Interessanterweise fordert niemand die ÖBB auf, die ach so böse Trennung in 1. und 2. Klasse einzustellen, weil dies gleichheitswidrig sei, und alle "Beförderungsfälle" denselben Transportbedarf hätten.

Re: You get what you pay for.

Wenn ich mir bei der ÖBB ein Ticket für die 1. Klasse kaufe hat niemand was dagegen, stimmt.
Wenn ich mir aber ein Ticket für die 2. Klasse kaufe und durch ein "Trinkgeld" an den Schaffner nicht nur in der 1. Klasse sitzen darf sondern sogar noch besser behandelt werde als in der 1. Klasse eigentlich vorgesehen - DANN haben wir die Paralelle zu dem Problem in der Medizin. Und dann wird sich auch wer aufregen - zumindest wenn man draufkommt.

@Ophicus

Na, bis jetzt waren aber alle damit zufrieden. Besagtes System des sparsamen Aufsuches der Privatpraxis des Herrn Primars existiert nämlich seit Jahrzehnten. Und kommt in jedem Fall billiger als die Zusatzversicherung. Lassen sie mich raten, die Versicherungen sind mit diesem System unzufrieden, denn sie wollen noch mehr verdienen.

Antworten Antworten Gast: freewoman
13.12.2007 09:06
0

Re: You get what you pay for.

Der Vergleich mit der ÖBB gefällt mir. Würde bei den ÖBB so gearbeitet wie in der Medizin, dann müsste man auf der Strecke Wien - Salzburg die Waggons der 1. und 2. Klasse trennen. Die 1. Klasse-Waggons fahren nach Salzburg weiter, die 2. Klasse-Waggons werden für 2 Stunden auf einem Abstellgleis geparkt und erst nach ausreichender Verspätung nach Salzburg gezogen.

Auch das passiert in der Wirklichkeit

Die Schnellbahn von Schwechat nach Wien wurde absichtlich um ein paar Minuten ausgebremst, um dem CAT zum fast 3-fachen Preis auch einen kleinen Zeitvorteil zu geben.

Wo ist das Problem - die Reisenden kommen an, und die Operationen finden statt - um Notfälle geht es in keinem von beiden Fällen.

 
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