Ein „Gasland“ mit Hindernissen

01.03.2012 | 18:28 |  GEORG RENNER (Die Presse)

Die OMV will im Weinviertel mit neuen Methoden ein Gasfeld erschließen, das den heimischen Bedarf 30 Jahre decken könnte. Könnte – denn Bürger und Politik bremsen.

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Herrnbaumgarten. Die Frontlinie im Kampf um die Zukunft der heimischen Energieversorgung verläuft quer durch das niederösterreichische Weinviertel. Genauer gesagt: bei den Gemeinden Herrnbaumgarten und Poysdorf nahe der tschechischen Grenze. Eine Region, geprägt von weiten Feldern und Hügeln, idyllischen Weingärten und Kellergassen. Von Industrie ist in diesen klassischen Auspendlerorten nichts zu bemerken. Noch nicht.

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Denn weit unter der Weinviertler Landschaft, in rund sechs Kilometer Tiefe, lagert der OMV zufolge genügend Gas, um Österreichs Bedarf rund 30 Jahre lang decken zu können. Gas, das mehr Unabhängigkeit gegenüber unberechenbaren Partnern wie Russland bieten würde, die heute rund fünf Sechstel des heimischen Gasbedarfes liefern, betont der Energiekonzern.

 

Angst vor Umweltschäden

Unglücklicherweise handelt es sich bei den Vorräten unter dem Weinviertel aber nicht um konventionelles Erdgas, sondern um sogenanntes „Schiefergas“ (siehe Artikel unten) – und das macht die Angelegenheit kompliziert. Denn bei der Förderung von Schiefergas sind in den USA massive Umweltschäden aufgetreten – die durch den Film „Gasland“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden. Und damit auch im Weinviertel.

In den nächsten Jahren würde der Konzern gerne mit zwei Probebohrungen beginnen – mit einem neuen, gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben entwickelten Verfahren, das für die Umwelt verträglicher sein soll. Widerstand gibt es in der Region trotzdem – und das nicht zu knapp.

„Aus unserer Sicht gibt es nicht einen Grund, für die Förderung zu sein“, sagt Sabine Randl, Mitglied der Bürgerinitiative „Schiefes Gas“ in Herrnbaumgarten. Sie zeichnet ein düsteres Bild von Landschaften, die alle paar Kilometer von großflächigen Förderanlagen verschandelt werden, vom hart erarbeiteten Tourismus in der Region, der zum Erliegen kommen würde und von der Gesundheit der Anwohner, die durch die Bohrungen gefährdet würde.

Und dann bringt sie es auf den Punkt: „Wir vertrauen der OMV einfach nicht.“ Schon wahr, der Konzern habe in den betroffenen Gemeinden auf vier Bürgerversammlungen Rede und Antwort gestanden – aber Informationen habe man nur stückchenweise bekommen: „Und die waren unvollständig, teilweise sogar falsch.“ Die Sorgen, dass im Weinviertel Zustände wie im „Gasland“ herrschen würden, wo sich Leitungswasser aufgrund seines hohen Gasgehalts entzünden lasse, seien jedenfalls aufrecht.

 

Starke Lobby gegen Gas

Allein kämpfen die beiden Bürgerinitiativen gegen die Schiefergasförderung jedenfalls nicht: Grüne und Umwelt-NGOs haben das Thema dankbar aufgegriffen, um fossile Brennstoffe zu verdammen und für eine „alternative Energiewende“ einzutreten. Auch der heimische Biomasseverband kampagnisiert gegen das Schiefergas und hat am Mittwoch eigens den Ex-Bürgermeister der texanischen Gas-Gemeinde Dish eingeflogen, der Horrorgeschichten von Kindern erzählte, die von den ausgetretenen Dämpfen nachts Nasenbluten bekommen hätten.

Auf taube Ohren fällt der Protest freilich nicht, denn: Niederösterreich wählt in einem Jahr – und da käme es nicht gut, Ängste in der Bevölkerung (einer „Profil“-Umfrage zufolge sind 48Prozent der Niederösterreicher gegen die Bohrungen) zu ignorieren: Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) hat sich vor Kurzem dafür eingesetzt, dass auch für die Probebohrungen eine UVP nötig ist, was unter anderem auch den Bürgerinitiativen Parteistellung verschaffen würde. Ein Wunsch, der ihm erfüllt werden dürfte: Ein entsprechendes Gesetz liegt bereits in der parlamentarischen Beratung.

