25.05.2012 23:42 | Meine Presse Merkliste 0

AKH: Verdacht auf Korruption im Krankenhaus

21.07.2010 | 18:21 |  Andreas Wetz (Die Presse)

Macht man als unterlegener Mitbieter keinen Ärger, bekommt man Folgeaufträge, lauten die Vorwürfe gegen das AKH in Wien. Die Korruptions-Staatsanwaltschaft untersucht den Fall.

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Wenn man als unterlegener Mitbieter keinen Ärger macht, können Eigentümer von Zulieferbetrieben des Allgemeinen Krankenhauses in Wien (AKH) damit rechnen, dass die eigene Firma irgendwann doch bei einem Auftrag zum Zug kommt. So in etwa lauten die Vorwürfe, mit denen sich derzeit das größte Krankenhaus Österreichs und das zuständige Gesundheitsressort der Stadtregierung herumschlagen müssen. Es geht um angebliche Mängel bei der Vergabe eines Auftrags im Wert von 15 Millionen Euro sowie ein (ebenfalls angeblich) unmoralisches Angebot des Spitals an einen unterlegenen Mitbieter. Die Folge: Gemeinsam mit den Ärzten sind derzeit die Fahnder der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft im Spital auf Visite.

Anlass des Ärgers ist ein inzwischen abgeschlossenes Vergabeverfahren über den Zukauf von Leihpersonal. Den Zuschlag erhielt der Akademische Gästedienst in Österreich (AGO), der für 15 Millionen Euro aus dem Steuertopf 1050 Mitarbeiter – der Großteil davon ist Reinigungspersonal – vermitteln soll. Ein Mitbieter, der Wiener Personalvermittler Janus, fühlte sich übervorteilt und legte Einspruch beim Vergabekontrollsenat der Stadt ein. Ein Schritt, der die Angelegenheit entgleisen ließ.

Janus nämlich, sagt AKH-Direktor Reinhard Krepler, konfrontierte das Spital später mit noch schwereren Vorwürfen. Die mit der Vergabe betrauten Sachbearbeiter der Wirtschaftsabteilung sollen Janus nämlich nahegelegt haben, den Einspruch beim Vergabekontrollsenat zurückzuziehen. Im Gegenzug könne das Unternehmen damit rechnen, bei Folgeaufträgen berücksichtigt zu werden. Ein schwerer Vorwurf, den Janus auf Anfrage der „Presse“ jedoch nicht präzisieren wollte.

 

Beschuldigte abberufen

Im AKH und dem betreibenden Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) sorgten die Anschuldigungen jedoch für einigen Wirbel, der die gesamte Führungsspitze beschäftigte. Was tun, wenn an den Vorwürfen etwas dran sein sollte?

Angesichts des politisch heiklen Termins – im Herbst finden in Wien Gemeinderatswahlen statt – hielt man nach außen hin zunächst den Deckel drauf. Intern war eine Untersuchungskommission mit der Aufarbeitung der Anschuldigungen betraut. Ende vergangener Woche wurden die beteiligten Mitarbeiter aus der Wirtschaftsabteilung befragt. Unmittelbar Verantwortlichen gibt es jedoch keinen: Die Position des Abteilungsleiters ist derzeit nicht besetzt und wird nur interimistisch wahrgenommen.

Der Verdacht war jedenfalls stark genug, dass die Beschuldigten mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres von ihren verantwortungsvollen Positionen abgezogen wurden. AKH-Chef Krepler betont jedoch, dass es bisher „keinen formellen Nachweis“ irgendeines Fehlverhaltens seiner Mitarbeiter gebe. Es steht also Aussage gegen Aussage.

Die Wahrheit sollen nun die Sonderermittler der Korruptionsstaatsanwaltschaft ans Licht bringen. Behördenchef Walter Geyer bestätigte auf Anfrage, dass das AKH selbst eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht hat. Der Verdacht lautet auf mögliche Unkorrektheiten bei einem Vergabeverfahren. Mehr wolle er aus „taktischen Überlegungen“ jedoch noch nicht sagen. Die Ermittlungen seien jedenfalls im Laufen.

