Kinderporno: Täter mitten unter uns

13.03.2009 | 18:21 |  KLAUS STÖGER (Die Presse)

Die Polizei forscht Politiker, Ärzte, Anwälte, Lehrer, Angestellte, Arbeiter, Arbeitslose aus. Die meisten Verdächtigen stammen aus Wien, Niederösterreich und der Steiermark.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

WIEN. Österreichs Kinderpornojäger haben wieder zugeschlagen: Nach knapp zwölfmonatigen Ermittlungen haben die Experten des Bundeskriminalamtes (BK) und Cyber-Cops aus den Bundesländern 935 heimische Kinderpornobetrachter und -sammler ausgeforscht. Es handelt sich um den bisher größten Schlag gegen Kinderpornografie in Österreich.

Mehr zum Thema:

Die meisten Verdächtigen stammen aus Wien, Niederösterreich und der Steiermark, berichtete am Freitag BK-Ermittlungsleiter Harald Gremel. Die auf den Bildern und Videos gezeigten Kinder waren in der Regel zwischen neun und zwölf Jahre alt. Die meisten stammten aus den USA und Paraguay. Auf einem Bild ist ein jüngeres Mädchen – es wird auf fünf bis sechs Jahre geschätzt – zu sehen. Trotz internationaler Ermittlungen konnte es bisher allerdings nicht identifiziert werden.

Bei den österreichischen Verdächtigen handelt es sich um Internet-User „quer durch alle Gesellschaftsschichten“, wie Gremel betont. Unter den Kinderpornobetrachtern sind Arbeitslose, Arbeiter und Angestellte genauso wie höhere Beamte, Ärzte und drei Lehrer. Auch ein Rechtsanwalt und ein Politiker wurden bei dieser Aktion ausgeforscht. Laut Informationen der „Presse“ soll es sich bei dem Politiker um einen im lokalen Bereich tätigen Mandatar handeln.

Von den 935 Personen, die ins Netz der Pornojäger geraten sind, konnten die Beamten rund 190 den Besitz oder die Weitergabe von einschlägigem Material nachweisen. Die anderen haben sich die pornografischen Darstellungen von Kindern angesehen. Das ergab sich aus den Auswertungen der Festplatten.

Das Ansehen von kinderpornografischem Material ist nach dem (noch) geltenden Gesetz nicht strafbar. Künftig – ab 1. Juni 2009 – wird aber auch der willentliche Konsum strafbar, berichtet Erich Zwettler aus dem Bundeskriminalamt. Wer dann anhand eindeutiger Schlüsselwörter im Internet nach Kinderpornos sucht und auf sie zugreift, kann zur Rechenschaft gezogen werden. Der Strafrahmen für das Betrachten beträgt bis zu drei Jahre.

In Wien ist Peter Brozek, ein erfahrener Kinderpornojäger, für die Ermittlungen zuständig. Rund ein Drittel aller in der Aktion ausgeforschten Personen kommt aus Wien. Nach Dutzenden Vernehmungen und Hausdurchsuchungen teilt Brozek (aus seiner subjektiven Wahrnehmung) die Verdächtigen in drei Gruppen ein.
Pädophile: Sie suchen und konsumieren bewusst ausschließlich kinderpornografisches Material und geben es auch an andere weiter, ohne aber selbst Minderjährige zu missbrauchen.
Pornosüchtige: Sie suchen das Netz akribisch nach Pornos ab und speichern alles, was sie dazu finden können. Auch Videos und Fotos von Minderjährigen.
Zufallstreffer: Diese Personen wurden ausgeforscht, weil sie nach Pornoseiten gesucht haben und dabei auch auf Kinderpornos gestoßen sind.

 

Zugriffe aus 170 Staaten

Die jetzige Operation ging von Kroatien aus. Dort beobachtete die Polizei 76 Stunden lang eine einschlägige Seite. In diesen drei Tagen wurden zwölf Millionen Besuche von 144.200 verschiedenen IP-Adressen registriert. Die Betrachter kamen aus 170 verschiedenen Staaten.