Die OMV versucht unterdessen, die Wogen zu glätten: Das neue „Clean Fracking“-Verfahren sei noch nicht so weit entwickelt, dass man es schon anwenden könnte – geschweige denn abschätzen, ob eine großflächige Förderung wirtschaftlich sei. Bis man auch nur die Probebohrungen einreiche, könne noch gut und gern ein Jahr vergehen.

Auf einen Blick

Die OMV will in den nächsten Jahren zwei Probebohrungen im Weinviertel durchführen, um eine neue Abbautechnologie, das „Clean Fracking“, zu erproben. Funktioniert das, könnten Gasvorräte angezapft werden, die Österreichs Bedarf 30 Jahre lang stillen könnten. Bürgerinitiativen fürchten Schäden für die Umwelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)

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46 Kommentare
 
12
Gast: Analyst 829
02.03.2012 11:19
2

Zum Grundwasservereuchungsargument

Das Grundwasser im Weinviertel ist derart hoch mit Nitraten aus der intensiven Landwirtschaft belastet, dass man es sowieso nicht trinken sollte.

Natürlich unterschreiten Ortswassernetze die gesetzlichen Grenzwerte (knapp), aber empfehlenswert ist es nicht Wasser aus der Wasserleitung im Weinviertel zu trinken - das meint zumindest die WHO, die eigene Grenzwerte definiert hat.

Der hohe Lithium Gehalt des Wassers im Weinviertel senkt vielleicht die Selbstmordrate, aber es ist bedenklich, wenn permanent praktisch ein Medikament mit dem Trinkwasser aufgenommen wird.

Gefährlich ist der hohe Nitratwert, der ganz klar zu einer Häufung von Nierenkrebs im Weinviertel führt, wobei nicht das Nitrat, sondern natürlich das Nitrit, das im Körper aus Nitrat gebildet wird, diese Krebs- und anderen Nierenerkrankungen, die typisch für die Weinviertler Bevölkerung sind, hervorruft.

Für die OMV besteht die Gefahr, dass man ihr diese Häufung von Krebs, der auf minderwertiges Trinkwasser zurückzuführen ist, eines Tages in die Schuhe schiebt und eben behauptet Mais- insbesondere Genmaisstärke der OMV sei daran schuld.

In Wahrheit hat die intensive Landwirtschaft die Grundwasservorkommen im Weinviertel ruiniert, aber von den Bauern ist nichts zu holen und daher wird man eines Tages die OMV beschuldigen. Ist die OMV schlau, dann investiert sie ein paar Netsch in eine Wasserpipeline ins Waldviertel und versorgt damit die Gemeinden mit Wasser und damit ist die Gefahr von Klagen vom Tisch.

Antworten Gast: dr. hugo
03.03.2012 09:34
0

Re: Zum Grundwasservereuchungsargument

interessant interessant....

ihren job und arbeitgeber würd ich jetzt nur noch gerne wissen...

Gast: Hugo Wolf
02.03.2012 08:37
3

you tube video

Neulich auf You Tube ein Video zum Thema Ölförderung in Nigeria gesehen Wahnsinn - gehört sofort verboten... nicht das Video sondern die Ölförderungen.

Neulich ein You Tube Video üer die Herstellung von Smart Phones gesehen, Wahnsinn - gehört sofort verboten... nicht das Video sondern die Herstellung.

Re: you tube video

Windfloder erschlagen Adler,auch auf You Tube!

Windfloder gehören verboten oder doch,Frau Meran!

Wo liegen eigentlich die "Sperrlager" jener

fossilen Energievorräte, die Österreich im Kampf gegen das CO2 bereits "eingespart" hat?? Diese dürfen doch nicht mehr verbraucht werden, auch nicht von anderen Staaten?? Kann Greenpeace mit Hybridfahrzeugen vielleicht das Waldviertel "freisparen", so wie man die Au freikaufen konnte - das wäre die Lösung.

Re: Wo liegen eigentlich die "Sperrlager" jener

Wir bringen die Sperrlager heim, so wie Hugo Chavez sein Gold.

mal global gesehen...

Was ist umweltfreundlicher?

