Bereits 76 ehemalige Zivildiener in "Waffenberufen"

06.03.2012 | 07:16 |   (DiePresse.com)

Seit 2010 dürfen auch ehemalige Zivildiener beruflich "zur Waffe greifen". Die meisten kommen bei der Polizei unter.

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Ehemalige Zivildiener greifen zur Waffe. Immerhin 76 junge Männer haben mittlerweile die 2010 geschaffene gesetzliche Möglichkeit genutzt, auch als "Zivi" einen "Waffenberuf" ergreifen zu können. Das größte Interesse ruft dabei ein Dienst bei der Polizei hervor. Gleich 73 Ex-Zivildiener befinden sich derzeit bei der Exekutive in Ausbildung. Dazu kommen drei bei der Justizwache. Keine Zahlen konnte vorerst das Verteidigungsministerium nennen, bei der Zollwache stand der Job schon bisher ehemaligen Zivildienern frei, da Waffengebrauch nicht zwingend zu den Aufgaben gehört.

Bis ins Jahr 2010 war es wegen des 15-jährigen Waffenverbots für Zivildiener unmöglich, einen Posten etwa bei der Exekutive zu erlangen, da man in diese nur bis zum 28. Lebensjahr eintreten konnte. Die damalige Innenministerin Maria Fekter (VP) setzte schließlich auch gegen Widerstände in der eigenen Partei eine Regelung durch, die für Ex-Zivis den Weg nun seit dem Vorjahr doch frei machte.

So starteten mit Juni 2011 die ersten Interessenten die zweijährige Ausbildung zum Polizisten. Erstmals werden demnach am 1. Juni 2013 frühere Zivildiener offiziell im Sold der Exekutive stehen, hieß es im Innenministerium.

Militärische Ausbildung nachholen

Bis dahin sollten die Polizei-Anwärter auch eine militärische Grundausbildung nachgeholt haben. Freilich gibt es dazu noch keine Vereinbarung zwischen Innen- und Verteidigungsministerium. Das entsprechende Abkommen sei aber praktisch unterschriftsreif, teilten die beiden Ressorts unisono mit.

Konkret werden es dann vier Wochen sein, in denen den ehemaligen Zivildienern ein Schnellsiede-Grundwehrdienst verpasst wird. Diese Zeit wird auch zur Polizeiausbildung angerechnet.

Sollte sich ein früherer "Zivi" dazu entschließen, eine Laufbahn als Berufssoldat einzuschlagen, genügt diese Kurzausbildung freilich nicht. Diese Interessenten müssten die komplette Grundausbildung nachholen, hätten also nach dem vollen Zivildienst auch einen kompletten Präsenzdienst zu absolvieren. Ob es solche Fälle bereits gibt, konnte man im Verteidigungsministerium vorerst nicht sagen.

Justizwache ohne Bundesheer-Ausbildung

Einfacher hat man es in der Justizwache. Wer dort die einschlägige Ausbildung übersteht, wird aufgenommen, ohne dass er beim Bundesheer nachdienen müsste. Grund: Es wurde den jeweils zuständigen Ministerien selbst überlassen, ob sie mit dem Verteidigungsressort einen nachträgliche militärische Ausbildung ausmachen oder darauf verzichten. Bei der Justiz (wie auch in der Finanz) ist letzteres der Fall. Beworben für einen Posten in der Justizwache haben sich bisher 32 Personen, vier davon wurden in die Ausbildung aufgenommen, drei davon sind noch dabei, erklärte das Justizministerium auf Anfrage.

Bei der Zollwache, die im Finanzministerium ressortiert, sah man sich durch die neuen Möglichkeiten für Zivildiener zu keinen Umstellungen genötigt. Denn schon bis dahin sei fehlender Präsenzdienst kein Ausschlussgrund gewesen.

(APA)

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36 Kommentare
 
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Gast: waffenfürdenfrieden
07.03.2012 06:54
0 0

der herr verteidigungsminister

war ja auch zivildiener. was macht man nicht alles für geld...

Gast: oldvize1
06.03.2012 20:57
0 0

halbe sache

was ist eigentlich mit dem verteidigungs- bzw. auflösungsminister ? der müsste doch auch endlich eine mindestens 4-wöchige grundausbildung absolvieren, oder braucht man in österreich als minister sowieso keine ahnung haben?