Bei den Hausdurchsuchungen in Österreich wurden als „Nebenprodukte“ auch Drogen, verbotene Waffen und NS-Devotionalien gefunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

109 Kommentare
 
12 3
Gast: Cruxeder
15.03.2009 19:47
0

Täter mitten unter uns:

Ist damit vielleicht auch mein Zwillingsbruder @ Crusader gemeint???

Gast: Beobachter
15.03.2009 13:06
0

Wie schaetzt die Polizei das Alter?

Paedophilie ist ein Begriff, der erst relativ spaet in der 2. Haelfte des 20 Jhdts erfunden wurde. Eine weitere Waffe der FeministINNEN, um Maenner einzusperren. Die Kieberer sollten sich lieber darum kuemmern, wo die zigtausenden verschwundenen Kinder sind. Denn nach denen sucht keiner. Die Gefaengnisse fuellen sich so wie damals wieder mit Menschen, die das falsche gesagt onder angeschaut haben. Bye bye, Freiheit, Wellcome, Diktatur!

Gast: morath
14.03.2009 11:35
0

Blöde Fragen, Bildungsreise

Wo könnte ein durchschnittlicher Freizeitsurfer mit seiner Suche beginnen, wenn er z.B. die Kronen-Zeitung als Startseite verwendet, wozu viele, vor allem ältere User, neigen? Wenn man die Pornografielatte beim süffisanten Betrachten von "Busen- und Pomädchen" ansetzt, beginnt die Bildungsreise in der Kronen-Zeitung.

...

Es ist erstaunlich wieviel Aufwand betrieben wird um die Betrachter von solchen Bildern dingfest zu machen. Vergleichsweise wenig hört man vom Schutz der Kinder vor sexuellen Übergriffen innerhalb der Familie und aus der Verwandschaft. Es steht wohl ausser Frage dass hier die meisten Straftaten begangen werden.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren dass hier (wieder einmal) Kinderpornographie als Totschlagargument eingesetzt wird um unser aller Rechte einzuschränken. Wenn die Polizei in Zukunft auch unsere Suchanfragen filtern will ist es nur mehr ein kleiner Schritt bis auch andere Suchbegriffe gefiltert werden und wir in "das Raster" (welches auch immer) fallen!


So nicht!

Übrigens fand man neben erlaubter NS-Devotionalien ebebfalls erlaubte aber äusserst bedenkliches Werbematerial von Ge- und Grünossen; sogar der Falter und die Presse sollen neben einschlägiger Klaviernoten von Monzart, Bernstein mit Einschlüssen und Augengläsern nebst Tempotaschentüchern gefunden worden sein!

Ich bin der letze der Kinderpornobetrachter schützen will, aber das Ganze wird lächerlich und zu einem staatlichen Verbrechen, wenn bei Menschen die offensichtlich zufällig zugegriffen haben eine Hausdurchsuchung angeordnet wird. Es würde völlig reichen, wenn man das Surfverhalten dieser Menschen beobachtet, dann sieht man doch gleich, ob es ein zufälliger Zugriff war oder nicht.

Mit dem Trick, dass die korrupte österreichische Polizei selbst eine Seite (Verweis zum Anklicken, Vorschaubild, Miniaturbild auch Thumbnail genannt) im linken verbrecherischen Ausland tarnen, hinter der sich eine Kinderpornoseite verbirgt, könnte sie überall Hausdurchsuchungen durchführen!

Antworten Gast: ernst
14.03.2009 20:51
0

Re: zufällig zugegriffen?


wie geht das?

wer klar bei verstand ist, klick das an, was er auch will!

ich finde es richtig, dass das betrachten solcher bilder strafbar ist, denn nur so können sich diese schweine, die unschuldige kinder für ihre kranken perversionen online stellen, endgültig brausen gehen.

Antworten Gast: EGOISTEcs
14.03.2009 14:48
0

Re: So nicht!