Die Förderung von Gazprom irgenwo in Westsibierien?

Oder die Förderung der OMV in Niederösterreich, wo am liebsten bereits ein Presseartikel darüber einer UVP unterzogen werden soll.

Fakt ist, selbst wenn Gazprom und die OMV die gleichen Umweltstandards einhalten würden (und da lach ich bereits beim schreiben) ist es global geshene ein Nullsummenspiel.

Nur weils mal vor der eigenen Haustür ist bitte nicht die doppelte Moral auspacken!

Antworten Gast: dr. hugo
02.03.2012 09:26
1

Re: mal global gesehen...

hier haben wir die möglichkeit wenigstens was zu sagen. Wenn sie Herrn Medwedew (gazprom) versuchen Vorschriften zu machen, oder ihn zu beeinflussen was seine Gasförder-Methoden betrifft, bitte bitte filmen und online stellen, dass würde ich nur zu gerne sehen.

Unsere Demokratie (???) mit der Herrschaft von P.utin in Russland zu vergleichen, grenzt schon an Totalverweigerung. Bitte nochmal nachdenken vorm posten.

Nochmal zusammengefasst, hier haben wir die möglichkeit das maul aufzureisen, für und in österreich. die leute in russland interessiert unsere meinung weniger als ein umgefallener Reissack in China. aber die omv wird sich dafür interessieren müssen wenn sie nicht den rest der ihnen zugesprochenen integrität in dem Land verlieren will. und ärger wird es geben wenn sie es ignorieren.

ich bin bei leibe kein fpö´ler (nur um den postern zuvorzukommen) aber ein bisschen nationalstolz und sorge ums eigene land kann man von jedem bürger erwarten. und nochmal, dagegensein nur weil man im internet schön anonym bleibt, und einfach nur maulen maulen maulen, bitte abzug ihrer postertätigkeit ins krone-forum, dort werden solche sachen mit offenen armen empfangen

Antworten Antworten Gast: Hinsichtlich & Rücksichtlich
03.03.2012 19:00
0

Re: Re: mal global gesehen...

Freitag, 02.03.2012 09:27

Wie der Schiefer-Boom in den USA die Welt verändern wird

Dem Institute for Energy Research zufolge verfügen die USA über Gasreserven (konventionell, unkonventionell in den 48 zentralen Staaten, Alaska und Offshore) von insgesamt 4244 Quadrillionen Kubikfuß: Genug Erdgas, um die Stromnachfrage in den USA 575 Jahre lang zu befriedigen – genug Erdgas, um die mit Erdgas beheizten Wohnungen in den USA 857 Jahre lang zu versorgen – Mehr Erdgas als Russland, Iran, Quatar, Saudi-Arabien und Turkmenistan zusammen. Plus: Die USA verfügen außerdem nachgewiesenermaßen über dreimal so viel Schieferöl wie Saudi-Arabien.

http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/wie-der-schiefer-boom-in-den-usa-die-welt-veraendern-wird/

mal global gesehen?


Es ist eh ganz sicher...

... oder wird verwenden ja eh Fracking-Light!
"Gasland"
http://www.youtube.com/watch?v=Uuu4N6NVidc

Re: Es ist eh ganz sicher...

wenns auf Youtube ist, muss es doch wahr sein.

auf Youtube ist auch ein chemieunglück (bohpal) zu sehen. 6000 Tote!

Schließens alle chemiewerke?

Re: Es ist eh ganz sicher...

pah, gasland

ich hab einen Film über Bergwerksunglücke in Chile gesehen - wir müssen alle Bergwerke schließen!

VERTRÄGLICHER...

...heißt, ausgehend von etwas, was die Umwelt schädigt, dass es noch immer die Umwelt schädigt.