 

Störaktion des Zweitbieters

Egal wie die Sache ausgeht: Für die zuständigen Staatsanwälte gibt es in jedem Fall einiges zu tun. Denn unabhängig von den Vorwürfen gegenüber dem Spital liefern sich auch die beiden Personaldienstleister AGO und Janus eine beinharte Auseinandersetzung. Denn durch die Beschwerde von Janus beim Vergabekontrollsenat fühlte sich der erfolgreiche Bestbieter zu Unrecht ins schlechte Licht gerückt.

Für Geschäftsführer Heinrich Lachmut ist die Sache ziemlich klar: Der unterlegene Konkurrent sei über das missglückte Geschäft derart verärgert, dass ihm alle Mittel recht seien, das AKH und AGO in Misskredit zu bringen. Für ihn ist klar, dass die beim Vergabekontrollsenat eingebrachte Beschwerde „schlichtweg falsch“ ist. Weshalb sein Unternehmen auch beschlossen habe, Janus wegen Kreditschädigung zu klagen.

Bei Janus will man sich dazu zum „gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht äußern.

Recherchen ergaben, dass Janus nicht nur in der Ausschreibung einem Konkurrenten unterlegen ist, sondern dadurch auch laufende Einkünfte verliert. Den mit Abstand größten Brocken des Pakets, die Krankenhausreinigung, hat man bisher nämlich selbst gemacht.

 

Wer ist politisch verantwortlich?

Für das Riesenspital am Gürtel sind politisch mehrere Stellen verantwortlich. Das ärztliche Personal gehört zur Med-Uni Wien und untersteht damit Rektor und Wissenschaftsministerium. Der Betrieb, in diesen Bereich fällt die nun untersuchte Auftragsvergabe, obliegt der Stadt Wien. Sie pumpt jährlich über 100 Mio. Euro Betriebskostenzuschuss ins AKH. Politisch dafür verantwortlich ist das Gesundheitsressort von Stadträtin Sonja Wehsely. Meinung, Seite 27

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22. Juli 2010)

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39 Kommentare
 
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Gast: gast 77
22.07.2010 11:31
3 0

das grenzt an Skurilität

der geschilderte Tatbestand, ungeachtet einer Klärung ob er tatsächlich so stattfand oder nur der ausgebootete Bieter ihn konstruierte, ist doch Praxis in fast allen öffentlichen Vergabeverfahren mit einer gewissen Bedeutung. Es ist doch Tatbestand, dass Ausschreibungen zu einem hervorragenden Business für Anwaltskanzleien geworden sind, egal welche Seite sie vertreten und dass oft "Deals" eigegangen werden, um eine langwierige juristische Auseinandersetzung zu vermeiden und auch eine Leistung zuschlagen zu können, die man braucht. Es gibt eine sehr große und bekannte Firma die betreibt das Einspruchsspiel schon systematisch um einzuschüchtern und sich Vorteile zu verschaffen (wenn man genügend politische Unterstützung hat und genügend Geld kein Problem). Korruption findet anders statt und ist leider durchgängig in allen Schichten im öffentlichen Bereich vorhanden. Es kann sich nur verbesseren wenn man echte Verantwortlichkeiten schafft und sie auch rigoros durchzieht und sich nicht durch ein kompliziertes juristisches Flechtwerk, letztendlich doch von der Verantwortung drückt.

Gast: AKH Skandal
22.07.2010 11:31
1 1

Woher stammt der plötzliche Rechtum des Hannes A.

Der zweimal rechtskräftig verurteilte Hannes A.
wurde doch vom leider nein Schilling Millionär plötzlich zum Euro Milliardär...

Aber wo die SPÖ zuhause ist kann doch nichts passieren

siehe Hunddorfr, AK Tummel samt Frau etc etc etc

Antworten Gast: zurty
23.07.2010 18:46
1 0

Re: Woher stammt der plötzliche Rechtum des Hannes A.