Zitat:
Mit dem Trick, dass die korrupte österreichische Polizei selbst eine Seite (Verweis zum Anklicken, Vorschaubild, Miniaturbild auch Thumbnail genannt) im linken verbrecherischen Ausland tarnen, hinter der sich eine Kinderpornoseite verbirgt, könnte sie überall Hausdurchsuchungen durchführen!
Zitat Ende

also da geht's um's Interesse des "Klickenden", und wer sich interessiert, bildet einen Teil der Nachfrage. Kein Angebot ohne Nachfrage. Wenig Nachfrage = wenig Angebot = wenig Missbrauch, also absolu zu befürworten (wo ist dein Problem???)... und wenn diese kranken Hirne den Falter lesen, ist es genauso gut oder verwerflich, wie wenn's eine Wurstsemmel essen. Das eine hat mit dem anderen wohl nix zu tun, oder?????

Wo kann man die Liste einsehen?

Es überrascht mich, dass unter den 935 Betrachtern kein einziger Journlist ist. Sind das wirklich die besseren Menschen, die Gutmenschen? Politiker, Ärzte, Anwälte und Lehrer werden dezitiert angeführt. Das sind die Feindbilder unserer Massengesellschaft. Aber wo sind die Journalisten?

Antworten Gast: Crusader
14.03.2009 08:14
0

Re: Wo kann man die Liste einsehen?

Die Obrigkeit wünscht nicht medial genannt zu werden!
Wo kämen wir da hin wenn das Volk, der Pöbel, die Bonzen moralisch zu belehren hätte.....
Also nix mit Liste! Sie verstehen?

Re: Re: Wo kann man die Liste einsehen?

die journalisten sind die bonzen, ja genau. da sitzt wieder der typische österreicher vorm computer und lädt seinen schwachsinn von der welt, die er nie verstanden oder gar gesehen hat, ab.

Antworten Antworten Antworten Gast: Crusader
14.03.2009 16:08
0

Re: Re: Re: Wo kann man die Liste einsehen?

Uiiiijeee, hab ich einem Betroffenen ans Bein gepinkelt..
tut.....nicht leid.

Hahaha!!! Sehr gut!


Wenn die Kinderpornos ...

Ein Urheberrecht hätten, und deren Verbreitung in den Händen der Content Mafia wäre, dann wär schnell schluss mit lustig...

Re: Wenn die Kinderpornos ...

Bingo!
"Three Strikes Out" lässt grüßen... :)

Gast: Der Fisch beginnt am Kopf...
13.03.2009 22:45
0

Ich hoffe mal alle haben ihr Wlan geschützt,

(WEP ist übrigens kein Schutz :) sonst kommt vielleicht auch bei ihnen bald die Polizei vorbei, wenn Sie böse Nachbarn haben oder böse wardriver in ihrer Umgebung.

Oder Sie haben einen Windows-Wurm auf ihrem Computer, der beschließt, einfach mal ein paar solcher Seiten, heimlich und regelmäßig zu besuchen. Eine Hausdurchsuchung und die soziale Ächtung sind Ihnen gewiss.

Und wehe, Ihnen hat der Wurm noch heimlich etwas heruntergeladen.

Ob sie dann immer noch zu den 90% Zufallstreffern gehören werden?

Den EDV unbedarften Volkstribunen:

„O, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, that has such people in't!“

Fahndungsergebnisse

Hanfplantage, nicht gemeldete Waffen, Munition - plus Kinderporno.
Ich hoffe, daß sich die Funde auf mehrere Kriminelle verteilt hatten, sonst bleibt die Frage offen - was hat derjenige den ganzen Tag getrieben?

Antworten Gast: gast
14.03.2009 00:25
0

Re: Fahndungsergebnisse

Obdachloser Krisenverlierer? Wollte so lange wie möglich in den Knast ohne jemanden umbringen zu müssen.

0

soso

"..musste das Verfahren eingestellt werden, da sie das Material im Internet angesehen, jedoch nicht heruntergeladen hatten, erklärte der Ermittlungsleiter.."

und jetzt erklärt mir einer wie das geht, ansehen ohne herunterladen? jeder buchstabe der angeschaut wird liegt auf der festplatte.

weiters interessant, man hat die homepage gefunden, und anstatt sie vom netz zunehmen, schaut man schön zu, wie leute ein "verbrechen" begehen.

ich kann übrigens jemanden eine email senden, inhalt die IP unter falschen namen, das video wird gelanden liegt auf der festplatte, und schon ist jeder beliebige internetuser im netz der fander.

so kann man aus jeden menschen einen kriminellen machen, die DDR grüßt. und für die wahren verbrecher, die die aufnahmen machten interessiert man sich offensichtlich gar nicht.