Antworten Gast: dr. hugo
02.03.2012 07:19
2

Re: VERTRÄGLICHER...

da hat horst schon recht. zuerst heisst es für die umwelt unbedenkliches verfahren, jetzt ist es verträglicher und dann ist es wahrscheinlich das gleiche verfahren mit anderen schädlichen chemiekalien.

herr fishhof, ganz im ernst, wenn sie im weinviertel wohnen würden und dann gas aus ihrer leitung kommen würde, ihr trinkwasser verseucht ist und das ganze marchfeld kontaminiertes gemüse hervorbringt würden Sie ja wohl auch anders darüber nachdenken.

wenn sie aber weiter billig importiertes gemüse aus spanien mit pestiziden verseucht essen wollen, dann tun sie das bitte. aber is gibt eben leute die sich um die zukunft unseres landes sorgen machen, ein gedanke der ihnen eventuell fremd ist, weil sie wahrscheinlich jemand sind, der sich nur um des dagegenseins willen dagegen ist ... nachzudenken.

hochachtungsvoll,

dr. hugo

Re: Re: VERTRÄGLICHER...

gefährlich?

die fracflüssigkeit kann man, laut einem Ingenieur einer servicefirma, die das durchführt, trinken!

Re: Re: Re: VERTRÄGLICHER...

sehenwollen wie Herr Ingenieur es trinkt...

Re: Re: Re: Re: VERTRÄGLICHER...

hat er und ich würde es auch. Ist alles nur ein Mediengag und Hetze der Naturburschen...

Re: Re: Re: Re: VERTRÄGLICHER...

ich war nicht dabei, aber angeblich haben's das getan

Re: VERTRÄGLICHER...

Wieso Umweltschädigung?

Wenn Grüne im Waldviertel in der Natur ein Luxus- Bio-Öko-Haus bauen,wird auch die Umwelt verändert.

Windfloder töten auch immer wieder größere Vögel und verschandeln die Natur.

Gast: koal
01.03.2012 22:32
1

fracking

allein der extrem hohe wasserverbrauch, ( so viel ich weiß ca 20 000 000 l !!! / pro bohrloch )
macht jede weitere diskussion hinfällig.

Antworten Gast: Analyst 829
02.03.2012 12:33
0

Re: fracking

Der Wasserverbrauch wird sicher ein Problem, aber bei dem Milliardenprojekt ist eine Wasserpipeline ins Waldviertel kein echtes Problem.

Persönlich glaube ich auch nicht, dass man Tiefenwasser aus Bohrlöchern für die Frackflüssigkeit brauchen kann. Die Reinigung des Tiefenwassers wird nicht ohne Chemikalien zu brauchbarer Reinheit führen - aber das will ja die OMV eben mit der Probebohrung feststellen.

Geht es nicht mit Tiefenwasser, das gratis kommt, dann wird man eben eine Wasserpipeline ins Waldviertel bauen und ein neues Geschäftsfeld für die Zukunft der OMV eröffnen. Doch dagegen ist ja Pröll, da seine EVN-SPÖVP-Bonzenhochburg sich billigst vor Jahrzenten von via SPÖVP-Gemeinderäte, die die eigenen Bürger an Konzerne verkaufen, Wasserrechte von Ortschaften abtreten ließ und seither die Bevölkerung im Weinviertel via weit überzogener Wassergroßhandelspreise ausbeutet.

Kommt da die OMV mit besserem Wasser aus dem Waldviertel, erzürnt natürlich Pröll, denn der will nur seinen SPÖVP-Freunden Nichtstuerjobs bei EVN und Raiffeisen zuschieben wie seinem Neffen und Erwin Pröll ist dabei die Gesundheit der Bürger völlig egal.

Weiters besteht die Gefahr, dass die OMV durch hohe Ablösezahlungen an Bauern diese aus dem mafiosen Zugriff der Raiffeisenbank reißt und das passt Pröll gar nicht, denn die Bauern will er über die Raiffeisenbank ausnehmen lassen und dafür dürfen die Bauern wiederum via Bauland die anderen Bürger abzocken. Die OMV gefährdet die Ordung der SPÖVP-Mafia!

Antworten Gast: Hugo Wolf
02.03.2012 08:34
4

Re: fracking

nur damit sie eine Vorstellung von 20 Millionen Liter haben.

Das Wiener Stadthallenbad hat ungefähr Millionen Liter und der Badteich in Poysdorf rund 20 Millionen Liter.

also net die Welt....

Re: fracking

"pro bohrloch" was??? pro Tag/Woche oder für die ganzen 30 Jahre?

Re: fracking

pfff, das produziert, reinigt und verpumpen die doch an einem Tag -.-

Hochschulwissen vs Dorfdeppen

aber Hauptsach, im Fernsehen isses gelaufen -.-

 
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