ABSOLUT RICHTOG

SEHR GUT BEOBACHTET

doch die Damen und Herren Genossen tun fröhlich weiter

TheOcean
22.07.2010 10:18
2 0

das traurige ist

dass es niemanden mehr aufregt, denn wundert. so weit sind wir schon.

Gast: gast
22.07.2010 09:46
4 0

AKH und korruption



geh, das hats ja noch nie gegeben!

0 0

Re: AKH und korruption

Nicht nur das AKH betreffend, im ganzen Land herrscht tiefste Korruption - von ganz oben, bist nach unten!
Das ist so traurig wie wahr.

Michael
22.07.2010 09:32
0 0

Zum Wohle der Menschheit?

Ach wo, sch... auf Wissenschaftlichkeit und all den Schmarrn ;-) wenn die Fabrik auch so auf Hochtouren läuft.

Das AKH Wien ist eh ein gutes Beispiel, hier brachte Fr. Dr. Markovich die "Kanguruh-Methode" nach Europa, welche humaner und günstiger war ... und letzteres war der Medizin ein Dorn im Auge, denn man will ja mit Maschinen verdienen.

Antworten Gast: cassiopeia
04.09.2010 21:30
0 0

Re: Zum Wohle der Menschheit?

...jaja...aber wehe es würde im Bedarfsfall keine "Maschine" vorhanden sein...

teifl eini
22.07.2010 09:30
3 0

nebenwirkung des outsourcing-wahnsinns

aus sicht eines korrupten managers:

"tu ma ein bisserl umstrukturieren! ich hole mir berater ins haus (und kassiere provision). die sagen mir das, was ich eh schon weiß: "head-count runter". also outsourcing, schön - noch ein vergabeverfahren und wieder ein kuvert. alle paar jahre wird evaluiert (berater) und neu ausgeschrieben (kuvert)."

ob die fremdfirmen die erwünschte leistung bringen und wirklich billiger sind, bleibt offen, zumal die beraterhonorare jede einsparung auffressen.

würde man die benötigten arbeitskräfte zu asvg-konditionen einstellen, würden auch arbeiten erledigt werden, die nicht im pflichtenheft stehen aber dennoch anfallen. von motivation, identifikation mit dem unternehmen und engagement eigener angestellter verglichen zu leihpersonal ganz zu schweigen.

ein privatunternehmer könnte es sich übrigens nicht leisten, nicht den bestbieter zu nehmen ...


Gast: Gast
22.07.2010 09:08
0 0

Ostblockmentalitäten

Diese Mentalitäten schwabben schon seit vielen Jahren über die Grenzen....

Antworten teifl eini
22.07.2010 09:31
0 0

Re: Ostblockmentalitäten

was heißt hier "schwappen über die grenzen"?

den alten spruch kennt doch jeder: der balkan fängt in wien an. wien ist balkan.

Gast: Gahast
22.07.2010 08:05
0 0

Ist Wahlkampf?


Gast: Sand
22.07.2010 07:56
0 0

das sind nicht news, das ist blueprint von news aus wien!


Saskatoon
22.07.2010 06:37
3 0

na geh

kann ja nicht sein, das sind doch dort alles ehrenwerte doktoren und politiker...
wien hat doch keine baumafia
wien ist mafia !!

enzo
22.07.2010 05:55
4 0

Da würde eine Untersuchung

Von Wiener Wohnen noch viel mehr an packelei an die Oberfläche bringen.
Alle Geschäfte im Dunstkreis der Stadt Wien haben mafiosen Charakter.
Das war schon immer so und wird auch so bleiben.
"" Wer gut schmiert ,der fährt auch gut ""

Antworten LUPO
22.07.2010 09:06
2 1

Re: Da würde eine Untersuchung

das ist doch nur die Schmierung damit der Parteibeamtenapparat (der Freunderl2020) rund läuft, sonst fliegt den Roten das Ding noch um die Ohren. Sozusagen - Korruption (Freunderlwirtschaft) ist der Rote Schmierstoff (Schleimiii2000) bei harten Fällen wird der Kriechiii365 benötigt.

jta
22.07.2010 00:13
0 0

Der akademische Gästedienst

... das klingt aber gar nicht nach sozialistischer Freunderlwirtschaft ....