Gast: Zivi als Kriegsminister
06.03.2012 17:50
2 3

Elende Heuchler


Antworten Gast: nermal
06.03.2012 19:10
1 0

Re: Elende Heuchler

elendeR Heuchler

Antworten Antworten Gast: Zivi als Kriegsminister
06.03.2012 22:17
0 2

Re: Re: Elende Heuchler

In der Überschrift ist die Rede von 76 Personen.

Gast: Blankensteiner Husar
06.03.2012 17:45
2 2

Wer brauchr schon eine Waffe für die Polizei? Da braucht man als erstes Messer und Gabel.

Denn Mahlzeiten einnehmen ist eine Arbeitsleistung für Beamte!
Also Messer & Gabel, das sind schon ein Achtel des Lebenseinkommens.

1 0

Und wie siehts mit Untauglichen aus?

Klar, jemand der Untauglich fürs Heer ist, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch für den Polizeidienst untauglich sein, aber nur weil jemand (körperlich wohlgemerkt) für den Militärdienst untauglich ist heißt das noch lange nicht dass man nicht eine Waffe ordnungsgemäß bedienen kann um sich (und andere) in einer Notsituation als letzten Ausweg zu beschützen/verteidigen!
Welche Hürden werden Untauglichen in den Weg gelegt um in Österreich an einen Waffenschein und somit legal an die Berechtigung eine Waffe zur Selbstverteidigung (oder Sammlerzwecken) zu besitzen, ranzukommen?
Weiß jemand hier was genaues diesbezüglich?

Keine.

Wobei man theoretisch zwischen wehrpflichtig und untauglich und zivildienstpflichtig (Antrag wurde abgegeben) und untauglich unterscheiden müsste.

Es ist keine Bedingung, beim Bundesheer gewesen zu sein - allerdings war (ist?) der einzige akzeptierte Grund, zum Zivildienst zugelassen zu werden die Ablehnung von Waffen an sich.

1 0

Re: Keine.

In meinem Fall wäre es wehrpflichtig und untauglich. Ich wäre ohne weiteres zum Präsenzdienst angetreten, bin jedoch körperlich (leider) nicht dafür geeignet.
Mit Waffe zu dienen hätte für mich kein Problem dargestellt.

Antworten Gast: ETF 2002
06.03.2012 13:35
1 0

Militär und Polizei (ausgenommen Sondereinheiten wie Cobra)

haben nichts miteinander gemeinsam. Die Polizei ist nunmal keine Kampfeinheit. Entsprechenderweise ist es völlig sinnlos, da auch nur irgendwas Militärisches vorauszusetzen.

0 0

Re: Militär und Polizei (ausgenommen Sondereinheiten wie Cobra)

Naja, die Polizeiarbeit ist dann doch auch eine körperliche (natürlich nicht ausschließlich) und wer körperlich nicht geeignet ist den Grundwehrdienst abzuleisten wird wohl meist auch nicht in der Lage sein einen Job zu verrichten der solche Anforderungen hat wie der Polizeidienst (das Aufnahmeverfahren ist ja durchaus körperlich anspruchsvoll).

Aber klar, es ist keinesfalls notwendig Militärdienst geleistet zu haben um Polizist zu werden, das habe ich auch nicht andeuten wollen.

Antworten Gast: powidl
06.03.2012 13:03
0 0

Re: Und wie siehts mit Untauglichen aus?

"Untauglich" sind vor allem die Söhne des Partei- und Beamtenadels, um sich das Bundesheer zu ersparen. Ausnahmen bestätigen hier nur die Regel.


1 0

Re: Re: Und wie siehts mit Untauglichen aus?

Mag schon sein dass überdurchschnittlich viele Söhne des von ihnen angesprochenen "Partei- und Beamtenadels" für untauglich erklärt werden auch wenn sie es gar nicht sind.
Ich kann ihnen aber versichern dass es uns "echte" Untaugliche (leider) sehr wohl gibt, und das gar nicht mal so selten.

Bei mir ist es im übrigen eine Gelenkerkrankung die es mir nicht erlaubt dem Militärdienst nachzugehen und mich auch von vielen anderen Berufen ausschließt (z.B. alles handwerkliche, aber auch Sachen wie Kellnern). Im Ernstfall eine Waffe zu bedienen bekomme ich dennoch sicherlich hin ohne mit gesundheitlichen Schäden rechnen zu müssen.

76 zu viel!

Die Polizei nimmt auch jeden....

Gast: fugazi
06.03.2012 11:10
0 3

...

wenn sich dieses rechts-konservative gedankengut weiter so verbreitet werden noch mehrere zivis früher oder später zur waffe greifen ;-)

Gast: Ex-Grundwehrdiener
06.03.2012 09:34
3 2

Militärische Ausbildung beim Bundesheer?

Wann haben die das denn geändert?

Als ich vor ca. 25 Jahren meinen Achtmonatsdienst bei einer Nachschubtransport-Kompanie südlich von Wien "geleistet" habe, haben wir vor allem gelernt, wie man Autos, Fußböden und Kloschüsseln putzt, "Vorgesetzten" mit rechts-rechtem Gedankengut oder Bierfahnen am effektivsten aus dem Weg geht und wie man von 242 an rückwärts zählt.

Ach ja - einmal hab ich mit einem Museumsstück namens StG 58 auf eine Zielscheibe geschossen. Das muss dann wohl diese militärische Waffenausbildung gewesen sein...

Re: Militärische Ausbildung beim Bundesheer?

Es wäre zu begrüßen, wenn möglichst wenige junge Österreicher diese Art von "Ausbildung" durchlaufen würden.
In Wahrheit werden junge Menschen dort nur korrumpiert und zu strammen Befehlsempfängern erzogen, die frustriert und emotionell abgestumpft bei der nächsten Gelegenheit auf anderen, die sich nicht wehren können, herumtreten.

Antworten Gast: estoc
06.03.2012 10:26
3 2

Re: Militärische Ausbildung beim Bundesheer?

als nachschubsgehilfe hatten sie vermutlich aufgrund ihrers niedrigen tauglichkeitsgrades zu recht keine militärische ausbildung.

ihre raunzerei hätte ich gerne gehört, wenn sie in der mtk jäger gewesen wären.

Antworten Antworten Gast: Schmlammhahn
06.03.2012 13:36
0 1

MTK Jäger

sind für den Polizeidienst sowieso völlig ungeeignet. Das ist genau die Ausbildung, die ein fähiger Polizist nicht machen sollte.

Vor allem

scheitert er wahrscheinlich schon an den erforderlichen Deutschkenntnissen...

;-)

Antworten Antworten Gast: Ex-Grundwehrdiener
06.03.2012 13:22
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Re: Re: Militärische Ausbildung beim Bundesheer?


Ob meine Tauglichkeitsstufe zu niedrig für eine richtige Ausbildung war, weiß ich nicht. Ich hatte Stufe 9 - keine Ahnung, wie viele Stufen es gibt.

Fürs LKW- und Autowaschen, meiner Hauptbeschäftigung in diesen acht Monaten, hat meine Kondition problemlos gereicht.

Vermutlich haben Sie beim Bundesheer andere Erfahrungen gemacht, aber von meiner Kompanie gab es KEINEN EINZIGEN Grundwehrdiener, der seine acht Monate beim Heer als sinnvoll verbrachte Zeit erlebt hat.

Antworten Antworten Antworten Gast: Ixxxa
06.03.2012 13:38
2 0

Ich hatte auch Stufe 9 (das ist die höchste Stufe)

und der Psychologe hat gemeint: "Gehens net zu die Jäger, Sie san zu intelligent und zu gut gebildet". Sie können sich also ausmalen, wer zu den Jägern kommt ....

Re: Re: Militärische Ausbildung beim Bundesheer?

Voll ins Schwarze! :)

Gast: Peter Karl Heinz
06.03.2012 09:08
2 0

Wozu brauchen Polizisten eine militärische Ausbildung?

Das hat doch mit dem Polizeialltag nichts zu tun, da wird wohl mal wieder völlig unnötig Staatsgeld verbrannt.

Antworten Gast: Gastlicher
06.03.2012 09:55
4 0

Re: Wozu brauchen Polizisten eine militärische Ausbildung?

Gebe dir vollkommen Recht. Die berechtigte Frage muss aber ergänzt werden:

Wozu brauchen NUR MÄNNLICHE Polizisten eine militärische Ausbildung?

Antworten Antworten Gast: Peter Karl Heinz
06.03.2012 13:39
1 0

Ich denke,

dass die Polizeiausbildung völlig absurd und rein aus politischen Scheuklappen heraus gestaltet wurde.

 
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