Integrationsbarometer: Angst vor Angriff auf Stellung der Frau

Gewaltbereitschaft von Flüchtlingen gegenüber Frauen nimmt die große Mehrheit der Österreicher als Problem wahr. Auch das Zusammenleben mit Muslimen wird laut dem „Integrationsbarometer“ kritisch gesehen.

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Einer aktuellen Befragung zufolge nehmen Österreicher das Zusammenleben mit Zuwanderern vor allem dann als problematisch wahr, wenn es sich dabei um Muslime handelt. – Teresa Zötl / detailsinn.at

Wien. Das Zusammenleben mit Zuwanderern nehmen Österreicher vor allem dann als problematisch wahr, wenn es sich dabei um Muslime handelt. In Bezug auf Flüchtlinge ist es geringer Respekt und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen, die von einer überwiegenden Mehrheit als großes Problem angesehen wird. Zudem wünscht sich die Bevölkerung eine strenge Koppelung von Sozialleistungen an die Integrationsbereitschaft von Flüchtlingen.

Diese Erkenntnisse gehen aus einer telefonischen bzw. Online-Befragung von 1000 österreichischen Staatsbürgern ab 16 Jahren durch Meinungsforscher Peter Hajek hervor. In Auftrag gegeben wurde der „Integrationsbarometer“ vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).

Argwohn gegenüber Muslimen

Bei der Befragung zwischen 24. März und 11. April 2016 gaben 51 Prozent der Österreicher an, dass das Zusammenleben mit Zuwanderern im Allgemeinen „gut“ funktioniere. Handelt es sich dabei um Muslime, sind es lediglich 32 Prozent (im Oktober 2014 waren es noch 38 Prozent).

56 Prozent bewerten das Zusammenleben mit Muslimen sogar eindeutig negativ (51 Prozent im Oktober 2014). Der Rest macht keine Angaben. Besonders kritisch zeigen sich in diesem Punkt Männer unter 30 mit niedrigem Bildungsniveau. Hajek führt die gewachsenen Vorbehalte gegenüber Muslimen hauptsächlich auf negativ konnotierte Medienberichte über religiös motivierte Terrorakte aus dem Ausland zurück.

Im Zusammenhang mit Flüchtlingen nehmen 77 Prozent der Befragten den geringen Respekt und die Gewaltbereitschaft von muslimischen Flüchtlingen gegenüber Frauen als „sehr großes“ oder „eher großes Problem“ wahr. Lediglich vier Prozent sind der Meinung, dass dieser Aspekt „gar kein Problem“ darstelle. „Eine überwiegende Mehrheit der österreichischen Bevölkerung fürchtet also einen Angriff auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft“, sagt Hajek. „Dass diese Sorge so deutlich ausfällt, gehört neben der Skepsis gegenüber Muslimen zu den Überraschungen unserer Studie.“

Ähnlich problematisch betrachten die Befragten die Schwierigkeit, Arbeitsplätze für Flüchtlinge zu finden, die Belastungen für das österreichische Sozialsystem durch Flüchtlinge sowie die von ihnen ausgehende Gefahr von religiös begründeten Terroranschlägen. Den Vorwurf, dass manche Flüchtlinge lieber von Sozialleistungen leben, als zu arbeiten, erheben „nur“ 61 Prozent. Etwa gleich viele bescheinigen ihnen mangelnde Integrationsbereitschaft. Dennoch fordern 90 Prozent die Koppelung von Sozialleistungen an die Integrationsbereitschaft – etwa in Form von Deutsch- und Wertekursen.

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Begrenzte Mindestsicherung

63 Prozent wünschen sich eine Begrenzung der Mindestsicherung auf maximal 1500 Euro pro Monat für Familien mit mehreren Kindern – für Inländer ebenso wie für Zuwanderer. 57 Prozent können sich sogar eine geringere Mindestsicherung für Flüchtlinge vorstellen. 63 Prozent befürchten zudem, dass der heimische Arbeitsmarkt durch Flüchtlinge zu stark belastet wird.

„Der Integrationsbarometer verdeutlicht, dass ein Großteil der Bevölkerung den verpflichtenden Besuch von Deutsch- und Wertekursen befürwortet“, sagt ÖIF-Geschäftsführer Franz Wolf. „Hier stellt der Staat so viele Mittel wie noch nie zur Verfügung. Entscheidend wird sein, dass die Flüchtlinge diese Angebote auch wahrnehmen und sich für ihre Integration aktiv einsetzen.“ Mit den Kursen sei ein Angebot geschaffen worden, um Flüchtlingen von Anfang an die Regeln des Zusammenlebens in Österreich mit Werten wie der Gleichberechtigung von Mann und Frau näherzubringen. Wolf: „Und in unseren Kursen stellen wir auch unmissverständlich klar, dass diese Werte die Grundlage unseres Zusammenlebens sind.“


[MARNS]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 4. Mai 2016)

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