0 0

Re: Der akademische Gästedienst

Und vermittelt hauptsächlich Akademisches Reinigungspersonal. All das was man dazu sagen könnte hat schon Mutti verboten. Sonst wird dir der Mund mit Kernseife ausgewaschen.

Antworten Antworten Gast: little_brother_is_watching_you_too!
23.07.2010 16:27
0 0

Re: Re: Der akademische Gästedienst

lieb;-)

Gast: gast
21.07.2010 23:33
0 0

recherchieren

quod erat demonstrandum...

alles schön zu lesen, aber wo ist die hintergrundrechereche?

http://www.ago.at/
wer steht dahinter?

akademische reinigungskräfte-vermittlung?

http://derstandard.at/1277338527313/Das-Prinzip-Verhaberung

diese österreichische medien-verhaberung ist echt schon demokratiebedenklich...


Antworten LUPO
22.07.2010 09:22
0 0

Re: recherchieren

Die Verhaberung - klinkt nach einer wunderbaren, glücklichen Beziehung und diese wunderbare, glückliche Beziehung will der gemeine, niederträchtige Wähler zerstören. Zum Glück gab es erst kürzlich 160Mill und ein paar Inserate zur Linderung.

Gast: speibender regenbogen
21.07.2010 23:32
0 0

15 mille für die reine vermittlung von 1050 personen?

also knapp 15000 pro vermittelter reinigungskraft? dies eh wie sand am mehr gibt? wieso holt man sich die nicht vom ams?

achso, ich vergaß: die am ams gemeldeten "reinigungskräfte" sind überwiegend der deutschen sprache kaum mächtig, müssen sich um die erziehung von mindestens vier kindern kümmern und fallen aus religiösen gründen fünfmal am tag aus...

wieso überkommt mich gerade das gefühl,daß der "akademische gästedienst" (mit akademikern beschäftigt sich der im übrigen kaum und die gäste sind wohl unsere geliebten pensionszahler) in roter hand ist?

Antworten Ophicus
22.07.2010 10:16
0 0

Re: 15 mille

Da steht nicht "Vermittlung" sondern "Zukauf".

Wenn man jetzt also davon ausgeht, dass da das Gehalt mit drinnen ist kommt man auf monatliche Kosten (14x im Jahr) von ca. 1020 Euro. Und wer weiß, was der Arbeitskräfteüberlasser hier noch für administrative Leistungen mit übernimmt.

Muss jetzt also nicht so ein schlechtes Geschäft sein im Vergleich zu AMS-Arbeitskräften. Schwer zu sagen, wenn man den Leistungsgegenstand nicht genau kennt - und die Konditionen die fix Angestellte bekommen.

vainster
21.07.2010 23:30
0 0

Die ganze Welt ist korrupt......

.......und alles u. jeder ist käuflich!

Antworten Gast: Erdal
22.07.2010 00:21
0 0

Re: Die ganze Welt ist korrupt......

durch was und wann haben Sie diese Erleuchtung gehabt?
Da das Hellsehen allem Anschein nach mit der Entfernung nicht schwächer wird, muß es nichtlokal sein. Man kann also logischerweise zu dem Schluß kommen, daß übersinnliche Phänomene wie Hellsehen und außerkörperliche Erfahrungen Beispiele für die nichtlokale Wirkungsweise des Bewußtseins sind!

Gast: gast
21.07.2010 23:22
0 1

skandalös ist die leiharbeit im akh an sich.

im akh werden viele dauerhaft benötigte stellen von leiharbeitern besetzt, die gegenüber ihren bei der gemeinde wien direkt angestellten kollegen in vielen punkten benachteiligt sind.

gemeindemitarbeiter sind durch zahllose privilegien einfach zu teuer. statt sinnvoller reformen wählt das rote wien die hintertür - man "leiht" sich langfristig personal, bloß ohne privilegien.

leiharbeit sollte bedarfsschwankungen ausgleichen. hier geht's um ganz was anderes.

 
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