Antworten Gast: rumpelstilzchen
14.03.2009 00:03
0

Re: soso

Die Konsumenten von Kinderpornos unterscheidet aber auch rein gar nichts von den "wahren Verbrechern"! Denn Letztere würden keine Filme machen, wenn sie nicht sicher sein könnten, dass sie gut an den Mann zu bringen wären!

Re: Re: soso

da haben sie aber nicht ganz recht.auch VOR internetzeiten wurden filme und videos gedreht.war nur schwerer sie an den mann zu bringen.dafür sicherer für den käufer.ob durch das internet jetzt mehr verbrechen an kindern begangen werden weis ich nicht.wer hat da zahlen?.
warum die polizei nicht an die ins netzsteller rankommt weis ich auch nicht.

0

Re: Re: Re: soso

was in diesem fall komisch ist, dass die polizei wissentlich die seite weiterlaufen läßt, und zu sieht!

weiters muss ja irgendjemand die domainname registriert haben. irgendwie gibt mir das rätsel auf.


0

Re: Re: soso

natürlich haben sie da recht.
ich wollte nur aufzeigen, dass es auch technische möglichkeiten gibt, dass man unschuldig zu daten auf der festplatte kommen kann. und die hier selbst ernannten henker dann komplett falsch liegen.

bei drogen ist es ja ähnlich, man fällt über die konsumenten her, die großen fische und wer damit in österreich wirklich verdient, interessiert niemanden.

dato, bei den managergehältern, die die nehmen werden "gehängt", die die verträge unterschreiben und die gehälter genehmigen.

und und und ...

verstanden um was es mir geht?

Re: soso

...Sie haben keine Ahnung von IT-Technik...

0

Re: Re: soso

horst ist wohl schlafen gegangen. ;-)

0

Re: Re: soso

wohl noch nie eine email mit link bekommen?
sogar "die presse" macht das.
und wenns im email draufklicken sinds am server, und da werden ganz viele daten von ihnen mit gesendet.
und falls ein video dahinter liegt, wirds schon geladen.
ob sie dann draufschauen oder nicht, könnte man max. per webcam prüfen.
theoretisch und praktisch gehts sogar ohne klicken.

bin gespannt auf "ihre" netzwerktheorie!

Antworten Antworten Gast: anon
13.03.2009 21:26
0

Re: Re: soso

Das stimmt zwar aber, ganz Unrecht hat er aber auch nicht.

Was gilt als "willentlicher Konsum"? Ist jemand, der zum Beispiel bei der Suche nach normaler Pornographie ein verbotenes Video sieht (dieses also willentlich konsumiert, ohne aber zuvor von dessen Inhalt Kenntnis gehabt zu haben), ein Verbrecher?

Oder jemand, der (wie oben beschrieben) ein Email erhält, dem ein verbotenes Video beifügt ist (und der Emailclient so eingeestellt ist, dass Anhänge automatisch nachgeladen werden) und der zum Beispiel unter einem Vorwand dazu gebracht wird, dieses Video zu konsumieren?

Oder jemand, der in einem Video, in dessen Besitz er zufällig gekommen ist (etwa bei der Suche nach normaler Pornographie), verbotene Inhalte vermutet und es deshalb willentlich konsumiert um, sollte sich sein Verdacht bestätigen, die Polizei einzuschalten.

Meiner Meinung nach gleicht die derzeitige Situation einer sinnlosen Hexenjagd; sinnlos deshalb, weil sie den Opfern (also den Kindern) nichts nützt.

 
12 3

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    11:00
    Wien
    15°
    Steiermark
    12°
    Oberösterreich
    12°
    Tirol
    Salzburg
    12°
    Burgenland
    15°
    Kärnten
    12°
    Vorarlberg
    12°
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden